Audi Q7, Mercedes R 320, BMW X5

Massen-Bewegung

Foto: Hans-Dieter Seufert 32 Bilder

Schlank sein lohnt sich nicht, zumindest in der Trend-Klasse der großen, langstreckenfreundlichen Allradler: Der Run auf den neuen Audi Q7 beweist es. Im ersten Vergleich trifft der 3.0 TDI auf den Mercedes R 320 CDI und den Altmeister BMW X5 3.0d.

Manchmal umgibt selbst das strenge Punkteschema eines Vergleichstests die Ahnung von großer Philosophie. Das Aufeinandertreffen von Audi Q7 und BMW X5 ist so ein ergreifender Fall, eine Begegnung von Anfang und Ende bedeutender Autokarrieren.

Der große Audi ist schon ein Kulttyp, bevor er richtig im Licht der Schauräume steht: Sein Lebensweg beginnt mit dem Schub von 16 000 Vorbestellungen und großen Begehrlichkeiten. Das hat zu Beginn des Jahrzehnts auch der X5 erlebt, mit Schwarzmarktpreisen für die Diesel-Version und mitleidigen Blicken der Neuwagen-Verkäufer: In der Erinnerung war das erst gestern, weil er ja nicht richtig alt aussieht, und doch kämpft er wahrscheinlich zum letzten Mal um den Punktsieg – der Nachfolger kommt Ende des Jahres. Aber noch gibt es Gründe, die für den Ur-X5 sprechen, und sei es nur das Format einer allzu kleinlich geplanten Normgarage: Der BMW ist gut 40 Zentimeter kürzer als ein Audi Q7. Gerade jene zarten Damen, die sich im Hochparterre eines SUV so wohl fühlen, könnten das schätzen. Weil die Allrad-Branche keine Marktnische übersieht, funktioniert das Gedankenspiel auch in Gegenrichtung.

Die Langversion des R 320 beweist, dass man im Leben manchmal doch alles auf einmal haben kann – eine Serien-Melange aus M-, V- und S-Klasse etwa, mit der Sitzposition einer klassischen Limousine. Außerdem bietet der Mercedes jene dritte Sitzreihe ohne Aufpreis, für die Audi 700 Euro mehr verlangt. Billig ist das am Ende jedoch nicht, vor allem nicht günstiger als ein Q7 3.0 TDI: Denn der kostet mit Luftfederung bereits 51 410 Euro. Der R 320 CDI 4matic – ebenfalls mit optionalem Komfort-Fahrwerk – liegt noch einmal fast 4000 Euro darüber. Aber auch der X5 zählt mit einem Kaufpreis von 49 050 Euro nicht zu den Schnäppchen. Und beim Wiederverkauf ist er bald das alte Modell. Vor allem wird es in keinem der drei Fälle beim Grundpreis bleiben, obwohl die Serienausstattungen nicht karg ausfallen. Aber Lederpolster kosten auch in dieser Klasse noch extra. Bei Audi etwa steht der Tempomat (240 Euro) auf der Mehrpreisliste, bei BMW die Klimaautomatik (780 Euro) und das CD-Radio (150 Euro). Ein Rundum-glücklich-Paket bietet keiner der drei Kandidaten, dafür gleichen sie sich im soliden Eindruck der Verarbeitung: Das Finish wirkt so dauerhaft, wie es das Design ihrer Karosserien verspricht.

Ende der Gemeinsamkeiten, fürs Erste jedenfalls. Wer etwa einen Heavy-Duty-Zugwagen sucht, muss vor allem mit dem Audi sympathisieren, weil der bis zu dreieinhalb Tonnen an den Haken nehmen darf. Das ermöglicht auch der BMW, aber nur in einer optionalen Ausbaustufe, zu der aufpreispflichtige 19- oder 20-Zoll-Räder gehören – sonst müssen 2300 Kilogramm genug sein. Und der Mercedes darf nur 2,1 Tonnen durch die Gegend zerren.

Er bietet als Sechssitzer auch den kleinsten Standard-Kofferraum, wenngleich sich das Ladevolumen mit ein paar Handgriffen kräftig erweitern lässt: Die hinteren Einzelsessel können zwar nicht ausgebaut werden, machen sich aber ruckzuck flach und lassen die R-Klasse als Variabilitäts-Chef glänzen.

Da kommt speziell der X5 nicht mit, weil er es mit einer asymmetrisch umlegbaren Rückbanklehne bewenden lässt. Beim Q7 lassen sich immerhin die Sitzlehnen verstellen. Und auf Wunsch gibt es zudem eine verschiebbare Rückbank. Das ändert nichts daran, dass sich Fond-Passagiere auf den Einzelsitzen in der zweiten Reihe des R 320 am besten aufgehoben fühlen. Hier bleibt sehr viel Platz für lange Beine, ganz hinten wird es für Erwachsene dagegen etwas mühsamer, und die Sitzflächen sind allesamt etwas zu niedrig.

Aber das unbequeme Anwinkeln der Beine stört im BMW ebenfalls. Und zudem fällt der Fußraum knapp aus. Vorne ist Verzicht bei allen drei Kontrahenten nur ein Wort. Der Q7-Fahrer genießt den bequemsten Arbeitsplatz, ohne dass sich Mercedes- und BMW-Benutzer strafversetzt fühlen müssen – eine körpergerechte Form, komfortable Polsterung und vielfältige Verstellmöglichkeiten gehören zum Repertoire aller drei Testkandidaten. Und die Bedienung gelingt in allen Fällen ohne Informatik-Studium: Speziell der Audi bleibt mit der narrensicheren Benutzeroberfläche seines MMI-Systems in bester Erinnerung. Die wirklich großen Unterschiede offenbaren sich nicht knöpfchendrehend, sondern beim Versuch des entspannten Kilometerfressens – das ist es ja vor allem, was ihre Käufer fordern, viel mehr als die Fähigkeit zum Durchwühlen im dicken Gelände, die den drei Kontrahenten so auch fehlt.

Und auf der Langstrecke zeigt sich am deutlichsten, dass die großen Tage des BMW X5 vorbei sind. Noch immer sind es seine Handlichkeit und seine zackig ansprechende Lenkung, mit der er für sich einnimmt.

Aber seine derben Fahrwerks-Manieren auf schlechter Strecke sind selbst dann von gestern, wenn ihm seine Benutzer das Fehlen der Luftfederung anrechnen. Auch nicht so überzeugend: die kurzfristige Ruckigkeit der Automatik nach dem Kaltstart, das schrille Laderpfeifen bei schneller Fahrt und nur durchschnittliche Bremswerte.

Zu den neuen Handling-Meistern zählt der Audi: Eindrucksvoll demonstriert er, wie ein 2,4-Tonnen-Klotz mit der Leichtigkeit eines Mittelklasse-Kombis um enge Kurven kacheln kann. Er ist von Natur aus kein Weichling, unterlässt es jedoch, seine Insassen mit übertriebener Straffheit zu belästigen. Wüste Fahrbahn-Oberflächen plättet er mit stoischer Coolness. Zu seinem ausgewogenen Naturell passt auch, dass der Q7 im direkten Vergleich die entschiedenste Durchzugskraft entwickelt, ohne wesentlich mehr zu verbrauchen als seine Mitbewerber.

Die Normrunde absolviert er sogar am sparsamsten. Und: Er bremst am besten. So konsenseifrig will die R-Klasse offensichtlich nicht sein, obwohl ihre Sicherheitsausstattung kaum Wünsche offen lässt. Der Nischentyp setzt ganz auf Sanftheit: Er schmeichelt mit schwer zu überbietendem Federungskomfort – was allerdings nicht für das unnötig straffe Sportprogramm seines Fahrwerks gilt – und überzeugt Akustik-Gourmets mit beinahe abwesend wirkendem Diesel-Murmeln, ohne es an Beschleunigungs-Mumm fehlen zu lassen. Seine Siebengang- Automatik agiert mit bekannter Zartheit, und offenbar kann er gut damit leben, dass seine vergleichsweise indirekte Lenkung am ehesten die Cruiser-Gemeinde beglückt. Auch das Pedalgefühl beim Bremsen wirkt vergleichsweise ungewiss. Und generell fühlt er sich mehr als seine Kontrahenten nach schwerem Wagen an. Das reicht nicht ganz, um Vergleichstests zu gewinnen, vermutlich aber für die Zuneigung einer eigenen, scharf umrissenen Zielgruppe.

Das Fazit, nicht ohne eine Spur von Auto-Philosophie: Mit der R-Klasse lässt sich vielleicht glücklich werden, mit einem Q7 ziemlich sicher. Und der X5? Wir werden sehen – aber erst im nächsten Jahr.

Fazit

1. Audi Q7 3.0 TDI
524 Punkte

Einstand nach Maß: Sein XL-Format ist dem Q7 kaum anzumerken, er ist handlich, sehr fahrsicher und hat die besten Bremsen - ein angenehmes, ausgewogenes Auto.

2. Mercedes R 320 CDI lang
509 Punkte

Ein großer Raumgleiter mit überzeugendem Komfort und interessanter Variabilität, aber nur schwachem fahrdynamischem Ehrgeiz – reizvoll, allerdings sehr teuer.

3. BMW X5 3.0d
476 Punkte

Ein Trendsetter kommt in die Jahre: Der X5 ist nicht besonders geräumig und leistet sich Komfortschwächen, kann bei Handling und Agilität aber noch punkten.

Technische Daten
Mercedes R 320 CDI lang BMW X5 3.0d Audi Q7 3.0 TDI Quattro Luftfederung
Grundpreis 55.335 € 49.050 € 53.375 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5157 x 1922 x 1661 mm 4667 x 1872 x 1715 mm 5086 x 1983 x 1697 mm
KofferraumvolumenVDA 314 bis 2385 l 465 bis 1550 l 775 bis 2035 l
Hubraum / Motor 2987 cm³ / 6-Zylinder 2993 cm³ / 6-Zylinder 2967 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 165 kW / 224 PS bei 3800 U/min 160 kW / 218 PS bei 4000 U/min 171 kW / 233 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 222 km/h 210 km/h 216 km/h
0-100 km/h 9,4 s 9,6 s 8,2 s
Verbrauch 9,3 l/100 km 9,5 l/100 km 10,6 l/100 km
Testverbrauch 12,3 l/100 km 12,8 l/100 km 12,7 l/100 km
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