Audi RS 4 im Test

R der Ringe

Foto: Achim Hartmann 14 Bilder

Audi strebt nach Höherem: Der neue RS 4 klettert jetzt ohne künstliche Turbo- Beatmung auf den Drehzahl-Achttausender. Wie gut ist das allradgetriebene Leistungsgerät tatsächlich?

In der Natur ist es eine alltägliche Erfahrung: Je höher man steigt, desto niedriger wird der Druck. Als Audi aber verkündete, dass beim neuen RS 4 der schon seit dem ersten RSModell 1994 eingesetzte Turbolader auf dem Altar hoher Drehzahlen geopfert wird, geriet die gewohnte Sportlimousinen- Welt kurz ins Wanken. Sollte nach dieser schwierigen Herzoperation vielleicht sogar noch ein Hinterachsantrieb implantiert werden?

Kompletten Artikel kaufen
Einzeltest Audi RS 4
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 3 Seiten)
1,49 €
Jetzt kaufen

Ganz so revolutionär ist es nicht gekommen. Die Neckarsulmer Audi- Sportabteilung nennt sich immer noch Quattro und nicht Stereo GmbH. Und trotz hoher Ambitionen pflegt man beim RS 4 sportliches Understatement: Am Bug eine Schürze mit XXL-Luftsaugern, am Heck ein sanft ins Blech modelliertes Spoilerchen und Radhäuser, die sich muskulös über eine um rund vier Zentimeter gewachsene Spur spannen. Innen gibt es neben der traditionell bombensicheren Audi-Verarbeitung ein abgeflachtes Sportlenkrad im Lamborghini-Look und elektrisch verstellbare Schalensitze.

Alles hübsch garniert mit Karbon und Alu satt. Doch dann dieser Klang beim Langsamfahren: Subtiles Verbrennungsgesäusel, das so gar nicht zu einem V8 der High-Power-Klasse passen will. Wo bleibt das Bollern? Wieso bebt das Zwerchfell nicht?

Gemach. Ein kleiner S-Knopf auf dem Lenkrad behebt die akustische Unpässlichkeit. Wird „S“ gedrückt, räumt sich eine Schaltklappe im Auspuff freiwillig aus dem Weg, und der Fahrer badet schon im Stand in herrlichem V8-Wummern.

Kein Sportwagen mehr ohne elektronische Fahrprogramme. Der Unterschied ist nur, dass sich beim RS 4 mit dem Ein- und Ausschalten des Knopfs der Variantenreichtum schon erledigt hat – sozusagen Elektro-Purismus.

Die Wirkung ist vielfältiger, denn ein aktiviertes „S“ pfeffert auch die Gaspedal- Kennlinie noch mal richtig an. Dermaßen pikant gewürzt, serviert das sehr kompakt bauende 4,2-Liter-Aggregat ein Fahrmenü, das in seinem Aroma- Reichtum und Energiegehalt seinesgleichen sucht. Zwar ballert der RS 4 untenrum nicht mehr schlagartig los wie von einem schwingenden Stahlträger getroffen, aber schon ab 2250/min zerrt er mit 90 Prozent seines maximalen Drehmoments so gehaltvoll, dass die Nackenmuskulatur alsbald nach einem Physiotherapeuten schreit.

Selbst bei nasser Fahrbahn, Allrad sei Dank. Dazu brüllt der Motor tief, grollend und Furcht erregend wie ein brünstiger Braunbär. Motor-Gourmets entzückt der Feingeist im Dampf: Die einzigartige Kombination der Direkteinspritzung mit einem hoch drehenden Achtzylinder beißt nicht nur hochsensibel und blitzartig zu, sondern dreht auch wild entschlossen bis hinauf zu 8250/min. Sorry Turbo, das konntest du nie!

Doch auch ohne Lader stürzt der Fahrer bei 6900/min im sechsten Gang in die Frustration der 250 km/h-Begrenzung. Theoretisch wären über 300 km/h drin. So oder so, Freunde gepflegten Handbetriebs werden bei Beschleunigungsorgien ihre Freude an den verkürzten Wegen der schlichtmanuellen Sechsgangschaltung haben.

Schon nach dem präzisen Einlenken in die erste Kurve weiß der RS 4-Pilot, wieso die hervorragenden Schalensitze ihn nach dem Druck auf „S“ auch elektrisch in die Zange genommen haben.

Der Audi knallt derart unaufgeregt schnell durch Serpentinen, dass nur ein Blick auf den Tacho die sportliche Dramatik adäquat widerspiegelt. Das ist Adrenalin im Motor und Baldrian im Fahrwerk – auch wenn es auf miesen Pisten schon mal ungemütlicher werden kann.

Die Quattro-Jungs haben ganze Arbeit geleistet, dem RS 4 lästiges Untersteuern abzuerziehen. Eine leichte Aluminium-Fronthaube und -Seitenteile sowie das verbesserte Torsen CMittendifferenzial mit variabler 40:60- Leistungsverteilung lassen den nasenlastigen S4 weit hinter sich.

Zum Wohle der Fahrdynamik speckte der RS 4 auch an den Rädern, den Sitzen und der Dynamic Ride Control ab. Mit DRC stemmt sich der 1,8-Tonner mit diagonal über ein Zentralventil verbundenen Dämpfern gegen Wanken und Nicken.

Der schnelle Ringkämpfer pflegt mit Wonne das Image des sicheren Dampfhammers. Bei völlig abgeschaltetem ESP verhilft nur ein mutig provozierter Lastwechsel von der sturen Neutralität zum Schleudertraum. Eine kurze Gasspritze genügt, und der Sport-Audi zieht sich wieder auf den neutralen Weg der Tugend – bei jeder Witterung.

Selbst die enorm standfesten 18-Zoll- Bremsen sorgen mit ihrer zyklischen Scheibenreinigung auch bei Regen für trockene Hände am Lenkrad.

Da sich der RS 4 beim Verbrauch mit 14,9 Litern pro 100 km vergleichsweise zurückhält und der Einstandspreis von 69 900 Euro trotz der High- Power-Show einen ganzen 90-PS-Golf TDI unter einem BMW M5 liegt, kann bilanziert werden: Operation Hochdrehzahl gelungen, Patient macht wieder Leistungssport.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –hervorragende Verarbeitung –sehr gute Bedienbarkeit –gutes Raumangebot vorne –großer Kofferraum
Fahrkomfort
  • –akzeptabler Autobahnkomfort –bequeme Sportsitze
  • –schlechter Langsamfahrkomfort –geräuschvolle Bremsen
Antrieb
  • –erstklassige Fahrleistungen –sehr gutes Ansprechverhalten –hohe Drehfreudigkeit –gute Elastizität –exakte Schaltung
  • –kleiner Tank (63 Liter)
Fahreigenschaften
  • –neutrales Kurvenverhalten –agiles Handling –sehr gute Traktion
Sicherheit
  • –sehr gute Bremsen –ESP mit integrierter Trockenbremsfunktion –gute Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • –hoher Verbrauch
Kosten
  • –gute Ausstattung
  • –hoher Anschaffungspreis –hohe Unterhaltskosten

Fazit

Auf Anhieb in den Drehzahlhimmel. Mit dem neuen, turbolosen RS 4 ist Audi eine exzellente Sport-Limousine mit einem süchtig machenden Motor und sehr hoher Fahrsicherheit gelungen.

Technische Daten
Audi RS 4
Grundpreis 71.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4586 x 1816 x 1415 mm
KofferraumvolumenVDA 460 bis 720 l
Hubraum / Motor 4163 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 309 kW / 420 PS bei 7800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 4,7 s
Verbrauch 13,5 l/100 km
Testverbrauch 14,9 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Racechip-Hyundai i30 N im Test 320 Tuning-PS im Kompakten
Beliebte Artikel MTM-AUDI R8 V10 PLUS 802 SUPERCHARGED, Exterieur MTM-Audi R8 V10 Plus 802 im Test Am Limit des Machbaren Porsche 911 GT3 RS, Exterieur Porsche 911 GT3 RS im Test Mit Wolllust Richtung Begrenzer
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Alpine A110 Première Edition, Exterieur Sportwagen-Neuzulassungen Oktober Alpine vor E Coupé und Mustang 190 E, 3.2 AMG-C32, C43 AMG, Exterieur 190E 3.2, C 32, C 43 AMG AMG-Sechszylinder aus 3 Epochen
Allrad Jeep Gladiator Concept 2005 Jeep Wrangler Pickup Neuer Pickup-Jeep für 2019 Seat Ateca Schnee Winter SUV Die 30 billigsten 4x4-SUV Winter-SUV bis 30.000 Euro
Oldtimer & Youngtimer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT Supersportwagen besser als neu Renault 19 (1988) Renault 19 (1988-1995) 30 Jahre und fast verschwunden
Promobil Schlafsäcke Test Mantelschlafsäcke im Test Wohlig warm in der kühlen Zeit Advertorial Truma Gut gerüstet für den Winter Kleines Heizungs-Einmaleins
CARAVANING Campingplatz Oakdown Campingplatz-Tipps Südengland Traumhafte Urlaubsorte Badebucht im Zingaro-Nationalpark Campingplatz-Tipps Sizilien Schöne Sonnenstunden auch im Winter