Audi RS 6 Avant im Test

Lastesel und Vollblut - Qualitäten

Foto: Achim Hartmann

Die bei Audi für das RS-Programm zuständige Quattro GmbH übertrifft sich selbst: Der neue Audi RS 6 Avant, der den RS4 ablöst, kombiniert noch mehr Leistung mit noch mehr Laderaum. Die Welt scheint darauf gewartet zu haben – Lieferfrist: über ein Jahr.

Eines muss jedem RS‑6-Kunden klar sein: Protzen ist nicht. 450 PS? In einem stinknormalen Audi A6 ? Und dann noch als Kombi? Genauso gut könnte man den Leuten die Geschichte vom Pferd erzählen. Der Schaueffekt des neuen Monster-Audi ist gleich null – mehr Understatement kann man zum Preis von 88 600 Euro nicht kaufen. Aber bei der Audi-Tochter Quattro GmbH in Heilbronn, die den RS‑6 entwickelte und wo er nun montiert wird, gilt genau dies als besondere Stärke. Besondere Merkmale beschränken sich auf einen größeren Kühllufteinlass am Bug, etwas schwarzen Maschendraht im Grill, und hinten gibt es eine modifizierte Schürze mit zwei anständig dimensionierten Auspuffrohren. Lieber lässt man Taten sprechen, eine Philosophie, die schon beim ähnlich gestrickten RS 4 erfolgreich umgesetzt wurde. Nur, dass man beim RS 6 noch mal 70 PS drauflegt. Damit überflügelt Audi auch locker das bisherige Ass im Autoquartett, den M5 von BMW (400 PS). So viel zum Thema Leistungsexplosion im Automobilbau. Dabei war der Weg auf den Leistungsgipfel praktisch vorgezeichnet: Was den Rennwagen in Le Mans zum Sieg gereichte, sollte auch im zivilen Gebrauch nützen, die Kraft spendende Wirkung zweier Turbolader nämlich. Im RS‑6 blasen sie mit eher bescheidenem Ladedruck (0,8 bar), was motorseitig ein für Turbomaßstäbe hohes Verdichtungsverhältnis von 9,3:1 ermöglicht. Das wirkt sich prinzipiell günstig auf den Verbrauch aus. Basistriebwerk ist der bekannte 4,2-Liter-V8, dem die Beatmung nicht nur zu 450 PS, sondern obendrein zu einem ebenso eindrucksvollen Drehmoment von 560 New-tonmetern verhilft (schon ab 1950/min).

Die Kraftübertragung übernimmt die Fünfgangautomatik aus dem im Herbst auslaufenden A8 6.0 mit W12-Motor und natürlich der quattro-übliche Vierradantrieb mit selbstsperrendem Torsen-Mittendifferenzial. Für den Fahrer heißt das zunächst, das persönliche Kennfeld bezüglich Raum und Avantissimo Lastesel mit Vollblut-Qualitäten Die bei Audi für das RS-Programm zuständige Quattro GmbH übertrifft sich selbst: Der neue Audi RS 6 Avant , der den RS4 ablöst, kombiniert noch mehr Leistung mit noch mehr Laderaum. Die Welt scheint darauf gewartet zu haben  Lieferfrist: über ein Jahr. Zeit neu zu kalibrieren. Wie kaum ein anderes fahren. In fünf Sekunden erreicht der Audi Tempo 100, in 20,1 Sekunden Tempo 200 – Werte auf dem Niveau waschechter  Supersportwagen. Doch im Gegensatz zu diesen lassen sie sich auf der Straße mühelos reproduzieren. Es genügt, auf freie Fahrt zu warten und Gas zu geben.

Kuppeln, Schalten, Drehzahl, Turboloch – alles kein Thema, selbst die Lenkarbeit beschränkt sich auf ein Minimum, denn auch bei Höchstgeschwindigkeit (auf 250 km/h begrenzt) bleibt der RS 6 stoisch auf Kurs. Ohne das elektronisch überwachte Tempolimit wäre laut Werksauskunft sogar Tempo 300 drin. Gelassenheit ist des Audi Zier, auch akustisch. Mehr als ein sonores Brabbeln ist nicht zu hören. Selbst beim Erreichen der Drehzahlgrenze (6500/min) zeigt sich der V8 noch völlig unbeeindruckt man wundert sich, warum die Automatik plötzlich hochschaltet.

Ansonsten entzieht sich das Getriebe jedoch weitgehend der Aufmerksamkeit des Fahrers. Unauffällig sortiert es die Gänge, passt das Schaltprogramm gekonnt den Fahrnotwendigkeiten an. Bei sportlicher Fahrweise hilft die Wählhebelposition „S“, die den Automaten veranlasst, früher runter- und später hochzuschalten, und bei schneller Kurvenfahrt nicht die Übersetzung zu wechseln. Für manuelle Eingriffe verfügt der Wählhebel über die bei Audi übliche Tiptronic- Funktion. Die gleiche Aufgabe erfüllen zwei Schaltpaddel am Lenkrad – ein gut gemeintes Angebot, aber ganz wie es sich für eine gute Automatik gehört in der Praxis meist überflüssig.

Bleibt die Frage nach dem Unterhaltungswert. Universalgenies vom Kaliber des RS 6 mögen dem autobegeisterten Menschen Respekt abnötigen, ob sie auch Lust und Laune machen, das steht bekanntlich auf einem anderen Blatt. Geschwindigkeit ist eben nicht
alles, man will als Fahrer auch Teil des Geschehens bleiben. Auf den Kontakt zur Straße und die Zwiesprache mit der Maschine kommt es an, und da ist der spontane Eindruck vom RS 6 nicht gerade überwältigend. Bei verhaltenem Tempo wirkt seine Lenkung um die Mittellage etwas träge. Auch die bei sportlichen Autos geschätzte Gier nach Kurven ist nicht zu beobachten. Doch die Erkenntnis folgt auf dem Fuß: Wechselt man in den verschärften Galopp, kommt Leben ins Auto. Dann ändert der immerhin 1961 Kilogramm schwere RS 6, wenn es sein muss, wieselflink den Kurs, seine direkter übersetzte Lenkung bekommt Biss und Präzision, und die Reifen krallen sich beim Einlenken in Kurven unverzüglich in den Asphalt. Ungeachtet der kopflastigen Gewichtsverteilung ist lästiges Untersteuern bei diesem Audi kein Thema.

Besteht die Gelegenheit, kräftig Gas zu geben, drückt sogar dezent das Heck nach außen, während der Wagen kraft seiner Allradtraktion katapultartig der nächsten Geraden entgegenfliegt. Speziell auf weniger griffigem Untergrund dürfte es kaum ein Serienauto geben, das dem RS 6 dann noch zu folgen vermag. Dabei erweist sich die trickreiche Verknüpfung der Stoßdämpfer (siehe Kasten) als willkommene Dreingabe: Ganz im Sinne des Erfinders werden Nick- und Wankbewegungen auf ein kaum noch wahrnehmbares Maß reduziert. Die eingebaute Fahrsicherheit tut ein Übriges: 19 Zoll große Räder (Option, 18 Zoll Serie) bieten ein Höchstmaß an Seitenführung, das spät eingreifende elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) verhindert zuverlässig größere Abweichungen vom Kurs, und die eigens entwickelte
Bremsanlage mit Acht-Kolben-Bremssätteln vorn gewährleistet auch bei hoher Dauerbeanspruchung kürzeste Bremswege. So bleibt als größtes Sicherheitsrisiko der Fahrer, denn die Summe der technischen Errungenschaften bedeutet im Fall des RS 6 auch, dass man leicht schneller ist, als man denkt oder als es die Randbedingungen erlauben.

Gut zu wissen, dass der Audi auch bei zivilem Tempo genug zu bieten hat. Einen überraschend angenehmen Komfort etwa: Seine spezielle Dämpferanpassung ermöglicht einen Grad an Geschmeidigkeit, der bei Sportmobilen dieser Art nicht die Regel ist. Lediglich kleinere Querrillen führen bisweilen zu lästigen Erschütterungen, die sich dann bis ins Lenkrad übertragen. Das ändert freilich nichts daran, dass der RS 6, der mit nahezu allem ausgestattet ist, was das Audi-Programm hergibt, auch im profanen Autoalltag nicht enttäuscht. Da ist er dann einfach nur der Avant, wie man ihn kennt und schätzt: geräumig, praktisch, gut.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • großzügige Platzverhältnisse
  • großer Laderaum
  • hohe Funktionalität
  • sehr gute Verarbeitung
Fahrkomfort
  • nicht zu straffe Federung
  • geringe Antriebsgeräusche
  • gute Klimaanlage
  • eingeschränkter Komfort auf Querwellen
  • deutliche Windgeräusche
Antrieb
  • enorme Durchzugskraft
  • hohe Laufkultur
  • erstklassige Fahrleistungen
  • gut angepasste Getriebeautomatik
Fahreigenschaften
  • sehr hohe Kurvenstabilität
  • sportliches Handling
  • hervorragende Traktion
  • gut abgestimmtes ESP
  • träges Lenkverhalten um die Mittellage
Sicherheit
  • Kopfairbags vorn
  • und hinten
  • Xenon-Licht
  • ausgezeichnete Bremsen
Umwelt
  • hoher Verbrauch
  • erfüllt nur Schadstoffklasse Euro 3
Kosten
  • komplette Ausstattung
  • hoher Preis
  • hohe Unterhaltskosten

Fazit

Als Universaltalent ist der RS 6 einmalig: Kein anderes Auto verknüpft die Fahrleistungen eines Supersportwagens mit den Vorzügen eines Kombis. Und das auch noch mit Allradantrieb und Automatik. Da kann man dann auch den hohen Verbrauch und den stolzen Preis gelten lassen.

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Technische Daten
Audi RS 6 Avant
Grundpreis 90.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4852 x 1850 x 1452 mm
KofferraumvolumenVDA 455 bis 1590 l
Hubraum / Motor 4172 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 331 kW / 450 PS bei 5700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 5,0 s
Verbrauch 14,6 l/100 km
Testverbrauch 15,6 l/100 km
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