Audi S3, BMW 130i, Mazda 3 MPS

Kompakte PS-Protze

Foto: Foto: Hans-Dieter Seufert 31 Bilder

Leistung muss sich lohnen. Hier stimmt der Anspruch: Es sind zwar nur unscheinbare Kompaktlimousinen, aber die drei können es mit allem aufnehmen, was die Straße zu bieten hat. Der neue Audi S3 gegen den BMW 130i und den Mazda 3 MPS.

Sind wir verwöhnt. Es war einmal, da genügten 110 PS, um uns in Ekstase und die Autowelt in Aufruhr zu versetzen – damals, zu Zeiten des ersten Golf GTI. Nun sind wir bei 265 PS. Sicher, die hier versammelten Einheizer heißen nicht GTI. Aber wenn man GTI als Gattungsbegriff versteht, dann sind sie es. Es sind die Leitbullen unter den GTI. Besonders der neue Audi S3. Technisch handelt es sich um einen gedopten A3 2.0 TFSI Quattro. Der Turbo-Vierzylinder wurde in die Mangel genommen, Fahrwerk und Bremsen wurden gestählt, und flankierend bekam er die einschlägige sportliche Garnierung plus Glitzergrill – alles dezent genug. Man muss die Baseballkappe nicht verkehrt herum aufsetzen, um adäquat angezogen zu sein.

Einleuchtend, dass soviel Aufwand seinen Preis hat: Ein S3 kommt auf 35.150 Euro. Damit ist klar, dass der Super- GTI von heute ein Fall für betuchte Fans ist. Das trifft auf den S3 genauso zu wie auf seinen schärfsten Widersacher, der aus dem BMW-Lager stammt: Der 130i, technisch wegen seines Hinterradantriebs und des großvolumigen Reihensechszylinders aus ganz anderem Holz geschnitzt, schlägt mit 32.750 Euro zu Buche. Und wenn man ihn wie im Test mit der Aktivlenkung nimmt, sind 34.050 Euro fällig.

Den Beweis, dass es trotz allem auch preisgünstiger geht, liefert unterdessen mal wieder ein japanisches Fabrikat: Für den neuen Mazda 3 MPS müssen nur 24.900 hingeblättert werden, ohne dass es ihm an Ausstattung und Leistung (260 PS) gebrechen würde. Sein Vierzylinder-Turbomotor ist ebenso mit allen Wassern des Fortschritts gewaschen wie das Fahrwerk dieses Fronttrieblers, dessen Kraft mit Hilfe eines Sperrdifferenzials verteilt wird.

Gleiches Leistungsniveau, aber drei unterschiedliche Antriebskonzepte also (Front-, Heck- und Allradantrieb) – das verspricht Abwechslung. Dabei überrascht es nicht, dass sich der Quattro-Antrieb im Audi als die mit Abstand effizienteste Methode entpuppt, die vielen PS in Vortrieb zu verwandeln. Ganz gleich, ob Gerade oder Kurve, nass oder trocken – der S3 krallt sich beim Gasgeben in den Boden wie ein gereizter Grizzly.

Entsprechend heftig packt er zu. Bei maximalem Ladedruck (1,1 bar) genügen schon bescheidene Drehzahlen, um vehement zu beschleunigen, wobei es mit dem eng gestuften Sechsganggetriebe leicht fällt, den Schmauchbereich des Turbos zu nutzen. Die damit verbundenen Fahrleistungen sind auf jeden Fall stammtischtauglich, aber auch sonst kann der Audi auftrumpfen.Auf Landstraßen zumindest gibt es nur sehr wenige Möglichkeiten, schneller von A nach B zu kommen - die hier versammelte Konkurrenz vermag es nicht. Dabei ist der fahrerische Aufwand gering: Der S3 folgt ebenso willig wie stoisch dem eingeschlagenen Kurs. Erst bei extremem Tempo zeigt sich das angeborene Untersteuern, Folge der kopflastigen Gewichtsverteilung. Die vorzüglichen Handlingqualitäten des S3 haben freilich auch ihre Schattenseite. Das straffe Fahrwerk kennt auf schlechten Straßen keine Gnade, und beim Überqueren größerer Verwerfungen glaubt man, Audi würde Eisenstangen statt Federn einbauen. Komfort wird kleingeschrieben, was in verschärftem Maße für die Fondpassagiere gilt, die mangels eigener Türen und Sitzkomfort besonders leidensfähig sein sollten.

Platzmangel im BMW

Im BMW ergeht es ihnen freilich kaum besser. Er hat zwar Fondtüren und bequemere Rücksitze, aber dafür hapert es an Platz, und seine Federung zeigt sich nur wenig nachgiebiger. Auch für den Fahrer erst die schlechte Nachricht: Mit einem S3 sollte er sich besser nicht anlegen, was auch die Werte bei den Fahrdynamikprüfungen belegen. Ein Rätsel, wo doch der 130i gute 100 Kilogramm weniger wiegt? Mitnichten. Man braucht nur kräftig Gas zu geben, um den Wein der reinen Wahrheit zu kosten: Der hart gefederten Hinterachse des Hecktrieblers fehlt die Traktion. Auf Straßen, die unebener sind als ein Billardtisch, leistet ASR deshalb Überstunden, die schöne Leistung wird einfach weggeregelt. Ebenfalls wenig erbauend: Die Vorteile der Aktivlenkung mit variabler Übersetzung beschränken sich auf den Stadtverkehr; ansonsten überwiegt die Irritation.

Das war’s dann aber auch schon. Denn geht es um das klassische BMW-Thema, die Freude am Fahren, kann einem der starke Einser durchaus ans Herz wachsen. Er ist die sinnlichere Alternative zum eher prosaischen Audi. Vor allem der Reihensechszylinder versprüht den Charme des Besonderen. Temperament, Laufkultur, der Sound - die Reize dieses Motors trösten auch darüber hinweg, dass der Audi mehr Durchzug und die besseren Fahrleistungen bietet. Es ist der Lustfaktor, der hier zählt. Da steigert die mechanisch direkte Schaltung ebenso den Genuss wie die Möglichkeit, aktiv ins fahrdynamische Geschehen einzugreifen. Lockert man die Zügel der zweistufigen ESP-Regelung, lässt sich im BMW auch schon mal mit dem Gasfuß mitlenken - das macht ihn zwar nicht schneller, aber vergnüglicher.

Der Mazda hat den Turbobumms

Dagegen sind die Vergnügungen, die der Mazda zu bieten hat, eher derber Natur. Das merkt man gleich beim Gasgeben. Der gute alte Turbobumms: Hier kann man ihn noch erleben. Und ist die Abgasturbine erst mal richtig in Fahrt, tobt dieser äußerlich so unscheinbare Kompaktwagen davon wie Zeus im Zorn. Das hat was und lässt sogar den Audi ziemlich zahm aussehen. Doch damit ist die Angelegenheit keineswegs erledigt. Denn während der Mazda berserkergleich dahinstürmt, ist der Fahrer unablässig damit beschäftigt, die Nase des Autos im Wind zu halten. Wer wissen möchte, was Antriebseinflüsse in der Lenkung bedeuten, sollte den 3 MPS probieren. Anders ausgedrückt: Die Faustregel, wonach mehr als 200 PS für einen Fronttriebler dieser Gewichtsklasse einfach zu viel sind, vermag der Mazda nicht zu widerlegen.

Angesichts dieser turbulenten Vorstellung fällt einem dann auch kaum auf, dass er in mancher Beziehung durchaus zivile Tugenden aufweist. So bietet er den besten Federungskomfort und den geräumigsten Fond. Andererseits kann er nicht verheimlichen, dass er qualitätsmäßig nicht in der Premiumliga spielt – insgesamt ein respektabler, wenngleich zu kurz gesprungener Versuch, hier entscheidend zu punkten. Die Ehre gebührt zweifellos dem Audi.

Fazit

1. Audi S3
470 Punkte

Schneller als mit dem allradgetriebenen S3 geht es in dieser Klasse zur Zeit nicht. Er ist der Über-GTI. Weniger erfreulich: die harte Federung und der stolze Preis.

2. BMW 130i
464 Punkte

Der heckgetriebene 130i setzt auf die weichen Kriterien: genussvoller Sechszylinder, reizvolles Handling. Hart dagegen die Federung und schwach die Traktion.

3. Mazda 3 MPS
432 Punkte

Nur für wilde Reiter. Der 3 MPS geht wie der Teufel, aber höllisch sind auch das Fahrverhalten und der Verbrauch. Relativ angenehm: die Federung und der Preis.

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Technische Daten
BMW 130i Mazda 3 MPS 2.3 MZR DISI Turbo Exclusive-Line Audi S3 2.0 TFSI Quattro
Grundpreis 33.597 € 25.600 € 36.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4227 x 1751 x 1430 mm 4435 x 1765 x 1465 mm 4214 x 1765 x 1399 mm
KofferraumvolumenVDA 330 bis 1150 l 290 bis 1229 l 281 bis 1031 l
Hubraum / Motor 2996 cm³ / 6-Zylinder 2261 cm³ / 4-Zylinder 1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 195 kW / 265 PS bei 6600 U/min 191 kW / 260 PS bei 5500 U/min 195 kW / 265 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 6,4 s 6,3 s 5,7 s
Verbrauch 9,2 l/100 km 9,7 l/100 km 9,1 l/100 km
Testverbrauch 11,9 l/100 km 14,4 l/100 km 12,8 l/100 km
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