Audi S4

S-Genuss

Audi S4

Vier gleich acht Audi -verpflanzt den V8-Motor in den A4. Das Ergebnis ist der neue Audi S4 mit 344 PS.

Der Leistungssuchende weiß Bescheid: Scharfe Sachen laufen bei Audi für gewöhnlich unter
dem Buchstaben S wo S draufsteht, ist Sport drin. S-Varianten der ansonsten mit dem Initial A titulierten Audi- Modelle bürgen für außergewöhnliche PSZahlen und sportliches Gebaren.
Nun kommen auch Freunde des aktuellen A4 in den S-Genuss, und das nicht zu
knapp. Um im schillernden Kosmos der Sportlimousinen Furore zu machen, scheute
sich Audi nicht, dem braven A4 einen kraftstrotzenden V8 einzupflanzen. So will man die sportliche Mittelklasse um 10 000 Exemplare pro Jahr bereichern.
344 PS stehen zur Verfügung, und damit muss sich der neue S4 nur dem Mercedes
C 32 AMG (354 PS) beugen, der seine Leistung allerdings in lediglich sechs
Zylindern erzeugt. Den respektablen Wert verdankt der aufgerüstete A4 einem Aggregat,
das de facto brandneu ist, obgleich seine Zylinderabmessungen dem Kenner
bekannt vorkommen. 84,5 Millimeter Hub, 92,8 Millimeter Bohrung entsprechen fast
auf das Zehntel genau dem im A6 und A8 eingebauten 4,2-Liter-Motor der bisherigen
Bauart. Der entscheidende Unterschied: Der neue V8 ist gute fünf Zentimeter
kürzer (siehe Kasten auf Seite 24). So passt der Achtzylinder nun auch in die kompaktere Behausung eines A4, wo er in Verbindung mit einem ebenfalls neuen Sechsganggetriebe (auf Wunsch Sechsgangautomatik) und dem bekannten Quattro-Antrieb dem Fahrer einen bis dato
in dieser Klasse nicht gekannten Antriebsluxus verspricht. Da braucht man sich über den Preis
nicht zu wundern: 52 420 Euro verlangt Audi für die S4-Limousine (S4 Avant: 54 000 Euro), gleichwohl ein reelles Angebot, denn BMW M3 (54 000 Euro) oder Mercedes C 32 (57 000 Euro) kosten mehr. Das Problem, die S-Version von der unscheinbaren Ausgangsbasis zu trennen, löste Audi mit den markentypischen Mitteln: andere Karosserieschürzen mit grö-
ßeren Lufteinlässen, vorn ein Gitter im Grill, hinten eine kleine Spoilerlippe und zwei großkalibrige Auspuffrohre, dazu speziell gestylte 18-Zoll-Räder – die äußerlichen Anreize beschränken sich auf ein Minimum.

Ungeachtet seiner Spaßmacherfunktion präsentiert sich der S4 seriös eingerichtet.
Vom A4 unterscheiden ihn im Wesentlichen andere Ziermaterialien (wahlweise Karbon, Birke, Aluminium oder Klavierlack) und standesgemäß ausladende Sportsitze, die sich erfreulicherweise als Wohltat entpuppen (serienmäßig mit Stoff-Leder- Bezügen). Der Ausstattungsumfang orientiert sich an der Konkurrenz, sprich Annehmlichkeiten wie Radio, CD-Player oder
Navigationsgerät kosten extra, aber Klimaautomatik und Xenon-Scheinwerfer sind
im Preis enthalten. Schon beim Anlassen stellt sich indessen heraus, dass es im S4 auch ohne In-Car-Entertainment an guter Unterhaltung nicht fehlt. Bollerndes V8-Stakkato dringt an die Ohren des Fahrers, eine Ouvertüre,die hält, was sie verspricht. Denn so wie sich der Sport-Audi anschließend in Bewegung setzt, geht das nur dank der Macht des Hubraums. Kaum über 2000/min zieht der 410 Nm starke Achtzylinder bereits an, als sei mindestens ein Turbolader im Spiel. Doch anders als die fremdbeatmeten Drehmomentprotze legt er beim Gasgeben so
unverzüglich los, wie es nur gute Saugmotoren vermögen. Dabei beschränkt sich die vitale Phase
keineswegs auf den unteren Drehzahlbereich. Der neue Audi-V8 dreht derart willig
hoch, dass man keine Hemmungen hat, ihn kräftig jubeln zu lassen. Knapp über
7000/min sind elektronisch erlaubt, aber gefühlsmäßig dürften es durchaus noch ein paar hundert Umdrehungen mehr sein, zumal spürbare Vibrationen gänzlich ausbleiben. Meisterklasse.
Bei dieser Charakteristik ist folglich auch die Wahl der Übersetzung meist von zweitrangiger
Bedeutung. Dennoch nimmt man das Angebot von sechs Gängen gern wahr: Dank der
gleichmäßigen Abstufung lässt sich das Leistungsangebot bei Bedarf optimal ausloten und
das mühelos, denn die Schaltung arbeitet ebenso leichtgängig wie präzise. Entsprechend eindrucksvoll vermag sich der S4 auf dem Messparcours in Szene zu setzen. In nur 5,7 Sekunden donnert das starke Stück auf 100 km/h, insgesamt 13,2 Sekunden braucht es für
Tempo 160 Werte, die aus dem Audi einen viertürigen Porsche-Konkurrenten machen.

Bei 250 km/h hat es sich allerdingsausbeschleunigt, denn das Werk beharrt S hin oder her auf die übliche elektronischeLimitierung. Dass die hohen Fahrleistungen auf der Straße mühelos reproduzierbar sind, liegt nicht zuletzt am Traktionsvorteil des serienmäßigen Allradantriebs.Aber auch die üppigen Fahrwerksreserven sorgen dafür, dass sich die zahlreichen PS verantwortungsvoller Gebrauch ausdrücklich vorausgesetzt angstfrei umsetzen lassen. Dabei glänzt der S4 nicht nur mit höchster Kurvenstabilität und vorzüglichem Geradeauslauf, sondern weiß auch durch Handlingqualitäten zu gefallen, wie sie bei Audi ansonsten eher unüblich sind.Vor allem in engeren Kurven lässt sich bei entsprechendem Umgang mit dem Gaspedal sogar ein leichtes Übersteuern beobachten,
das die kopflastige Gewichtsverteilung (61,4 Prozent auf der Vorderachse) Lügen straft.
Ansonsten dominiert Neutralität im Eigenlenkverhalten, wobei das serienmäßige
ESP selbst bei forcierter Fahrt nur selten in Aktion tritt. Auch die bei anderen Audi-
Modellen vorkommenden Wankbewegungen hat man dem S4 gänzlich ausgetrieben,
was schnelle Kurswechsel ebenso begünstigt, wie es die direkter übersetzte und
zielgenaue Lenkung tut. Nur um die Mittellage könnte etwas mehr Präzision nicht schaden, während die Lenkkräfte, die mit zunehmendem Tempo muskelbildende Ausmaße annehmen, unter Sportfahrern bisweilen durchaus geschätzt werden. Auf jeden Fall begrüßenswert: Die
verstärkte Bremsanlage erweist sich den verschärften Anforderungen souverän gewachsen.
Im Testzyklus liefert sie Verzögerungswerte, die jeden Vergleich aushalten.

Betrachtet man den Abstimmungskompromiss des Fahrwerks hingegen unter dem Komfortaspekt, lernt man zugleich dessen Schattenseite kennen. So ist es beim Überfahren wellig geformter Straßenstücke mit der Fahrfreude schnell vorbei.Speziell die größeren Unebenheiten versetzen Fahrer und Passagiere in heftige Vertikalbewegungen, was der härteren Feder-Dämpfer-Abstimmung ebenso anzulasten ist wie dem durch Absenken der Karosserie (20 Millimeter) reduzierten Federweg.
Das mag dem Sportsgeist entsprechen, doch auch Sportfahrer sind Menschen.
Letzteres ist spätestens dann nicht mehr zu leugnen, wenn einen die Federung selbst auf der Autobahn ohne Gnade auf und ab hopsen lässt. In dieser Hinsicht gibt es bekömmlichere Sportlimousinen. Sonstige Beschwerden: Der Verbrauch fällt erwartungsgemäß hoch aus. Im Durchschnitt spritzt der S4 13,8 L/100 km in die Saugrohre, wer die Drosselklappe häufig weit
öffnet, kann auch mit 16 Litern rechnen. Aber darüber braucht man sich bei einem Auto, das die Fahrleistungen eines echten Sportwagens mit den praktischen Vorzügen einer Allradlimousine verknüpft, sicher am wenigsten zu wundern.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • hohe Funktionalität
  • gutes Raumangebot
  • hohe Zuladung
  • guter Qualitätseindruck
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze
  • geringes Innengeräusch
  • harte Federung
Antrieb
  • hohe Durchzugskraft
  • hervorragende Fahrleistungen
  • angenehme Laufkultur
  • ausgeprägte Drehwilligkeit
  • gut abgestuftes, leicht schaltbares
  • Sechsganggetriebe
Fahreigenschaften
  • hohe Kurvenstabilität
  • agiles Handling
  • optimale Traktion
  • um die Mittellage unpräzise Lenkung
Sicherheit
  • umfangreiche Sicherheitsausstattung
  • erstklassige Bremsen
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • große Wartungsintervalle
  • hoher Anschaffungspreis

Fazit

Mit Allradantrieb und V8-Power nimmt der S4 eine Sonderstellung ein. Antriebsqualit
äten und Handling beeindrucken, Komfort ist hingegen unterentwickelt.

Technische Daten
Audi S4
Grundpreis 52.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4575 x 1781 x 1415 mm
KofferraumvolumenVDA 445 bis 720 l
Hubraum / Motor 4163 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 253 kW / 344 PS bei 7000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 5,7 s
Verbrauch 13,4 l/100 km
Testverbrauch 13,8 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Racechip-Hyundai i30 N im Test 320 Tuning-PS im Kompakten
Beliebte Artikel Audi S4: B&B bringt Kraft Audi S4 Audi S4 S-Genuss
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Mercedes-AMG GT R PRO Mercedes-AMG GT R Pro (2019) Sonderserie mit Renn-Genen Mansory Lamborgini Aventador S Mansory tunt Aventador S Carbon so weit das Auge reicht
Allrad Ford Bronco Neuer Ford Bronco 2020 Bald Serie, aber nicht mehr Kult Subaru Crosstrek Hybrid (USA) Subaru Crosstrek Hybrid (2019) XV für die USA als Hybrid
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu
Promobil Camperliebe #Cl1 (2019) #cl1 auf Hyundai-Basis Vernetzt und digital CMT Impressionen (2018) Wohnmobil-Zulassungszahlen 2018 weiter auf Rekordkurs
CARAVANING Aabo Camping Vandland Campingplatz-Tipp Dänemark Aabo Camping Vandland Caravan Hobby De Luxe mit Zugwagen Das sind die Caravan-Bestseller Wohnwagen-Neuzulassungen 2017