Audi S4 Cabrio, BMW M3 Cabrio und Mercedes CLK 55 AMG im Test

Auf mit Gebrüll

Foto: Hans-Dieter Seufert

Offen fahren mit über 340 PS – die drei viersitzigen Cabrios der deutschen Nobel-Hersteller Audi, BMW und Mercedes eröffnen ungeahnte Höhen.

Sie haben genug vom kleinen Cabrio-Glück, langweilig brummenden Vier- oder überkultivierten Sechszylindern? Sie wollen bei offenem Dach Sturm ernten und bei Regen unter dem klassischen Stoffverdeck sitzen? Dann nichts wie ran an die Power-Germanen der Mittelklasse. Lobbyarbeiter der wilden Sorte: das BMW M3 Cabrio. Eine metallisch-schrille Soundmaschine mit 106 PS Literleistung. Sein 3,2-Liter-Reihensechszylinder saugt an, verdichtet, zündet, explodiert und pufft aus wie der Teufel. Der Lümmel begnügt sich leider mit Euro 3- Einstufung und stellt seine 343 PS frivol zu Schau: mit klaffenden Lufteinlässen an der Front, Powerdome auf der Motorhaube, seitlichen Kiemen, Schwellern und – gegen Aufpreis – polierten 19-Zoll-Rädern. M3 Cabrio-Fahrer dürfen nicht zimperlich sein. Zumal sie im Innenraum von zupackend ausgeformten Sportsitzen, einem wulstigen Lenkrad sowie einem Drehzahlmesser mit je nach Öltemperatur variablen roten Bereich in die Pflicht genommen werden.

Direkt nach dem Start sorgt der zunächst unbeholfen durch die Gänge des – aufpreispflichtigen – automatisierten Sechsganggetriebes (SMG) stolpernde Motor für Aufmerksamkeit in der Nachbarschaft. Das SMG lässt den M3 schrill kreischen, unterstützt Gangwechsel gern mit einer fetten Portion Zwischengas. Da kommt Leben hinter die Gardinen. Besitzer eines Audi S4 Cabrios kommen gesellschaftlich besser weg, werden selbst vom ökobewegten Liegerad-Fahrer von nebenan freundlich gegrüßt. Vermutlich wegen der intellektuell-ingeniösen Ausstrahlung des S4, unter dessen Haube ja auch ein nur politisch korrekter TDI stecken könnte. Die gegenüber den zahmeren Geschwistern nur subtil veränderte Optik mit Wabengrill und 18-Zoll-Rädern liefert lediglich Kennern Indizien für das Topmodell mit dem 344 PS starken 4,2-Liter-V8.

Dezent auch der Innenraum: Er gefällt mit tresorartiger Verarbeitung und durchdachter Ergonomie bis hin zum aufpreispflichtigen Infotainmentsystem mit seinen liebevoll gemachten Bildschirmdarstellungen. Die Sitzposition auf den nicht allzu wulstigen, langstreckentauglichen Sportsitzen passt. In diesem Ambiente lässt sich sogar eine begrünte Stadtstraße gemächlich unter die Räder nehmen. Zumal der 4,2-Liter- V8 ebenso feinsinnig und wunschgemäß auf Gasfußbewegungen reagiert wie die optionale Sechsgangautomatik. Sicher, es gibt auch eine S-Position und serienmäßig Schaltpaddel am Lenkrad, aber aufgesetzte Sportlichkeit widerstrebt dem S4-Charakter. Sein Motor legt bereits unterhalb 1500/min los, schiebt fast beiläufig bis ganz nach oben durchs Drehzahlband, bleibt stets feinmechanisch austariert. Wer hemdsärmeliges Big- Block-Gefühl sucht, ist hier an der falschen Adresse, selbst wenn der S4 in höheren Lagen V8-typisch hämmert und beim Gaswegnehmen zaghaft bollert.

Der Mercedes CLK 55 AMG tritt selbstbewusster auf und zeigt – vollkommen unschwäbisch –, was er hat. Distanziert sich mit dem unbeschwert wummernden 5,5-Liter- V8 und dem AMG-Paket mit Spoilern, Schwellern und Rädern von seinen bürgerlichen CLK-Geschwistern. Das Innenraum- Ambiente profitiert von der jüngsten Modellpflege, bei der die Mittelkonsole auf den aktuellen Stand gebracht wurde. Wie gehabt grollt es bereits bei Standgasdrehzahl vielversprechend aus den beiden Auspuffrohren, mit zunehmender Drehzahl wird es dann dramatisch. Der schmutzige Sound könnte statt in Affalterbach auch in Detroit komponiert worden sein. 367 PS und 510 Newtonmeter Drehmoment rüsten den 55 außerdem für Boulevard und Dragstrip. Auch ohne Hilfe von Quattro- Technik (Audi) oder Launch- Control (BMW) schießt der CLK vom Fleck, lässt seine Insassen die Konsistenz der passend gepolsterten Sportsitze testen.

Sprintübungen aus dem Stand beschäftigen kurz die Traktionskontrolle, bevor sich die 255er hinten mit dem Asphalt verzahnen und der CLK nach 5,5 Sekunden die 100er- Marke passiert. Der M3 ist genauso fix, der S4 braucht eine Sekunde länger. Allen gemeinsam ist die Abregelung bei 250 km/h. Am meisten Rabatz bei hohem Tempo macht der M3. S4 und CLK geben sich diplomatischer, empfehlen sich nachdrücklich als Nerven schonende Tourenwagen. Und dokumentieren ganz nebenbei die Qualitäten mehrlagiger Stoffverdecke. Die sehen nicht nur klassischer aus als ihre metallene Klapp-Konkurrenz, sondern sind mindestens genauso leise. So sind die Innengeräusch- Messwerte von CLK und SL praktisch identisch. Kofferräume, die bei geschlossenem Dach bis zu 390 Liter, offen jeweils etwas weniger fassen, fördern die Nutzung der lederbezogenen Einzelsitze hinten als Nobel-Gepäckraum. Bei offenem Dach ohnehin ein unwirtlich zugiger Ort, bieten die ausgeformten Sitze im geschlossenen Wagen nicht allzu groß Gewachsenen menschenwürdige Unterkunft mit limitierter Beinfreiheit. Eine zackige Runde auf der Hausstrecke oder anderswo genießt man ohnehin am besten solo oder zu zweit.

Primus inter pares: der M3. Volles Durchladen liegt ihm, Könner schalten die Stabilitätskontrolle (DSC) aus und genießen materialfordernd kurze, harte Schaltvorgänge und rennmäßige Zwischengasstöße beim Herunterschalten. Selbst in der etwas entschärften Position mit DSC knallt der Automat die Gänge genauso hart rein, wie das Fahrwerk Stöße weitergibt. Diese Härte hat zur Folge, dass der M3 auf ebener Piste zwar stabil liegt, auf welligem Untergrund allerdings zum Zittern neigt – trotz des cabriotypisch verstärkten Chassis. Im Gegenzug dehnt sich bei ihm das imaginäre Beschleunigungs- Gummiband subjektiv immer etwas länger als bei den steifer wirkenden S4 und CLK. Wenn die Begrenzer dort das Licht ausknipsen, brennt der 3,2-Liter noch mit heller Flamme weiter, nähern sich seine Blechbläsersätze der Exstase.

Verschärfend wirkt die „Sport“- Stellung, in der die Einzeldrosselklappen ohne Rücksicht auf allgemeinverträgliche Lastwechsel noch zackiger öffnen. Gemeinsam mit der direkten M3-Lenkung, der zupackenden Bremse mit ihrem bissigen Pedalgefühl und der guten Rückmeldung bietet der BMW das sportlichste Gesamtpaket. Der Audi S4 hält mit kalkulierbarem, sicherem Handling dagegen: Leicht untersteuernd beim spitzen Einfahren in Kurven, wechselt er in deren Verlauf ins Neutrale. Allradantrieb, fein regelnde Traktionskontrolle und ESP sorgen beim Herausbeschleunigen für unbarmherzige Traktion. Auf regennassen Pässen wird das über 1,9 Tonnen schwere S4 Cabrio zum Vollstrecker, der dem Fahrer zudem viel Freiraum bei der Linienwahl bietet. Zumal die Audi-Lenkung bei niedrigem Tempo leichtgängig und präzise arbeitet. Ab etwa 120 km/h reduziert die Elektronik die Servounterstützung, das Lenkrad dreht sich zäher, dafür hält der S4 bei hohen Geschwindigkeiten unbeirrt Kurs. Dazu trägt auch das mit der notwendigen Straffheit versehene Fahrwerk seinen Teil bei: Es nimmt Passagiere vor Unebenheiten in Schutz, statt sie mit trockenen Stößen zu malträtieren.

Komfortabel und schnell zugleich fährt es sich im Mercedes. Der 1,8-Tonner nimmt auch schlechte Pisten gelassen hin, absorbiert trotz sportlicher Reserven kurze Unebenheiten ebenso sauber wie lange Wellen. Die bei der jüngsten Überarbeitung gestraffte Feder-Dämpfer- Abstimmung fördert das Handling ebenso wie die nunmehr direkter ausgelegte Lenkung. Letztere agiert bei leichten Kurskorrekturen aus der Mittellage ebenso exakt wie bei schnellen Wechselkurven. Das akkurat regelnde ESP erledigt den Rest. Im Rahmen der Modellpflege führte Mercedes zudem eine überarbeitete Bremsanlage mit 340er-Scheiben plus Sechskolben- Sätteln vorn ein. Damit verzögert der CLK brachial und standfest, unterstützt vom sauber definierten Druckpunkt. Beim Preis schert er allerdings kräftig aus: Mit 83 868 Euro kostet er rund 20.000 Euro mehr als S4 und M3. Dafür gibt es Goodies wie elektrisch verstellbare Multikontursitze mit Nappa-Nubukleder-Bezug und Memory-Funktion, Klimaautomatik, Sidebags hinten, CD-Radio und Tempomat serienmäßig. Wer sich aus dem umfangreichen Arsenal an Extras, etwa schlüssellose Bedienung, Abstandsregeltempomat, Comand-System oder Bi-Xenonlicht, bedient, knackt die 100.000-Euro-Marke.

Der BMW (65.050 Euro) und der Audi (62.400 Euro) wirken dagegen wie Schnäppchen. Das S4 Cabrio bettet Passagiere jedoch nur auf Alcantara-/Leder- Sitze, Sitzheizung und Tempomat kosten Aufpreis. Doch obwohl der M3 beides serienmäßig bietet und beim Benzinkonsum mit 13,9 Litern etwas zurückhaltender bleibt als die Konkurrenz, landet er nur auf Platz drei. Der S4 kann dank seinem deutlich günstigeren Preis den CLK 55 AMG auf der Test-Ziellinie knapp abfangen.

Fazit

1. Audi S4 Cabrio
496 Punkte

Mit einem geschmeidigen Auftritt inklusive kultiviertem V8- Motor, Allradantrieb, feiner Verarbeitung und vergleichsweise günstigem Preis holt der Audi den Sieg.

2. Mercedes CLK 55 AMG Cabrio
494 Punkte

Sein mächtig antretender V8, Komfort und Fahrdynamik bringen den Sieg in der Eigenschaftswertung, der hohe Preis wirft den CLK jedoch auf Platz zwei zurück.

3. BMW M3 Cabrio SMG
464 Punkte

Gierig drehender, streng klingender Motor, agiles Handling und knallige Optik. Contra: eingeschränkter Federungskomfort, unharmonisches SMG, hohes Geräuschniveau.

Technische Daten
BMW M3 Cabrio Mercedes CLK 55 AMG Cabriolet Audi S4 Cabriolet
Grundpreis 66.950 € 83.868 € 63.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4492 x 1780 x 1372 mm 4638 x 1740 x 1405 mm 4573 x 1778 x 1391 mm
KofferraumvolumenVDA 300 l 390 l 315 l
Hubraum / Motor 3246 cm³ / 6-Zylinder 5439 cm³ / 8-Zylinder 4163 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 252 kW / 343 PS bei 7900 U/min 270 kW / 367 PS bei 5750 U/min 253 kW / 344 PS bei 7000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 5,5 s 5,5 s 6,5 s
Verbrauch 12,1 l/100 km 12,3 l/100 km 12,6 l/100 km
Testverbrauch 13,9 l/100 km 14,0 l/100 km 14,3 l/100 km
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