Audi S4 Cabriolet im Test

S zieht gewaltig

Foto: Achim Hartmann

Auch offene Autos werden immer stürmischer. Fast 350 PS hat das neue Topmodell des A4-Cabrios mit Achtzylindermotor. Zu viel? Nicht, wenn man in ihm auch einen Sportwagen sieht.

Es grummelt unter der  Motorhaube – schon im  Leerlauf ein ganz anderes  Geräusch, als es die  beiden Sechszylinder von sich  geben. Wer die Haube öffnet,  kommt dem Grummeln näher.  Ohne auch nur einen Zentimeter  zu verschenken, kommt  da ein Achtzylinder mit dekorativen  roten Tupfen an den  Zündkerzen zum Vorschein. S  ist angerichtet.  Die Frage nach dem Warum,  dem Wunsch nach 4,2 Liter  Hubraum, acht Zylindern und  410 Newtonmeter Drehmoment in einem offenen Auto, mit dem  man ja eher einen beschaulichen  Fahrstil assoziiert, ist  schnell beantwortet. Der Motor  ist da, steht im Regal, ist eigens  für die S4-Limousine modifiziert  worden.  Ein Kettentrieb setzt bei ihm  die vier oben liegenden Nockenwellen  in Drehung. Er befindet  sich an der Motor-Rückseite  und schafft jene Reduzierung  der Baulänge, die man in diesem  Auto braucht. Jetzt sitzt er wie  ein Brioni-Anzug, sieht aus wie sein eigenes Denkmal.

Doch  passt er auch zu dieser Art Auto?  Schon der Dreiliter-V6 mit  seinen 220 PS ist ja nicht gerade  kümmerlich, aber nun ist alles  anders. Nicht nur wegen des  Grummelns, mit dem hier akustisch  eine ganze Sinfonie an Tönen  gestartet wird. Es herrscht  auch bei Langsamfahrt ein Gefühl  der Opulenz vor. Man  könnte ja, aber es muss nicht immer  sein. Das Schöne an diesem  Meisterstück der Motorenbau-  Kunst ist das Gefühl der Leichtigkeit.  So wie der V8 mit dem  S4 Cabrio umgeht, schätzt man  sein Gewicht auf rund 1.000 Kilogramm.  Es sind aber 1.900. Man  merkt es an der Tankstelle. Unter  zehn Liter Super Plus tut sich  gar nichts, im Testmittel sind es  14,5 Liter pro 100 Kilometer.  Dieses Cabrio muss man sich  leisten können – weit über den  Preis von 60.000 Euro in der  Sechsgang-Version.  Der Achtzylinder ist in Verbindung  mit dem Quattro-Antrieb  das einzige Lockmittel.

Wer seinen Verführungskünsten widersteht, kann sich den stattlichen Mehrpreis gegenüber dem größten Sechszylinder getrost sparen. Doch wer ihn erlebt, macht Bekanntschaft mit einem Spitzentriebwerk der Welt-Produktion, seidenweich im Lauf, praktisch vibrationsfrei und mit einem für einen Langhuber (93 Millimeter) dieser Masse ungewöhnlichen Drehvermögen. Kaum ein anderer V8 reagiert so feinfühlig auf Gaspedalbewegungen. Es ist eine Lust, mit diesem Motor umzugehen, wobei natürlich auch die reinen Fahrleistungen eine Rolle spielen. 5,7 Sekunden von null auf 100 km/h,13,5 aufTempo 160 – ein echter Sportwagen.

Wenn man so will, hat man Jekyll und Hyde eingekauft, den sanft murmelnden Genießer- Antrieb für die luftigen schönen Stunden in der Dämmerung. Dazu den Wilden, bei dem das Dach besser geschlossen bleibt. Wild ist auch dann nur die Performance, denn an Kultiviertheit fehlt es auch beim Schnellsein nicht. Den Audi- Ingenieuren ist ein bemerkenswert niedriger Innengeräusch- Pegel gelungen, der auch bei Autobahn-Tempo Radiohören oder Unterhaltung zulässt. Nur 69 dB(A) sind es bei Richtgeschwindigkeit 130, und selbst 180 km/h und die dann anliegenden 75 dB(A) bedeuten noch keine Peinigung. Bis in diesen Bereich bleibt der wohlklingende V8 akustisch präsent – nicht die schlechteste Unterhaltungsmusik.

Jenseit von 200 km/h beeindruckt nicht mehr die Zähmung der Winde, sondern der stoische Geradeauslauf. Die Servolenkung arbeitet tempoabhängig und büsst bei höheren Geschwindigkeiten das meiste ihrer ursprünglichen Leichtgängigkeit ein. Und nicht nur in schnellen Kurven spürt man das hohe Gewicht. Gleichwohl zeigt das S4 Cabrio mit seinem straffer abgestimmten Fahrwerk und den gewaltigen 235er-Reifen auch hier echte, beeindruckende Sportwagen-Qualitäten. Die Querbeschleunigungen liegen im Bedarfsfall sehr hoch, das Fahrverhalten ist auch im Kurven-Grenzbereich absolut neutral. ESP greift relativ spät ins Geschehen ein, rennmäßig bewegt gibt es in engen Kurven den einen oder anderen Wimmerton von einem um Haftung ringenden Reifen, mal vorn, mal hinten, niemand weiß es genau. Wie erwartet ist die Traktion hervorragend, auch beim Herausbeschleunigen aus Haarnadelkurven wird das fette Drehmoment unverzüglich in Fahrt umgesetzt.

Mit zwei angetriebenen Rädern hätte man bei dieser Motorleistung ein größeres Problem. Gut zu wissen also, dass das S4 Cabrio ein echter Sportwagen ist, aber noch besser zu wissen, dass es einen nicht nötigt, dieser anstrengenden Gangart oft nachzugeben. Mit sinkendem Tempo ändern sich die Prioritäten, das Vergnügen muss nicht zwangsläufig abnehmen. Der Federungskomfort ist ein wichtiges Bindeglied an dieser Stelle, denn zu harte Autos verderben den Genuss am beschaulichen Fahren.

Beim offenen S4 ist hier kein großer Verzicht gefragt. Zwar geschieht das Abrollen etwas steif und manchmal auch polterig, aber der Gesamtkomfort befriedigt und ist frei von unangenehmen Härten. Zusammen mit den geringen Windgeräuschen ergibt sich eine ausgezeichnete Langstrecken- Tauglichkeit. Gerne auch mit offenem Dach. Das Verdeck ist dreilagig, öffnet und schließt höchst komfortabel per Knopfdruck. Auch das straffere Fahrwerk lässt die steife Karosse auf bombierten Straßen nur minimal erzittern, und das auch nur, wenn das Verdeck geöffnet ist.

Das Gefühl großer Solidität ist allgegenwärtig, als angenehmen Nebeneffekt verzeichnet der Genuss- Fahrer die Abwesenheit von störenden Turbulenzen im Interieur. Auch ohne das aufpreispflichtige Windschott zieht es vorne nicht. Hinten ist es ungemütlich. Man muss diese Art Cabrio als geschlossene Viersitzer und offene Zweisitzer sehen. Und, in diesem speziellen Fall, als Energie-Bündel und genussbietenden Tourer. Der Meister- V8 zaubert beide Erlebniswelten aus dem Hut, ganz nach Bedarf. Two in one sagt man bei Auspuff-Anlagen. Auch dieses Cabrio ist two in one, vom Auspuff einmal abgesehen.

Fazit

Ein billiges Vergnügen ist das Audi S4 Cabrio nicht, aber ein großes. Die größte Faszination geht zweifellos von dem gleichermaßen starken wie kultivierten V8-Motor aus. Aber auch Fahreigenschaften und Qualitätsgefühl begeistern.

Technische Daten
Audi S4 Cabriolet
Grundpreis 60.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4573 x 1778 x 1391 mm
KofferraumvolumenVDA 315 l
Hubraum / Motor 4163 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 253 kW / 344 PS bei 7000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 5,7 s
Verbrauch 13,8 l/100 km
Testverbrauch 14,5 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen:

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie uns Ihre Meinung.

Kommentar schreiben
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Mazda MX-5 2019 Mazda MX-5 G 184 Mehr Leistung und mehr Schwung
Beliebte Artikel Bentley Continental GT Exterieur Bentley Continental GT Klappe die Dritte Aston Martin Vantage V8, Exterieur Aston Martin Vantage V8 Edles Coupé mit AMG-Triebwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
WhatsApp Newsletter
WhatsApp Newsletter
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Sportwagen VLN 7 - Nürburgring - 22. September 2018 VLN, 7. Lauf 2018 Black Falcon siegt vor Frikadelli Falken Porsche 911 GT3 R 2019 - VLN 7 - 20. September 2018 VLN Vorschau, 7. Lauf 2018 Falken mit neuem Porsche
Allrad Kia Niro EV Elektro-SUV Kia e-Niro (2019) Elektro-SUV mit 485 km Reichweite Seat Tarraco, SUV, Offroad, Allrad, 7-sitzer Seat Tarraco (2019) Lesen Sie hier alles zum neuen Seat-SUV
Oldtimer & Youngtimer VW Käfer 1302 LS Cabriolet, Frontansicht Top 10 Ranking H-Kennzeichen Die Oldtimer-Charts 2018 Volkswagen Käfer 1200 Cabriolet (1961) VW Käfer Auktion Schwedens größtes Käfer-Museum macht zu
Promobil Elektromobilität 10 Elektrofahrzeuge für Camper E-Bike, E-Scooter, Segway & Co. Dethleffs Pulse I 7051 im Test Modernes Mobil mit netten Details
CARAVANING Fendt Diamant 560 im Test Fendt Diamant 560 im Test Dezent aufgewertet Range Rover Velar Zugwagen-Test Range Rover Velar Starker SUV mit kleinen Mankos