Audi S6 5.2 FSI Quattro im Test

Zehne gezeigt

Foto: Hans-Dieter Seufert 17 Bilder

Audi zeigt es der Oberklasse-Konkurrenz und kombiniert im S6 technoide Coolness in schickem Ambiente mit einem charakter- und leistungsstarken Zehnzylinder sowie mit Allradantrieb.

Schon das Anlassergeräusch lässt aufhorchen: hochfrequent, singend, einen Tick länger orgelnd als bei den A6-Geschwistern. Und dann ist er da: zehnzylindrig, pulsierend, mit bassigem Timbre. Der Audi S6, neuer Charakterdarsteller im Oberklasse-Business.

Hinweg mit der V8-Hausmannskost des Vorgängers, der aktuelle S6 kokettiert dezent mit der Libido seiner Lamborghini- Gene im prall gefüllten Motorraum. Immerhin röhrt der V10 in seinen Grundfesten auch im Mittelmotor-Sportler Gallardo. Rambo mit Lambo also? Keine Spur, denn für seinen Auftritt in Limousine und Kombi legte der 90-Grad-V10 durch ein hauchzartes Bohrungsplus nicht nur auf 5,2 Liter Hubraum zu, sondern absolvierte neben einem Intensiv- Kurs zum Thema Benimmregeln – sprich Ausgleichswelle gegen das Tremolo der Massenmomente – auch gleich noch ein Atemtraining. So ermöglicht die FSI-Technik eine hohe Verdichtung von 12,5 zu eins, während das zweistufige Schaltsaugrohr die effiziente Ansaugluftführung erledigt (siehe Spotlight). Das Ergebnis: 435 PS sowie 540 Newtonmeter Drehmoment, die bereits in sportmotorunwürdigen Drehzahlniederungen knapp über Standgas wuchern.

Beim unsensiblen Tritt aufs Gaspedal sogar ein bisschen zu stämmig. Die für den S6 direkter ausgelegte Sechsstufenautomatik schnappt vor allem im sportlichen S-Modus wie eine ruppig rausgelassene Kupplung zu und lässt die Köpfe der Passagiere nach hinten schnellen. In Position D bei verhaltenem Pedaleinsatz grummelt der Audi dann auf Schleichfahrt durch Tempo- 30-Zonen, Ortsmitten und andere verkehrstechnische Schikanen, um schnurstracks die Landstraße ins Visier zu nehmen – und dort bei Bedarf aus dem Stand nach nur 5,5 Sekunden im imaginären Tempo-100-Begrenzer anzukommen.

Ansonsten cruist er gelassen im großen Gang über Geraden, dampft Mittelgebirgssteigungen zur Bedeutungslosigkeit ein. Die Wandlerautomatik arbeitet nahezu unmerklich, erkennt anhand von Längs- und Querbeschleunigung den Fahrercharakter genauso schnell, wie sie schaltet, gehorcht auf Wunsch serienmäßigen Schaltpaddeln am Lenkrad. Das ist etwa dann hilfreich, wenn sich der S6 voller Elan die nächste Kurve krallt, sie in Angriff nimmt und massiv querbeschleunigend durchzieht. Weder störende Seitenneigung, quälender Schlupf noch hektische ESP-Regelung bremsen den geschmeidigen Fluss der Geschwindigkeit.

Erst in engen Spitzkehren oder auf glitschigen Oberflächen schlägt die Frontlastigkeit in Form ansatzweisen Untersteuerns durch. Da kann auch die agilitätsfördernde Auslegung des Allradantriebs, die normalerweise 60 Prozent, in Extremsituationen bis zu 85 Prozent der Antriebskraft an die Hinterräder schickt, nichts mehr rausreißen. Dafür wahrt der Audi selbst bei harschen Manövern die Contenance, bremst punktgenau und standfest, greift im Notfall per ESP weich ein, kommuniziert über die präzise Lenkung charmant und homogen mit seinem Piloten und unterhält ihn mit changierenden Klangfarben aus dem Motorraum. Vom schrägen Gurgeln bis zum energischen Pochen ab rund 5000 Touren reicht das Repertoire. Für manchen Verbrennungsmotor-Erotiker hat der V10 im mittleren Drehzahlbereich zwar eine Überdosis Kreide gefressen, obenraus gibt er aber den Lambo in Brioni. Hier spricht der 5,2-Liter zackig an, dreht hitzig hoch, schiebt auch jenseits der 200er-Marke ungerührt weiter – bis zum selbst auferlegten 250-km/h-Limit.

Die gepflegte Unterhaltung im Innenraum wird dadurch nicht über Gebühr erschwert, Windgeräusche blendet der optional dämmglasbewehrte S6 erfolgreich aus. Ach, das Leben im S6 könnte so schön sein: gelassen in den lederbezogenen, körpergerechten Sportsitzen lümmeln, den Blick über den silbrig aufgewerteten Instrumententräger, die millimetergenau gesetzten Alu-Intarsien und Karbonblenden schweifen lassen, den zarten Kitzel der doppelten Ziernähte des griffigen Lederlenkrads spüren.

Und dabei zugfrei klimatisiert, indirekt illuminiert und von zehn Lautsprechern fein beschallt mit ICE-Tempo dem Ziel entgegenströmen. Wohlgemerkt könnte – wenn Audi seinem Upperclass- Bahnbegleiter nicht ein übertrieben straffes Fahrwerks- Setup verpasst hätte. Bei niedrigem Tempo rumpelt der Zweitonner mit seinen 19-Zöllern steifbeinig über Kanaldeckel. Höheres Tempo fördert zwar die Arbeitsbereitschaft der konventionellen Dämpfer, aber kurz aufeinander folgende Wellen regen den Audi zu Katapultbewegungen an.

Zu der unverhältnismäßig straffen Abstimmung gibt es keine Alternative: Ein Luftfeder- Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern wie im A6 wird hier nicht angeboten. Für Versöhnung sorgt eine Ausstattung, die für 79 800 Euro Grundpreis ein feines Du-hast-es-zu-etwasgebracht- Gefühl vermittelt. Neben den erwähnten Innenraum- Goodies sorgen außen Räder im Turbinenlook, herausgearbeitete Seitenschweller und die senkrechten Doppelstreben im Kühlergrill für die gewünschte Abgrenzung zu den zahmeren Geschwistern. Spätestens die Tagfahrlicht-LED – fünf pro Seite, je ein Watt stark – dokumentieren, dass hier kein 2.0 TDI angedieselt kommt. Allerdings polarisieren die Lichtleisten noch stärker, als sie strahlen. Für die einen zu sehr Nachrüst-Style, für die anderen Aufmerksamkeits-Garant mit Wiedererkennungswert. Wem das alles zuviel wird, der kann die Leuchten im Bordmenü auch einfach abschalten.

Etwas früher einschalten dürfte hin und wieder der Lichtsensor, der manchmal erst im trüben Dämmerlicht den Befehl zur Zündung der – hervorragend ausleuchtenden – Xenon-Scheinwerfer gibt. Was nichts daran ändert, dass der S6 als fahrdynamisch kompetente Lichtgestalt den Club der Power-Limousinen bereichert.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot
  • hervorragende Verarbeitung
  • einfache Bedienung
  • großer Kofferraum
Fahrkomfort
  • bequeme, körpergerechte Sitze vorn und hinten
  • angenehmes Innengeräusch
  • eingeschränkter Federungskomfort
Antrieb
  • sehr gute Fahrleistungen
  • attraktiver Motorklang
  • gutes Ansprechverhalten
  • hohe Laufkultur
  • teils ruppiges Anfahrverhalten
Fahreigenschaften
  • sicheres Kurvenverhalten
  • präzise Lenkung
  • sehr gute Traktion
  • geringe Seitenneigung
  • eingeschränkte Handlichkeit
Sicherheit
  • standfeste Bremsen
  • gute Sicherheitsausstattung
  • helles Xenonlicht
  • Seitenairbags hinten optional
Umwelt
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • hoher Anschaffungspreis
  • teurer Unterhalt

Fazit

Mit der Kombination aus V10 und Allradantrieb bietet der S6 eine sportlich-elegante Alternative zur Konkurrenz. Für eine langstreckentaugliche Limousine ist das Fahrwerk zu straff abgestimmt.

Technische Daten
Audi S6 5.2 FSI Quattro
Grundpreis 82.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4916 x 1864 x 1449 mm
KofferraumvolumenVDA 546 l
Hubraum / Motor 5204 cm³ / 10-Zylinder
Leistung 320 kW / 435 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 5,5 s
Verbrauch 13,0 l/100 km
Testverbrauch 16,5 l/100 km
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