Audi TT, BMW Z4, Nissan 350 Z, Alfa Brera

Moderner Vierkampf

Foto: Achim Hartmann 37 Bilder

Edler, leichter, sportlicher: Der neue Audi TT 3.2 Quattro tritt zu einem ersten Kräftemessen mit der Sportcoupé-Meute Alfa Romeo Brera 3.2 JTS, BMW Z4 3.0 si und Nissan 350 Z an.

Man könnte ihn die neue deutsche Welle nennen: Audis Auto gewordene Halbsinuskurve integriert sich ohne großen Vernunft- Umweg direkt in die mobile Ich-will- Spaß-Gesellschaft. Vorne wie hinten rundgelutscht wie ein Fruchtbonbon, geht der neue TT mit Alfa Romeo Brera, BMW Z4 und Nissan 350 Z in den Fahrfreude-Clinch.

Wer hier zuerst das Kofferraum-Angebot studiert oder mit dem Einstieg hadert, sollte lieber Van fahren. Reinducken, Kurven anvisieren und Spaß haben – in dieser Reihenfolge geht es zum Genuss, und der TT prescht gleich vorneweg. Als wäre er auf Energydrink und Valium gleichzeitig, wieselt das Coupé mit dem kürzesten Radstand im Vergleich zwar mit packender Lebendigkeit ums Kurvenglück, bleibt bei aller Agilität aber cool, präzise und sicher.

Zentimetergenaues Anpeilen von Scheitelpunkten, kontrollierte Lastwechsel und allradsouveräner Umgang mit nassen Straßenbelägen sind ebenso sein Repertoire wie zartsicheres Untersteuern in sehr engen Spitzkehren. Subjektiv packt das optionale Magnetic-Ride-Fahrwerk (1200 Euro) auf das Handlingerlebnis in der Sportstellung noch einen drauf. Dann verhärtet sich die elektronisch angesteuerte magnetische Flüssigkeit in den adaptiven Stoßdämpfern zusätzlich, das Wanken wird geringer, und Reaktionen erfolgen zackiger. Wird der TT damit schneller? Nicht unbedingt, dafür aber intensiver und gefühlsechter. Sein 250 PS starker Sechszylinder röchelt dazu Kettenraucher- Hardrock-Sound. Etwas zu rau und aufdringlich, aber niemals langweilig. Midtempo-Bummeln auf der Autobahn strengt auf Dauer schon mal an.

Am liebsten beißt der 3,2-Liter jedoch unterhalb 3000/min aus Kurven heraus mit allen vier Rädern kräftig zu. Nominiell am schwächsten, hält der TT sogar den 51 PS kräftigeren Nissan 350 Z in Schach und gönnt ihm durch bessere Traktion unter 130 km/h keine Beschleunigungs-Zehntelsekunde.

Zwei Zentner Mehrgewicht und die längere Übersetzung lassen das Nissan- Sport-Flaggschiff beim Durchzug die TT-Rücklichter bestaunen. Dafür röhrt sich der wilde japanische Hund noch ergreifender in die Magengrube, auch wenn dieses Akustik-Spektakel nicht für die lange Urlaubsfahrt taugt.

Der 350 Z ist kein automobiles Spa, er fordert den erfahrenen Fahrer, der mit seinen nervösen Eigenarten umzugehen weiß. Das Heck zuckt auch mit ESP auf Lastwechsel kurz (trockene Straße) bis hektisch (nasse Straße), und die präzise Lenkung lässt Fahrbahnschläge mit Wucht durchknallen. Trotzdem: Keiner aus dem Quartett schwingt bei inaktiver Stabilitätshilfe so herrlich breit mit dem Heck. Einen lockeren Hüftschwung hat auch der BMW – bei Bedarf und mit ausgeschaltetem ESP.

Aber derlei fahrerische Extreme benötigt das Z4 Coupé gar nicht. Sein Können erschließt sich besonders automobilen Feingeistern, die sich am sämigen Hochdrehen des Reihensechszylinders, der sofortigen Gasannahme und der im kalten Zustand hauchzart knorpeligen, aber dann wunderbar verbindlichen Sechsgangschaltung erfreuen. Zwischenspurts auf der Autobahn hakt der flache Bayer mit seinen leichten 1400 Kilogramm und 265 PS im besonders schnellen Vorlaufprogramm ab. Feinnervig, harmonisch und mit der richtigen Dosis Heck-Akzentuiertheit bläst der Z4 den Sommerstaub von den Landstraßen.

Und nur im direkten Vergleich zum Audi fällt auf, dass die Lenkung etwas zu nervös um die Mittellage ist und Kurven nicht ganz so explosiv bezwungen werden können. Im Winter wird der heckgetriebene BMW jedoch das Nachsehen gegenüber den Allradlern haben. Damit wäre zugleich auch der größte Vorteil des vierten Vergleichstestkandidaten angesprochen: Der Allradantrieb des Brera beschert ihm gute Traktion und ein neutral bis untersteuerndes Fahrverhalten. In allen anderen Disziplinen fährt sich der hübsche Italiener jedoch wie aus einer anderen Generation – einer vorhergehenden. Übergewicht und hoher Fahrzeugschwerpunkt machen ihn träge.

Reaktionen wirken tranig, Kurven werden im direkten Vergleich mit den agilen Konkurrenten mehr umwankt als umfahren. Verbindlichkeit und Exaktheit überlässt die Alfa-Lenkung mit südländischer Generosität lieber ihren deutschen Mitbewerbern. Viele glühende Alfisti verschmerzen solche Nachteile mit einem Augenzwinkern, doch der 3,2-Liter- Motor lässt keinen Raum für Toleranz.

All das Feuer und die Leidenschaft, die früher Alfa-Sechszylinder ausgezeichnet haben, fehlen dem italienisch-australischen Gemeinschaftsprodukt von Fiat und Holden. Er ist subjektiv wie objektiv in jeder Disziplin am langsamsten und lässt sich akustisch von BMW und Nissan den Schneid abkaufen.

Die lang übersetzten hohen Gänge töten das letzte Quäntchen Leben seiner laufruhig antretenden 260 PS. Sein allergrößtes Übel ist aber der extrem hohe Verbrauch (siehe Spotlight). Es wird Alfa-Fans nicht trösten, dass der Brera im Komfortkapitel den zweiten Platz belegt und genauso wie der Audi ein Paar Notsitze im Fond bereit hält. Die weiche Federung entspannt zusammen mit dem niedrigsten Geräuschpegel auch län- gere Fahrten.

Es hätte jedoch noch mehr sein können, wenn die Dämpfung nicht so lasch ausgelegt und die Sitzposition nicht so unsportlich hoch wäre. Die unzumutbare Infotainment- Bedienung und die vergleichsweise schwachen Bremsen setzen der unrühmlichen Leistung des Brera das ITüpfelchen auf. Immerhin bietet er als einziger Knie-Airbags. Die hat der TT nicht, dafür aber besseren Komfort.

Dank Magnetic ride nicht über Gebühr straff und gut gedämpft, nimmt er Unebenheiten ohne unfeines Aufstoßen. Die sportlich tief liegenden serienmäßigen Ledersessel sind sogar von exquisitem Komfort und Seitenhalt. Dazu verwöhnt der TT mit dem besten Raumgefühl, der höchsten Zuladung und einem Schmuckstück an fahrerorientiertem Cockpit. Aluminium, Leder, Softtouch-Lack sowie perfekte Instrumente bescheren Fingerkuppen wie Augen ein sinnliches Fest. Ganz nebenbei lässt er sich auch noch am einfachsten bedienen.

Bei Komfort und Interieur können auch der BMW und der Nissan nicht mithalten. Knappe Raumverhältnisse und gewöhnungsbedürftige Bedienung eint beide. Trotz Aluminiumeinsätzen krankt der 350 Z-Innenraum zudem immer noch am Plastiklook. Die Hinterachse des Z4 sorgt mit ihrer überstraffen Abstimmung für Fahrmomente mit kräftigen Vertikalausschlägen, im Nissan passt bei extremen Anregungen auch das Wort sprunghaft. Immerhin kann der sehr gut ausgestattete Japaner zumindest den Alfa bis zum Schluss in Schach halten, trotz extrem hoher Kaskoprämien.

Der kostengünstige Z4 verspielt seinen Gesamtsieg zwar durch Komfortmängel, bleibt aber für Antriebs- und Handling- Gourmets immer noch die erste Wahl. Die größte La Ola-Welle gebührt aber der Ingolstädter Neuauflage: Athletisch, edel und praxistauglich holt sie Platz eins.

Fazit

1. Audi TT 3.2 Quattro
488 Punkte

Ein gelungener Einstand des neuen TT. Ohne nennenswerte Schwäche und mit packender Sportlichkeit stürmt der runde Bayer zum Gesamtsieg.

2. BMW Z4 3.0 si
476 Punkte

Genialer Motor, agiles Handling und die mit Abstand günstigsten Kosten – den ersten Platz lässt sich der Z4 nur durch seine Komfortmängel nehmen.

3. Nissan 350 Z
418 Punkte

Der wilde Hund unter den Sportcoupés ist was für erfahrene Fahrer mit Nehmerqualitäten. Besonders bei Nässe ist er mit Vorsicht zu genießen.

4. Alfa Romeo Brera 3.2 JTS
405 Punkte

Sein träges Fahrverhalten und der müde, viel zu durstige Motor sind nicht mehr state of the art. Selbst bei den Kosten belegt der Alfa den letzten Platz.

Technische Daten
Alfa Romeo Brera 3.2 JTS V6 24V Q4 Nissan 350Z Coupé Premium Pack BMW Z4 Coupé 3.0si Audi TT Coupé 3.2 Quattro
Grundpreis 40.550 € 40.290 € 40.700 € 41.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4410 x 1830 x 1341 mm 4315 x 1815 x 1315 mm 4091 x 1781 x 1268 mm 4178 x 1842 x 1352 mm
KofferraumvolumenVDA 300 bis 610 l 235 l 285 l 290 bis 700 l
Hubraum / Motor 3195 cm³ / 6-Zylinder 3498 cm³ / 6-Zylinder 2996 cm³ / 6-Zylinder 3189 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 191 kW / 260 PS bei 6300 U/min 221 kW / 301 PS bei 6400 U/min 195 kW / 265 PS bei 6600 U/min 184 kW / 250 PS bei 6300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 244 km/h 250 km/h 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 7,2 s 6,3 s 6,3 s 6,2 s
Verbrauch 11,4 l/100 km 11,8 l/100 km 8,9 l/100 km 10,3 l/100 km
Testverbrauch 16,3 l/100 km 12,9 l/100 km 11,0 l/100 km 12,4 l/100 km
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