Aus guter Zucht

Mit kräftiger Motorisierung und entsprechenden Preisen sind der neue Lancia Lybra SW 2.0, der VW bora Variant V5 und der Volvo V40 2.0 T für Kombi-Käufer gedacht, die das Besondere schätzen.

Die Rolle des schicken Kombis für Leute, die gern ein paar Mark mehr auf den Tresen des Händlers legen, spielt der zum Bora aufgemotzte Golf Variant weniger überzeugend als ein Lancia oder Volvo. Aber er kontert mit handfesten Vorzügen.

Sein Laderaum besitzt das größte Fassungsvermögen, und unter der Abdeckung des Reserverads finden sich praktische Zusatzfächer, in denen kleinere Gegenstände versteckt werden können. Die Kofferräume des Lancia und des Volvo sind annähernd gleich groß, die größte Zuladung (482 kg) verträgt der Lybra (Bora 452 kg, V40 438 kg). Bei umgeklapptem Rücksitz ergibt sich bei allen drei Testkandidaten eine ebene, gut nutzbare Fläche, das Umklappen selbst ist mit wenigen Handgriffen erledigt.

Auch das Platzangebot für die Passagiere befindet sich auf vergleichbarem Niveau. Das Fondabteil des Volvo ist zwar etwas großzügiger geschnitten als bei Lancia und VW, aber zum Fünfsitzer taugt auch er nur eingeschränkt – wie beim Lybra und beim Bora ist auch die Rücksitzbank des V40 auf zwei Personen zugeschnitten. Fahrer und Beifahrer sitzen auf den Sportsitzen des VW am besten, die Volvo-Sitze hingegen lassen seitlichen Halt vermissen. Und auch die Lancia-Sitze führen seitlich nicht ganz so gut. Sehr große Fahrer wünschen sich im Lybra zudem eine tiefere Sitzposition. Dafür wirkt der VW im Innenraum weit biederer als der Lancia und auch als der Volvo.

Nischenmodelle werden in den getesteten Versionen alle drei Kombis bleiben. Dafür sorgt nicht zuletzt die jeweils gewählte Motorisierung. Beim Bora ist das der 2,3-Liter-Fünfzylinder aus der Motorenreihe mit dem Kürzel VR, das für die einzigartige Mischung aus V- und Reihentriebwerk steht. Der Lancia besitzt einen konventionellen Reihen-Fünfzylinder, der mit zwei Liter Hubraum zwar kleiner ist als der VW-Motor, mit 154 PS aber vier PS mehr leistet. Der Volvo schließlich, 160 PS stark, begnügt sich mit vier Zylindern und ebenfalls zwei Liter Hubraum. Sein Leistungsplus verdankt er einem Turbolader. Das rundum angenehmste Triebwerk ist das des VW. Spontanes Ansprechen aufs Gas und gleichmäßige Leistungsentfaltung gehören zu den Vorzügen dieses Motors. Der Lancia-Fünfzylinder arbeitet vernehmlicher, er lässt seinen geringeren Hubraum spüren. Die Elastizitätswerte sind schlechter, und im oberen Drehzahlbereich wirkt die Leistungsentwicklung zäh. Außerdem verbraucht er etwas mehr (10,7 L/100 km) als die VW-Maschine, die sich ebenfalls nicht durch Sparsamkeit auszeichnet (10,4 L/100 km). Der Turbolader des Volvo-Vierzylinders (Ladedruck maximal 0,6 bar) dient in erster Linie der Steigerung des Drehmoments. Der Maximalwert von 230 Newtonmetern liegt über den weiten Bereich von 1800 bis 4800/min an, er lässt die Saugmotoren von Lancia (186 Nm) und VW (205 Nm) damit klar hinter sich. In der Praxis bedeutet die hohe Durchzugskraft, dass der Volvo meist mit Drehzahlen bis maximal 4500/min unterwegs ist. Das ist auch gut so, nicht nur im Interesse des Verbrauchs (Testmittel: 11,2 L/100 km): Im unteren Drehzahlbereich läuft der Volvo-Motor zwar ruhiger als die Konkurrenz-Triebwerke, beim Ausdrehen aber brummt er laut und erzeugt lästige Dröhnfrequenzen.

Lancia und VW bringen ihre Leistung besser auf den Boden als der Volvo, sie lenken sich auch exakter. Das beste Handling und das am meisten Vertrauen einflößende Fahrverhalten bietet der Bora. Der Lybra wirkt träger, aber auch er bleibt, ebenso wie der V40, bis in den Grenzbereich leicht untersteuernd und damit gutmütig. Bestnoten verdient sich der VW für seine Bremsen, die hohe Beanspruchung besser verkraften als die des Volvo. Starkes Fading zeigt die Lancia-Bremse.

Beim Fahrkomfort ist der Lancia dem VW jedoch dicht auf den Fersen. Seine Federung schluckt Unebenheiten bei normaler Belastung noch etwas geschmeidiger, bei hoher Zuladung stößt sie aber schneller an ihre Grenzen Beide übertreffen den Volvo in dieser Disziplin deutlich.

Die fehlende Ferinabstimmung des Fahrwerks wirft den schwedischen Kombi denn auch zurück, die magere Basisausstattung macht seine Niederlage komplett. Ausstattungsbereinigt ist der Bora teurer als der Lybra, wegen geringerer Festkosten gewinnt er aber auch das Kostenkapitel und sichert sich damit den Gesamtsieg.

Technische Daten
Lancia Lybra SW 2.0 LX VW Bora Variant V5 Highline Volvo V40 2.0T
Grundpreis 24.568 € 24.700 € 23.300 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4466 x 1743 x 1470 mm 4409 x 1735 x 1473 mm 4483 x 1717 x 1413 mm
KofferraumvolumenVDA 420 bis 1300 l 460 bis 1470 l 413 bis 1421 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 5-Zylinder 2324 cm³ / 5-Zylinder 1948 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 113 kW / 154 PS bei 6500 U/min 110 kW / 150 PS bei 6000 U/min 118 kW / 160 PS bei 5100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h 216 km/h 215 km/h
0-100 km/h 9,3 s 9,7 s 8,5 s
Verbrauch 10,0 l/100 km 9,5 l/100 km 8,7 l/100 km
Testverbrauch 10,2 l/100 km 11,2 l/100 km
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