Autos mit Partikelfilter

Limited Emission

Foto: Achim Hartmann

Deutsche Diesel-Limousinen mit Partikelfilter im Vergleich mit dem Filter-Pionier Peugeot 407 2.0 HDi: Mercedes C 220 CDI, Opel Vectra 1.9 CDTi und VW Passat 2.0 TDI.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die große Diskussionen auslösen. Wie im Fall der Rußpartikel, die als Emissionen von Dieselmotoren in die Umwelt gelangen und unter Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen. Der Partikelfilter ist so zum Top-Thema im Zusammenhang mit Dieselautos geworden, um das kein Hersteller mehr herumkommt. Mittlerweile gibt es vor allem in der Mittelklasse vermehrt Modelle mit dieser Technik. Vorreiter in Sachen Partikelfilter ist Peugeot. Wie der 607 HDi bereits im Jahr 2000, so ist auch der neue 407 2.0 HDi mit 136 PS grundsätzlich mit einem Partikelfilter ausgestattet. Das trifft ebenso auf den Opel Vectra 1.9 CDTi zu, der in diesem Vergleich in der stärkeren Variante mit Vierventiltechnik und 150 PS antritt. Mercedes verlangt für den Filter beim gleich starken C 220 CDI einen Aufpreis von 580 Euro. Der Betrag kann aber zum Teil wieder hereingeholt werden. Denn mit Dieselpartikelfilter erfüllt der C 220 CDI die Euro- 4-Norm und ist damit bis Ende 2005 von der Kfz-Steuer befreit, sofern das Auto noch 2004 erstmals zugelassen wird. VW bietet den Filter im Passat nur in einer speziellen Motorvariante an – dem 2.0 TDI mit 136 PS, dort aber serienmäßig. Allerdings ist der Passat mit Filter 925 Euro teurer als der mit 130 PS ähnlich starke 1.9 TDI.

Grundsätzlich arbeiten die Filter nach dem gleichen Prinzip. Die Abgase strömen durch einen porösen Keramikkörper, in dem selbst kleinste Rußpartikel zurückgehalten werden. Mit der Zeit sammelt sich aber so viel Ruß im Filter an, dass der Abgasgegendruck steigt. Dadurch sinkt die Motorleistung, der Verbrauch steigt. Um dem vorzubeugen, muss der Partikelfilter von Zeit zu Zeit regeneriert werden. So nennt man das Abbrennen der Rußpartikel. Je nach Einsatzbedingungen erfolgt die Regeneration beim Fahren selbsttätig alle 600 bis 1000 Kilometer und dauert fünf bis zehn Minuten. Der Ruß verbrennt erst ab 600 Grad. Im normalen Betrieb wird diese Temperatur nicht erreicht. Deshalb besitzen die Filter eine katalytische Beschichtung, die die Abbrand-Temperatur des Rußes herabsetzt. Drucksensoren vor und hinter dem Filter erkennen über den Druckabfall, wann eine Regeneration erforderlich ist. Ausgelöst wird das Abbrennen der Rußpartikel dann über Nacheinspritzungen von Dieselkraftstoff, wodurch andererseits die Temperatur des Abgases um bis zu 200 Grad erhöht wird.

Hilfreich ist auch eine Einbauposition des Filters in der Nähe des Motors, wo die Temperatur ohnehin höher ist. Ist das nicht möglich, wie beim Passat, kommen Additive zum Einsatz, die ebenfalls dazu dienen, die Abbrandtemperatur des Rußes zu senken. Auch das Peugeot-System arbeitet mit solchen Zusatzstoffen.

Diese werden nach dem Tanken automatisch dem Diesel im Kraftstoffbehälter beigemischt. Die Additive hinterlassen im Filter nicht abbrennbare Asche. Bei Peugeot und VW steht deshalb alle 120 000 Kilometer der Austausch des Filters gegen ein gereinigtes Exemplar und das Nachfüllen des Additivs an. Während der Filterwechsel bei Peugeot kostenfrei ist und nur das Nachfüllen des Additivs mit durchschnittlich 90 Euro bezahlt werden muss, bittet VW zusätzlich zur Kasse. Der Wechsel von Partikelfilter und Additiv schlägt mit rund 500 Euro sehr kräftig zu Buche. Bei Mercedes und Opel sind solche regelmäßigen Wartungsarbeiten nicht vorgesehen.

Im Vergleich zu seinen Konkurrenten stellt der 407 Tendance mit der umfangreichsten Serien- und kompletter Sicherheitsausstattung zum günstigsten Basispreis von 25 200 Euro das preislich attraktivste Angebot dar. Inklusive IDS Plus- Fahrwerk werden für den Vectra in der brandneuen Edition-Variante mit aufgepeppter Optik innen und außen 26 785 Euro fällig. 190 Euro mehr kostet der vergleichsweise mager ausgestattete Passat. Auch in puncto Sicherheitsausstattung bildet der VW das Schlusslicht. Mit 33 083 Euro für den C 220 CDI in der Elegance-Ausführung markiert der Mercedes preislich die Spitze in diesem Vergleich. Als Gegenwert bekommt der Kunde dafür aber auch den besten Motor in dieser Runde. Es ist eine Pracht, wie der Vierzylinder dreht, ohne dass ihm bei Drehzahlen über 4000/min die Puste ausgeht. Das Ansprechverhalten aus jeder Lebenslage heraus ist für einen Common-Rail-Diesel vorbildlich. Allerdings läuft der Mercedes- Motor etwas kerniger als der sehr kultivierte Peugeot- HDi-Diesel.

Hohe Drehzahlbereiche suchen HDi und TDI vergleichsweise unwillig auf. Außerdem genehmigen sich diese beiden eine kurze Pause, bevor der Tritt aufs Gaspedal mit Vortrieb beantwortet wird. Der Passat schiebt dann aber mit spürbar mehr Nachdruck an als der Peugeot, der vor allem bei höheren Geschwindigkeiten und bei der Elastizitätsmessung durch eine lange Getriebeübersetzung gehandikapt ist. Das von Fiat und Alfa stammende 1,9-Liter-Triebwerk im Vectra fällt bei der Elastizitätsmessung ebenfalls ab, was sich im normalen Fahrbetrieb – von einer leichten Anfahrschwäche abgesehen – jedoch kaum bemerkbar macht. In puncto Drehfreude kommt der Opel auch nicht an den Mercedes heran. Bei geringer Last läuft das Vectra-Triebwerk ähnlich geschmeidig wie das des Peugeot.

Doch beim Ausdrehen mit Vollgas wird die Tonart kerniger, und ein leichtes Dröhnen mischt sich in die Geräuschkulisse. Beim VW kann man eigentlich gar nicht von Laufkultur sprechen. Denn der Zweiliter- Zweiventiler entwickelt nicht nur starke Vibrationen, welche die Handflächen am Lenkrad massieren, er hört sich so hart an wie ein Diesel alter Schule. Besonders bei hoher Last im mittleren Drehzahlbereich. Durch den unkultivierten Motor verspielt der Passat den Vorsprung im Komfortkapitel, den er sich mit seiner wirkungsvollen Federung herausgefahren hatte. Lediglich bei mehreren langen Bodenwellen macht sich die weiche Dämpfung durch Hubbewegungen der Karosserie negativ bemerkbar. Ähnlich komfortabel federt der Mercedes, der aber etwas unwilliger auf kurze Unebenheiten anspricht. Mit Beladung reagiert die Federung der CKlasse aber sensibler.

Der 407 entspricht so gar nicht mehr dem Klischee, dass französische Autos per se weich gefedert seien. Sportlich-straff reagiert er vor allem auf kurze Wellen. Querfugen und Kanaldeckel werden mit Poltern quittiert. Lange Wellen meistert der Peugeot aber ordentlich. Beim Vectra führen langwellige Anregungen bei schneller Fahrt mitunter zu heftigen Vertikalbeschleunigungen. Auf kurzen Wellen werden die Passagiere stets über den Fahrbahnzustand informiert. Dabei sollte das IDS Plus-Fahrwerk mit seinen verstellbaren Dämpfern eigentlich Komfort und Sportlichkeit verbinden. Das leichtfüssige Handling und die sicheren, neutralen Fahreigenschaften des Vectra zeigen aber, dass die Sportlichkeit beim IDS Plus wohl die Oberhand behalten hat. Etwas mehr Untersteuern als der Opel zeigt der Mercedes trotz Hinterradantriebs. Ansonsten lenkt auch er sehr spontan ein. Allerdings könnte die leichtgängige Mercedes-Lenkung mehr Rückmeldung vermitteln.

Der Passat schiebt bei flotter Gangart kräftig über die Vorderräder und wirkt bei schnellen Spurwechseln torkelig. Auf Lastwechsel in der Kurve reagiert der Passat nur mit leichtem Eindrehen. Solche Manöver, wie etwa das Gaswegnehmen in einer sich zuziehenden Autobahnausfahrt, veranlassen den Peugeot hingegen zu heftigen Heckschwenks, die das ESP erst recht spät mit ruppigen Eingriffen kontert. Ruppige Eingriffe in den Geldbeutel sind wegen des Partikelfilters in puncto Verbrauch aber bei keinem der Kandidaten zu befürchten. Er ist nicht höher als bei ähnlich motorisierten Autos ohne Filter. Beim Partikelfilter war Peugeot der Erste. Bei diesem Vergleich landet der 407 auf dem letzten Platz. Der ausgewogene und preisgünstige Vectra gewinnt knapp vor der teuren CKlasse. Der alte Passat schlägt sich immer noch akzeptabel.

Fazit

1. Peugeot 407 2.0 HDI Tendance
476 Punkte

Der 407 ist weder besonders sportlich noch komfortabel. Stärken: günstiger Preis und sehr gute passive Sicherheitsausstattung.

2. VW Passat 2.0 TDI Comfortline
492 Punkte

Üppiges Platzangebot und komfortable Federung stehen magerer Sicherheitsausstattung und unkultiviertem Motor gegenüber.

3. Mercedes C 220 CDI Elegance
502 Punkte

Der hohe Preis kostet die CKlasse den Sieg, den sie mit sonst hervorragenden Motor und dem guten Komfort verdient hätte.

4. Opel Vectra 1.9 CD Ti Edition
503 Punkte

Der neue Dieselmotor passt zum sportlichagilen Vectra. Sehr gut sind die Bremsen. Der Komfort überzeugt weniger.

Technische Daten
VW Passat 2.0 TDI Comfortline Peugeot 407 HDi FAP 135 Tendance Mercedes C 220 CDI Partikelfilter Elegance Opel Vectra 1.9 CDTI Edition
Grundpreis 26.975 € 26.050 € 33.860 € 26.745 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4703 x 1746 x 1462 mm 4676 x 1811 x 1445 mm 4526 x 1728 x 1426 mm 4596 x 1798 x 1460 mm
KofferraumvolumenVDA 475 bis 800 l 407 l 455 l 500 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder 1997 cm³ / 4-Zylinder 2148 cm³ / 4-Zylinder 1910 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 4000 U/min 100 kW / 136 PS bei 4000 U/min 110 kW / 150 PS bei 4200 U/min 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 211 km/h 208 km/h 224 km/h 217 km/h
0-100 km/h 10,7 s 11,1 s 9,9 s 10,2 s
Verbrauch 6,1 l/100 km 5,9 l/100 km 6,4 l/100 km 5,8 l/100 km
Testverbrauch 8,0 l/100 km 8,2 l/100 km 8,0 l/100 km 7,9 l/100 km
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