Aygo gegen Trevis

Starter Kids

Foto: Foto: Uli Jooß 18 Bilder

Drei Zylinder, 3,4 Meter Länge und vier Türen: Braucht man mehr Auto für den Weg von A nach B? Daihatsu Trevis und Toyota Aygo beantworten diese Frage auf unterschiedliche Weise.

Dass der Toyota Aygo Geschwister hat, ist an sich nichts Neues. Der Rummel zur Einführung der baugleichen Drillinge von Citroën (C1), Peugeot (107) und Toyota war 2005 kaum zu überhören. Aber es gibt noch mehr Verwandtschaft: den Daihatsu Trevis. Daihatsu ist schließlich eine Toyota-Tochtermarke, und der neue Winzling soll im selben Segment Käufer-Herzen erobern wie Toyotas Kleinster. Aber auch wenn so wichtige Daten wie Preis, Hubraum, Zylinder- und Türenzahl identisch sind – keine 11 000 Euro, ein Liter, drei Brennräume, vier Zustiegsmöglichkeiten –, haben die Cousins wenig gemeinsam.

Der Aygo kommt zeitgemäß windschlüpfig daher, der Trevis hat sich dagegen dem aufrechten Retro-Design verschrieben. Große Rundscheinwerfer, verchromter Maschendraht im Grill, der sich bei genauer Betrachtung als gut gemachtes Kunststoffteil entpuppt, und die Silhouette erinnern an den ersten Mini. Sein Interieur gibt sich dagegen weniger verspielt und nüchterner, einen historischen Bezug sucht man vergebens. Immerhin bietet die Armaturentafel neben Tacho und Drehzahlmesser jede Menge Ablagefächer, davon drei mit Deckel, und die Bedienung gelingt spielend einfach.

Der Aygo wartet mit einer zwar tristen, aber gut verarbeiteten Plastiklandschaft auf und konzentriert die Bedienelemente weitgehend um die Mittelkonsole. Lediglich ein Tacho informiert hier den Fahrer – ein Tribut an den niedrigen Kaufpreis. Wer einen Drehzahlmesser möchte, muss den 350 Euro teureren Aygo Club wählen. Bis auf die Regler der Klimaanlage (auch im Trevis Serie) lässt sich der Toyota ganz konventionell und damit leicht bedienen.

Etwas Wohlwollen und eine kurze Fahrstrecke vorausgesetzt, bieten beide Platz für vier Erwachsene, wobei der Aygo vorn den besseren Raumeindruck vermittelt. Der Trevis ist hier deutlich schmaler geschnitten. Man sitzt eng an Tür und Nachbarn geschmiegt. Dafür ist die Kopffreiheit ausgezeichnet, sie erinnert eher an den VW Käfer als an einen Mini. Im Gegenzug lässt der Aygo Fahrer und Beifahrer mehr Raum, knausert dafür im Fond ordentlich mit Kopf- und Beinfreiheit. Schon der Zustieg nach hinten ist beim Trevis mit den größeren, weit öffnenden Türen deutlich müheloser.

Doch während die Viersitzigkeit der beiden nur selten in Anspruch genommen wird, dürften ihre Qualitäten als Einkaufswagen öfter gefordert sein. Wobei klar ist, dass schon ein Wochenend-Großeinkauf im Supermarkt beide Kofferräume bis ans Äußerste fordert. Immerhin lassen sich die Gepäckabteile jeweils kräftig vergrößern. Beim Aygo ist die umklappbare Banklehne mittig geteilt, die beim Trevis dagegen etwas praktischer asymmetrisch. Einen ebenen Ladeboden bei geklappter Lehne bietet keiner. Obwohl ein Mindestmaß an Variabilität gewährleistet ist, lässt sich der Aygo dennoch kaum mit sperrigem Gepäck beladen.

Statt einer Heckklappe wie beim Trevis öffnet sich am Toyota-Heck nämlich nur die immerhin sehr große Scheibe. Die Folge ist eine enorm hohe Ladekante, über die jede Einkaufstüte oder Wasserkiste hinweggewuchtet werden muss. Besonders niedrig ist die Kofferraumkante des Trevis zwar auch nicht, aber das Beladen fällt hier leichter.

Während im Karosserie-Kapitel Gleichstand herrscht, zeigen sich beim Fahrwerk erhebliche Unterschiede. Der Toyota kann hier nahezu alles besser. Er bietet mehr Federungskomfort, ohne deshalb besonders komfortabel zu federn. Auf kurvenreichen Strecken wird man ihm seine straffe Abstimmung allerdings gern verzeihen, weil er präzise und äußerst handlich um die Ecken wetzt.

Der Trevis dagegen bockt und stößt mit der Federung, torkelt untersteuernd durch Wechselkurven und hebt schon bei relativ niedrigen Geschwindigkeiten das kurveninnere Rad, das dann jede Haftung verliert und auch nicht durch eine Antriebsschlupf-Regelung oder ESP eingebremst wird. Denn den elektronischen Rettungsanker gibt es leider weder für den Daihatsu noch für den Toyota, nicht einmal gegen Aufpreis. Im- merhin bietet der Aygo sechs Airbags, der Trevis nur zwei. Nur befriedigend ist bei beiden Autos die Bremsleistung. Ein Blick auf die schmale Bereifung und die winzigen Bremstrommeln an der Hinterachse gibt einen Hinweis, warum das so ist.

Erfreulich lebendig sind dagegen die Motoren. Zugegeben, sie laufen beide etwas rau, auch Vibrationen sind hier ein spürbares Thema, aber das stört weniger, als man vermuten könnte. Denn die Lebensäußerungen klingen durchaus sympathisch – etwa so, als wäre beim Trevis ein großer Hummelschwarm, beim Aygo eine Gruppe wild gewordener Hornissen unter der Haube am Werk.

In der Stadt wirkt der Trevis freilich etwas kräftiger, er schiebt an der Ampel richtig munter los. Hier muss dem Aygo über eine leichte Anfahrschwäche hinweggeholfen werden. Auf der Landstraße oder Autobahn wendet sich das Blatt. Schuld ist die zu lange Getriebe-Übersetzung des Daihatsu, die dem Motor spürbar die Durchzugskraft raubt. Mehr Freude kommt indes an der Tankstelle auf. Im Schnitt verfeuern die Dreizylinder etwas mehr als sechs Liter pro 100 km.

Dass der Daihatsu mit billigerem Normalbenzin auskommt, kann er nicht in günstigere Sprit-Rechnungen umsetzen. Den theoretischen Vorteil macht der Toyota durch seinen etwas geringeren Verbrauch mehr als wett. Am Ende spricht für den Trevis vornehmlich die bessere Ausstattung, die übersichtliche Form und die freundliche Optik eines alten Autos – allerdings fährt er sich auch so, was in der Stadt aber kaum stört. Der Aygo ist hingegen unter diesen beiden Minimalisten das modernere, fahraktivere und damit auch bessere mobile Starter-Kit.

Technische Daten
Toyota Aygo 1.0i Cool Daihatsu Trevis 1.0
Grundpreis 10.925 € 11.590 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3410 x 1615 x 1465 mm 3400 x 1475 x 1500 mm
KofferraumvolumenVDA 139 bis 782 l 167 bis 420 l
Hubraum / Motor 998 cm³ / 3-Zylinder 989 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 50 kW / 68 PS bei 6000 U/min 43 kW / 58 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 157 km/h 160 km/h
Verbrauch 4,6 l/100 km 4,8 l/100 km
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