Bentley Continental GTC im Test

Holz und Ehre

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Edle Walnuss-Tafeln und Chromschmuck – bei Bentley zelebriert man auch den dritten, offenen Continental namens GTC mit Glanz, Gloria und 560-Biturbo-PS.

Stellen Sie sich vor, Sie gehören zu den wenigen glücklichen Menschen, die sich dieses Jahr ein neues Bentley Continental GTC Cabrio kaufen werden. Womit sollte man passend anstoßen, um seine Übernahme zu feiern? Mit Single-Malt-Whisky? Der wäre zu herb und verspielt im Geschmack. Mit Champagner? Der wäre zu klischeehaft, banal und außerdem auch nicht aus Großbritannien. 800 Kilometer nördlich vom Bentley-Hauptquartier in Crewe wird auf den Shetland-Inseln einer der besten Wodkas der Welt destilliert. Diva ist sein Name. Exklusiv und teuer durch Diamantstaub gefiltert, steht der in der Blackwood Distillery hergestellte Edelbrand für Klarheit, Stärke und Luxus. Das passt.

Ohne Schnörkel und blechpressenquälende Falz-Spielereien, imponiert auch der aktuellste Bentley durch die Reinheit seiner Form und die Kraft seines Antriebs. Ein offenes automobiles Statement, das mit seinem Auftritt den Sozialneid nur kitzelt, aber nicht provoziert wie ein Maybach oder Rolls-Royce. Im Vergleich zu diesen pompösen Karossen darf sich Bentleys kleineres Cabrio mit 200 000 Euro Grundpreis nicht nur ein Sonderangebot nennen, es ist in seiner Klasse auch quasi konkurrenzlos.

Spätestens wenn ein abgrundtiefes Brummen die Straße erbeben lässt, vergessen Tankstellenpächter das Kassieren, und ganze Großfamilien versammeln sich um den Briten. Dann hat der aus dem VW Phaeton entlehnte, mit einem Biturbo aufgeblasene W12-Zylinder seinen ersten Auftritt. Und noch bevor ein Meter gefahren wurde, enthüllt die Offenlegung des GT-Coupés zumindest für die Insassen ihren tieferen Sinn: Weil so bei dem 560-PS-Konzert das Zwerchfell noch ergreifender vibriert.

Die von Karmann gefertigte, elektrisch schwenkende Edel-Kapuze öffnet und schließt innerhalb von 25 Sekunden und bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h. Um sie fallen zu lassen, muss es nicht zwingend Monaco und 25 Grad sein, in diesem milden Winter reicht auch Stuttgart bei 14 Grad. Die Stirn streichelt nur ein leichter Windhauch, den Nacken schützt ein edles Aluminium-Windschott.

Silence is golden, und so sorgt im geschlossenen Zustand ein Mikrofaser-Alcantara-Dachhimmel dafür, dass akustische Unbill von den Ohren der Passagiere ferngehalten wird. Mit beeindruckender Wirkung: Selbst bei 180 km/h ist das Cabrio genauso leise wie ein Mercedes CL 600 Coupé. Für die völlige Versenkung des prächtig gefütterten Dachs nimmt die Kundschaft laut Bentley sogar in Kauf, dass der Open-Air-Continental eigentlich nur eine party for two feiert.

Trotzdem ist es schade, dass der Fußraum der hinteren, mit duftendem Grade-A-Leder bezogenen Sitzmöbel nur für kleine Lords ausreicht. Der Komfort aller vier Sessels trüge jedenfalls locker von London nach Madrid und zurück. Viel Zeit zum Genuss: Reichlich Walnusswurzelholz und Alu verwandeln das Luxus-Interieur aus veredeltem Phaeton-Erbe besonders nachts in eine funkelnde Schatztruhe. Die Schalter verwöhnen mit erhabenem Widerstand und dem Glanz von Preziosen.


Ein Genuss auch die Namen der Lüftungselemente: Organ stops und Bulls eye. Der schwarze Lack heißt übrigens Beluga – wie der Kaviar. Überhaupt lebt der GTC von der Faszination wohlgesetzter Details. Modischen Blech-Klappdachwahn kontert er selbstbewusst mit Tradition und Stil. Damit das Cabrio nicht aussieht und fährt wie ein mit der Flex skalpierter GT, verlagerten die Ingenieure zur Platzbeschaffung die Anlenkpunkte der Doppelquerlenker-Hinterachse um 21 Zentimeter nach unten.

Zusätzlich versteifte die Crewe-Crew die Karosserie und tauschte für höhere Lenkpräzision am vorderen Fahrschemel die Gummi- gegen starre Lager. Die Luftfederung und die adaptiven Dämpfer von Sachs werkeln ebenso im GT. Vierstufig einstellbar, verwandeln sie den offenen Briten auf Knopfdruck von der leicht angestrafften Komfort- Limousine zur wiegenden Luxus-Sänfte. Breathing, atmen, nennt es der Brite, wenn das Auto seinen Fahrer sanft in den Federn schwingt. Nie geschüttelt, höchstens leicht gerührt. Chauffeure macht der GTC arbeitslos, denn seine Besitzer möchten sicherlich nicht auf den horizontalen Space-Shuttle- Start verzichten.

Nach einem kurzen Moment der Sammlung komprimieren dann bis zu 650 Newtonmeter übliche Entfernungseindrücke auf die Hälfte. Dabei berauscht weniger der schiere Druck, mit der das 2,5-Tonnen-Cabrio über die Straße feuert. Das kann ein halb so teures Porsche Carrera Cabrio auch. Es ist die Ruhe, mit der das ZF-Automatikgetriebe 6HP26 seine sechs Gänge locker ausspielt wie bei einem Kartenspiel.

Der Continental erlaubt sich mit seinem immensen Kraftreservoir sogar den Luxus einer Wandlerüberbrückungskupplung in jedem Gang. Und der Allradantrieb mit Torsen-Differenzial (von Audi) stanzt die Power mit der Konsequenz eines Panzers in den Boden. Zu alledem läuft der GTC auch bei Tempo 300 noch schnurstracks geradeaus wie ein ICE. Dafür trinkt er aber auch Sprit wie eine Güterzug-Lok. Sicher zu viel, aber das gilt – streng ökologisch betrachtet – für das ganze Auto.

Limousine zur wiegenden Luxus-Sänfte. Breathing, atmen, nennt es der Brite, wenn das Auto seinen Fahrer sanft in den Federn schwingt. Nie geschüttelt, höchstens leicht gerührt. Chauffeure macht der GTC arbeitslos, denn seine Besitzer möchten sicherlich nicht auf den horizontalen Space-Shuttle- Start verzichten. Nach einem kurzen Moment der Sammlung komprimieren dann bis zu 650 Newtonmeter übliche Entfernungseindrücke auf die Hälfte. Dabei berauscht weniger der schiere Druck, mit der das 2,5-Tonnen-Cabrio über die Straße feuert. Das kann ein halb so teures Porsche Carrera Cabrio auch.


Es ist die Ruhe, mit der das ZF-Automatikgetriebe 6HP26 seine sechs Gänge locker ausspielt wie bei einem Kartenspiel. Der Continental erlaubt sich mit seinem immensen Kraftreservoir sogar den Luxus einer Wandlerüberbrückungskupplung in jedem Gang. Und der Allradantrieb mit Torsen-Differenzial (von Audi) stanzt die Power mit der Konsequenz eines Panzers in den Boden.

Zu alledem läuft der GTC auch bei Tempo 300 noch schnurstracks geradeaus wie ein ICE. Dafür trinkt er aber auch Sprit wie eine Güterzug-Lok. Sicher zu viel, aber das gilt – streng ökologisch betrachtet – für das ganze Auto. Über 40 Zentimeter große Bremssättel sorgen dafür, dass der beflügelte Ich-wiege-zwei-VW-Polo-Kreuzer so schnell wie ein Sportwagen wieder zum Stand kommt. Selbst auf kurvigen Landstraßen kaschiert der GTC sein Sumoringer- Gewicht und folgt zackig einlenkend jedem Kurswechsel. Nur in sehr engen Kurven werden die üppigen Pfunde spürbar. Dann verliert er seine neutrale Contenance, untersteuert und lässt die Vorderachslager leicht rumpeln.

Ganz kritiklos kommt er also doch nicht davon: Er unterhält die Passagiere immer wieder mit unerklärlichen Warnmeldungen (Motorhaube offen, Verdeck-Fehler), und das langsame, zum Teil unzuverlässige Infotainmentsystem ist nicht mehr ganz zeit- und standesgemäß. Es ist leicht zu verstehen, wieso Bentley-Entwicklungschef Ulrich Eichhorn seine Ingenieure nach einer Erprobungsfahrt durch die Rocky Mountains fragte, ob der Tag Arbeit oder Urlaub war. Der Laden brummt, er sollte seinen Jungs lieber eine Flasche Diva schenken: für den tollen Job.

Fazit

Der Continental GTC ist fast ein Sonderangebot in der offenen Luxusklasse. Er vereint wie kaum ein zweites Auto Luxus, Komfort und Sportlichkeit. Der hohe Verbrauch dürfte Käufer nicht schocken.

Technische Daten
Bentley Continental GTC
Grundpreis 197.659 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4804 x 1916 x 1398 mm
KofferraumvolumenVDA 235 l
Hubraum / Motor 5998 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 411 kW / 560 PS bei 6100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 312 km/h
0-100 km/h 5,3 s
Verbrauch 16,6 l/100 km
Testverbrauch 20,9 l/100 km
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