Benziner gegen Diesel

Audi Avant 2.6 gegen 2.5 TDI, BMW 316i gegen 318tds, Opel Omega 2.0 16V gegen 2.0 TD, VW Passat 1.8 gegen TD

Bei über 40 Pfennig Preisvorteil pro Liter Kraftstoff brummt das Geschäft mit Dieselautos – ihr Marktanteil stieg zuletzt auf 17 Prozent. Aber nicht alle Diesel sind besonders sparsam und lohnen sich wirklich. auto motor und sport zeigt an den Beispielen Audi A6, BMW Dreier-Reihe, Opel Omega und VW Passat auf, ob und wann sich die Dieselversion gegenüber dem Benziner letztlich rechnet.

Audi A6 2.6 Avant gegen Audi A6 2.5 TDI

Die Frage Diesel oder Benziner hat durch den von Audi forcierten Direkteinspritzer neue Bedeutung bekommen. Denn kein anderer Diesel vermag Temperament so innig mit Wirtschaftlichkeit zu verknüpfen wie der TDI, der in der auf 140 PS gewachsenen A6- Version mit 2,5 Liter Hubraum und der krummen Zylinderzahl Fünf gipfelt. Daneben, zum Minderpreis von 3000 Mark, der A6 2.6, sechszylindrig und 150 PS leistend. In der Laufkultur kann der Direkteinspritzer den ungewöhnlich geschmeidigen V6 nicht schlagen, wohl aber im Antritt bei niedrigen und mittleren Drehzahlen. Von dem ehemals ausgeprägten Turboloch des aufgeladenen Diesels ist nicht mehr viel zu spüren. Schon bei 1500/min wird der Fünfzylinder lebendig, bei 2000 Touren kommt kräftiger Schub an die Vorderräder, der sich – wie die Elastizitätsmeßwerte beweisen – auch in Zahlen klar niederschlägt.

Der gefühlsmäßige Eindruck bevorzugt den High Tech-Diesel, der im A6 mit einem Sechsganggetriebe kooperiert, noch stärker. Eigentlich steht die Motorwelt Kopf; der Dynamiker muß den Diesel nehmen, der ruhige Fahrer eher den Otto, auch wenn dieser in der Beschleunigung, ausgedreht bis 6400/min (TDI: 4400/min), etwas lebhafter ist. Seine Vorzüge bestehen im direkten Vergleich vor allem in der Abwesenheit der Selbstzündergeräusche, die der TDI besonders in den unteren Gängen beim Hochbeschleunigen, aber auch bei bremsendem Triebwerk macht. Sonst bleibt nicht viel, von der geringeren Jahressteuer einmal abgesehen. Im Verbrauch ist der Diesel in seiner Leistungsklasse von niemandem zu schlagen. Rund drei Liter/100 Kilometer liegen im Durchschnitt zwischen Otto und Diesel. Der TDI gewinnt also nach Punkten. Aber mehr gewinnt er noch von Herzen.

BMW 316i gegen BMW 318 tds

Der soziale Aufstieg des Diesels vom behäbigen Nageltier zum Tiger im Tank, der heute auch sportlichen Autos und sogar Cabrios Beine macht, wird nirgends besser deutlich als bei BMW, wo die Kundschaft das Ölzeug früher mied wie der Teufel das Weihwasser. Doch der Erfolg des dynamischen Sechszylinder-Turbodiesels im 525 tds und 325 tds ermutigte die Bayerischen Motoren-Werker, mit dem 318 tds einen Vierzylinder-Turbodiesel in der populären 90 PSKlasse nachzuschieben. Intern konkurriert der 41 000 Mark teure 318 tds mit dem identisch ausgestatteten, aber 3000 Mark preisgünstigeren Basis-Benziner 316i, dessen 1,6 Liter-Vierzylinder 102 PS leistet. Trotzdem hat der 316i den 318 tds nicht ernsthaft zu fürchten, denn der 1,8 Liter- Turbodiesel beweist, daß auch eine erfolgsverwöhnte Firma wie BMW nicht immer voll ins Schwarze trifft. Der 90 PS-Diesel mag einem Mercedes C 220 D überlegen sein (Doppeltest in Heft 1/95) – an die Qualitäten seines benzinbetriebenen Bruders kommt er nicht heran. Das beginnt schon bei der lästigen Anfahrschwäche. Unter 2000/min tut sich nichts, was in Spitzkehren Herunterschalten bis in den ersten Gang bedeutet. Erst darüber stellt sich der erwartete Schwung ein – untermalt von kräftigen Brummgeräuschen. Der 316i ist zwar auch kein Leisetreter, reagiert aber in jedem Drehzahlbereich viel spontaner auf Befehle vom Gasfuß, beschleunigt spürbar temperamentvoller und bietet trotz schwächerer Elastizitätswerte eine viel harmonischere Leistungscharakteristik als der 318 tds. Der kann zwar einen Verbrauchsvorteil von 1,3 Liter pro 100 Kilometer verbuchen, aber aufgrund der höheren Festkosten rechnet er sich nur für Fahrer, die jährlich mehr als 20 000 Kilometer zurücklegen. Für Leute, die BMW-typische Freude am Fahren suchen, lohnt er sich selbst dann nicht.


Opel Omega 2.0 16 V gegen Opel Omega 2.5 TD

Otto – find ich gut“, meint zumindest die Mehrzahl der Käufer, die sich hierzulande 1994 für einen Opel Omega entschieden. 84 Prozent von ihnen gaben einem der vier Ottomotoren den Vorzug, während der einzige Diesel nur auf 16 Prozent kam. Man kann die Zurückhaltung verstehen, denn trotz sechs PS weniger Leistung kostet der von BMW zugekaufte Selbstzünder fast 5000 Mark mehr als der vergleichbare Zweiliter-Vierventiler. In der Praxis sieht das schon anders aus. Gibt sich der Turbodiesel im Kaltlauf noch laut und deutlich als solcher zu erkennen, weicht dieser Eindruck mit zunehmender Temperatur und Drehzahl. Dann läuft der 130 PS starke Sechszylinder überaus kultiviert und legt eine stürmische Durchzugskraft an den Tag, die alle anderen Omega-Motoren in den Schatten stellt. Störend ist allein seine leichte Anfahrschwäche sowie die Neigung, beim Rangieren mit vollem Einschlag der Servolenkung abzusterben. Von gegensätzlichem Naturell zeigt sich der Vierzylinder- Benziner. Geringeres Gewicht und höhere PS-Zahlen ergeben zwar etwas bessere Fahrleistungen, die im Alltag aber kaum eine Rolle spielen. Zum entspannten, schaltarmen Fahren fehlt es vor allem an Drehmoment, das auch der Griff zum Schalthebel nicht ersetzen kann. Denn bei hohen Drehzahlen wird der Vierventiler unkultiviert laut, im Schiebebetrieb neigt er zudem zum Dröhnen. Kauft man den Diesel aus Freude am Fahren, so verkörpert der Benziner die Alternative zum Sparen. Günstigere Anschaffung, 663 Mark weniger Steuern pro Jahr und niedrigere Kaskoeinstufungen summieren sich zu einem dicken finanziellen Polster, das der minimale Mehrverbrauch von 0,2 Liter auf 100 Kilometer und das teure Superbenzin erst ab 40 000 Kilometer pro Jahr aufzehren. Da kann man dem Votum der Omega-Käufer, die Otto einfach besser finden, nur folgen.

VW Passat 1.8 gegen VW Passat TDI

Bei der Entscheidung zwischen Diesel und Benziner gibt es zwei Perspektiven: eine wirtschaftliche und eine emotionale. Der wirtschaftliche Aspekt spricht in diesem Duell ganz klar für den Diesel, denn beim Passat macht sich der TDI trotz eines um 3600 Mark höheren Kaufpreises schon bei einer Jahresfahrleistung von 15 000 Kilometern bezahlt. Der Direkteinspritzer hat aber noch andere Werte. Zwar bieten sowohl der 1,8 Liter- Benziner als auch der Diesel mit 1,9 Liter Hubraum jeweils 90 PS und nahezu identische Fahrleistungen (siehe Tabelle), doch in der Art und Weise der Kraftentfaltung trennen beide Kandidaten Welten. Der TDI entwickelt mit 202 Newtonmetern nicht nur ein um gut 30 Prozent höheres Drehmoment als der Benziner (145 Nm bei 2500/min), sondern stellt es auch schon früher, bei 1900/min, zur Verfügung. Im Zusammenspiel mit dem gut abgestuften Getriebe ist frühes Hochschalten und damit eine entspannte, drehzahlarme Fahrweise möglich. Im Gegensatz dazu sind beim Benziner höhere Drehzahlen nötig. Da er überdies im fünften Gang relativ lang übersetzt ist, wirkt er an Steigungen, die der TDI ohne Zurückschalten munter erklimmt, angestrengt und unterstreicht dies durch einen brummigen Ton, der besonders im Bereich über 3500/min die Nerven strapaziert. Der Diesel verhält sich bei schneller Fahrt überraschenderweise akustisch zurückhaltender. Nur nach dem Kaltstart erinnert der Direkteinspritzer mit vernehmlichem Dieselnageln an sein Verbrennungsverfahren. Doch wer TDI fährt, nagelt mit Köpfchen und gut drei Liter weniger Verbrauch. Noch nie war weniger so viel mehr.

Technische Daten

BMW 316i Audi A6 2.5 TDI Audi A6 Avant 2.6 Opel Omega 2.5 TD BMW 318tds VW Passat CL 1.9 TDI
Grundpreis 19.429 € 28.453 € 28.888 € 24.312 € 21.781 €
Außenmaße 4433 x 1698 x 1393 mm 4797 x 1783 x 1430 mm 4797 x 1783 x 1440 mm 4787 x 1786 x 1455 mm 4433 x 1698 x 1393 mm 4605 x 1720 x 1430 mm
Kofferraumvolumen 435 l 510 l 390 bis 630 l 530 bis 1460 l 435 l 495 bis 820 l
Hubraum / Motor 1596 cm³ / 4-Zylinder 2461 cm³ / 5-Zylinder 2598 cm³ / 6-Zylinder 2497 cm³ / 6-Zylinder 1665 cm³ / 4-Zylinder 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 75 kW / 102 PS bei 5500 U/min 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min 110 kW / 150 PS bei 5500 U/min 96 kW / 130 PS bei 4500 U/min 66 kW / 90 PS bei 4400 U/min 66 kW / 90 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 195 km/h 208 km/h 205 km/h 200 km/h 182 km/h 178 km/h
0-100 km/h 12,4 s 9,8 s 11,4 s 14,3 s
Verbrauch 7,8 l/100 km 10,1 l/100 km 8,0 l/100 km
Testverbrauch 9,4 l/100 km 10,9 l/100 km 10,2 l/100 km 6,8 l/100 km
BMW 316i Audi A6 2.5 TDI Audi A6 Avant 2.6 Opel Omega 2.5 TD BMW 318tds VW Passat CL 1.9 TDI
Grundpreis 19.429 € 28.453 € 28.888 € 24.312 € 21.781 €
Außenmaße 4433 x 1698 x 1393 mm 4797 x 1783 x 1430 mm 4797 x 1783 x 1440 mm 4787 x 1786 x 1455 mm 4433 x 1698 x 1393 mm 4605 x 1720 x 1430 mm
Kofferraumvolumen 435 l 510 l 390 bis 630 l 530 bis 1460 l 435 l 495 bis 820 l
Hubraum / Motor 1596 cm³ / 4-Zylinder 2461 cm³ / 5-Zylinder 2598 cm³ / 6-Zylinder 2497 cm³ / 6-Zylinder 1665 cm³ / 4-Zylinder 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 75 kW / 102 PS bei 5500 U/min 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min 110 kW / 150 PS bei 5500 U/min 96 kW / 130 PS bei 4500 U/min 66 kW / 90 PS bei 4400 U/min 66 kW / 90 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 195 km/h 208 km/h 205 km/h 200 km/h 182 km/h 178 km/h
0-100 km/h 12,4 s 9,8 s 11,4 s 14,3 s
Verbrauch 7,8 l/100 km 10,1 l/100 km 8,0 l/100 km
Testverbrauch 9,4 l/100 km 10,9 l/100 km 10,2 l/100 km 6,8 l/100 km
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