BMW 116i und Mini Cooper

Bayern dry

Foto: Rossen Gargolov 26 Bilder

Sie kommen aus demselben Haus, haben die gleiche Leistung und nehmen für sich in Anspruch, die Freude am Fahren für kleines Geld zu zelebrieren: BMW 116i und Mini Cooper.

Leistung ist nichts, Image ist alles. Die Mehrheit der BMW Einser-Käufer lechzt scheinbar nicht nach finalem Dampf. Kräftemäßige Bescheidenheit ist Trumpf und der 116i mit über 40-prozentigem Anteil die mit Abstand meistverkaufte Variante. 115 PS und 150 Nm Drehmoment aus 1,6 Liter Hubraum müssen reichen für das große Glück vom kleinen BMW.

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Vergleichstest Mini Cooper, BMW 116i
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Der Einsatz für das Premium- Spiel scheint niedrig. Nur 19 900 Euro berechnet BMW für die Grundausstattung des 116er. Reine Theorie. Wer den kleinen BMW aus seiner Ausstattungsarmut herausholen will, muss kräftig investieren.

CD-Radio, Klimaanlage und Leichtmetallfelgen, all die Gewürze zur Aufpeppung des Basisstands, kosten tüchtig Aufpreis. Unter dem Motto Sparen läuft der Kauf eines ordentlich ausgestatteten Einser dann nicht mehr, eher in der Kategorie Schadensbegrenzung. Wer weniger ausgeben möchte, muss sich in der Verwandtschaft umschauen.

Den Mini Cooper gibt es mit der exakt gleichen Motorleistung für ganze 16 600 Euro. Clevere Rechner schnüren mit der Ausstattungsvariante Chili (manuelle Klimaanlage, 16- Zoll-Leichtmetallräder, Stoff- Leder-Sportsitze und Radio) sowie dem optionalen ESP ein Paket, das mit 19 750 Euro weniger als der Basis-Einser kostet, aber sogar noch etwas mehr als den Luxus bietet, den man für diesen Preis erwarten darf.

So pragmatische Dinge wie Ladekapazität und vier Türen einmal außen vor gelassen und den Fokus BMW-getreu auf die Freude am Fahren gelegt. Gieriges am Kurveninnenrand Hängen, blitzartiges, fast schon hektisches Reagieren auf den Lenkeinschlag und intensiver Fahrbahnkontakt – das ist die fahrdynamische Welt des Mini.

Das Lebenselexier des knuffigen Oxforders sind wilde, enge Kurven, an die er sich heiß verliebt anschmiegen kann. Geradeaus ist ihm zu langweilig, dann wird der Kleine fahrig und die Lenkung hyperaktiv.

Nein, auf der Autobahn fühlt sich der Mini nicht wirklich wohl und tut seinen Unmut über den fehlenden Radius durch harte Betonkanten- Stubser kund. Einer Chill-out-Session gleicht da der Umstieg in den BMW. Das Fahren bleibt dynamisch, wirkt aber ruhiger und gelassener. Wo der Mini-Frontantrieb am Volant zerrt, zieht die nahe an der Perfektion steuernde Lenkung des Einser gleichmäßig ihre Spur. Fahrbahnstöße bleiben präsent, sie werden aber in Vlies gepackt.

Wo den Mini kindlich sprunghafter Übermut packt, bleibt das Fahrwerk des Einser erwachsen und cool. Den allerletzten Kick an Hyper-Agilität opfert der hinterradgetriebene Viertürer ganz souverän der Ausgeglichenheit. Sicher sind sie aber beide.

Doch die Grenzen des Lustfahrens sind schnell erreicht. Der Vierventil-Motor des BMW moderiert das Fahren nur, von Animation keine Spur. Müde, fast schon bedenklich schlaff setzen die 115 PS auf der Landstraße zum Überholen an. Hohe Drehzahlen erklimmt das Einser-Triebwerk mit leicht dröhniger Anstrengung.

Aber auch im Drehzahltal scheint keine Sonne. Es geht allenfalls voran – keine Auszeichnung für einen BMW. Der englische Bruder macht es besser. Nicht weil sein 1,6- Liter-Herz den merklich temperamentvolleren Pulsschlag hätte.

Der stets präsent-quengelig, aber nie wirklich sportlich klingende Vierventiler muss ganz nüchtern betrachtet über drei Zentner weniger schleppen.

Das hauptsächlich bringt ihm die 2,7 Sekunden Vorsprung von null auf 100 km/h und den kräftigeren Durchzug. So erreicht der Mini sein Tempo leichter, aber nicht mit Leichtigkeit. Beißende Ansprache und entschlossener Drehwille sind auch für das in Brasilien unter der Chrysler-Flagge gebaute Aggregat Fremdwörter.

Zudem sprengt der Verbrauch mit 9,5 Litern – 0,3 Liter mehr als der BMW– den Rahmen der Kleinwagen- Klasse. Seiner Liga bleibt der Mini dagegen im Innenraum treu, auch wenn das Chrom im Lifestyle- Interieur glitzert wie bei den Großen.

Die Kippschalter, die hakelige Sitzverstellung, der Schießschartenblick aus der steil stehenden Frontscheibe und das versprengte Instrumentarium mit der ungenauen digitalen Tankuhr sind unter Ergonomie- Gesichtspunkten wirklich nicht der Weisheit letzter Schluss. Ein Großer unter den Kompakten ist der Einser ebenfalls nicht, im Gegensatz zum Mini wirkt er aber nicht nur vom Raumangebot her wie der Umstieg von der kultigen Studentenbude in eine ernst zu nehmende Wohnung.

Eine Handvoll Hartplastikknöpfe rund um die Klimaanlage außer Acht gelassen, herrscht hier standesgemäße Qualität und Solidität. Auch die sportlich-bequemen Sitze, die klaren Rundinstrumente und das verbindliche Fünf-Gang-Schaltgetriebe machen an. Wer im kurzen BMW statt der großen Navigation dann noch ein normales Radio bestellt, darf sich sogar über traditionelle und einfache Bedienung freuen.

Apropos Traditi- on: Hier ist die fahrerbezogene Cockpitwelt noch in Ordnung. Wem all diese Kriterien wichtig genug sind, um den verschlafenen Motor tolerieren zu können, für den ist der Einser nicht nur der klare Sieger dieses Vergleichstests, sondern auch die richtige Wahl. Dem Mini bleibt auf dem abgeschlagenen zweiten Platz die Position des Erwachsenen- Spielzeugs.

Pragmatisch gesehen kann der 3,63-Meter-Zwerg mit dem Einser zwar nicht mithalten, er gewinnt aber die sportlichen Herzen.

Fazit

1. BMW 116i
481 Punkte

Der Sieg des Einser ist eindeutig. Exzellente Fahreigenschaft, ordentlicher Komfort und gute Sicherheitsausstattung stechen. Doch der schlaffe Motor und der hohe Preis überzeugen trotzdem nicht.

2. Mini Cooper
453 Punkte

Mit seinem knappen Raumangebot und der mageren Sicherheitsausstattung bleibt dem Mini nur der zweite Platz. Beim Thema Fahrspaß liegt der Cooper aber vor dem deutlich schwereren Einser.

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Technische Daten
Mini Cooper BMW 116i
Grundpreis 17.200 € 20.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3635 x 1688 x 1408 mm 4227 x 1751 x 1430 mm
KofferraumvolumenVDA 150 bis 670 l 330 bis 1150 l
Hubraum / Motor 1598 cm³ / 4-Zylinder 1596 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 85 kW / 115 PS bei 6000 U/min 85 kW / 115 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h 200 km/h
0-100 km/h 9,6 s
Verbrauch 6,9 l/100 km 7,6 l/100 km
Testverbrauch 9,5 l/100 km
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