BMW 125i, VW Golf GTI, Frontansicht Hans-Dieter Seufert
BMW 125i, VW Golf GTI, Heckansicht
BMW 125i, VW Golf GTI, Frontansicht
BMW 125i, Frontansicht
BMW 125i, Seitenansicht 29 Bilder

BMW 125i, VW Golf GTI Performance im Test

Heckantrieb gegen Frontantrieb im Test

Vergessen wir mal die Vernunft-Versionen des BMW 1er und des VW Golf und wenden uns den Fahrspaß-Spielarten der Erfolgswagen zu. Schon sind wir beim 125i der gelifteten Baureihe, der seine 218 PS unterhaltsam an die Hinterräder schickt, und beim Golf GTI. Als Performance ist der mit 230 PS üppig motorisiert. Willkommen in der Welt der jungen Wilden, die unbedingt wissen wollen, wer jetzt der Beste ist!

Die Älteren werden sich noch an die 70er-Jahre erinnern, als der VW Golf plötzlich wild wurde und sich mit dem Kürzel GTI an Bug und Heck zum Jäger des Establishments mauserte. Große Opel oder Mercedes und natürlich der BMW 3er – sie waren bevorzugte Sparringspartner dieses 110 PS starken und sehr leichten Underdogs. BMW brachte mit dem ersten 1er 2004 den Hinterradantrieb in die Kompaktklasse und etablierte die starken 1er als GTI-Konkurrenz. In diesem Sinne versteht sich auch die nun modellgepflegte zweite Generation des kleinen Bayern als feinsinniger Sportler.

BMW 125i nach der Überarbeitung mit neuen Dämpfern

Ihr wurden bei der Überarbeitung ein ausdrucksstärkeres Design und neue Assistenzsysteme wie der Abstandsregeltempomat beschert. Ach ja, fast vergessen (weil BMW darüber in seinen Produktinformationen kein einziges Wort verliert): Neue Dämpfer bekam der kleine BMW auch, auf dass er komfortabler federe als bisher. Steht der 125i, der zum Vergleichstest mit dem Golf GTI Performance in der an Bug und Heck sowie im Interieur angeschärften M-Sport-Variante antritt, daher unter Weichei-Verdacht? Mild statt wild? Schauen wir mal und starten die Motoren.

Während der 225i Active Tourer schon den neuen Zweiliter-Vierzylinder-Turbo mit 231 PS unter der Haube hat, sitzt im 125i noch das alte Triebwerk mit 218 PS. Grund zum Jammern gibt es dennoch nicht: Sehr vibrationsarm, aber etwas beliebig klingend, weil radikal gedämmt und gedämpft, wirft der 125i seine 310 Newtonmeter ausgesprochen früh bei 1.350/min in die Runde. Die Achtgang-Sportautomatik (2.430 Euro) glänzt mit schnellen Gangwechseln, und oft zeigt erst der Blick auf den Tacho, wie hurtig man unterwegs ist. 6,5 Sekunden auf 100 km/h verdienen Respekt – ebenso wie die feinnervigen Reaktionen aufs Gas oder die Fähigkeit, bei 160 km/h leise und komfortabel über die Autobahn zu schnüren.

BMW 125i, VW Golf GTI, Frontansicht
BMW 125i, VW Golf GTI Performance im Test
2:24 Min.

VW Golf GTI Performance überzeugt mit seinem Motor

Umsteigen in den GTI Performance, der gegenüber dem normalen GTI für 1.175 Euro Mehrpreis nicht nur zwölf Extra-PS, sondern auch eine größere Bremsanlage mit roten Sätteln und eine Vorderachs-Differenzialsperre besitzt. Klarer Fall von Schnäppchen-Alarm also. Sein Zweiliter-Turbo ist ein wahrer Prachtkerl mit überschäumendem Temperament. Beim Katapultstart regelt die Elektronik zwar einiges der 230 PS und 350 Newtonmeter weg, um die Traktion aufrechtzuerhalten – das kostet bis 100 km/h 0,1 Sekunden. Doch die Messwerte jenseits dieser Marke sprechen eine klare Sprache: Der GTI beschleunigt dem 125i gnadenlos davon, zeigt ihm frech das Heck.

Bei alldem nimmt der GTI kein besonders dickes Blatt vor den Mund. Er darf grollend hochdrehen, beim schnellen Schalten (Sechsgang-DSG: 1.950 Euro) etwas bollern und selbst bei konstantem Tempo leicht knurrig den Innenraum beschallen. Der hinterlässt im Detail den hochwertigeren Eindruck; die geriffelten Blenden im Metall-Look des BMW zum Beispiel, nun ja, sie wirken talmihaft – eines Autos dieser Klasse unwürdig.

Aber zurück zum Golf und seinem Motor: So animierend der Sound bei wechselnden Drehzahlen, beim Beschleunigen und beim Runterschalten auch ist – auf langen Strecken nervt er irgendwann wie ein Gesprächspartner, der auch Belanglosigkeiten so stark betont, als lüftete er gerade die letzten Geheimnisse der Menschheit. Kurz gesagt: Für die lange Reise ist der 1er die bessere, weil leisere Wahl – zumindest für Fahrer und Beifahrer. Denn in der zweiten Reihe sitzt es sich mit stärker angezogenen Knien auf einer dünnen, harten Sitzfläche ungleich schlechter als im Golf. Dessen Fond ist zudem auch bequemer zu erreichen. Und nun: Landstraßen, bitte!

BMW 125i komfortabler und schneller als der GTI

Runter von der Autobahn, rein in Driver’s Heaven: Landstraßen tauchen in den Windschutzscheiben auf. Mit Kurven, Steigungen und Gefällen. Und mit Schlaglöchern, Bodenwellen, Asphaltflicken und allem, was die Federungen fordert. Sowohl der 125i als auch der GTI treten mit adaptiven Dämpfern zum Vergleichstest an, und schon bald ist klar, dass die neuen Dämpfer des 1er tatsächlich einen Komfortgewinn bringen. Die Spreizung zwischen den Modi Komfort und Sport ist nicht sehr groß – Sport erscheint auf manchen Holperpisten sogar angenehmer, weil die Hinterachse nicht mehr so stark nachwippt. Der in sich harmonisch abgestimmte Golf kommt da nicht ganz mit.

Er spielt eher die straffe Karte, ohne deshalb in den Bereich der übertriebenen Härte abzugleiten. Und: Er wirft sich geradezu jauchzend in die Kurven, zieht sich ohne viel Geschlupfe hindurch, lenkt mit mehr Feedback ein als der BMW und lässt auf Anhieb eine ungeheuer freche Fahrweise zu. Untersteuern wegen Vorderradantrieb und hoher Vorderachslast? Keine Spur. Der 125i wirkt um Nuancen indifferenter – auch wegen seiner leichtgängigeren Lenkung – und wankt auf stark welligen Straßen etwas. Bei den Fahrdynamiktests auf ebener Fläche ist er allerdings schneller als der Golf.

Der Golf GTI gewinnt die Preiswertung für sich

Beide kann man zum leichten Ausbrechen des Hecks animieren, um Kurvenlinien zu optimieren. Im Extrem greift das ESP des BMW aber harscher ein als das des VW, unterbricht den Flow bei beginnendem Untersteuern gelegentlich rigide. Der GTI nimmt Kurven gieriger, animiert und bespaßt den Fahrer direkter – verliert aber bei den Bremswegmessungen wegen Schwächelns aus höheren Geschwindigkeiten acht Punkte.

Das kostet ihn den Sieg in der Eigenschaftswertung. Erst unterm Strich hat er die Nase vorn. Vor allem der Preisvorteil gegenüber dem M Sport gibt den Ausschlag, und da schließt sich der Kreis. Denn so war es ja auch zu Zeiten des GTI I, als der junge Wilde aus Wolfsburg den geschliffeneren Bayern-3er jagte.

Fazit

1. VW Golf GTI Performance 432 Punkte

Mit seinem starken Motor und dem spaßigen Handling sammelt der geräumige Golf fleißig Punkte. Er hat sich bei aller Geschliffenheit etwas Wildes erhalten, integriert den Fahrer mit offenen Armen. Die Bremsen sollten aber kräftiger zubeißen.

2. BMW 125i 427 Punkte

Der Bayer lässt den Fahrer in Ruhe, wenn der nicht angasen will. Das und die komfortable Federung machen ihn umgänglicher, lassen ihn geschliffener erscheinen. Relativ eng ist der Einser im Fond, und ja: Teurer als der Golf ist er obendrein.

Technische Daten

VW Golf GTI Performance GTI Performance BMW 125i M Sport
Grundpreis 33.675 € 37.850 €
Außenmaße 4268 x 1799 x 1442 mm 4329 x 1765 x 1421 mm
Kofferraumvolumen 380 bis 1270 l 360 bis 1200 l
Hubraum / Motor 1984 cm³ / 4-Zylinder 1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 169 kW / 230 PS bei 4700 U/min 160 kW / 218 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 248 km/h 243 km/h
0-100 km/h 6,6 s 6,5 s
Verbrauch 6,4 l/100 km 6,5 l/100 km
Testverbrauch 8,8 l/100 km 9,1 l/100 km
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