BMW 130i im Test

Sechs Sells

Foto: Hans-Dieter Seufert 10 Bilder

Es gibt sie noch, die echten Understatement-Sportler zum Preis ab 32.500 Euro. Der neue BMW 130i mit seinem Dreiliter-Sechszylinder sieht zwar so unschuldig wie ein 116i aus, hat aber 265 PS unter der Haube.

Na endlich, der Einser hat seine ersten sechs. Schluss mit der Askese, unter der Fronthaube darf es richtig wild zugehen. In Reih und Glied steht im 130i ein Sixpack an Zylindern stramm, um dem kleinsten BMW das Feuer zu bringen, das die sportlichen Herzen der BMW-Freaks erwärmen wird.

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Einzeltest BMW 130i
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Nicht irgendeine Glut, sondern gleich das Brennen des neuen Dreiliter-Magnesium-Aggregats. Warmer Balsam für alle, denen die Vierzylinder- Benziner bisher viel zu müde waren. Vorsicht also, wenn einem in Zukunft auf der Autobahn ein ganz unscheinbarer Einser mit zwei verchromten Endrohren begegnet: Das Ding hat 115 PS mehr als ein 120i. 265 PS für schlanke 1451 Kilogramm bayerischer Kompaktwagen – diese Kombination klingt so simpel wie verheißungsvoll.

Denn während gewaltige Kraft auf wenig Auto bei vielen Fronttrieblern in verzweifelt scharrenden Vorderrädern erstirbt, vertraut der Einser der Traktion der beiden Hinterräder.

Damit nicht genug: Das 161 Kilogramm leichte Reihenaggregat drückt sich unter der langgezogenen Fronthaube des Einser weit nach hinten. Bis auf den Riementrieb sitzt es sogar hinter der Vorderachse und sorgt so für eine ausgeglichene Gewichtsbalance zwischen Vorder- und Hinterachse.

Wen kümmert da die Raumnot, die das dominante Wesen des längs eingebauten Antriebs im Innenraum verursacht? Vorne reicht es, aber hinten hätte BMW die beiden Türen gleich weglassen können. Ärgerlicher ist da eher, dass auch mit dem großen Herzen keine rechte Wohlfühlstimmung im Einser aufkommen. Zu wenig setzt sich das Interieur von den Plastiklandschaften der Vierzylindermodelle ab.

Premiumklasse? Diesen Anspruch halten serienmäßig nur die exzellenten Instrumente und das belederte Sportlenkrad. Abgehakt, denn schließlich vermag der Einser wie kaum ein zweiter Kompakter mit den Primärtugenden eines Automobils zu begeistern. Mit sanfter Wucht wirft es den Fahrer bei der Beschleunigung in die Kopfstützen.

Elegant und dynamisch wie eine Raubkatze sprintet der 130i schon nach 6,1 Sekunden auf Tempo 100 und lässt dabei die edle Hymne eines hoch kultivierten Reihen-Sechszylinders erklingen: blitzartig fauchend auf Gasbefehl und sonor schnurrend bei konstantem Lauf.

Pfotensanft übermittelt das Pedal auch die subtilsten Befehle des Fahrerfußes. Tritt der Pilot das Stelleisen jedoch beherzt, fährt der Motor auf der Stelle die Krallen aus. Wenn es sein muss, fegt der Sauger sogar aus dem Drehzahlkeller ansatzlos und dynamisch bis hinauf zu 7000/min.

Das macht er so gleichmäßig und cremig, als wolle er der gesamten Turbofraktion einen lautstarken Vortrag über wirkliche Leistungskultur halten. Ein echtes Sahne- Aggregat – nicht umsonst heißt BMW ja Bayerische Motoren Werke. Das Fahrwerk bietet dazu die perfekte Ergänzung.

Der Hinterradantrieb, die komplette Einzelradaufhängung und die 52:48-Gewichtsverteilung fügen sich zu einer in der Kompaktklasse einzigartigen Ballung an Handlings- Verstärkern zusammen. Der Kleine fegt spurtreu ums Eck wie früher Armin Bittner im Slalom und liegt mit seinem großen Radstand von 2,66 Metern selbst bei der Maximalgeschwindigkeit von 250 km/h noch satt und ruhig auf der Straße.

Die Bremsen wirken auch bei diesem hohen Tempo effizient und fast fadingfrei. Dank dem neu eingesetzten ESP II (DSC II bei BMW) legen sie die Beläge bei schnellem Lupfen des Gaspedals frühzeitig an und sorgen zudem für zyklische Scheibentrockung bei Nässe. Das früh eingreifende ESP verhindert aber auch, dass aus dem 130i ein fahrdynamischer M1 wird. Der bittere Vergleich mit einem VW Golf GTI zeigt: Den Slalomparcours durcheilt der schnelle Fronttriebler drei km/h, die ISO-Wedelgasse sogar neun km/h schneller.

Echte Einser-Fans wird das nicht schocken, denn bei ausgeschaltetem elektronischen Sicherungsnetz erlaubt der BMW das für Fronttriebler unmögliche Vergnügen leistungsgesteuerter Heckschwenks. Gefühlvoll auffangbar von der präzise und unbeschwert, weil antriebsbefreit agierenden Lenkung. Die aufpreispflichtige Aktivlenkung wird nicht vermisst.

Zum Steuerungskomfort gesellt sich noch die passende Fahrwerkshärte. Straff, aber geschmeidig und niemals so aufdringlich keilend, dass die Wirbel ächzen. Der 130i ist eben ein edler und kein harter Sportsmann – ein Zartgefühl, dem sich die manuelle Sechsgangschaltung beharrlich verweigert. Knorpelig und widerborstig, präsentiert sie im Testwagen eine der unangenehmsten Ausprägungen einer BMW-Schalt-Selektion.

Schade, denn die Anschlüsse passen perfekt. 32 500 Euro verlangt BMW für den Sechszylinder- Einser und packt im Gegensatz zu den kärglich ausgestatteten Vierzylinder- Modellen wenigstens Klimaanlage, CD-Radio und 17-Zoll-Räder serienmäßig dazu.

Nüchtern gesehen immer noch viel Geld für ein kleines Auto, aber das Herz sagt: Deine erste Sechs im Einser vergisst du nie.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • –sehr gute Instrumente –gute Übersichtlichkeit
  • –wenig Platz im Fond –keine preisgemäße Materialanmutung
Fahrkomfort
  • –insgesamt guter Federungskomfort –bequeme Sportsitze –niedriges Innengeräusch
  • –zu straff bei niedrigem Tempo
Antrieb
  • –erstklassige Fahrleistungen –sehr hohe Laufkultur –sehr gleichmäßige Kraftentfaltung –schöner Motorklang
  • –hakelige Schaltung
Fahreigenschaften
  • –neutrales Eigenlenkverhalten –agiles Handling –präzise Lenkung
  • –früh einsetzendes ESP
Sicherheit
  • –sehr gute Bremsen –gute Sicherheitsausstattung –ESP II mit erweiterten Funktionen serienmäßig
Umwelt
  • –hoher Verbrauch
Kosten
  • –angemessene Festkosten
  • –hoher Anschaffungspreis –hohe Kraftstoffkosten

Fazit

Genialer Motor, agiles Handling und guter Komfort – der 130i ist ein Leckerbissen für Fahr-Gourmets, die mit den knappen Platzverhältnissen leben können. Die hakelige Schaltung passt nicht ins Bild.

Technische Daten
BMW 130i
Grundpreis 33.597 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4227 x 1751 x 1430 mm
KofferraumvolumenVDA 330 bis 1150 l
Hubraum / Motor 2996 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 195 kW / 265 PS bei 6600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 6,1 s
Verbrauch 9,2 l/100 km
Testverbrauch 11,7 l/100 km
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