BMW 135i Coupé vs. Porsche Cayman S

Trimm zwei

Foto: Achim Hartmann 37 Bilder

Elf PS mehr und zigtausend Euro billiger: Mit dieser Kombination soll das BMW 135i Coupé beim Porsche Cayman S für Angstschweiß sorgen. 

Im Dunkeln kommt er am besten. Wenn er aus dem Nichts auftaucht und sich mit seinen Engels-Augen, jenen Scheinwerfer-Leuchtringen, im Rückspiegel bei den Vorausfahrenden meldet. Um danach ansatzlos vorbeizuziehen. Den meisten bleibt in diesem Moment trotz Gaspedal-Vollkontakt zum Bodenblech nur noch der Blick auf sein entschwindendes Stummelheck. Und ein Typenschild, das sich einbrennt: 135i. Synonym für den stufig geschnittenen Steroid- Einser, hinter dessen unbekümmert lächelndem Gesicht faustdicke 306 PS lauern. Da muss Porsche schon den Cayman S für 60 303 Euro aus der Garage schieben, um gegen den 38 950 Euro teuren Power-Jünger anzutreten. Sein 3,4 Liter großer Sechszylinder- Boxer leistet 295 PS, bellt markig, trifft auf 120 Kilogramm weniger als der Dreiliter-Reihensechser des BMW. Dieser summt – von zwei kleinen Ladern zwangsbeatmet – akustisch fast schüchtern los. Zwangsbeatmung: Das klingt zwar nach der Atemspende eines verzweifelten Ersthelfers, fühlt sich beim 135i jedoch eher an wie der zarte, aber innige Kuss einer Angebeteten. Bei Vollgas gehen Nackenhaare jedenfalls subito in 45-Grad-Stellung. Beim Porsche sind es sogar 90 Grad. Nicht nur bei Saugmotorfreaks schlägt die Pulsuhr Alarm, wenn sich der Boxer seinem Zenit jenseits 7000/min entgegenfräst. Eine Unterarmlänge hinter den Insassen arbeitet der mit Carrera-Kurbelgehäuse und -Zylinderköpfen veredelte Boxster-Rumpfmotor unter freundlicher Mithilfe von Steuerzeitenverstellung, Ventilhub- Umschaltung und einem Klappensystem im Ansaugtrakt. Untenrum dunkel schlürfend, mittenmang sägend als Erinnerung an Lüfterradzeiten, vereint sich das Ensemble ab 5200/ min zum Furioso. Wenn dann sämtliche Variablen auf Durchzug stehen und der Sechszylinder ungehemmt gas wechselt, fühlt sich das an wie Wintermorgen-Jogging mit Fisherman’s Friend – wild und frei. Unverzüglich übersetzen die Drosselklappen Kommandos, schnalzen bei gedrückter Sporttaste (797 Euro Aufpreis) knallhart auf und zu – Verbrennungsmotor- Muttersprache eben. Im BMW scheint dagegen ein – wenn auch fitter – Simultanübersetzer zu arbeiten. Saugmotor-Fanatiker reklamieren sofort eine zarte Verzögerung bei der Umsetzung von Befehlen, wünschen sich knalligeres Ansprechen.

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Stimmt, der direkt einspritzende Reihensechser wuchtet, statt zu schnalzen – mit 400 Newtonmetern ab 1300/min. Unten schiebt er wie ein turbolochfreier Diesel, in der Mitte übernimmt dann kontinuierliche Benziner-Drehfreude. Eine gehaltvolle, nachhaltige Brandung, die erst jenseits der 6000er-Marke etwas abebbt. Oder man folgt der kleinen Schaltempfehlung im Zentraldisplay, schaltet mit dem exakten Getriebe zügig bis in den Sechsten – und lässt den Biturbo ziehen. Und wenn es sein muss, hechtet der 135i fast so schnell auf Tempo 100 wie der Ur-Turbo-Elfer. Mit Historie hat er dennoch nichts am Hut. Klar, da war mal was in den Siebzigern, da gab es den Kompakt-BMW als 2002 ti, tii und sogar als bösen Turbo mit aufpreispflichtigem spiegelverkehrtem Schriftzug auf dem Schneepflug-Frontspoiler. Beim 135i ist es aber so, als ob der smarte Marketing- Profi seine Ex-68er-Eltern besucht hätte und die ihm bei knisternden Hendrix-Platten etwas von Revoluzzer-Partys, Kommunarden und LSD erzählten. Danach ist er froh, wieder in seinen Einser zu flüchten, den Halt der Sportsitze, fahrerorientierte Bedienung sowie gediegene Verarbeitung zu genießen und seinen iPod einzustöpseln. Angemessener Federungskomfort, ordentliches Platzangebot inklusive mittelstreckentauglichen Rücksitzen sowie umlegbaren Lehnen plus Durchlade runden die Alltagskompetenz ab. Hinzu kommt ein angenehmes Geräuschniveau, das erst jenseits von 220 km/h durch Pfeifgeräusche der rahmenlosen Seitenscheiben getrübt wird. Ganz klar, der 135i mimt den Unter- statt Quertreiber. Auch auf der Piste: Nur hauchzart frontlastig, bleibt er lange neutral, muss schon vorsätzlich mit Gas zum Heckschwenk genötigt werden. Um sanft ins fein gesponnene Netz der Elektronik (DSC) mit seinem schaltbaren Helden-Modus DTC zu tauchen, das Engagierten zwar Leine lässt, freien Fall aber verhindert – es sei denn, man klickt das System komplett weg.

Ähnlich läuft es beim minimal heckbetonten Porsche, der schon bei aktivem Stabilitätsprogramm PSM Spaß ohne Reue vermittelt. Selbst schmierige Pisten und Winterreifen beeinträchtigen Traktion und Zielgenauigkeit kaum, PSM-Eingriffe sind nur selten spürbar. Genauso selten wie die Vorteile der 8033 Euro teuren Keramikbremse. Zwar verzögert sie proportional und standfest, benötigt aber höheren Kraftaufwand als die BMW-Stopper und kann sich erst bei der Hochgeschwindigkeits- Bremsung einen messbaren Vorteil erarbeiten. Vorteil Cayman auch beim Handling: Je schärfer das Tempo, umso deutlicher zeigt er dem 135i seinen knackigen Hintern. Ob es an der jederzeit transparenten Lenkung, dem neutralen Eigenlenkverhalten, dem enorm hoch liegenden Grenzbereich oder der minimalen Karosseriebewegung des mit aktiven Dämpfern (PASM, Aufpreis 1547 Euro) versehenen Porsche liegt? Nein, es ist die schlüssige Kombination aller Komponenten, die ihn subjektiv zehn Zentimeter näher an den Asphalt bringt als den BMW. Ganz gleich, ob es mit über 130 km/h durch die ISO-Wedelgasse geht oder jenseits 220 km/h auf der linken Autobahnspur in einer hängenden Kurve zwischen Sattelzug und Mittelleitplanke: Der Porsche bleibt unbeirrt cool, wo der etwas unruhigere BMW stets leichte Korrekturen verlangt. Ja sogar im Pendlerstau gibt der Cayman S dem spielfrei integrierten Besitzer das Gefühl: Studium, Überstunden oder Erbschaft haben sich gelohnt. Ähnlich wie der BMW, der aber statt konsequenten Sportsgeistes für Solvente eher ein finanziell noch vorstellbares Upgrade für GTI-Aufsteiger serviert. Fazit: Beide sind nicht billig – aber preiswert.

Fazit

1. BMW 135i Coupé
486 Punkte

Von wegen wilder Wadenbeißer: der 135i liefert kultivierte Leistung, problemlos nutzbare Fahrdynamik und geschliffene Manieren für alle Tage. Ein bisschen mehr Feuer könnte aber dennoch nicht schaden.

2. Porsche Cayman S
430 Punkte

Im Cayman S fügen sich der ehrgeizig ansprechende Boxer, das agile Handling mit hohem Grenzbereich sowie ein ansprechender Komfort zu einem sportlich-stimmigen, aber auch sehr teuren Ganzen.

Technische Daten
BMW 135i Coupé Porsche Cayman S
Grundpreis 40.100 € 69.942 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4360 x 1748 x 1408 mm 4341 x 1801 x 1305 mm
KofferraumvolumenVDA 370 l 410 l
Hubraum / Motor 2979 cm³ / 6-Zylinder 3386 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 225 kW / 306 PS bei 5800 U/min 217 kW / 295 PS bei 6250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 275 km/h
0-100 km/h 5,4 s 5,4 s
Verbrauch 9,2 l/100 km 10,6 l/100 km
Testverbrauch 12,6 l/100 km 12,8 l/100 km
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