BMW 135i Coupé im Test

Schub-Lehre

Foto: Hans-Dieter Seufert 27 Bilder

Manche Rezepte altern nicht: Kompakte Karosserie und hohe Leistung waren schon vor Jahrzehnten die Zutaten für einen echten BMW. Das neue BMW 135i Coupé tritt damit in die Fußstapfen eines legendären Ahnen und bei uns im Test an.

In jedem Drehzahlbereich herrscht strammer Durchzug, und die Fahrleistungen zählen zur Spitzenklasse.„ Das haben Sie nicht anders erwartet? Wir auch nicht. Doch der Satz ist von gestern: Er stammt aus dem Testbericht über den BMW 2002 ti, 1969 betitelt mit “Bayerischer Löwe„.

Die scharfe Ausführung des 2002, gekennzeichnet durch einen Zweiliter- Vierzylinder mit zwei Doppelvergasern, war der König der Straße – klein, stark und geeignet, dem Auto-Establishment den Muff aus den Talaren zu pusten. Vom 2002 ti führt eine schnurgerade Linie zum 135i.

Auch die jüngste und kräftigste Version der 1er-Reihe, die BMW als Coupé bezeichnet, präsentiert sich als kompakter Zweitürer, der mit Stufenheck und um die Hüfte laufender Karosseriekante ungeniert Stilmerkmale des burschikosen Opas zitiert.

Damit steht er nun satt und stattlich da wie ein richtiger BMW, der keine Verwandtschaft zeigt mit gängigem Kompaktklasse- Design. Wer das Coupé für die stilistisch beste 1er-Variante hält, erntet hier keinen Widerspruch. Erst im Innenraum wird klar, dass man es mit einem kleinen Auto zu tun hat. Wer vorn sitzt, wird sich daran nicht stören, aber hinten geht es eng zu.

Das 1er-Coupé ist konsequent auf den Fahrer zugeschnitten. Auch damit folgt es zielsicher den Spuren seines Vorfahren. So wenig hat sich geändert und doch so viel. Damals genügten dem gern in frechem Orange auftretenden BMWProvokateur 120 PS, um zu zeigen, wo der Hammer hängt.

Der jüngste Power- BMW mit der Bezeichnung 135i hat einen turbogeladenen Dreiliter-Sechszylinder, der 306 PS liefert. Aber keine Sorge, das ist nicht der nackte Wahnsinn.

Denn die eindrucksvolle Ansammlung von Pferdestärken macht aus dem 1er zwar ein exzellent laufendes Auto, aber keinen vor Kraft explodierenden Sportwagen. Leistung und Drehmoment entwickeln sich in einer sehr zivilen Weise – längst nicht so brachial, wie man das angesichts eines Leistungsgewichts von nur fünf Kilogramm pro PS erwarten könnte.

Mächtiger Vortrieb ist immer vorhanden, die beim Gasgeben gerade anliegende Drehzahl spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Die sechste Fahrstufe des Getriebes, das sich beim Testwagen vorbildlich leicht und exakt schalten lässt, wird so zum gern benutzten Dauergang auch auf Landstraßen, weil es sich oft als überflüssig erweist, zum Überholen erst einmal zurückzuschalten.

Dass der Schub dennoch einen verbindlichen, sensible Beifahrer nicht erschreckenden Charakter hat, liegt in erster Linie an der Turboaufladung. Kein Turbomotor beißt so angriffslustig zu wie ein durchtrainierter Sauger. Hier gilt das Glaubensbekenntnis der sanften Gewalt, wobei dies nichts zu tun hat mit dem klassischen Turboloch.

Das gibt es beim 135i nämlich nicht, der Aufbau des Ladedrucks erfolgt spontan und kontinuierlich. Zu verdanken ist dies der Anwesenheit von gleich zwei Turboladern, die sehr klein ausgelegt werden konnten und deshalb beim Gaswechsel schnell auf Touren kommen.

Dass die hohe Leistung in erster Linie Luxus bedeutet wie ein strammes Bankkonto, dazu trägt auch das samtige Laufverhalten des Motors bei. Noch hält BMW an der aussterbenden Spezies des Reihensechszylinders fest, und dafür sollte man dankbar sein.

Zwar gibt es längst ähnlich kultivierte V6- Maschinen, aber keine davon entwickelt einen derart wohlklingenden Sound, turbinenartig und unverkennbar BMW. Daraus entsteht ein nicht zu unterschätzender emotionaler Reiz, von dem der Genießer auch dann etwas hat, wenn er gerade keine Gelegenheit hat, die Leistung auszunutzen.

Dass mit dem 135i ein stimmiges Gesamtkunstwerk gelungen ist, beweisen auch die Fahrwerksqualitäten. Leichtgängige und exakte Lenkung, erstklassige Bremsen, zielsicheres Handling und kaum zu erschütternde Neutralität in Kurven ergänzen sich zum überzeugenden Bild eines Autos, in dem man sich auf Anhieb zu Hause fühlt.

Zumal die Fahrwerksabstimmung auf jene Härte verzichtet, die vielfach als Synonym für Sportlichkeit gilt. Selbst BMW war in der Vergangenheit nicht frei von diesem Glauben, realisierte aber beim Einser-Coupé eine zwar straffe, aber dennoch verbindliche Federung, die auch lange Fahrstrecken zu einem Vergnügen macht.

Sehr hilfreich war dabei nicht zuletzt, dass die Reifen mit Notlauf-Eigenschaften, mit denen der Einser ausgerüstet ist, in Sachen Komfort erhebliche Fortschritte gemacht haben. Mit schmaleren Winterreifen wird das Federn noch etwas besser. Und es zeigt sich, wichtiger noch, dass auch ein so starker Hecktriebler unter winterlichen Bedingungen keineswegs problematisch ist.

Eine sehr gute Basistraktion und eine bestens abgestimmte Fahrwerkselektronik, die exakt dosiert und den Fahrer nicht unnötig gängelnd eingreift, lässt sogar bei niedrigen Reibwerten das Gefühl hoher Fahrsicherheit entstehen. Ein BMW, wie er sein sollte – wenngleich allein schon wegen des Preises nur für einen eingeschränkten Kundenkreis.

Aber wem sich angesichts von mindestens 38 950 Euro die Haare sträuben, der sollte noch einmal einen Blick in die Historie werfen. Ein 2002 ti kostete 1969 mit knapp 11 000 Mark rund halb soviel wie ein Porsche 911. Tradition verpflichtet eben.

Fazit

Ein BMW für Gourmets: überdurchschnittlich schnell, handlich, mit bei aller Sportlichkeit befriedigendem Fahrkomfort. Eingeschränktes Platzangebot und hoher Preis müssen in Kauf genommen werden.

Technische Daten
BMW 135i Coupé
Grundpreis 40.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4360 x 1748 x 1408 mm
KofferraumvolumenVDA 370 l
Hubraum / Motor 2979 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 225 kW / 306 PS bei 5800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 5,3 s
Verbrauch 9,2 l/100 km
Testverbrauch 12,5 l/100 km
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