BMW 316 ti Compact gegen Mercedes C 180 Sportcoupé

Foto: Hans-Dieter Seufert

Ein Thema, zwei Variationen: Mit dem Sportcoupé auf der C-Klasse-Basis folgt Mercedes den Spuren des BMW Compact. Ein Vergleich der Einsteigerversionen BMW 316 ti Compact und Mercedes C 180 Sportcoupé deckt auf, wer auf welchem Gebiet den Kürzeren zieht.

Kürze bringt bekanntlich Würze. Das muss nicht immer so sein, kann aber, wie BMW mit dem Compact hinreichend unter Beweis stellte. Schließlich würzte der zweitürige Dreier mit dem kupierten Heck und dem reduzierten Preis über Jahre den Abverkauf. Sein Erfolgsrezept: Wer sonst aus Budgetgründen zu einem profanen Vertreter der Golf-Klasse greifen musste, konnte sich nun auch einen BMW leisten.

Klar, dass man bei Mercedes diese Marktnische auf die Dauer nicht dem Erzrivalen überlassen wollte. Das Resultat basiert auf der C-Klasse, nennt sich aber listigerweise Sportcoupé. Das klingt eindrucksvoller und teurer.

Bei BMW, wo der Compact unterdessen in neuer Auflage erschienen ist, hält man sich hingegen weiter an die bewährte Formel. Der Compact bleibt nicht nur ein beschnittener Dreier, er sieht auch so aus – im Gegensatz zum Mercedes, der im Vergleich zur übrigen C-Klasse eine eigenständige Figur macht.

So steht die Bezeichnung Sportcoupé nicht nur auf dem Papier, sondern dokumentiert sich dem Betrachter auch in einer angemessen flachen Dachlinie, kombiniert mit aus geprägter Keilform. Hier also der knuffige Compact, da das dynamische Sportcoupé – von dieser stilistischen Distanz dürften letztlich beide Kontrahenten profitieren.

In Anbetracht der monatelangen Lieferzeiten scheint selbst der deutlich höhere Preis des Mercedes kein Hemmnis zu sein. 47.190 Mark kostet das Sportcoupé in seiner billigsten Ausführung, als C 180. Sein Pendant von BMW, den 316 ti Compact, gibt es dagegen bereits für 39.899 Mark und kommt damit der ursprünglichen Compact-Idee, nämlich preislich in Golf-Gefilde einzudringen, erheblich näher.

Hier wie dort besteht der Vorteil für den Kunden nicht zuletzt darin, dass die beiden Kurzen in ihren technischen Inhalten weitgehend den teureren Viertürern entsprechen. Im BMW kommt er sogar in den Genuss einer Novität, die vorläufig dem Compact vorbehalten bleibt: Als Erster verfügt der 316ti über den brandneuen Vierzylindermotor mit der verbrauchsmindernden Valvetronic-Ventilsteuerung.

Auch aus der Warte des Fahrers betrachtet macht sich der Preisvorteil gegenüber den regulären Modellen – 3.100 Mark sind es bei BMW, 3.400 Mark bei Mercedes – nicht negativ bemerkbar. Anders als beim schlichter möblierten Vorgänger gleicht das Cockpit des Compact nun jenem der übrigen Dreier-Varianten. Das gewohnte Bild bietet sich auch im Mercedes, wo nur die geschwungene Blende über den Instrumenten auffällt.

Zugeständnisse an das kompaktere Format erfordert indessen die hintere Karosseriehälfte. Der Zustieg in den Fond ist ungeachtet der bei beiden Autos serienmäßigen Einstiegshilfen mit nach vorn rückenden Vordersitzen beschwerlich. Dort angekommen muss sich der Passagier mit beengten Raumverhältnissen abfinden, vor allem im Sportcoupé, das auch in diesem Punkt seinem Namen Ehre macht. Auch weiter hinten im Gepäckabteil zeigen sich die geschrumpften Dimensionen. Beide Kofferräume fassen nur noch je 310 Liter. Durch Vorklappen der geteilten Rücksitze (beim Mercedes inklusive Sitzfläche) lässt sich das Volumen aber auf jeweils 1.100 Liter erhöhen, wobei man dank der großen Heckklappen der beiden Kompakten auch sperriges Stückgut verstauen kann. Besonders der BMW ist für größere Transportaufgaben mit einer erlaubten Zuladung von 454 Kilogramm gut gerüstet, während der Mercedes nur 366 Kilogramm gestattet. Ein vollwertiges Ersatzrad sucht man bei beiden freilich vergebens. Das im Sportcoupé dafür vorgesehene Behältnis im Gepäckraum ist im Serienzustand leer. Stattdessen wird ein Reifendichtmittel mit Luftkompressor beigelegt. Beim BMW stößt man auf eine Wanne unter dem Wagenboden, wo allerdings nur ein Notrad, nicht aber das defekte Normalrad Platz findet.

Ansonsten wird jenes Maß an wohlüberlegter Funktionalität geboten, das man bei Autos dieser Marken gewohnt ist. Auch der Qualitätseindruck wird dem gehobenen Anspruch im Großen und Ganzen gerecht, wobei der BMW noch eine Spur gediegener wirkt. Allerdings entfleuchten beiden Testwagen auf schlechten Straßen schon mal diverse Knister- und Zirpgeräusche aus dem Karosseriegebälk.

Wer im Hinblick auf den oft zitierten Premiumcharakter beider Marken auch eine Premiumausstattung erwartet, der ist hier an der falschen Adresse. An serienmäßige Leichtmetallräder etwa ist nicht zu denken, und auch die Klimaanlage wird eiskalt extra berechnet. Immerhin kann sich Mercedes dazu durchringen, beim teureren Sportcoupé Tempomat, die Mittelarmlehne vorn und das Multifunktionslenkrad draufzulegen, während der Compact als einzige Besonderheit die hinteren Ausstellfenster zu bieten hat.

Aber auch was die technischen Daten betrifft, wirkt das Angebot von BMW auf den ersten Blick bescheidener. Statt 129 PS im C 180 stehen nur 115 PS zur Verfügung. Vergleichsweise dürftig ist auch der Drehmomentwert von 175 Nm, bringt es der Mercedes doch auf 190 Nm.

Die gute Nachricht: In der Praxis fühlt sich der BMWFahrer in keiner Weise benachteiligt. Der neue Vierzylinder ist zwar kein Ausbund an Durchzugskraft, reagiert aber prompt aufs Gas und scheut sich nicht vor hohen Drehzahlen. Ansonsten gibt er sich als unauffälliger und – dank zweier Ausgleichswellen – vibrationsarmer Schnurrer, so dass auch die hochtourige Auslegung des fünften Gangs nicht als Nachteil empfunden wird.

Etwas rustikaler tönt der Mercedes-Motor. Unten herum bietet er zwar einen Hauch mehr Mumm, aber beim Hochdrehen geht ihm früher die Puste aus. Die zusätzlichen PS zehrt das Mehrgewicht auf, denn mit 1.504 Kilogramm übertraf der Testwagen den BMW um 158 Kilogramm. Und dem Bonus des drehzahlschonenden sechsten Gangs steht die präzisere Schaltung des BMW gegenüber.

Auch im Verbrauch hat der C 180 gegenüber dem 316 ti das Nachsehen: 10,1 L/100 km statt 9,3 L/100 km im  direkten Vergleich. Bedenkt man das geringere Gewicht und die trickreiche Ventilsteuerung, so ist der Verbrauchsvorteil des BMW allerdings nicht gerade umwerfend.

Für eine Kaufentscheidung dürfte er jedenfalls kaum genügen. Hilfreicher ist da die Feststellung, dass die Kontrahenten bei der Abstimmung ihrer Fahrwerke höchst unterschiedliche Wege gehen. So setzt Mercedes ungeachtet der Modellbezeichnung bei der Normalausführung des Sportcoupé weniger auf Sport als auf Komfort. ihre Federungsqualitäten sind die reine Wohltat, zumal zugleich die Kriterien Handling und Fahrvergnügen keineswegs zu kurz kommen.

Gleichwohl ist wieder einmal alles relativ, wie der Compact beweist. Im Zuge der Modellerneuerung wurde Federungskomfort weitgehend durch Straßenlage ersetzt. Das Ergebnis ist ein Dreier, der in puncto Agilität, Lenkpräzision und Kurvenverhalten nicht nur eine Freude ist, sondern auch Maßstäbe setzt. Dafür legt die Federung nun eine sportliche Härte an den Tag, die gerade beim harmlos motorisierten 316 ti des Guten eindeutig zu viel ist.

An der Entscheidung nach Punkten kann diese Einschränkung indessen nichts mehr ändern: Preiswerte Sportlichkeit nach Art des Compact schlägt teuren Komfort à la Sportcoupé.

Fazit

1. BMW 316 ti Compact
521 Punkte

Das agile Handling, die präzise Lenkung – da zeigt der Compact klassische BMW-Tugenden. Er bietet ausreichend Platz für vier und einen kultivierten, sparsamen Motor. Der Komfort ist bescheiden, aber dafür stimmt der Preis.

2. Mercedes C 180 Sportcoupé
486 Punkte

Komfort wird beim Sportcoupé groß geschrieben. Da bietet es das passende Kontrastprogramm zum Compact. Innen geht es aber etwas enger zu. Die Mehrleistung spielt in der Praxis keine Rolle, umsomehr aber der hohe Preis.

Technische Daten
BMW 316ti Compact Mercedes C 180 Sportcoupé
Grundpreis 20.750 € 24.592 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4262 x 1751 x 1408 mm 4343 x 1728 x 1406 mm
KofferraumvolumenVDA 310 bis 1100 l 310 bis 1100 l
Hubraum / Motor 1796 cm³ / 4-Zylinder 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 85 kW / 115 PS bei 5500 U/min 95 kW / 129 PS bei 5300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 201 km/h 210 km/h
0-100 km/h 10,4 s 10,9 s
Verbrauch 6,9 l/100 km 9,4 l/100 km
Testverbrauch 9,3 l/100 km 10,1 l/100 km
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