BMW 318i, Mercedes C 180, VW Passat 1.8

Mit dem neuen Passat will VW in die Nobelklasse vorstoßen und dort mit Mercedes und BMW konkurrieren. Im auto motor und sport-Vergleichstest muss sich der VW Passat 1.8 mit dem BMW 318i und dem Mercedes C 180 messen.


An Selbstbewußtsein fehlt es Ferdinand Piëch, dem Chef desVolkswagen-Konzerns, gewiß nicht.Der Passat, so verkündete er beider Präsentation der neuenLimousine, habe in allen Kriteriensolche Fortschritte gemacht, daßer sich seine Konkurrenten künftigin einem neuen Marktsegment suchenmüsse. Im Klartext: VW sieht die Wettbewerbernicht mehr nur in der Menge derFord Mondeo, Opel Vectra oderNissan Primera. Der Passat hat diedeutschen Nobelmarken im Visier:BMW mit dem Dreier und Mercedesmit der C-Klasse. Keine leichte Aufgabe, wie schon das Beispiel der Schwestermarke Audi gezeigt hat. Da hat es Jahre gekostet, sich unter den Premium-Modellen als gleichwertige Konkurrenz zu etablieren. Denn nicht allein die Qualität zählt bei dem angesprochenen Kundenkreis.



BMW und Mercedes können
auf ein allseits respektiertes Image vertrauen, das es den Käufern offenbar leichtmacht, ein paar tausend Mark mehr auszugeben. Ob VW ein ähnliches Renommee erreichenkann, steht in den Sternen.Zumindest nimmt der neue Passatfür sich in Anspruch, in der Summeseiner Fahrqualitäten auf einem ähnlich hohen Niveau zu stehen wie die Einsteigerlimousinen von BMW und Mercedes. Den Beweis versucht in diesem Vergleich der Passat mit der 125 PS starken 1,8 Liter-Maschine anzutreten. Er mißt sich mit dem BMW 318i (1,8 Liter, 115 PS) und dem Mercedes C 180 (1,8 Liter, 122 PS).

Daß der Passat gute Karten
hat, beweist schon seine Karosserie. Sie zeigt eine erstklassige Qualität der Detailverarbeitung, nahezu gleichwertig dem Mercedes und geringfügig besser als beim BMW, bei dem wieder einmal die schlecht schließenden Türen und die bei hohem Tempo stark anschwellenden Windgeräusche auffallen. Auch die Vollverzinkung der Karosserie, die eine elfjährige Garantie gegen Durchrostung ermöglicht, bringt dem Passat Pluspunkte ein. Im Platzangebot läßt der VW seine Konkurrenten ohnehin alt aussehen, wobei die etwas größereInnenbreite und die durch das stark gewölbte Dach üppige Kopffreiheit vor allem dassubjektive Raumgefühl positiv beeinflussen.

Wer
vorn im BMW oder Mercedes Platz nimmt, verspürt sicherlich kein Gefühl der Enge,aber er genießt auch nicht jene Großzügigkeit, die der Passat vermittelt. Im Fond werden die Unterschiede noch deutlicher.

Obwohl die neue Passat-Generation mit ihrem jetzt längs eingebauten Motor keinen ganz so verschwenderischen Fußraum bietet wie der Vorgänger, können die Passagiere hinten ihre Beine doch spürbar bequemer unterbringen als im Mercedes oder im BMW. Auch der Sitzkomfort vorn ist im Passat am besten. Die Sitze überzeugen durch generöse Abmessungen und bequeme Polsterung, das Einstellen einer passenden Position macht dank der praktischen Höhenverstellung und dem in zwei Ebenen justierbaren Lenkrad keine Mühe. Die sehr straff gepolsterten Mercedes-Sitze lassen in schnell gefahrenen Kurven die gewünschte Seitenführung vermissen. Die Sessel des 318i erfüllen zwar die Ansprüche eines sportlich eingestellten BMW-Fahrers, aber die umständliche manuelle Verstellung ist eine Zumutung.


Passat-Käufer, kein Zweifel, bekommen viel Auto fürs Geld – auch was die Ausstattung angeht, die serienmäßig sogar zwei Sidebags umfaßt und schon damit die Konkurrenz in den Schatten stellt. Wer sich nicht mit der Basisausführung begnügt, sondern sich eines der Ausstattungspakete gönnt (Comfortline mit elektrischen Fensterhebern hinten, Veloursbezügen, Mittelarmlehne und geteilt umklappbarer Rücksitzlehne oder Trendline zusätzlich mit Sportsitzen und Lederlenkrad), bleibt beim Passat unter der 40 000 Mark- Grenze, die der Mercedes (44 620 Mark) noch viel deutlicher überschreitet als der BMW (42 100 Mark).

Selbst der mit edlem Holz am Armaturenbrett geschmückte Passat Highline (41 150 Mark) ist noch billiger als die Konkurrenz-Modelle von BMW und Mercedes. Sie besitzen beide traditionelle Stärken, die nicht leicht zu übertreffen sind. Beim BMW zählt dazu in erster Linie sein vorzügliches Handling, das aus geringen Bedienungskräften ebenso resultiert wie aus der Exaktheit der Lenkung und dem nahezu neutralen Eigenlenkverhalten. Das ist Sportlichkeit im besten Sinn und der ausschlaggebende Grund dafür, daß der Dreier-BMW, obwohl in diesem Kreis der älteste Konkurrent, immer noch das höchste Maß an Fahrvergnügen vermittelt.

Der Mercedes setzt andere Prioritäten. Er fühlt sich deutlich schwerfälliger an, auch seine Lenkung läßt die spielerische Präzision vermissen, die den BMW auszeichnet. Dafür verwöhnt er seine Insassen mit einem ausgezeichneten Federungskomfort. Selbst auf den schlechtesten Straßen sind seine langen Federwege nicht überfordert, und auch volle Zuladung läßt noch genügend Reserven übrig. Unter solchen Bedingungen zeigen sich die Grenzen des normalerweise ebenfalls sehr ausgewogen federnden BMW: Wenn er mit dem zulässigen Gesamtgewicht unterwegs ist, kann es bisweilen zu heftigen Vertikalbewegungen der Karosserie kommen, die vor allem für im Fond untergebrachte Passagiere unangenehm sind.

Beide sind zwei hochwertige Konkurrenten, deren Charakter aber ein unterschiedliches Käuferpotential anspricht. Der Passat allerdings erzielt ein Ergebnis, das ihn in der Summe der Wertungen „Fahrkomfort“ und „Fahreigenschaften“ noch besser dastehen läßt. Wie BMW und Mercedes überzeugt er durch ein absolut narrensicheres Fahrverhalten, leicht untersteuernd beim Erreichen der Haftgrenze und damit stets auf der sicheren Seite. Der Passat läßt sich spielerisch leicht lenken, weil die Servounterstützung seiner Lenkung sehr kräftig ausgefallen ist, um störende Antriebseinflüsse zu unterdrücken. Er vermag nicht den unmittelbaren Fahrbahnkontakt zu vermitteln, der den BMW auszeichnet, aber er kommt ihm in der Handlichkeit nahe und übertrifft in dieser Beziehung den Mercedes. Der Frontantrieb macht ihn nicht grundsätzlich sicherer als seine heckgetriebenen Konkurrenten, aber daß der VW auf rutschiger Fahrbahn einen erheblichen Traktionsvorteil besitzt und für den normal begabten Fahrer leichter zu beherrschen ist, gehört zu den unbestreitbaren Vorzügen des Konzepts. Daß die strenge auto motor und sport-Bremsprüfung Wirkung zeigt, machen alle klar – mit hoher Verzögerung auch bei gründlich erhitzten Bremsen.

Der Federungskomfort des neuen VW ist von erster Güte und hält einem Vergleich mit dem Mercedes gelassen stand. Das Abrollgeräusch der Reifen ist beim Passat am besten gedämmt, die Federung schluckt lange Bodenwellen ähnlich souverän wie die des C 180. Nur auf kurzen, schnell aufeinanderfolgenden Querfugen ist eine leichte Stuckerneigung der Vorderachse zu beobachten. Daß der Passat die Komfortwertung für sich entscheiden kann, verdankt er auch seinem Motor.

Der von Audi stammende Vierzylinder, im A4 nicht so überzeugend, erhielt eine geänderte Motorlagerung und eine effizientere Geräuschdämmung – mit dem Ergebnis, daß er sich im Passat auch bei hohen Drehzahlen durch eine Laufkultur auszeichnet, die weder der BMW noch der Mercedes erreichen. Die Mercedes-Maschine entwickelt ein rauhes Laufgeräusch, störend vor allem, wenn der Fahrer in den unteren Gängen voll beschleunigt. Auf der Autobahn zieht, mit Unterstützung der sehr langen Antriebsübersetzung, Ruhe ein – Wind- und Abrollgeräusche übertönen dann den Motor fast vollständig.

Der BMW-Vierzylinder mit seinem sportlichen Sound scheint zunächst angenehmer zu klingen, aber er wird bei hohem Reisetempo zur Nervensäge. Kürzer übersetzt als der Mercedes, befindet sich der BMW bei gleicher Geschwindigkeit auf einem höheren Drehzahlniveau, und das unterstreicht der Vierzylinder durch lautstarkes, von Dröhnfrequenzen begleitetes Brummen. Die Differenzen in den Fahrleistungen fallen demgegenüber vernachlässigbar gering aus – nur der Mercedes muß sich wegen seiner mangelnden Durchzugskraft in den oberen Gängen einen Punktabzug gefallen lassen.

Auch im Verbrauch liegen die Vierzylinder dicht beisammen – immerhin erstaunlich angesichts des unterschiedlichen technischen Aufwands, den die Hersteller betreiben: BMW hält in dieser Klasse noch am Zweiventiler fest, der Mercedes besitzt einen Vierventiler, im VW-Motor steuern sogar fünf Ventile pro Zylinder den Gaswechsel. Nicht die Technik, sondern die Abstimmung des Gesamtkunstwerks bringt letztlich ein gutes Ergebnis – und dem neuen Passat einen unangefochtenen ersten Platz. Er leistet sich keine ernsthaften Schwächen und punktet mit einer bemerkenswerten Gleichmäßigkeit. Ziel erreicht also – aber die Rechnung geht erst auf, wenn prestigebewußte Käufer sich in Zukunft dazu überreden lassen, einen Volkswagen zu fahren.

Fazit

1. Mercedes C 180
105 Punkte

Hoher Fahrkomfort, sicheres Fahrverhalten, überdurchschnittliche Karosseriequalität, gutes Raumangebot. Eingeschränkte Handlichkeit, hakelige Schaltung, zu lang übersetzter fünfter Gang, teure Anschaffung bei magerer Ausstattung, harte Sitze mit wenig Seitenhalt.

2. BMW 318i
106 Punkte

Ausgeprägte Handlichkeit, exakte, leichtgängige Schaltung, geringe Bedienungskräfte, präzise Lenkung, drehfreudiger Motor, Sitze mit sehr gutem Seitenhalt, gutes Raumangebot. Bei hohen Drehzahlen lauter Motor, nachlassender Federungskomfort bei Beladung.

3. VW Passat 1.8
114 Punkte

Insgesamt üppiges Raumangebot, sehr umfangreiche Sicherheitsausstattung, kultivierter Motor, ausgezeichnete Fahrleistungen, komfortable Federung, sichere Fahreigenschaften, sehr gute Bremsen, relativ niedriger Preis. Stuckerneigung der Vorderachse auf Querfugen.

Technische Daten
VW Passat 1.8 5V Mercedes C 180 BMW 318i
Grundpreis 21.700 € 23.284 € 21.525 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4675 x 1740 x 1459 mm 4487 x 1720 x 1427 mm 4433 x 1698 x 1393 mm
KofferraumvolumenVDA 475 bis 745 l 430 l 435 l
Hubraum / Motor 1781 cm³ / 4-Zylinder 1799 cm³ / 4-Zylinder 1796 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 92 kW / 125 PS bei 5800 U/min 90 kW / 122 PS bei 5500 U/min 85 kW / 115 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 206 km/h 193 km/h 201 km/h
0-100 km/h 11,1 s 11,2 s 11,6 s
Verbrauch 8,5 l/100 km 9,2 l/100 km 8,0 l/100 km
Testverbrauch 9,5 l/100 km 9,7 l/100 km 9,5 l/100 km
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