BMW 320 d Touring gegen Volvo V 50 2.0 D

Lust-Wagen

Mit dem neuen Kombi wird Volvo erstmals zur echten Konkurrenz im Segment der noblen Mittelklasse-Kombis. Im Test die Vierzylinder-Dieselmotoren mit 136 PS (Volvo) und 150 PS (BMW).

Die Hauptkonkurrenten vom BMW Dreier Touring, der Audi A4 Avant und das T-Modell der Mercedes C-Klasse, kamen bislang wie der BMW auch aus dem süddeutschen Raum. Nun droht ihm in der schlanken Gestalt des neuen Volvo V50 zusätzlich Gefahr aus dem hohen Norden. Auf den ersten Blick könnte man den V50 glatt mit seinem größeren Bruder V70 verwechseln. Was die optischen Erkennungsmerkmale wie die V-förmige Motorhaube mit dem vorspringenden Volvo-Grill und die ausgeprägten Schultern angeht, ist der V50 ja ein typischer Volvo. Allerdings vermittelt seine Linienführung eine bis dato für die schwedische Marke nicht gekannte Leichtigkeit.

Aber ist der Vergleich des V50 mit dem Dreier überhaupt statthaft? Basiert doch der kleinste Volvo-Kombi lediglich auf einer Kompaktklasse-Plattform, jener der im Herbst erscheinenden zweiten Generation des Ford Focus. Die erste Überraschung hält der Vergleich der Außenmaße bereit. In allen Dimensionen ist der zierlicher wirkende V50 einige Zentimeter größer als der Dreier. Auf den Innenraum schlägt das aber nicht durch. Vorn ist der Volvo zwar nur wenig knapper geschnitten als der BMW. Im Fond fordern das sich verjüngende Heck und die abfallende Dachlinie aber ihren Tribut: Innenbreite und Kopffreiheit rangieren deutlich unter Dreier- Niveau. In puncto Beinfreiheit bietet der Volvo aufgrund seines Antriebskonzepts – Motor quer, Antrieb vorn – jedoch mehr als der BMW mit Hinterradantrieb. Außerdem genießen die hinteren Passagiere im Volvo den besseren Sitzkomfort. Die Sitzfläche ist höher montiert als im BMW, weshalb im V50 die Beine weniger stark angewinkelt werden müssen. Zudem ist die ganze Bank bequemer gepolstert und rückengerechter geformt als die harte BMW-Rückbank. Ähnlich verhält es sich mit den Vordersitzen. Nur die Oberschenkelauflage könnte beim Volvo länger sein. Maximales Ladevolumen stand bei beiden Kombis wohl nicht ganz oben im Lastenheft. Für alltägliche Transportaufgaben reicht es aber allemal. 

Zumal beide über die übliche asymmetrische Umklappmöglichkeit der Rücksitzlehnen verfügen. Zum Durchladen langer Gegenstände bis zur Armaturentafel kann beim Volvo zusätzlich die Lehne des Beifahrersitzes nach vorn geklappt werden. Serienmäßig in beiden Fällen ist ein stabiles Trennnetz an der Oberkante der Rücksitzlehnen, das beim V50 geschickterweise nicht mit der Laderaumabdeckung kombiniert ist. Die wird separat eingeklinkt und verfügt über ein Staufach mit Deckel für bis zu zwei Regenschirme.

So viel zum Nutzwert, jetzt zum Fahrspaß. Spontanes Einlenken, neutrales Kurvenverhalten und die direkte Lenkung ohne Antriebseinflüsse: Maß der Dinge in seiner Klasse ist – und bleibt – der Dreier, auch als Kombi. Aber der V50 ist nahe dran. Auch er wieselt flink über kurvenreiche Land- und Bergsträßchen. Allerdings spricht die Lenkung etwas indirekter an, vermittelt weniger Gefühl für die Straße und wird von zerrenden Antriebskräften zusätzlich beeinflusst. Außerdem neigt das entlastete kurveninnere Vorderrad wegen mangelnder Traktion gelegentlich zum Durchdrehen. Der hohen Fahrsicherheit tut das jedoch keinen Abbruch. Wie der Dreier quittiert er Lastwechsel bei hoher Querbeschleunigung mit leicht zu beherrschendem Eindrehen. Und mehrere Runden auf dem bewässerten Handlingkurs des Bosch-Prüfgeländes in Boxberg zeigen, dass das ESP in beiden Fällen sehr harmonisch und wirkungsvoll eingreift. Einen zwiespältigen Eindruck hinterlässt der auf gleichmäßig trockener Fahrbahn hervorragend verzögernde BMW aber beim Bremsen auf rechts und links unterschiedlich griffiger Fahrbahn (_-split). Er benötigt zwar nur geringe Lenkkorrekturen, um in der Spur zu bleiben, erkauft sich diese Stabilität jedoch mit einem langem Bremsweg. Der V50 erfordert nur etwas mehr Lenkaufwand, kommt aber deutlich früher zum Stillstand. Beim Sprint von null auf 100 km/h hat aber wieder der mit 150 PS um 14 Pferde stärkere BMW 320 d die Nase vorn.

Subjektiv sind die Unterschiede allerdings geringer. Aus niedrigen Drehzahlen spricht der von Peugeot stammende Zweiliter- Common-Rail-Diesel im V50 sogar etwas besser an. Dabei hilft ihm die enge Abstufung der unteren vier Gänge, die zudem deutlich kürzer übersetzt sind als beim BMW. Negativ auf das Temperament bei höherem Tempo wirkt sich allerdings der große Sprung zwischen viertem und fünftem Gang sowie die insgesamt längere Übersetzung der sechsten Fahrstufe aus. Die Freude am sehr exakt und mit kurzen Wegen schaltbaren Sechsganggetriebe wird getrübt durch die zu schwache Rückwärtsgang-Sperre. So kann leicht versehentlich der Rückwärtsgang eingelegt werden.

Sehr dicht beieinander – wie so oft in diesem Vergleich – liegen die beiden Dieselkombis auch beim Federungskomfort. Entsprechend ihrer sportlichen Ausrichtung tendieren die Abstimmungen in Richtung straff. Lange Bodenwellen parieren sowohl der BMW als auch der Volvo souverän. Nur kurze Unebenheiten werden vom Dreier wirkungsvoller absorbiert. Gut gelungen ist in beiden Fällen aber die akustische Entkoppelung des Fahrwerks von der Karosserie.

Unter dem Strich erweist sich der Volvo V50 2.0 D als ernst zu nehmender Gegner des BMW 320 d Touring. Er hat nicht nur äußerlich das Format des BMW, sondern kommt ihm auch in der Summe seiner Eigenschaften sehr nahe. Qualitativ liegt der Volvo ebenfalls auf demselben hohen Niveau. Doch in seinen Paradedisziplinen, Antrieb und Fahrdynamik, sammelt der ausgereifte Dreier genügend Punkte, um den Angriff aus dem hohen Norden noch mal abzuwehren. Da hilft dem Volvo auch der deutlich günstigere Preis bei gleichzeitig umfangreicherer Ausstattung nicht. Außerdem erfüllt er bislang ohne Partikelfilter nur Euro 3, der BMW – ebenfalls ohne Filter – Euro 4. Allerdings soll der Partikelfilter für den Volvo ab Herbst optional verfügbar sein, während diese Technik für den Dreier voraussichtlich erst im Nachfolger zum Einsatz kommt.

Fazit

1. Volvo V50 2.0 D Summum
510 Punkte

Der Neuling aus Schweden muss sich nur knapp geschlagen geben. Er bietet zwar nicht ganz die Agilität seines Kontrahenten, punktet aber mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

2. BMW 320 d Touring Exclusive
516 Punkte

Obwohl der Dreier langsam in die Jahre kommt, setzt er in puncto Antrieb und Fahrdynamik immer noch die Akzente in diesem Vergleich. BMW lässt sich die Qualitäten aber teuer bezahlen.

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Technische Daten
Volvo V50 2.0D Summum
Grundpreis 32.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4514 x 1770 x 1452 mm
KofferraumvolumenVDA 417 bis 1307 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
0-100 km/h 10,1 s
Verbrauch 5,8 l/100 km
Testverbrauch 8,4 l/100 km
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