BMW 320d (2000) im Test

Hohe Fahrleistungen bei günstigem Verbrauch

BMW 320d Limousine

Im neuen BMW 320d kommt erstmals ein Direkteinspritzer-Diesel zum Einsatz. Das potente Vierzylinder-Triebwerk glänzt mit spezifischer Höchstleistung.

Ein BMW und Diesel? Da muss der Diesel schon etwas ganz Besonderes sein, dass ihn der BMW-Fahrer akzeptiert. Der bisherige, etwas schwachbrüstige Vierzylinder jedenfalls konnte diesem Anspruch sicher nicht gerecht werden. Mit dem neuen Direkteinspritzer- Vierzylinder, der zunächst als einziger Diesel in der neuen 3er-Reihe zu haben ist, wird sich das ändern. Denn abgesehen von der Zahl der Zylinder und deren Abstand zueinander ist am neuen BMW-Diesel alles anders. Am wenigsten hat sich der Hubraum verändert. Er beträgt nicht einmal volle 2 Liter, exakt sind es 1.951 cm³.

Für die hierzulande überproportional hohe Diesel-Kfz-Steuer ist dies günstig. Und der Leistung des BMW 320d scheint es offenbar auch nicht zu schaden. Glatte 100 kW oder 136 PS meldet das Datenblatt der Limousine. Sie fallen dieseltypisch bereits bei 4.000 Umdrehungen an. Noch eindrucksvoller aber ist das Drehmoment. 280 Nm liefert der neue BMW Selbstzünder an die Kurbelwelle – genau so viel wie der 2,8 Liter-Sechszylinder des BMW 328i, aber schon bei niedrigen 1750 U/min. Mit solchen spezifischen Spitzenwerten verblüfft BMW selbst die etablierte Konkurrenz. Sie sind das Resultat eines High-Tech-Aufwandes, der von der Vierventiltechnik über die elektronisch gesteuerte Bosch-Hochdruckpumpe VP44 bis zum Turbolader mit variabler Einlaßgeometrie reicht.

Genau das Richtige also für die technikorientierte BMW-Klientel. Über die besonderen Qualitäten des neuen 3ers hat auto motor und sport bereits im Einzeltest des BMW 318i und im Vergleichstest des BMW 328i berichtet. Die Frage ist: Wie macht sich ein Vierzylinder-Diesel in einem so hochkarätigen Auto? Beim Start zunächst sind keine nennenswerten Differenzen festzustellen. Der Diesel startet fast so spontan wie die Benziner. Bei normalen Außentemperaturen sind Vorglühverzögerungen bei Direkteinspritzern ohnehin Schnee von gestern. Es folgt ein stabiler Leerlauf, der freilich innen wie außen dieseltypische Geräusche vernehmen läßt.

Sie nageln zu nennen wäre übertrieben. Fakt ist aber, daß die mechanische Hochdruckpumpe im Gegensatz zum Speichersystem Common Rail trotz Stufennocken noch nicht ganz so fein dosiert voreinspritzen kann. Daraus folgt ein steilerer Druckanstieg mit entsprechendem Verbrennungsgeräusch, das bei mittlerer Drehzahl einem unterdrückten Knurren nicht unähnlich ist. Innen stört dies in keiner Phase des Drehzahlspektrums, zumal es sich mit steigender Drehzahl und Betriebstemperatur weitgehend verflüchtigt. Bei Autobahntempo gar ist vom Antrieb im 320d nicht mehr zu hören als bei einem vergleichbaren Benzinmotor. Selbst vierzylindertypische Brummfrequenzen konnten erfolgreich unterdrückt werden. Das hohe Druckniveau der Radialkolbenpumpe, das an den Düsen einen Einspritzdruck von bis zu 1.700 bar liefert, ist andererseits nicht nur Garant für die hohe Leistungsdichte, sondern auch für gute Gemischaufbereitung und saubere Verbrennung.

Als einer der wenigen Direkteinspritzer erfüllt der BMW-Diesel bereits die strengen D3-Abgasnormen. Abgesehen von der Steuerersparnis merkt der BMW-Kunde davon nichts. Die hohe Leistungsdichte indessen kann ihm kaum verborgen bleiben. Denn wie sich der kleine Direkteinspritzer ins Zeug legt, ist schon bemerkenswert. Ab 1.500 Umdrehungen herrscht kräftiger Durchzug, der praktisch über den gesamten, allerdings nicht sehr großen nutzbaren Drehzahlbereich anhält. Dies ist selbst in den obersten beiden Gängen des 3er noch beeindruckend: Man fühlt sich beim Beschleunigen wie von einer unsichtbaren Seilwinde nach vorne gezogen. Die guten Beschleunigungswerte, noch mehr aber die ausgezeichnete Elastizität untermauern da den subjektiven Eindruck. Bekannt ist die eingeschränkte Drehzahlspanne des Diesels, insbesondere beim Direkteinspritzer.

Er ist auf einen ausgeprägten Drall der Verbrennungsluft angewiesen, der jedoch nur über eine begrenzte Drehzahlspanne zu realisieren ist. So fällt beim neuen BMW-Diesel die Leistungskurve schon früh ab. Es lohnt sich kaum, über 4.000 U/min zu drehen, bei 4.400 bremste beim Testwagen die Pumpe ohnehin jede Drehzahlorgie – 400 Umdrehungen vor dem roten Bereich. Beim Beschleunigen in den unteren Gängen frustriert eine so frühe Drehzahlgrenze. Kaum geht es richtig ab, muß schon zum Schalthebel gegriffen werden. Das geht zwar, wie bei BMW üblich, schön leicht und mit hoher Präzision, bringt aber eine gerade diesem Auto unangemessene Hektik ins Spiel.

Die zu frühe Drehzahlgrenze stört auch im obersten Gang des BMW 320d. Dort verharrt der Drehzahlmesser selbst bergab bei 4400 Umdrehungen, analog dazu die Tachonadel bei knapp über 210 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit von 207 km/h, die der 320d laut Werksangabe erreichen soll, scheint demzufolge nur vom Drehvermögen gebremst zu sein. Schließlich läuft der 318i mit seinem Benziner fast genau so schnell (206 km/h), und das mit 18 PS weniger. Dennoch: Die Fahrleistungen des 320d sind über jeden Zweifel erhaben und einem BMW mehr als angemessen. Da ist der niedrige Verbrauch, das eigentliche Motiv des ganzen Dieselbooms, eine willkommene Zugabe. Selbst bei zügiger Fahrweise fällt es schwer, mehr als 7 Liter/100 km des immer noch preisgünstigen Dieselkraftstoffs zu verbrennen. Im Vergleich zu einem Benziner halbiert das, gleiche Fahrleistungen vorausgesetzt, die Kraftstoffkosten. 800 Kilometer zum Beispiel schlagen mit rund 30 Euro zu Buche.

Das ist äußerst günstig für ein Auto vom überragenden Komfort eines Dreier-BMW, der mit 1.490 Kilogramm fast so viel Gewicht auf die Waage bringt wie die Sechszylinder-Benziner. Ansonsten sind die Kosten des BMW 320d alles andere als günstig. Trotz aller Ausstattungsbereinigungen: Der BWM 320d ist mit 24.400 Euro schon in der Anschaffung sehr teuer. Wer ein bißchen Ausstattung sucht wie die Klimaanlage, ein Radio oder größere Räder, zahlt rasch weit über 25.000 Euro. Da müsste man selbst mit diesem Diesel Tag und Nacht fahren, um das wieder hereinzuholen. Doch eines ist sicher: Es würde Spaß machen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot
  • gute Verarbeitungsqualität
  • funktionelle Bedienung
  • gute Ausstattung
  • geringe Zuladung
Fahrkomfort
  • sehr gute Federung
  • guter Abrollkomfort
  • bequeme Sitze
  • niedriges Innengeräuschniveau
Antrieb
  • gute Leistungscharakteristik
  • hohe Fahrleistungen
  • exakte und leichtgängige Schaltung
  • schmaler Drehzahlbereich
  • rauher Lauf nach Kaltstart
Fahreigenschaften
  • neutrales Kurvenverhalten
  • tadelloser Geradeauslauf
  • exakte Lenkung
  • sehr gute Bodenhaftung
  • etwas schwergängige Lenkung
Sicherheit
  • ausgezeichnete Bremsen
  • Fahrer- und Beifahrer-Airbag
  • Sidebags und Kopfbags vorne
  • Gurtstraffer vorne
  • Beckengurt hinten
Umwelt
  • Einsatz wasserlöslicher Lacke
  • schadstoffarm nach D3
  • niedriger CO2-Ausstoß
Kosten
  • niedrige Kraftstoffkosten
  • günstige Kaskoeinstufung
  • lange Wartungsintervalle
  • hoher Anschaffungspreis
  • kurze Garantie (1 Jahr)

Fazit

Der neue Direkteinspritzer-Diesel verwässert das positive Bild des 3er nicht. Der BMW 320d bietet hohe Fahrleistungen bei günstigem Verbrauch. Lediglich der raue Kaltlauf und der schmale Drehzahlbereich stören das Bild.

Technische Daten
BMW 320d
Grundpreis 27.047 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4471 x 1739 x 1415 mm
KofferraumvolumenVDA 440 l
Hubraum / Motor 1951 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 207 km/h
0-100 km/h 10,0 s
Verbrauch 5,7 l/100 km
Testverbrauch 6,8 l/100 km
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