BMW 320i und Rover 623 Si Lux im Test

Welche Mittelklasse-Limousine ist besser?

Die wachsende Zahl von Kooperationen im Autogeschäft macht aus Partnern häufig auch Konkurrenten. Wie sich BMW 320i und Rover 623 Si unterscheiden wollten wir wissen – und haben deshalb beide im Test ausführlich auf Herz und Nieren geprüft.

Verwandtschaftliche Beziehungen bestehen zwischen BMW 320i und Rover 623 Si nur auf dem Papier, denn die Mittelklasse-Limousinen kamen lange vor dem überraschenden Eheschluß der beiden Autohersteller zur Welt. Bevor BMW seine Liebe zu Rover entdeckte, suchte die englische Traditionsmarke die Nähe zum japanischen Honda-Konzern, und deshalb heiß der wahre 623-Bruder Accord. Motor, Bodengruppe und Achsen lassen den gemeinsamen Stammbaum erkennen, während sich die Unterschiede auf reine Äußerlichkeiten beschränken. Der in edles Chrom gefaßte Rover-Grill mit dem Wikingerschiff als Firmenwappen in der Mitte vermittelt englischen Stil ebenso wie der Innenraum, der mit heller Lederausstattung sowie Holzapplikationen in Türen und Mittelkonsole zum Verweilen einladen soll wie ein Salon zur Teestunde.

BMW verzichtet auf diese aristokratische Eleganz und läßt beim Dreier durch die gedrungene Form mit kurzen Überhängen und hohem Heckabschluß Sportgefühle in der Mittelklasse aufkommen. Der sachlich gestylte Innenraum wirkt auf den ersten Blick durch das fahrerbetonte Cockpit, den breiten Kardantunnel und die dunklen Farben etwas kleiner als der des Rover, doch dieser Eindruck täuscht. Vorne stehen vier Zentimeter mehr Breite zur Verfügung, hinten sogar sechs Zentimeter mehr – ein Unterschied, der aber kaum ins Gewicht fällt, weil auch die Rover-Limousine ausreichend Platz bietet. Mit 430 Litern verfügt sie auch über ein fast identisches Kofferraumvolumen (BMW: 435 Liter). Größer sind die Unterschiede in den Bereichen Funktionalität und Qualität.

Im BMW liegen alle Bedienungselemente im Blickfeld des Fahrers und geben keine Rätsel auf. Sie zeugen außerdem von einer Langlebigkeit, die man einst von jedem Produkt Made in Germany erwarten durfte. Kleine Detailfehler erschweren dagegen das Leben im Rover: Beim Radio stören die kleinen, schlecht zu bedienenden Tasten, und die Tankklappe läßt sich nach alter japanischer Tradition nur von innen entriegeln. Knistergeräusche im Bereich des Armaturenbretts und der B-Säule belegen zudem, daß trotz des Einsatzes von Chrom, Holz und Leder bei der Entwicklung des Honda- Abkömmlings an allen möglichen Stellen kräftig gespart wurde.

Der Rover kann von seinem angeheirateten Verwandten noch viel lernen. Auf Fahrbahnunebenheiten reagiert er mit starken, schlecht gedämpften Vertikalbewegungen, die vor allem für die Fondpassagiere lästig sind. Der Dreier sorgt dagegen mit seinem guten Schluckvermögen sowohl auf kurzen Unebenheiten als auch bei langen Bodenwellen für Wohlbefinden bei den Insassen, die sich gleichzeitig über bequemere Sitze mit besserem Seitenhalt freuen dürfen. Einer deutsch-englischen Familienzusammenführung stehen bislang auch völlig unterschiedliche Antriebskonzepte im Weg.

Der quer eingebaute Vierzylinder (2,3 Liter Hubraum, 158 PS) des Rover überträgt seine Kraft auf die Vorderräder, während der Zweiliter- Reihensechszylinder im Dreier BMW-typisch die Hinterräder antreibt. Weil der 623 in dem BMW Triebwerk auf einen Meister seines Fachs trifft, bleibt ihm auch in diesem Kapitel nur das Nachsehen. Mit der Laufkultur des Sechszylinders kann er genauso wenig konkurrieren wie mit dessen gleichmäßiger Kraftentfaltung. Der zu Vibrationen neigende Rover-Motor, nur in Verbindung mit Automatikgetriebe lieferbar, entfaltet seine Kraft keinesfalls mit der faszinierenden Spontanität des BMW-Antriebs und beantwortet hohe Drehzahlen zudem mit aufdringlichen Brummgeräuschen. Ein weiterer Nachteil: der hohe Verbrauch, der mit 11,8 Liter auf 100 Kilometer um eineinhalb Liter über dem – allerdings mit Schaltgetriebe ausgerüsteten – Dreier liegt. Fahrspaß läßt der Rover 623 auch wegen seiner um die Mittellage nervösen Lenkung vermissen, die auf Korrekturen bei hohen Geschwindigkeiten sehr sensibel reagiert. Die direkt ansprechende Servolenkung des Dreiers unterstreicht den handlichen und agilen Charakter der deutschen Limousine, deren hohes Maß an Fahrsicherheit durch leistungsstarke, standfeste Bremsen zusätzlich unterstrichen wird.

Der Rover reagiert dagegen auf hohe Belastung mit Fading. Während das Auto mit kalter Bremsanlage nach 42,9 Metern steht, benötigt es mit erhitzten Bremsen immerhin 50,8 Meter, um zum Stillstand zu kommen. 48 200 Mark kostet der 320i inklusive Airbags, ABS, Servolenkung und elektrischen Fensterhebern vorn. Der Einstieg in die vergleichbare Rover-Klasse ist deutlich teurer: Der Preis für den 623 Si Lux beläuft sich auf 55 350 Mark. Dafür ist die Ausstattung wesentlich umfangreicher: Automatik, Klimaanlage, Leichtmetallräder, elektrisches Schiebedach und Lederausstattung sind serienmäßig. Doch weil sich nicht jeder mit diesem Luxus umgeben möchte, stellt der Dreier auch in dieser Hinsicht die bessere Wahl dar. Schließlich kann jedes Ausstattungselement einzeln bestellt werden – eine Preispolitik, die nicht nur unter Brüdern Nachahmer finden sollte.

Fazit

1. BMW 320i
106 Punkte

Gute Verarbeitungsqualität, durchzugsstarker, sehr kultivierter Sechszylinder, gute Handlichkeit, problemloses Fahrverhalten, präzise und leichtgängige Servolenkung. Anschaffungspreis etwas über dem Klassendurchschnitt, geringe Zuladung (362 Kilogramm), Windgeräusche bei hohen Geschwindigkeiten.

2. Rover 623 Si Lux
97 Punkte

Ordentliches Raumangebot vorne und hinten, relativ hohe Zuladung, sehr umfangreiche Ausstattung, ruckfrei schaltende Automatik. Eingeschränkter Federungskomfort auf kurzen und langen Bodenwellen, brummiger Motor mit unbefriedigender Kraftentfaltung, fadingempfindliche Bremsen.

Technische Daten
BMW 320i Rover 623 Si Lux
Grundpreis 24.849 € 29.297 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4433 x 1698 x 1393 mm 4645 x 1715 x 1380 mm
KofferraumvolumenVDA 435 l 430 l
Hubraum / Motor 1991 cm³ / 6-Zylinder 2259 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 5900 U/min 116 kW / 158 PS bei 5800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 214 km/h 216 km/h
0-100 km/h 8,9 s 11,3 s
Verbrauch 9,0 l/100 km
Testverbrauch 10,3 l/100 km 11,8 l/100 km
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