BMW 323i Coupé im Test

Mit einer neuen Motorenvariante schließt BMW die Lücke zwischen 320i und 328i. Die 323i genannte Neuschöpfung segelt freilich mit 2,5 Litern Hubraum unter falscher Flagge, um die früheren 325i-Kunden nicht zu verärgern.

Die Dreier-Reihe hatZuwachs gekriegt. Name: 323i.Nachdem der 325i im Januar vom328i abgelöst worden war, klafftezwischen dem kleinsten Sechszylinder (320i) und dem neuen Topmodell eine unübersehbare Hubraumlücke. Sie mußte, schon aus Marketinggründen, geschlossen werden. Gleichzeitig bot sichdie Möglichkeit, die relativ großePreis- und Leistungsdistanz zwischenden beiden Sechszylindermodellen praktischzu halbieren. Dies ist mit demneuen 323i nahezu perfekt gelungen. Mit einem Preis von 54 500 Mark rangiert das 323i Coupé ungefähr in der Mitte zwischen dem Zweiliter- (51.000 Mark) und dem 2,8 Liter-Coupé (57.600 Mark). Und der sowohl in der Limousine wie auch im Coupé angebotene Sechszylinder splittet mit 170 PS die Leistungsskala zwischen 150 und 193 PS sinnvoll auf. EinzigerSchönheitsfehler in der Modellbezeichnung: Der neue Lückenfüller fährtunter falscher Flagge. Denn der Motor des 323i hat nicht, wie die BMW-Modellbezeichnung nahelegt, 2,3 Liter Hubvolumen, sondern schöpft seine Kraft aus 2,5 Litern, exakt jenem Hubraum, den derausgemusterte 325i besaß.

Der Grund für dieses Understatementliegt im Marketingbereich: Manwollte die bisherigen 325i-Kunden, die deutlich mehr für ihr Auto gezahlt hatten, nicht verärgern. Daßsich unter der Motorhaube des 323i nicht wie früher (siehe auch Kasten auf Seite 26) echte 2,3 Liter Hubraum versammeln, hat hingegen technische Gründe. So besitzt der neue 2,5 Liter-Sechszylinder dasgleiche Aluminium-Kurbelgehäuse mit 84mm Bohrung wie der 2,8 Liter-Motor.Allein die gegossene Kurbelwellemit nur 75 mm Hub bewirkt dieHubraumdifferenz. Außerdem ging esbei der Neukonzeption desReihensechszylinders abgesehen von der Gewichtserleichterung in erster Linie um Verbrauchs- und Drehmomentoptimierung. Da lag es nahe, 2,5 Liter Hubraum beizubehalten, das Drehzahlniveau und die Höchstleistung dagegen abzusenken. So erreicht der neue 2,5 Liter-Sechszylinder seine Leistungspitze von 170 PS schon bei 5500/min (alter 325i: 192 PS bei 5900/min), das mit 245 Newtonmeter gleichgebliebene Drehmoment fällt 250 Umdrehungen früher, bei 3950/min an.

Die Drehmomentkurve verspricht im Alltagsbetrieb nur Vorteile: mehr Durchzugskraft, weniger Lärm und geringerer Verbrauch. Dementsprechend erweist sich die neue Motorvariante als eine äußerst angenehme Antriebsquelle, die vor allem durch ihre gleichmäßige Leistungsentfaltung überzeugt. Aus dem fast lautlosen, mit knapp 700 Umdrehungen schnurrenden Leerlauf läßt sich in jedem Gang ruckfrei beschleunigen. Die Mindestgeschwindigkeiten liegen auch in den oberen Gängen so niedrig, daß sich Dreißiger-Zonen im vierten Gangund übliches Stadttempo in der fünftenFahrstufe absolvieren lassen. EinVorteil, der das Leben im heutigenKurzstreckenverkehr erleichtert,zumal viele Schaltvorgänge aufgrundder fülligen Drehmomentlinie entbehrlichsind. Das ist eigentlich schade,denn die Betätigung desSchalthebels gerät dank der Präzisionund der leichten Schaltbarkeit zumreinen Vergnügen, das noch nicht einmal durch eine zu hohe Kupplungspedalkraft getrübt wird.

Natürlich braucht mandarauf nicht zu verzichten, wenn es malzügiger zur Sache geht, reichtdoch das Leistungspotential des323i auch für eine ausgesprochen sportlicheFortbewegung aus. Daß dieBeschleunigung näher beim 320i alsbeim 328i liegt und die Elastizitätswerte sogar schlechter als beim Zweiliter ausfallen, kann man nicht mangelnder Motorleistung anlasten. Schließlich erreichte der Testwagen eine effektive Höchstgeschwindigkeit von 233 km/h, sechs km/h über der Werksangabe. Einziger Grund für die scheinbar paradoxen Meßwerte ist die entschieden zu lange Achsantriebs- Übersetzung des 323i, die der des 2,8-Liters entspricht. Dabei zahlt sich eine so lange Übersetzung trotz günstiger Normwerte (Drittelmix: 8,3 Liter/100 km) noch nicht einmal im Testverbrauch aus: Mit 10,4Liter auf 100 km bezieht der 323i zwar imUmfeld seiner Konkurrenten einenSpitzenplatz, liegt aber näher amhubraumstarken 328i als am hochtourigen 320i.

Abgesehen davon sind die übrigen Motorqualitäten überjeden Zweifel erhaben. Ein kleinerMangel fällt am unteren Ende derDrehzahlskala auf: Bei vollem Lenkeinschlag würgt die Servopumpe den Leerlauf gerne ab. Sonst gibt es zu den Qualitäten des BMW-Coupés nichts Neues. Ausstattungsbasis des 323i ist der Zweiliter, durch Nebelleuchten und innenbelüfteteScheibenbremsen hintenangereichert. Bei so viel Nähe zum320i mag der neue 323i überflüssigerscheinen. Der Einwand ist nichtganz von der Hand zu weisen. Mansollte aber auch an die Unentschlossenen denken, die sich bisher zwischen 320i und 328i schwer entscheiden konnten. Exakt für diese Klientel ist der falsche Dreier die richtige Wahl.

Technische Daten
BMW 323i Coupé
Grundpreis 29.348 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4433 x 1710 x 1366 mm
KofferraumvolumenVDA 405 l
Hubraum / Motor 2494 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 227 km/h
0-100 km/h 8,5 s
Testverbrauch 10,4 l/100 km
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