BMW 325 ti Compact und Mercedes C 230 Kompressor - Zwei Kurze aus guten Familien

Die Kurz-Versionen der BMW Dreier-Reihe und der Mercedes C-Klasse versprechen sportliche Fahrfreude. Das gilt besonders für die Topmodelle 325 ti Compact und C 230 Kompressor Sportcoupé.

Agiler ist er und vor allem deutlich günstiger. Deshalb gewinnt der BMW 316 ti Compact im Frühjahr den Vergleich gegen das Mercedes C 180 Sportcoupé.

Anders könnte das Treffen der Topmodelle BMW 325 ti Compact und Mercedes C 230 Kompressor Sportcoupé Evolution ausgehen. Erstens nähern sich ihre Preise bis auf 2000 Mark an. Zweitens könnte das Evolutionspaket dem Mercedes im Fahrverhalten zu mehr Sportlichkeit verhelfen.

Feurige Zutaten würzen das Sportcoupé wie Chili eine lasche Soße: 225/45er-Breitreifen auf 17-Zoll-Felgen, Sport-Endschalldämpfer und straffe Fahrwerksabstimmung.

Allerdings schärfen auf Sportlichkeit getrimmte Sitze, Fahrwerk und Auspuffanlage auch den BMW zu einem schmackhaften Menü. Dass er nur auf 16-Zoll-Felgen mit 205/55er-Bereifung rollt und das Multifunktionslenkrad im Gegensatz zum Mercedes extra berechnet wird, gleicht er mit der serienmäßigen Klimaanlage aus, die im Sportcoupé 3200 Mark Aufpreis kostet.

Unter den Motorhauben ist es mit der Gleichheit vorbei. BMW stattet das heißblütigste Pferd im Compact-Stall mit einem 2,5-Liter-Reihensechszylinder aus. Mercedes setzt dagegen auf den per Kompressor aufgeladenen 2,3-Liter-Vierzylinder.

Knapp über der Leerlaufdrehzahl, wo der Kompressor den vier Kolben bereits mächtig Druck macht und das Sportcoupé losstürmt, lässt sich der Compact-Sechszylinder bitten. Dafür spricht er im mittleren Bereich spontan auf Gaspedal-Befehle an, dreht leichtfüßig hoch und klingt melodiöser als der akustisch biedere Mercedes-Motor.

Der Sportcoupé-Vierzylinder brummt bei hohen Drehzahlen kräftig und verdeutlicht durch leichte Vibrationen, dass er bauartbedingt nicht so ausgeglichen laufen kann wie ein Reihensechszylinder. So greift der Fahrer spätestens ab 5000/min zum Schalthebel und legt den nächsthöheren Gang ein.

Die lange Übersetzung des hakelig zu schaltenden Sechsganggetriebes harmoniert dabei mit der im unteren Bereich bulligen Motorcharakteristik. Auf der Autobahn schnürt das Sportcoupé selbst jenseits der Richtgeschwindigkeit niedertourig dahin.

In Verbindung mit dem komfortabel abgestimmten Sportfahrwerk wird aus dem Mercedes ein angenehmer Begleiter, mit dem es sich sehr zügig reisen lässt. Einzige Einschränkung: Unter Volllast wird der Kompressor-Motor zum Säufer.

Wenig Talent zum Grand Tourisme besitzt dagegen der Compact. Dem aufgeweckten Temperament seines Sechszylinders setzt das kurz gestufte Fünfganggetriebe mit seiner präzisen Schaltung die Krone auf. Damit eilt er dem Konkurrenten zwar in puncto Beschleunigung und Durchzug davon, orgelt aber bei Höchstgeschwindigkeit gegen den Drehzahlbegrenzer.

An seine Grenzen stößt auch der Fahrkomfort. Die Federung legt eine sportliche Härte an den Tag, wie sie normalerweise nur von Tunern gepflegt wird. Statt sie zu filtern, kopiert der BMW Fahrbahnunebenheiten: Die Karosserie ist ständig in Bewegung.

Doch diese Abstimmung bringt auch Vorteile. So ist der kupierte Dreier ein Quell der Fahrfreude – gerade in Verbindung mit der präzisen Lenkung und der geringen Seitenneigung in Kurven. Allerdings ist das ESP sehr defensiv ausgelegt und greift ein, lange bevor die Situation kritisch zu werden droht.

Der Mercedes folgt dem 325 ti auf dem Fuß. Mit ihm fährt man mühelos und souverän schnell. Jedoch vermittelt das Sportcoupé nicht die gleiche Agilität, was ebenso an der Lenkung mit weniger Rückmeldung liegt wie am mehr untersteuernd ausgelegten Fahrverhalten.

Die vorderen Sitze bieten bei beiden Kontrahenten genügend Seitenhalt und Verstellmöglichkeiten. Um die richtige Position allerdings elektrisch zu finden, zahlen Kunden von Compact wie Sportcoupé saftige Aufpreise.

Zugeständnisse an die kompakte Form müssen Fondpassagiere in beiden Autos machen. Den Rücksitzen mangelt es an Oberschenkelauflage und Kontur. Zudem sind vor allem im Sportcoupé die Raumverhältnisse nicht gerade üppig, und der Zustieg setzt trotz Einstieghilfen hohe Beweglichkeit der Fond-Passagiere voraus.

Apropos Sitzverstellung: Sie spielt beim Sportcoupé überdies bei der Beurteilung der Qualität eine Rolle. So weigert sich im Test der nach vorn geklappte Vordersitz, in seine ursprüngliche Position zurückzukehren – wodurch aus dem Viersitzer zeitweise ein Dreisitzer wird. Das weckt, wie auch die Orangenhaut-Oberfläche des Lacks, Zweifel am Premiumcharakter.

Ohne Rüge kommt auch der Compact nicht davon. Er meldet sich auf schlechten Wegstrecken mit Knarzgeräuschen zu Wort. Sonst ist die Verarbeitung aber tadellos. Alles sieht typisch nach BMW aus, fühlt sich so an und lässt sich gut bedienen.

So viel sollte der Kunde auch erwarten können. Schließlich sind Einstiegspreise von über 56.000 Mark nicht gerade niedrig. Von der ursprünglichen Idee, Kunden in der Golfklasse zu gewinnen, haben sich sowohl BMW als auch Mercedes weit entfernt. Vor allem wer bei der breit gefächerten Palette an Optionen zulangt, treibt den Preis vollends in unkompakte Regionen – da nehmen sich beide Hersteller nicht viel.

Am Ende hat das Mercedes-Topmodell mit dem Evolutionspaket gegenüber der Einstiegsvariante Boden gut gemacht. Was bleibt, ist die höhere Agilität des BMW Compact sowie sein drehfreudiger Sechszylinder – und damit bleibt dann doch fast alles beim Alten.

Technische Daten
BMW 325ti compact Mercedes C 230 Kompressor Sportcoupé
Grundpreis 29.200 € 29.116 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4262 x 1751 x 1408 mm 4343 x 1728 x 1406 mm
KofferraumvolumenVDA 310 bis 1100 l 310 bis 1100 l
Hubraum / Motor 2494 cm³ / 6-Zylinder 2295 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 141 kW / 192 PS bei 6000 U/min 145 kW / 197 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h 240 km/h
Verbrauch 9,0 l/100 km 10,0 l/100 km
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