BMW 325d im Test

Lücken-Düser

Foto: Hans-Dieter Seufert 11 Bilder

Wenn es um die eigene Modell- und Motorenpalette geht, handelt BMW strikt nach der Zahnarzt-Maxime: weg mit den Lücken. Den 197 PS starken 325d zwängen die Münchner jetzt zwischen 320d und 330d.

Völlig egal, ob es um einen probiotischen Joghurt, eine Espressomaschine oder um ein Auto geht: Wenn Marktforscher ein neues Produkt markterforschen, dann sparen sie sich die entscheidende, die Königsfrage, immer bis zum Schluss auf. „Stellen Sie sich vor“, sagen sie zu ihren Testpersonen, „dies hier wäre ein Mensch.

Was für ein Typ könnte das sein? Welche Klamotten würde er tragen, welche Filme sehen, welchen Sport treiben?“ Wenn die Testpersonen darauf keine Antworten wissen, ist das Produkt durchgefallen – es hat sie emotional nicht gepackt. Beim 325d von BMW jedoch ist dieses Spielchen ziemlich einfach. Seine Familienverhältnisse? Er ist ein echtes Sandwich-Kind. Zwei Vierzylinder- Brüder stehen im Stammbuch, der 318d mit 122 PS und der 163 PS starke 320d.

Dann kommt er selbst, als Sechszylinder-Turbodiesel: Er leistet 197 PS und kostet 3150 Euro mehr als der 320d. Nach oben ist der Preisabstand etwas größer, was den 325d umso interessanter macht: 3900 Euro liegen zwischen ihm und dem größeren Bruder 330d mit 231 PS. Und noch eins drüber in der Familienhierarchie steht der 335d. Doch müssen 286 PS wirklich sein?

Wir tippen auf ein Doppelstudium beim 325d: Maschinenbau und Betriebswirtschaft, eine ungewöhnliche Kombination. Seine Technik-Noten sind vom Feinsten. Dass er BMW-typisch als Reihensechszylinder daherkommt, hebt ihn schon mal von sämtlichen Kommilitonen aus anderen Familien ab. Sein Kurbelgehäuse ist aus Vollaluminium, die Common-Rail-Direkteinspritzung eine der neuesten Generation, und der Turbo ist nicht einfach ein Turbo, sondern einer mit variabler Turbinengeometrie.

Wer mit ihm um die Häuser zieht, merkt schnell: Dieser Dreier trinkt nur mäßig (8,5 Liter pro 100 Kilometer, also 0,6 Liter mehr als der 320d), hat aber trotzdem Spaß am Streben. Seine 400 Newtonmeter maximales Drehmoment liegen schon bei 1300/min an. Anfahrschwäche muss er sich auch nicht vorwerfen lassen.

Vor allem aber dreht er für einen Diesel erstaunlich lässig und konsequent hoch, bis die Nadel des Drehzahlmessers etwa bei der 4800er-Marke steht und der Begrenzer ihr zuraunt: „Bis hierhin und nicht weiter, lass es gut sein.“ Die Typenziffer 325 war schon immer eine, die BMW-Fans schwärmen ließ – allerdings musste dann ein kleines „i“ hinter den Zahlen stehen. Mit dem „d“ gelingt dem Dreier etwas Ähnliches.

Er will nicht Leistung im Überfluss bieten, aber Leistung satt. Mehr muss es nicht, weniger sollte es nicht sein. Er treibt seinen Fahrer nicht permanent in führerscheingefährdende Zonen hinein. Aber 7,8 Sekunden von null auf 100 km/h sind ein Wort. Das hohe Drehmoment, das Schalten eher zur freiwilligen Übung macht, ist ein Machtwort.

Übrigens: Häufige Gangwechsel sind ohnehin keine naheliegende Idee. Die Sechsgang-Schaltung wirkt knorpelig. Auf halbem Weg von einem Gang zum nächsten ist immer ein leichter, aber nervender Widerstand zu spüren – bei den alten Fünfgang-Getrieben von BMW gab’s den nicht. Und wenn wir schon bei den schlechten Charakter-Eigenschaften sind: Unser Maschinenbau-Student macht zwar einen guten Job, aber er riskiert dabei eine große Klappe.

Dass er sich bei der Dieselfraktion eingeschrieben hat, will er ohnehin keine Sekunde leugnen. Aber ab 2500/min lärmt er heftig. Bis 4000/min wird das nicht besser. Erst darüber mischt sich in das aufdringliche Knurren ein Unterton, der als sportlich-heiser gelten kann und nicht mehr dazu animiert, die bordeigene HiFi-Anlage lauter zu drehen. Jedenfalls klingt dieser Sechszylinder kaum besser als der Vierzylinder- Bruder 320d.

Dass der 325d auch fit in Betriebswirtschaftslehre ist, zeigt sich en gros und en détail: Im Großen, wenn’s um den Grundpreis und die heftigen Aufschläge für die unzähligen Extras geht (700 Euro für die Einparkhilfe vorne und hinten). Im Kleinen, wenn der enttäuschte Blick auf den groben Nadelfilz der Kofferraum-Auskleidung fällt.

Anders als die Ausstattung ist die Verarbeitung des Dreier dafür erstklassig. Reden wir über seine Hobbys. Er hat genau drei: Sport. Sport. Und Sport. Er ist ein guter Sprinter, statt Laktatwerten zählen bei ihm aber die sehr guten Bremswerte. Die Lenkung ist auf sehr angenehme Art schwergängig und wirkt dadurch noch exakter, als sie ohnehin ist.

Die aufpreispflichtigen Sportsitze geben auch in schnellen Kurven genügend Halt. Dazu kommt eine fein abgestimmte Federung, die jeden Applaus wert ist. Anders als in den frühen Tagen des aktuellen Dreier, als die Runflat-Serienreifen noch eine unangenehme Härte ins Auto brachten, liefert die Federung jetzt bis zu einem bestimmten Punkt alle Informationen beim Fahrer ab, die er für sportliches und präzises Fahren braucht.

Aber ab diesem Punkt filtert sie alle Stöße radikal weg. Beeindruckend an diesem Dreier ist, wie er den vollen Fahrspaß zelebriert und dazu noch Sparspaß addiert. Denn wer will, kann ihn auch mit sechs Liter Verbrauch bewegen. Womit klar wird: Der Typ hat einfach gute Gene.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot vorne
  • solide Verarbeitung
  • leichtgängige Bedienung
  • hinten beengte Platzverhältnisse und geringe Kopffreiheit
Fahrkomfort
  • gut abgestimmte Federung
  • bequeme Sportsitze
  • lauter Motor
  • Windgeräusche
Antrieb
  • gute Fahrleistungen
  • relativ breites Drehzahlband
  • kräftiger Durchzug
  • vibrationsarmer Lauf
  • hakelige Schaltung
Fahreigenschaften
  • neutrales Kurvenverhalten
  • agiles Handling
  • präzise Lenkung
  • sauberer Geradeauslauf
Sicherheit
  • sehr gute Bremsen
Kosten
  • relativ geringer Wertverlust
  • hoher Anschaffungspreis
  • nur zwei Jahre Gewährleistung
  • magere Serienausstattung
Umwelt
  • niedriger Verbrauch
  • Partikelfilter serienmäßig

Fazit

Sparen hat seinen Preis. Beim 325d gilt das allerdings nur für die Anschaffung. Denn beim Fahren muss nicht auf die typische Dynamik und den Fahrspaß verzichtet werden. Nur das Motorgeräusch nervt.

Technische Daten
BMW 325d
Grundpreis 35.650 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4520 x 1817 x 1421 mm
KofferraumvolumenVDA 460 l
Hubraum / Motor 2993 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 145 kW / 197 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h
0-100 km/h 7,8 s
Verbrauch 5,9 l/100 km
Testverbrauch 8,5 l/100 km
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