BMW 330 Cd, Mercedes CLK 270 CDI

BMW 330 Cd und Mercedes CLK 270 CDI: Die zwei sportlichen Mittelklasse-Coupés treten mit 204 PS beziehungsweise 170 PS starkem Dieselmotor zum Vergleichstest an. Bringt der Leistungsvorteil dem BMW den Sieg?

Sorry Otto, deine Zeit scheint, wenn auch nicht unbedingt abgelaufen, so doch bis auf Weiteres vertagt. Man verfolgt ja die aktuellen Benziner-Wiederbelebungsversuche per Direkt­einspritzung interessiert, aber bis der schwächelnde Patient wieder auf die Beine kommt, vertreibt man sich die Zeit eben mit einem drehmomentstarken Dieselaggregat. Und dass sogar das aktuelle BMW Dreier-Coupé mit dem auf 204 PS erstarkten Dreiliter-Sechszylinder-Turbodiesel ausgestattet wird, unterstreicht einmal mehr die inzwischen un­eingeschränkte Salonfähigkeit der Ölbrenner. Ebenso wie sein direkter Konkurrent, der Mercedes CLK 270 CDI mit seinem 170 PS leis­tenden 2,7-Liter-Fünfzylinder, beweist auch der neue BMW 330‑Cd, dass das Hauptargument für den Kauf eines Diesels längst nicht mehr in der Wirtschaftlichkeit moderner Selbstzünder zu suchen ist. Der im Vergleich mit einem ähnlich ­leistungsstarken Benziner im Durchschnitt um rund ein Drittel niedriger liegende Kraftstoffverbrauch wird höchstens als willkommene Dreingabe betrachtet. Hauptsache, es geht vorwärts. Bereits ein Blick auf die Leistungsdaten des neuen Sechszylinder-Diesels macht klar, mit welcher Urgewalt hier operiert wird: 410 Newtonmeter liefert der 330‑Cd bei nur 1500/min. Selbst der 343 PS starke M3 schwingt sich hier zu lediglich 365 Nm auf, und dieses Maximaldrehmoment stellt der hoch drehende Benziner obendrein erst bei 4900/min zur Verfügung. Auch der nur wenig dreh­momentschwächere Fünfzylinder-Diesel des CLK 270 CDI (400 Nm bei 1800/min) lässt seine Benzin-Brüder weit hinter sich. Erst der bullige Fünfliter-V8 des CLK 500 könnte dem CDI-Motor in Sachen Drehmoment Paroli bieten. In der Autobahn-Praxis stellt sich so in beiden Fällen ein Phänomen ein, das verzweifelte Fahrer sportlicher Leistungsträger tagtäglich im Windschatten munter drauflos dieselnder Vertreter-TDI beobachten: Wäh­rend der brustschwache Benziner flott geschaltet werden muss und sein eigentliches Leis­tungspotenzial erst auflodert, wenn die rasante Fahrt bereits wieder am „Ladies, meiner ist 18 Meter lang“-Schild einer 40-Tonnen-Wanderdüne verebbt, dreht der Dieselfahrer im letzten Gang ganz lässig auf brutalen Durchzug und beobachtet im Rückspiegel den sanft verhungernden Sportfahrer. Allerdings gelten für Luxus-Coupés andere Gesetze als für Alltags-Automobile. Gerade die wesentlichen Vorteile des Benzinmotors – spritzige Drehfreude, hoch entwickelte Laufkultur, gelegentlich sogar prickelnder Sound – kommen in den eleganten Karossen hervorragend zur Geltung. Hier muss sich ein Dieselmotor schon auf hohem Niveau schlagen, um nicht als unkultivierter Rüttelhuber durchzufallen.

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Vergleichstest Mercedes CLK 270 CDI, BMW 330 Cd
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Zumindest der BMW-Sechszylinder erfüllt diese Anforderungen mit Bravour: Ausgeprägte Laufruhe, kein Turboloch, ein kernig-schwermetallenes Sechszylinder-Fauchen ohne dieseltypische Nagel-Komponente und energische Drehfreude – dieser Diesel kann sich sehen, hören und fühlen lassen. Im direkten Vergleich wirkt der Fünfzylinder des Mercedes alt. Er weist auf sein Arbeits-prinzip mit typischem Diesel-Rasseln hin, rumort unter der eleganten Motorhaube mit fühlbaren Schwingungen, wartet mit einer spürbaren Antrittsschwäche auf, die sich mit dem Einsetzen des Turboladers plötzlich in eine zornige Drehmoment-Explosion wandelt, dreht aber über das gesamte Band betrachtet ohne rechte Leidenschaft. Auch die Fahrleistungen des Mercedes hängen etwas hinter denen des BMW zurück. Im Sprint von null auf 100 km/h schlägt der 330‑Cd den CLK 270 CDI um 1,3 Sekunden, und auch die Durchzugswerte des BMW sind zwischen einer halben Sekunde und 1,5 Sekunden besser als die des Mercedes. Seine höhere Spitzenleistung demonstriert der BMW schlussendlich mit einer um zwölf km/h höheren Endgeschwindigkeit von 242 km/h. Trotz seines Leistungspotenzials verbraucht der BMW nur unwesentlich mehr: Im ­Testschnitt sind es gerade einmal 8,5 Liter auf 100 Kilometer, und selbst diese Differenz von 0,4 Liter zum Testverbrauch des CLK (8,1 Liter) ist wohl zu einem guten Stück darauf zu­rückzuführen, dass der potente BMW-Diesel eher zum schnellen Fahren animiert als der träger agierende CLK-CDI. Auf der auto motor und Sport-Vergleichsfahrt verbrauchten die beiden Coupés jedenfalls nahezu gleich viel. Auch die Fahreigenschaften der Konkurrenten sind ähnlich verschieden wie die Charaktere der großvolumigen Diesel. Während sich der BMW stets als Sportler präsentiert, will der Mercedes ganz der Firmen­philosophie entsprechend eher ein relaxter Cruiser sein. Und diese Prägung gerät ihm nicht zum Nachteil.

Der CLK wirkt wesentlich ausgewogener und komfortabler als das modellgepflegte BMW-Coupé. Sein Geradeauslauf ist stoisch – der BMW bleibt bei höheren Tempi um die Hochachse stets in Bewegung. Der CLK rollt leise ab und schluckt Bodenunebenheiten mit Gelassenheit – der 330 Cd präsentiert besonders kurze Bodenwellen und gefräs­ten Asphalt mit unverblümter Offenheit. Trotzdem schlägt sich der Mercedes selbst im Fahrdynamik-Metier des BMW nicht wirklich schlecht. Klar, der Dreier feuert in unnachahmlicher Agilität um die Ecken, der CLK folgt ihm aber mit respektabler Beweglichkeit, ohne sich allzu sehr abhängen zu lassen. Zwar wirkt die forcierte Gangart im CLK wie durch einen Weichzeichner gefiltert – die Lenkung arbeitet etwas träger und weniger präzise, die Karosserie bewegt sich stärker, das Fahrverhalten ist weniger zielgenau –, aber dafür bleibt der Mercedes-Fahrer von eventuellen Asphaltgrobheiten weitestgehend verschont. Und wenn nicht jede Fahrt von forscher Quer­beschleunigung geprägt sein muss, ist der CLK einfach das ausgewogenere Angebot. Dafür sprechen auch das großzügige Platzangebot, die komfortablen Sitze, die gute Funktionalität sowie seine ordentliche Serienausstattung mit Radio, Klimaautomatik oder Tempomat. Im BMW fühlen sich besonders Großgewachsene unter dem flachen Coupédach eingezwängt, und die Serienausstattung ist karg. Die sicht- und fühlbare Qualitätsanmutung der beiden Luxus-Coupés bewegt sich auf vergleichbar hohem Niveau, allerdings fiel der CLK 270 CDI, wie schon einige CLK-Testwagen vor ihm, durch plötzlich auftretende Elektrik- und Elektronik-Ausfälle (ständig brennende Rückfahrleuchten, defekte Einparkhilfe hinten) auf. Das preiswertere Angebot ist der CLK ebenfalls nicht. Mit einem Preisvorteil von fast 4000 Euro sowie deutlich güns­tigeren Options-Ausstattungen fährt der moderne, sportliche BMW direkt auf das Siegertreppchen. Und tanzen kann dieser Diesel-Bär eben auch besser.

Technische Daten
BMW 330 Cd Mercedes CLK 270 CDI Avantgarde
Grundpreis 36.450 € 40.948 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4488 x 1757 x 1369 mm 4638 x 1740 x 1413 mm
KofferraumvolumenVDA 410 l 435 l
Hubraum / Motor 2993 cm³ / 6-Zylinder 2685 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 150 kW / 204 PS bei 4000 U/min 125 kW / 170 PS bei 4200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 242 km/h 230 km/h
0-100 km/h 7,1 s 8,4 s
Verbrauch 6,6 l/100 km 6,4 l/100 km
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