BMW 520i gegen Mercedes E 200 K

Foto: Hans-Dieter Seufert

Die Basismodelle von Fünfer-Reihe und E-Klasse im Vergleich: BMW 520i und Mercedes E 200 Kompressor gehen in Design und Technik unterschiedliche Wege.

Nein, hier soll nicht schon wieder die Rede sein vom Design. Die Herren Bangle (BMW) und Pfeiffer (Mercedes) bleiben außen vor. Obwohl die Gestaltung der Karosserien von BMW-Fünfer und Mercedes E-Klasse den Ausschlag geben mag bei jenen, die vor einer Kaufentscheidung stehen.

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Vergleichstest Mercedes E 200 K, BMW 520i
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BMW, weitab vom bürger-lichen Nur-keine-Experimente-Stil, riskiert hier viel. Mercedes, traditionell eine Portion konservativer als BMW, bleibt auf der sicheren Seite. Erstaunlicher ist in der Tat, zu welch unterschiedlichen Lösungen die Techniker der bei-den deutschen Premium-Marken gekommen sind, als es darum ging, eine zeitgemäße Limousine der oberen Mittelklasse zu entwerfen.

Gemeinsam ist den beiden hier antretenden Konkurrenten, dass ihre Typbezeichungen in die Irre führen: Der BMW 520i besitzt keinen Zweiliter-Motor, sondern ein 2,2-Liter-Triebwerk. Der Mercedes E 200 hat ebenfalls keine zwei Liter Hubraum, sondern nur für eine Limousine dieser Größe mager anmutende 1,8 Liter. Ansonsten ein klares Kontrastprogramm. BMW setzt nach wie vor auf den seit Jahrzehnten favorisierten Reihen-sechszylinder, den Mercedes – bei den Benzinmotoren – längst ad acta gelegt hat. Aufgepeppt wird der Klassiker durch die variable Steuerung seiner beiden oben liegenden Nockenwellen (Vanos). Bei Mercedes müssen selbst in der E-Klasse nur vier Zylinder genügen, weil es genügend Viagra-Technik gibt: zwei mit doppelter Kurbelwellendrehzahl rotierende Ausgleichswellen zum Beseitigen von

Vibrationen, dazu einen von der Kurbelwelle per Riemen angetriebenen Kompressor, um die Leistung des kleinen Motors auf ein standesgemäßes Niveau zu bringen. Das BMW-Triebwerk zeigt, wie zu erwarten, höchste Laufkultur. Es dreht hoch wie eine Turbine, wobei nicht mehr als ein dezentes Summen bis in

den Innenraum vordringt. Da kommt der Mercedes-Vierzylinder nicht mit. Die Messwerte des Innengeräuschs unterstreichen ganz klar den subjektiven Eindruck.

In geringeren Benzinverbrauch kann er das aber nicht umsetzen. Weil der Sechszylinder für zügiges Fahren mehr auf hohe Drehzahlen angewiesen ist als der aufgeladene Mercedes-Vierzylinder, spricht er dem Inhalt seines Benzintanks freudiger zu: 10,9 Liter vom teuren Super Plus auf 100 Kilometer. Der Mercedes braucht nur reguläres Super, von dem er im Test durchschnittlich 10,1 Liter/100 Kilometer verarbeitet. Wer mit dem Gaspedal zurückhaltend umgeht, kann mit beiden deutlich unter zehn Liter kommen. Der sportlichere Charakter des BMW, den schon sein hoch drehender Motor vermittelt, wird auch bei den Fahreigenschaften deutlich. Der Fünfer profitiert hier deutlich spürbar von seinem geringeren Gewichts und beweist auf kurvenreichen Strecken ein Handling, dessen Präzision für eine Limousine dieser Größenordnung höchst bemerkenswert ist. Der Mercedes wirkt, auch wegen seiner nicht ganz so exakten Lenkung, behäbiger. Im Gegensatz zum Jungdynamiker BMW spielt er die Rolle des abgeklärten Seniors.

Unterschiede in der Fahrsicherheit ergeben sich daraus freilich nicht. Der Mercedes erzielt bei den Fahrdynamiktests sogar die etwas besseren Werte. Beide verdauen problemlos hohe Kurvengeschwindigkeiten, beweisen ein narrensicheres Eigenlenkverhalten und werden im Extremfall von der sauber abgestimmten Fahrwerkselektronik eingebremst. Gute Bremsen ergänzen das Bild, wobei die konventionelle Bremsanlage des BMW ein weit besseres Pedalgefühl vermittelt als die elektrohydraulische Bremse des Mercedes. Die lässt sich speziell bei leichtem Abbremsen nicht so feinfühlig dosieren. Fading bei extremer Beanspruchung ist für beide ein Fremdwort. Bei der neu ins Testprogramm aufgenommenen µ-split-Bremsung, bei der die Räder einer Seite einen drastisch reduzierten Reibwert vorfinden, zeigen sie eine hohe Richtungsstabilität.

Trotz ihrer differenten Fahrcharakteristik bieten die beiden Konkurrenten einen auf ähnlich hohem Niveau liegenden Fahrkomfort. Der BMW mit seiner Stahlfederung absorbiert Unebenheiten fast so geschmeidig wie der Mercedes, der mit der aufpreispflichtigen Luftfederung zum Test antrat.

Einen nennenswerten Punktegewinn bringt ihm die nicht. Weil die Luftfederung für automatischen Niveau-Ausgleich sorgt, ist sie bei voller Zuladung im Vorteil. Ansonsten machen die serienmäßigen Stahlfedern, wie Fahrversuche von auto motor und sport bewiesen haben (siehe Heft 18/2002), ihre Sache ähnlich gut.

Auch die Karosserien geben nur wenig her zu unterschiedlicher Bewertung. Geräumig sind beide, ordentlich ausgestattet und gut verarbeitet auch. Mercedes setzt auf konventionelle Eleganz und leistet sich keine Experimente bei der Gestaltung der Bedienungselemente. BMW hat einen sehr kühl anmutenden Stil kreiert. Der verbesserte iDrive zeigt aber bei Nebenfunktionen, etwa dem Aufrufen von Radiostationen, noch Schwächen. Die Entscheidung ist denkbar knapp. Der BMW geht in einem Kopf-an-Kopf-Rennen in Führung. Was für eine Neukonstruktion nicht mehr als recht und billig ist.

Fazit

1. Mercedes E 200 Kompressor Elegance
505 Punkte

Sehr guter Fahrkomfort und geringer Benzinverbrauch sprechen für den Mercedes. Sein aufgeladener Vierzylinder kommt in Fahrleistungen und Laufkultur allerdings nicht an den Sechszylinder des BMW heran.

2. BMW 520i
513 Punkte

Die erstklassige Laufkultur seines Motors, die besseren Fahrleistungen und die beeindruckende Handlichkeit sind die entscheidenden Stärken des BMW. Im Verbrauch ist er dem Mercedes allerdings unterlegen.

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Technische Daten
BMW 520i Mercedes E 200 Kompressor Elegance
Grundpreis 35.500 € 39.051 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4841 x 1846 x 1468 mm 4818 x 1822 x 1450 mm
KofferraumvolumenVDA 520 l 540 l
Hubraum / Motor 2171 cm³ / 6-Zylinder 1796 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 6100 U/min 120 kW / 163 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h 230 km/h
0-100 km/h 9,5 s 10,1 s
Verbrauch 9,1 l/100 km 8,1 l/100 km
Testverbrauch 10,9 l/100 km 10,1 l/100 km
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