BMW 523i im Test

Wie gut ist der neue 5er?

Der vierte 5er steht in den Startlöchern – Nachfolger eines Modells, das allein auf dem deutschen Markt in 7 Jahren Bauzeit 500.000 Käufer fand. Kann er alles besser? Im Test der 170 PS starke BMW 523i.

Neues Auto, neues Glück? Die Chancen für BMW, mit dem neuen Fünfer an den Erfolg des alten Modells anzuknüpfen, ja ihn noch zu übertreffen, stehen gut. Wie kaum eine andere Automobilmarke hat BMW eine glückliche Hand beim Styling, und jenseits aller Geschmacksfragen lässt sich festhalten: Einen hässlichen BMW gibt es derzeit einfach nicht. Der neue Fünfer ist es auch nicht. Er erscheint optisch als ein Kind seiner Zeit und gibt sich ganz im Stil der neunziger Jahre wohlgerundet. Dass sich sehr gute Luftwiderstandsbeiwerte – im Falle des getesteten 523i cW 0,28 – sehr wohl mit attraktiver Formgebung vertragen, dafür ist er ebenfalls ein aktueller Beweis. Ist er schön? Abgesehen davon, dass selbst Albrecht Dürer nicht genau zu sagen wusste, was dies ist, lässt sich seine Ansehnlichkeit nicht leugnen. Erst recht nicht sein formaler Auffälligkeitsgrad.

Im Gegensatz zum neuen Siebener, dessen stilistische Retuschen für Aha-Erlebnisse offensichtlich nicht ausreichten, findet der mittlere BMW nicht nur unter den Fans der weißblauen Marke hohe Beachtung. Es ist nicht nur Erstaunen in den Mienen zu lesen, sondern auch Anerkennung – auch darüber, dass die in der Länge um immerhin 5,5 Zentimeter gewachsene Karosse kompakter wirkt als die des kleineren Vorgängers. Der Neue steht stattlich auf der Piste, aber er berücksichtigt formal einen Trend, der zu ausladende Formen als wenig zeitgemäß kennzeichnet. Wenn man auf den mit einem angenehmen Stoffbezug versehenen, gut profilierten Sitzen Platz genommen hat, verblasst der optische Außen- Appeal schnell. Alles ist so, wie man es von BMW gewohnt ist – weder Armaturen noch Lenkrad oder die auf Wunsch Lieferbare elektrische Sitzverstellung sind anders als gewohnt. Das ist auch gut so; ähnlich wie der Erzrivale aus Stuttgart ändert BMW nicht um des Änderns willen, sondern übernimmt gute Lösungen.

Das schon im Siebener eingeführte, etwas zu große Multifunktions-Lenkrad, mit dem sich bei entsprechender Ausrüstung sogar telefonieren lässt, erscheint am gewöhnungsbedürftigsten. Vor allem nachts wirken die beleuchteten Symbole wie Sternschnuppen und stellen die Frage, ob das Lenkrad nicht aus gutem Grund Lenkrad heißt. Das Längenplus der neuen Karosse bedeutet zusammen mit einem Mehr an Breite (49 mm) und Höhe (23 mm) auch ein geringfügig besseres Raumangebot als im alten Fünfer. Groß ist das gewonnene Plus nämlich nicht; hinten gibt es etwas mehr Beinraum, das gesamte Raumangebot erscheint zwar voll ausreichend, aber nicht gerade üppig. Subjektiv liegt es näher am Dreier als am Siebener. Dies gilt auch für den Kofferraum, der mit 460 Litern groß genug ausfällt, jedoch keine magische Zahl liefert. Er ist im übrigen mit einem Durchladesystem zu haben, der Aufpreis beträgt 780 Mark. Auffällig ist die Unübersichtlichkeit der neuen Karosse. Die relativ steil abfallende Haube entzieht sich den Blikken des Fahrers, und das gleiche gilt für den Heckbereich. Beim Parken sind also Gefühl und Können gefragt, zumal der jüngste BMW trotz seiner optischen Zierlichkeit 4,77 Meter lang geriet. Dass die neue Karosse trotz ihrer laut BMW um 80 Prozent erhöhten Torsionssteifigkeit nicht mehr wiegt als die des Vorgängers, entzieht sich natürlich der Kontrolle.

Doch was das auch in Crashtests optimierte Blechgehäuse an Stabilität zu bieten hat, kann durchaus emotional erlebt werden. Nichts knistert, die Verarbeitungsqualität ist makellos – das Gefühl hoher Solidität, lange Zeit ein ausschließliches Rangabzeichen von Mercedes und Audi, ist immer zugegen. Auch die selbst bei hohen Geschwindigkeiten geringen Windgeräusche können als Qualitätssymbol gewertet werden. Radiohören ist noch bei Tempo 200 mühelos möglich, ebenso – falls gewünscht – die Zwiesprache mit dem Begleiter. Unangenehm sind allenfalls die schwer schließenden Türen, die wie beim Siebener mit Elan zugeworfen werden müssen. Wohlgefühl ist dennoch angesagt und natürlich auch das, was BMW unter Freude am Fahren versteht: Dynamik. Man denkt dabei zunächst an den Motor, aber im Falle des neuen Fünfers ist – mehr als je zuvor – auch das Fahrwerk in diesen Begriff einzubeziehen. Es besteht mit seiner Doppelgelenk- Vorderachse und jener Integrallenker-Hinterachse, die mit dem Siebener eingeführt wurde, zum allergrößten Teil aus Leichtmetall.

Ideologisch setzt BMW damit einen bewussten Kontrapunkt zur Alu- Karosse des Audi A8, mit dem zunächst schon auf der Waage ablesbaren Ergebnis einer Gewichtsreduzierung von rund 60 Kilogramm. Doch die eigentlichen, ganz im Sinne der angesprochenen Dynamik erreichten Vorzüge zeigen sich, sobald man die Waage verlassen hat. Das Zusammenspiel von Federung und Lenkverhalten hat hier zweifellos eine neue Dimension erreicht, bei der es schwer fällt zu entscheiden, was mehr zu loben ist: der Komfort oder das Handling. Richtig ist auf alle Fälle, dass die Bayern den Komfort über die Jahre intensiv pflegten. Er wird bei Autos ganz einfach deshalb bedeutsamer, weil der dynamische Teil der Verkehrsverhältnisse wegen an Bedeutung einbüßt. Federn hingegen muss das Auto immer – auch und gerade bei erzwungener Langsamfahrt.

Da die Radaufhängungen zu den ungefederten Massen zählen, kann sich eine Gewichtsreduzierung in diesem Bereich positiv auf das Komfortbild auswirken. Der 523i zeigt, was machbar ist: Das Schluckvermögen seiner Federelemente dokumentiert seine überragende Leistung vor allem durch sanftes Ansprechen. Besonders kleine Bodenunebenheiten, für den Fahrwerkstechniker meist das schwieriger zu lösende Problem, werden mit Bravour geschluckt, das Abrollen erfolgt ungemein geschmeidig. Geräusche, etwa beim Überfahren von Kanaldeckeln, gelangen nur in dezenter Form an das Ohr des Fahrers. Doch dies ist nur die eine Seite der Medaille. Denn so hoch der Komfortanspruch geschraubt wurde, so hoch liegt auch die Meßlatte in der Fahrsicherheit.

Die Lenkpräzision ist erstklassig, die Bremsen sind es auch, und wer Kurven durchfährt, merkt, was BMW unter Fahrvergnügen versteht. Leichtigkeit und Mühelosigkeit kennzeichnen das Bild auch bei schneller Fahrt, zu der – zugegeben – gerade dieser BMW animiert. Man tut gut daran, cool zu bleiben. Denn wer an die Grenzen dieses neuen Autos geht, kann es mit den besten Sportwagen aufnehmen. Ungewöhnlich hohe Fahrsicherheit also, nicht zuletzt durch die serienmäßige Antriebsschlupfregelung, die es den 170 Pferdestärken des 523i im Extremfall verwehrt, in engen Kurven ungeduldig mit den hinteren Hufen zu scharren. Das Potential dafür ist zweifellos vorhanden, nicht zuletzt, weil der Mumm nicht – wie die Typenbezeichnung glauben macht – aus 2,3, sondern aus 2,5 Liter Hubraum stammt. Warum dies? Nun, Marketing meinte, man solle die nominell stärkeren alten 525i-Piloten nicht hierarchisch düpieren, und schließlich hat das Kürzel ja noch alten BMW Klang aus Ur-Dreier-Tagen. Fest steht, dass gerade diese neue Sechszylinder-Variante kaum Wünsche offen lässt.

Wie sie mit dem 1,5 Tonner umgeht, ist – analog zum Fahrwerksbereich – ebenfalls mit dem Begriff der Leichtfüßigkeit am besten umschrieben. Die Fahrleistungen (null auf 100 km/h in nur 8,2 Sekunden) und eine gute Beschleunigungselastizität unterstreichen, was der Fahrer spontan empfindet: motorisches Vergnügen der Extraklasse, noch unterstützt durch ein angenehmes Laufgeräusch und die bekannten Qualitäten der exakten Schaltung, bei deren Betätigung nur die im Weg stehende Mittelkonsole etwas stört. Kraftschluss – im 523i ist der Techniker- Begriff ständig spürbar. Dass sich solche Dynamik mit einem durchschnittlichen Verbrauch von weniger als elf Litern pro 100 km realisieren lässt, wird auch die Wohlhabenden erfreuen, ebenso wie der Preis, der für diesen Sechszylinder- BMW gerade so hoch liegt wie für eine vierzylindrige E-Klasse von Mercedes. Wo also bleibt beim neuen Fünfer, in Umkehrung des Erich Kästner- Spruchs, das Negative? Die Antwort muss sinngemäß so ausfallen wie beim Original: Ja, wo bleibt es?

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • hohe Qualität und gute Verarbeitung
  • weitgehend hohe Funktionalität
  • gute Sitze
  • gute Ausstattung
  • befriedigendes Raumangebot
  • durchschnittliches Kofferraumvolumen
  • schlechte Übersichtlichkeit
Antrieb
  • sehr kultivierter und leistungsfähiger Sechszylindermotor
  • gute Fahrleistungen für Hubraum und Wagenformat
  • gute Elastizität
  • sehr angenehmes Laufgeräusch
  • exakt schaltbares 5-Gang-Getriebe
Fahrkomfort
  • sehr komfortable Federung
  • ausgezeichnetes Ansprechen auf kleinen Unebenheiten
  • sehr guter Abrollkomfort
  • selbst bei hohem Tempo geringe Windgeräusche
  • wirksame Heizung und Lüftungsanlage
Fahreigenschaften
  • sehr unproblematisches Kurvenverhalten
  • sicherer Geradeauslauf
  • ausgezeichnete Handlichkeit
  • Traktionskontrolle serienmäßig
  • sehr exakte, leichtgängige Servolenkung
  • wirksame, standfeste Bremsen
Sicherheit
  • Airbag für Fahrer und Beifahrer serienmäßig
  • wirksame Abgasreinigungsanlage
  • Seitenairbag gegen Aufpreis
Kosten
  • für Hubraum und Wagenformat sehr günstiger Benzinverbrauch
  • relativ günstiger Anschaffungspreis
  • ausreichend großes Servicenetz
  • teurer Service
  • 1 Jahr Garantie ohne Kilometerbegrenzung
Umwelt
  • gekennzeichnete Kunststoffe
Technische Daten
BMW 523i
Grundpreis 30.601 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4775 x 1800 x 1435 mm
KofferraumvolumenVDA 460 l
Hubraum / Motor 2494 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 228 km/h
0-100 km/h 8,6 s
Verbrauch 9,7 l/100 km
Testverbrauch 11,5 l/100 km
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