BMW 525d, Opel Omega 2.5 DTI 24 V, Saab 9-5 3.0 TiD - Alte Kameraden mit modernen Dieseln

BMW 525d, Opel Omega 2.5 DTI 24 V, Saab 9-5 3.0 TiD: Limousinen der oberen Mittelklasse im Diesel-Vergleichstest.

Die Jüngsten sind sie alle drei nicht mehr. Der Opel Omega läuft seit acht Jahren vom Band und gilt modellpolitisch als Methusalem. Auch der Fünfer von BMW (Debüt 1995) ist schon in die Jahre gekommen. Und selbst der Saab 9-5 hat nach vierjähriger Laufzeit den Zenit seines Modellzyklus erreicht oder gar überschritten.

Es sind also reife Oberklasseautos, die hier aufeinander treffen. Aber das muss kein Nachteil sein, denn im Laufe ihres Lebens wurden sie sorgfältig gepflegt, teilweise, wie jetzt auch der Saab, optisch aufgefrischt und mit allerlei neuen Zutaten, sei es in Ausstattung oder Technik, auf den Stand der Zeit gebracht.

Nun sollen neue Motoren zusätzliche Kauflust stimulieren. Natürlich sind es im Zeitalter der Ökosteuer sparsame und drehmomentstarke Direkteinspritzer-Diesel, und zwar Sechszylinder, wie es die Oberklasse verlangt. Das wäre an und für sich noch nichts Ungewöhnliches. Doch delikat ist die Herkunft der Triebwerke.

Im BMW steckt, wie könnte es anders sein, ein BMW-Diesel. Er ist der kleinere Bruder des Dreiliter-Motors, hier mit 2,5 Liter Hubraum, beachtlichen 350 Newtonmeter Drehmoment und 163 PS. Bei BMW schließt er die klaffende Lücke zwischen dem 520 d und dem 530 d, übrigens auch im Preis: 66.107 Mark kostet der 525 d und hält damit im BMW-Programm nach unten wie nach oben rund 5.000 Mark Sicherheitsabstand.

Doch den 2,5-Liter-BMW-Reihen-Sechszylinder kann man auch im Opel Omega erwerben, sogar in der üppig aufgepeppten 2,5-DTI-24 VExecutive-Edition für stolze 69.139 Mark. Denn im Omegakommt praktisch der gleiche BMW-Common-Rail-Motor zum Einsatz, jedoch durch Motor-Management und differentes Umfeld auf 150 PS und 300 Newtonmeter reduziert. Dies ist im Prinzip keine ganz neue Situation, denn bereits bisher gab es bei Opel in Ermangelung eines eigenen Sechszylinders den alten BMW-Vorkammerdiesel mit 130 PS. Neu ist allerdings, dass GM (General Motors), Mutterkonzern von Opel und Saab sowie mit dem japanischen Dieselspezialisten Isuzu verbandelt, just dort einen nagelneuen V6-Common-Rail-Diesel entwickeln ließ.

Der jedoch bleibt zunächst der GM-Nobelmarke Saab vorbehalten und feierte demzufolge im Flaggschiff 9-5 sein Debüt. Wie üblich bei Saab, ist der drei Liter große, kompakt ausgefallene Aluminium-V6 quer eingebaut und leitet bis zu 177 PS (130 kW) und 350 Newtonmeter auf die Vorderräder. In Verbindung mit der höherwertigen ARC-Ausstattung kostet der Saab 3.0 TiD dann 66.694 Mark.

Die bisher genannten Preise sagen jedoch noch nichts darüber aus, was der Kunde letztendlich wirklich bezahlen muss. Beim Omega fällt es schwer, noch draufzusatteln. Denn der Executive-Edition fehlt es praktisch an nichts, sogar breite 17-Zoll-Räder, Bildschirmnavigation und Leder zählen zur Serienausstattung. Da die geräumige Omega-Karosse bis auf den nicht ganz perfekten Qualitätseindruck auch sonst keine Schwächen zeigt, ist ihr der Sieg in diesem Kapitel sicher.

Doch auch der Saab ist ordentlich möbliert, glänzt mit Wurzelholz, Klimaautomatik und Ledersitzen und kommt auf anständigen 16-Zoll-Rädern daher. Zum spärlich bereiften (205/65-15) und spartanisch ausgestatteten BMW, der im Übrigen auch die engsten Platzverhältnisse aufweist, errechnet sich überschlägig ein Preisvorteil von rund 12.000 Mark. Wer im BMW gar den Executive-Luxus des Opel genießen will, muss ungefähr 24.000 Mark zuzahlen. So viel kostet offenbar der Premiumstatus des Bayern.

Nun ist ja wenigstens der Motor im Omega Premium, sollte man meinen. Aber die Enttäuschung ist groß: Im direkten Vergleich fällt der Omega-Antrieb ab. Er läuft deutlich rauer und akustisch präsenter als der stärkere BMW-Motor. Und sein Leistungs- und Drehmomentdefizit gegenüber den Konkurrentenspiegelt sich nicht nur in den Messwerten wider, sondern wird auch subjektiv deutlich spürbar. Das ist aber kein Wunder, muss doch der schwächste Motor in diesem Trio die schwerste Karosserie schleppen.

Das verlangt bei vergleichbarem Tempo nach mehr Drehzahl. Auch wird der Griff zu dem mit langen Wegen operierenden
Schalthebel häufiger nötig. Beides treibt den Verbrauch des Omega in die Höhe. Er liegt im direkten Testvergleich rund einen Liter höher als beim sparsamen BMW, der darüber hinaus mit sattem Durchzug und fast vibrationsfreier Laufruhe glänzt. An die einem guten Benzinmotor ähnliche Laufkultur reicht auch der neue Isuzu-Sechszylinder nicht heran.

In Leistung und Drehmomenthält der V6-Diesel im Saab natürlich gut mit. Schließlich schöpft er seine Kraft aus drei Liter Hubraum. Insbesondere im mittleren Drehzahlbereich entwickelt der wie auch die BMW-Motoren von einem Turbolader mit variabler Einlass-Geometrie beflügelte V6 einen Schub, der nicht selten den Grip der angetriebenen Vorderräder überfordert. Der Eingriff der serienmäßigen Traktionskontrolle (TCS) verhindert dann zwar wildes Scharren auf dem Asphalt, kaschiert aber damit nur einen prinzipbedingten Mangel.

Mehr als die gut mit dem Gaspedal kontrollierbare Traktionsschwäche stört indessen das Anfahrverhalten des Saab-Motors. Aus dem Stand oder aus niedrigen Drehzahlen kommt er nur mit Verzögerung in die Gänge.

Der BMW-Motor im 525 d kann dies trotz weniger Hubraums und höherer spezifischer Ausbeute wesentlich besser und hängt auch sonst sehr sensibel am Gas. Es scheint sich doch bezahlt zu machen, wenn ein Hersteller seine Motoren selbst entwickelt.

Offenbar ist dieser Umstand für den Status einer Premiummarke, wie ihn BMW mit fast schon ermüdender Penetranz für sich reklamiert, unerlässlich. Doch was ist sonst noch Premium am BMW? Sicherlich nicht der Umfang der Serienausstattung oder gar die mäßigen Sitze mit ihrer umständlichen Verstellung, die hart gepolstert und für diese Klasse zu knapp geschnitten sind.

Den mangelnden Sitzkomfort muss das Fahrwerk wieder  wettmachen, was auch mühelos gelingt. Harmonisch und ohne störende Aufbaubwegungen bügelt der Fünfer selbst schlechte Straßen glatt und zeigt nur bei voller Zuladung geringfügige Schluckbeschwerden.

Saab und Opel, beide ebenfalls komfortabel ausgelegt, bringen da insbesondere bei schneller Gangart mehr Unruhe in den Aufbau. Im Saab führen kurze, periodische Bodenwellen zudem zu Stuckerwegungen der Vorderachse. Auch Wind- und Rollgeräusche sind im BMW weit besser unterdrückt als bei den beiden GM-Ablegern, was den subjektiven Komforteindruck verstärkt.

Doch stärker noch als im Federungskomfort treten die Qualitäten des BMW-Fahrwerks bei den Fahreigenschaften hervor. In Präzision und Handling ist der Fünfer nach wie vor unübertroffen, dies gilt selbst für die serienmäßige Sparbereifung, mit der sogar die Fahrdynamikprüfungen wie Slalom und Wedeln jeweils in Bestzeit absolviert wurden.

Die exakte und störkraftfreie Lenkung des BMW steigert zusätzlich das Fahrvergnügen. Beim Rangieren allerdings wünscht man sich etwas mehr Unterstützung, wie sie die Servotronic (Aufpreis 430 Mark) bietet. An der Leichtgängigkeit der Lenkung gibt es dagegen weder beim Saab noch beim Omega etwas auszusetzen, beide lassen sich nicht annähernd so präzise dirigieren wie der BMW. Dazu werden Störkräfte bei Unebenheiten und Antriebseinflüsse beim Saab spürbar.

Beim Omega (ESP) und Fünfer (DSC) bremsen jeweils Fahrdynamikregelungen allzu ungestümen Umgang mit dem Gaspedal. Sportliche Fahrer werden das etwas frühe Einsetzen der Fahrhilfe beim BMW bemängeln. Für den Saab dagegen ist dieses elektronische Fangnetz auch nicht gegen Aufpreis erhältlich.

Der Rotstift der Mutter GM macht sich hier wie auch im Fehlen anderer Sicherheitsmerkmale (keine Windowbags, keine Sidebags hinten) schmerzlich bemerkbar.

So ist denn der Sieg in der Eigenschaftswertung für den BMW 525 d eine leichte Übung. Antrieb und Fahrwerk sind erstklassig, für eine angemessene Ausstattung muss je nach Ansprüchen zusätzlich Geld investiert werden.

Wer dies scheut, findet bei Opel und Saab ausgereifte und gut ausgestattete Alternativen ohne ernsthafte Mängel. Aber eben nicht Premium.

Fazit

1. Opel - Omega 2.5 DTI 24V - 30116
480 Punkte

3. Opel Omega 2.5 DTI: Mit der besten Ausstattung und der geräumigsten Karosserie lockt der Opel Omega. Allerdings fallen Motor und Fahrwerk gegenüber dem BMW spürbar ab.

2. BMW 525 d
511 Punkte

Die Qualitäten von Motor und Fahrwerk sind die Basis der Fahrfreude, die der BMW vermittelt. Die magere Serienausstattung treibt die Anschaffungskosten zusätzlich in die Höhe.

3. Saab 9-5 3.0 TiD
484 Punkte

Der erste Sechszylinder- Diesel bei Saab macht einen guten Eindruck. In der Summe seiner Eigenschaften reicht der geräumige und gut ausgestattete Saab nicht an den BMW heran.

Technische Daten
Opel Omega 2.5 DTI 24V Executive Edition Saab 9-5 3.0 TiD ARC BMW 525d
Grundpreis 36.300 € 35.550 € 33.800 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4898 x 1776 x 1455 mm 4827 x 1792 x 1449 mm 4775 x 1800 x 1435 mm
KofferraumvolumenVDA 530 bis 1460 l 500 l 460 l
Hubraum / Motor 2497 cm³ / 6-Zylinder 2958 cm³ / 6-Zylinder 2497 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min 130 kW / 176 PS bei 4000 U/min 120 kW / 163 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 208 km/h 215 km/h 219 km/h
Verbrauch 7,6 l/100 km 7,3 l/100 km 6,7 l/100 km
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