BMW 525d, Volvo S80 D5, Citroën C6 HDi

Kontrast-Mitte

Foto: Foto: Achim Hartmann 30 Bilder

Natürlich hilft ein gesunder Eigensinn, um am neuen Volvo S80 D5 oder am extravaganten Citroën C6 HDi Gefallen zu finden. Doch auch in Technik, Ausstattung und Komfort bieten die beiden Diesel-Limos einen verlockenden Kontrast zum etablierten BMW 525d.

Es gibt viele gute Gründe, sich einen Fünfer zu gönnen. Das feine Stück von BMW ist handlich und dynamisch, sicher und solide, technisch auf der Höhe der Zeit und als Sechszylinder-Diesel sowohl kraftvoll wie sparsam. Was, so stellt sich da die Frage, braucht der Mensch mehr? Zumindest eine der möglichen Antworten liefern die hier zum Vergleich angetretenen Konkurrenten: mehr Individualität.

Angesichts der massenhaften Verbreitung deutscher Business-Limousinen verdient dieser Wunsch Verständnis, zumal die Vertreter aus Schweden und Frankreich ebenfalls 80 Jahre Erfahrung im Automobilbau und klangvolle Namen vorweisen können. Dazu jede Menge Finessen und speziell beim Citroën ein unverwechselbares Design, das an die avantgardistischen Vorgänger aus gleichem Hause erinnert. Entsprechend selbstbewusst sind die C6-Preise kalkuliert.

Als V6-Diesel mit Sechsgangautomatik steht er für 45 500 Euro in der Liste – mehr als der vergleichbar motorisierte Volvo S80 D5 als Summum (44 000 Euro) oder der BMW 525d (42 100 Euro), beide hier ebenfalls automatisch geschaltet. Dafür ist er freilich ab Werk mit Xenonlicht, Niveauregulierung und 18-Zoll-Alurädern ausgestattet, während der Volvo serienmäßig mit edlem Holzdekor und heizbaren Ledersitzen punktet.

Auch optisch strahlt der S80 eine konservative Gediegenheit aus, keine Experimente lautete wohl die Devise. Das gilt zugleich für die Bedienung, die abgesehen von der umständlichen Navigationseingabe und den überfrachteten Hebeln am Lenkrad kaum Wünsche offen lässt. Außerdem eignen sich das helle, großzügige Interieur und der variable 480-Liter-Kofferraum bestens für lange Reisen.

Im direkten Vergleich wirken jedoch manche Schalter überraschend fragil, und selbst bei der Sicherheitsausstattung zeigt der Volvo unerwartet Lücken (Sidebags hinten, Reifendruckkontrolle). Beides ist im C6 ebenso an Bord wie ein Kniebag, bei den teuren Versionen gibt es sogar einen Spurwechselwarner, Head-up-Display oder elektrisch verstellbare Einzelsitze im Fond (Option). Darauf lässt sich ähnlich entspannt logieren wie auf den vorderen Fauteuils, die allerdings Spiel haben und wackeln.

Auch diverse Knarzgeräusche sowie die dürftige Auskleidung des flachen Gepäckabteils (421 Liter) unterlaufen den insgesamt guten Qualitätseindruck, derweil viele kleine, teils versteckte Tasten und die bei Lichteinfall schlecht ablesbaren LED-Instrumente die Bedienung erschweren.

Abgesehen von der umständlichen Menülogik des i-Drive und den leicht verwechselbaren Funktionshebeln rund ums Lenkrad ist im BMW alles am rechten Platz, wirkt wohldurchdacht und bis in die hintersten Winkel sauber verarbeitet. Wer es wohnlicher und technisch aufwendiger mag, muss zwar kräftig draufzahlen, bekommt aber von der automatischen Abstandsregelung bis zum Nachtsichtgerät fast alle Oberklasse-Goodies.

Das etwas engere Interieur, die schlechte Übersichtlichkeit und die hohe Ladekante bleiben indes erhalten, selbst wenn der große Stauraum (520 Liter) teilweise dafür entschädigt. Immerhin sitzt man bequem, findet problemlos eine passende Position hinter dem dicken Lenkrad und spürt umgehend, was den Fünfer auszeichnet: sein Handling. Der 1,8 Tonnen schwere Hecktriebler lenkt spontan und präzise ein, lässt sich vom feinfühlig regelnden ESP in seiner Agilität kaum bremsen und gefällt mit energischer Verzögerung. Allerdings teilt die straffe Federung ständig leichte Stöße aus, und gerade angesichts des niedrigen Innengeräusches stören das polternde Abrollen der Reifen und das helle Nageln des Motors.

Obwohl sein Fünfzylinder noch kerniger seine Stimme erhebt, wirkt der S80 insgesamt verbindlicher. Besonders Querfugen und kurze Wellen überrollt er sanfter und leiser, zeigt aber speziell mit hoher Zuladung starke Karosseriebewegungen. Und so entspannt er lange Autobahnetappen abspult, so wenig wohl fühlt er sich auf kurvigen Landstraßen. Dann schiebt er kräftig über die Vorderräder, zerrt beim Beschleunigen am Lenkrad und vermittelt nur dürftigen Fahrbahnkontakt.

Zu allem Überfluss macht keiner der drei wählbaren Unterstützungsgrade der Servolenkung wirklich glücklich – genau wie die Sitzposition. Ähnlich verhält es sich beim ebenfalls frontgetriebenen, untersteuernden Citroën, der jedoch bei forcierter Gangart umgehend seine distanzierte Zurückhaltung aufgibt und erstaunlich flink ums Eck wieselt. Das große Schiff eilt sogar schneller durch die Pylonengasse als der BMW (siehe Spotlight) und bleibt selbst in kritischen Situationen leicht beherrschbar.

Jener unnachahmlich wiegende Komfort früherer Hydropneumatik- Modelle stellt sich hingegen nur noch auf langen Bodenwellen ein, während kleinere Unebenheiten mit ernüchternder Steifbeinigkeit absorbiert werden. Dass man mit dem C6 trotzdem gern auf Reisen geht, liegt an seinem enorm leisen, drehmomentstarken V6- Diesel, der zudem blendend mit der weich schaltenden Automatik harmoniert.

Sein hohes Leergewicht (1950 Kilogramm) drückt freilich aufs Temperament und treibt den Testverbrauch auf 10,4 L/100 km – rund einen Liter mehr als bei den Rivalen. Deren Motoren liefern zwar ähnliche Fahrleistungen, sind jedoch konstruktiv ausgeprägte Individualisten. Hier der knurrige, leichtfüßige Volvo-Fünfzylinder, dessen Getriebe oft ratlos den passenden Gang sucht und manchmal sogar einen kräftigen Schlag tut. Dort der kultivierte, aber etwas zugeschnürte Reihen-Sechszylinder von BMW mit einem Automaten, der die Fahrstufen unnötig lange festhält.

Ein Kontrastprogramm also, das trotz unterschiedlicher Stärken und Schwächen ein hohes Niveau bietet. So kommt der komfortable S80 dem agilen, soliden 525d am Ende erstaunlich nah, und selbst der souverän motorisierte C6 darf in der Summe seiner Eigenschaften als gleichwertige Alternative gelten. Nur der stattliche Preis und die hohen Festkosten verhageln ihm die Bilanz. Doch schließlich war es schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben.

Fazit

1. BMW 525d
484 Punkte

Ein knapper Sieg für den 525d, der vor allem auf das Konto von Handling, Fahrsicherheit und guter Verarbeitung geht. Größte Schwachpunkte: wenig Ausstattung, teure Extras.

2. Volvo S80 D5
481 Punkte

Der S80 ist komfortabel, geräumig und unkompliziert, sein Fünfzylinder-Diesel spritzig und sparsam. In Laufkultur, Lenkung und Fahreigenschaften fällt er jedoch zurück.

3. Citroën C6 HDi
456 Punkte

Form, Federung und Ausstattung sichern dem C6 das Flair des Besonderen. Auch der Antrieb überzeugt, nicht aber der Komfort auf kurzen Wellen und die hohen Kosten.

Technische Daten
BMW 525d Citroën C6 V6 HDi 205 Biturbo FAP Exclusive Volvo S80 D5 Summum
Grundpreis 43.189 € 57.130 € 46.340 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4841 x 1846 x 1468 mm 4908 x 1860 x 1464 mm 4851 x 1861 x 1493 mm
KofferraumvolumenVDA 520 l 421 l 480 l
Hubraum / Motor 2497 cm³ / 6-Zylinder 2720 cm³ / 6-Zylinder 2400 cm³ / 5-Zylinder
Leistung 130 kW / 177 PS bei 4000 U/min 150 kW / 204 PS bei 4000 U/min 136 kW / 185 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 227 km/h 230 km/h 225 km/h
0-100 km/h 9,3 s 9,6 s 9,0 s
Verbrauch 7,8 l/100 km 8,7 l/100 km 7,3 l/100 km
Testverbrauch 9,4 l/100 km 10,4 l/100 km 9,3 l/100 km
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