BMW 535d Touring im Test

Reisekombi mit Zicken-Attitüde

Foto: Fischer, Hofmeyer, Peters, Schubert, Seufert 21 Bilder

Von Großbritannien bis nach Spanien spulte der BMW 535d Touring sein Pensum im Dauertest ab. Wenn er nicht gerade mal zickte, war der Diesel-Kombi ein exzellentes Reiseauto.

Zack, und das Ding hing schon wieder oben. Kaum zu glauben, aber eine unscheinbare dunkelgraue Stoffabdeckung über dem Kofferraum des Dauertest-Fünfers tyrannisierte über 100.000 Kilometer eine ganze Redaktion.

5er-Ritual: Laderaumabdeckung einklinken

Egal wer mit diesem perfiden kleinen Rollo in Berührung kam und ob es sanft oder eher gröber – was durchaus vorkam – wieder zurück in seine Halterung geklinkt wurde: Nach dem nächsten Öffnen der Heckklappe stand die Abdeckung wieder vollformatig im Rückspiegel. Das Problem war so einfach wie nervig: Sobald die Klappe aufschwenkte, schnellte auch die Abdeckung nach oben, nur leider beim Schließen nicht automatisch wieder runter. Anhalten und Abdeckung einklinken gehörte zum alltäglichen 5er-Ritual, das erst bei Autos ab März 2007 geändert wurde.

Auch die elektrisch öffnende Heckklappe schloss keine Freundschaften in der Redaktion. Zu störrisch stemmte sich das gewichtige Teil gegen gelegentliche manuelle Schließ-Versuche. Abhilfe? Der Käufer muss ja kein Kreuzchen in der Ausstattungsliste für diese eher zweifelhafte Unterstützung machen. Vor allem wenn man bedenkt, dass der schon nach rund 16.000 Kilometern defekte Öffnungsmechanismus unerfreuliche 935 Euro an Reparaturen kostete.

Zu diesem Zeitpunkt fiel der Schaden noch in die Garantiezeit, ein Defekt nach drei Jahren wäre aber teuer geworden. Kleine Ärgernisse, die das allgemeine Urteil über den 535d Touring als angenehmen Reisewagen nicht kippen konnten. Besonders die hohe Souveränität des Antriebs begeisterte. Kraft nicht zum Burnout-Protzen, sondern als beruhigende Reserve. Sein registeraufgeladener Dreiliter-Diesel mit 272 PS lässt Entfernungen eindrucksvoll zusammenschmelzen, Überholvorgänge erfolgen dank dem kultiviert und überragend durchzugsstarken Selbstzünder in wenigen Sekunden.

10,1 Liter Testverbrauch geht in Ordnung

Dabei gehört der Common-Rail-Diesel in seiner Leistungsklasse zu den gemäßigten Trinkern. Wer sich auf Autobahn-Strecken gemütlich treiben lässt, wird mit einem Durchschnittsverbrauch von unter neun Litern und einer Reichweite von über 700 Kilometern belohnt. Der gesamte Testverbrauch von 10,1 Liter pro 100 Kilometer geht für diese Gewichtsklasse in Ordnung. Beim Komfort teilten sich die Meinungen. Während ältere Redaktionsmitglieder „ziemlich unkomfortabel“ in den gelben Dauertest-Karten notierten, kamen die Bandscheiben der jüngeren Kollegen besonders auf Autobahnen mit dem konsequent straffen, aber wenig nachwippenden Federungscharakter etwas besser zurecht.

Das aufgeregte Fahrwerksklopfen bei langsamer Fahrt störte aber alle Fahrer. Der Schuldspruch geht vor allem an die Runflat-Bereifung, die mit ihren harten Flanken relativ wenig Eigendämpfung bietet. Auch seine immense Kraft ließ der 560-Newtonmeter-Koloss manchmal überdeutlich spüren. So bemängelte Bernd Ostmann den allzu forschen Antritt aus dem Stand heraus. Gerade bei schlüpfriger Fahrbahn im Winter kämpften die Hinterreifen und die Traktionskontrolle zwar gemeinschaftlich, aber nicht immer erfolgreich um gleichmäßigen Vortrieb.

Ungewollte Pannenhilfe

Als jedoch eines Morgens Eberhard Kittler kurz vor Kilometerstand 16.000 beim Kaltstart plötzlich aus den Lautsprechern die Stimme der BMW-Leitzentrale vernahm, lag der Grund nicht an übermäßiger Start-Energie. Die junge Dame aus der Notrufzentrale wähnte den auto motor und sport-Autor in einer Pannen- oder Unfall-Situation.

Davon konnte jedoch nicht die Rede sein. Vielmehr war über das undichte Schiebedach Wasser eingedrungen und auf den Notschalter getropft, der daraufhin ohne Not und Auftrag um Hilfe funkte. Die Bezeichnung Kombi scheut BMW beim 5er Touring wie der Teufel das Weihwasser.

Bescheidenes Gepäckraum-Volumen

Lifestyle-Marketing sagen die einen, purer Realismus die anderen. Das Platzangebot auf den fünf Sitzen genügt zwar trotz der recht steil stehenden Lehnen höheren Ansprüchen, doch mit dem eher bescheidenen Gepäckraum-Volumen können weder große Möbel- noch Urlaubs-Schlachten gewonnen werden. So manche normale Limousine schluckt da mehr. Zumindest vermerkten die Tester, dass sich die Ladefläche einfach von Schmutzspuren reinigen lässt. Schmutz, der sich dafür umso lieber heimtückisch in der Lücke der elektrischen Beinauflagen-Verstellung versteckte.

Überzeugende Aktivlenkung

Wenn die richtige Sitzposition gefunden war – was wegen der ungünstig liegenden Schalter neben den Sesseln schon mal länger dauerte -, wurde man aber vom richtig eingestellten, teuren Komfort-Ledergestühl rückenschonend über Tausende von Kilometern getragen. Die stabile Wangenpolsterung hielt die Besatzung auch dann in Position, wenn der 1,9-Tonner auf verschlungenen Bergpfaden überraschend handlich herumwirbelte. Dann überzeugte selbst die Aktiv-Lenkung, während sie im langsameren Verkehr einige Gewöhnung erfordert.

„i-Drive spinnt“

Die variable Lenkübersetzung spaltete die Gemüter ähnlich stark wie das i-Drive. Prinzipiell lässt sich ein Fünfer deutlich schneller und intuitiver bedienen als das ältere System im 7er . Nur die Radio-Bedienung (noch ohne Favoriten-Tasten) ist zu umständlich und die Navigationsführung zu langsam. Ärgerlicher war jedoch, dass der i-Drive hin und wieder in Elektronikstreik trat. Bei Kilometerstand 62.392 verweigerte er Christian Bangemann den Dienst, bei Kilometer 97.565 notierte Stefan Roser „i-Drive spinnt“. So manchen Kollege nervten zudem die zu nahe beieinander liegenden Hebel für Blinker und Tempomat. Nichts Neues für BMW, weshalb beim nächsten 7er nur noch ein Hebel links vom Lenkrad positioniert wird. Fast über die Hälfte der Dauertest-Distanz (von 16.089 bis 61.098 km) zeigte sich der Fünfer nahezu mustergültig problemlos und wurde zum Star auf längeren Dienstfahrten.

Abgesehen davon, dass die hinteren Bremsbeläge schon bei knapp 30.000 Kilometern reichlich früh verschlissen waren und die praktische Serviceanzeige einen Austausch anmahnte. Doch dann offenbarte der 535d wieder sein Talent für kuriose Fehler.

Beim Motorstart sprang eines sonnigen Tages gleichzeitig die separat zu öffnende Heckscheibe auf. Ein Fehler des digitalen Zeitalters im Auto: Der Berührungstaster hatte das Zeitliche gesegnet und brachte das komplette CAN-Bus-System (Controller Area Network) durcheinander. Das beeinträchtigte Netzwerk zog bei längeren Standzeiten zugleich noch die korrekte Datums- und Zeitangabe in Mitleidenschaft. Immerhin gingen die 168 Euro Reparaturkosten auf Gewährleistung.

12.000 Kilometer Ruhe

Dann herrschte wieder 12.000 Kilometer Ruhe, bis sich die Bremsbeläge und -scheiben abermals zu Wort meldeten. Die Kombination aus hohem Gewicht und üppiger Leistung zerrt eben mächtig an den Verzögerungszangen. Apropos Gewicht: Während in den Fahrzeugpapieren offiziell 1.830 Kilogramm als Leergewicht eingetragen sind, brachte es der Dauertestwagen auf real gemessene 1.978 Kilogramm. Vor allem die üppig bestellten Sonderausstattungen an Bord sorgten für reichlich Zusatzspeck. Wer sich Extras wie das 1.700 Euro teure Panorama-Glasdach leistet, belastet nicht nur seinen Anschaffungs- und Spritetat, sondern auch das Auto um etliche Pfunde. Die effektive Zuladung schrumpfte deshalb auf gerade einmal 337 Kilogramm.

Marder mit Heißhunger auf Kühlerschlauch

Ein Scherz für einen großen Kombi, denn mit vier Personen à 75 Kilogramm und etwas Reisegepäck droht recht schnell die Überladung. Gleichzeitig lassen sich die Staufächer unter dem Laderaum nur schwer nutzen, und im Innenraum fehlt es an Ablagemöglichkeiten. Allzu oft wurde selbst die Fläche vor der Infotainment-Anzeige dafür missbraucht. Die letzten kleineren, aber nicht selbstverschuldeten Probleme traten dann etwa bei Kilometerstand 80.000 auf. Ein Marder hatte Geschmack an den Kühlwasserschläuchen gefunden und mit Bissen 161 Euro Schaden verursacht. Ansonsten kam der Fünfer ohne Komplettausfälle und mit nur drei außerplanmäßigen Werkstattbesuchen über die Runden und belegt trotz des gelegentlichen Elektronik-Ärgers einen respektablen zweiten Platz in der auto motor und sport-Dauerteststatistik seiner Klasse – zwar deutlich vor einem Audi A6 , aber noch hinter der Mercedes E-Klasse.

Kosten: Ein unerfreuliches Kapitel

Ein unerfreuliches Kapitel bleiben jedoch die Kosten, wenngleich der BMW hier auch nicht alleine in der gehobenen Mittelklasse steht. Der geschätzte Wertverlust nach knapp zwei Jahren liegt bei 38.180 Euro und damit bei fast 50 Prozent des einstigen Neupreises eines 535d Touring. Vor allem die über 25.000 Euro teuren Extras schlagen hier stark zu Buche, aber auch die mit 15 Cent pro Kilometer recht hohen laufenden Kosten. Viel Geld, für das der Käufer jedoch einen sehr dynamischen Reisewagen mit angenehmen Understatement fährt.

 

Abgastest: Die Abgasmessung nach 100 000 Kilometern meisterte der 535d mit Bravour. In allen wichtigen Punkten blieb er deutlich unter den vorgeschriebenen Grenzwerten nach der Euro-4-Norm.

Drei außerplanmäßige Servicestopps, aber kein Ausfall bringen den BMW Fünfer im Mängelindex weit nach vorn. Unter den getesteten Modellen der oberen Mittelklasse war nur die Mercedes E-Klasse zuverlässiger.

Der 525i ist unser neunter BMW und hat jetzt 26 500 Kilometer auf dem Zähler. Komfort, Fahreigenschaften, Motor, Verarbeitung, Innen- und Außendesign sowie Verbrauchswerte sind sehr gut. Die Aktivlenkung bleibt auch nach langer Zeit gewöhnungsbedürftig. Ein weiterer Kritikpunkt ist der Blinkerhebel mit extrem kurzen Wegen. Statt den Hebel in Nullstellung zu bringen, blinkt man oft ungewollt in die andere Richtung.
Dr. Michael Kanno, 14052 Berlin
 
Nach 90 000 Kilometern mit meinem 525d und zirka 50 000 km mit einem 530d Touring bin ich so begeistert wie am ersten Tag. Ein Langstreckenauto, wie man es sich wünscht: Souveränes und entspanntes Reisen mit viel Fahrspaß. Besonders schätze ich die starken, sparsamen Motoren sowie das perfekt ablesbare Headup-Display. Liegen geblieben bin ich nie. Alles in allem: voll empfehlenswert.
Frank Hoppstedt, 50329 Frankfurt am Main

Der sehr laufruhige Motor in meinem 523i wirkt schon an leichten Autobahnsteigungen durchzugsschwach und zwingt zum Zurückschalten. Der Ölverbrauch betrug bis zum Kilometerstand 20 000 bereits mehrere Liter. Außerdem wurden als Garantieleistung die Kupplung und der rechte Außenspiegel ausgetauscht. Die Straßenlage ist hervorragend, der Fahrkomfort aber nur knapp ausreichend. Die Karosserie ist unübersichtlich, und dass die Kofferraumabdeckung jedes Mal von Hand zurückgezogen werden muss, ist nervtötend. Insgesamt ein schönes Auto mit einigen Detailmängeln.
Heinz-Bernd Michalski, 44229 Dortmund
 
Unser BMW 530d Automatik mit bisher 24 000 Kilometern zeichnet sich durch problemlose Bedienung trotz oder wegen i-Drive, einen hervorragenden Motor mit angemessenem Verbrauch sowie durch verblüffende Handlichkeit aus. Einziger Wermutstropfen: die unkomfortablen Runflat-Reifen.
Dr. Detlev Jungmann, 99189 Haßleben

Mein BMW 530d Touring von 2005 hat inzwischen 40 000 Kilometer auf dem Tacho. In den letzten 18 Monaten war der Wagen sechs Mal außerplanmäßig in der Werkstatt: defekter Anlasser, Störungen bei den Fensterhebern, klemmender i-Drive-Controller, das dritte Software-Update und als Höhepunkt eine total entladene Batterie. Immerhin hat sich BMW entschuldigt und mir als Wiedergutmachung ein Fahrsicherheitstraining, Zubehör oder ein weiteres Jahr Werksgarantie angeboten.
Simon Schweizer, CH-4144 Arlesheim
 
Bei meinem 535d Touring musste schon nach einem Monat die komplette Infotainment- Einheit ausgetauscht werden. Einfach lästig und umständlich ist die unsägliche Bluetooth-Philosophie, mit welcher 95 Prozent der BMW-Kunden zum Einsatz rückständiger Handys gezwungen werden. Das Fahrverhalten ist dafür konkurrenzlos gut mit einem faszinierenden Motor, dessen Verbrauch für ein 272-PS-Auto akzeptabel ist.
Christof Küchle, 89312 Günzburg
 
Die nach wie vor nicht behobenen Elektronikprobleme rund um das i-Drive- System werden mehr als aufgewogen durch einen begeisternden Motor und sicheres Fahren. Der Kritik am i-Drive kann ich mich nicht anschließen.
Alexander Dennis Hegemeister, 22941 Bargteheide 

Vor- und Nachteile

  • sehr kräftiger, durchzugsstarker Motor
  • gut harmonierende Automatik
  • gute Reichweite
  • angemessener Verbrauch
  • gutes Handling
  • präzise, aber gewöhnungsbedürftige Aktivlenkung
  • angenehmer Reisewagen
  • sicheres Fahrverhalten
  • sehr komfortable Sitze mit gutem Seitenhalt
  • gutes Platzangebot für die Passagiere
  • einfach zu reinigender Gepäckraum
  • sehr geringe optische Ablenkung durch Headup- Display
  • exzellentes Soundsystem
  • relativ unkomfortabel
  • gewöhnungsbedürftige Bedienung
  • nervige Laderaumabdeckung
  • geringe Zuladung
  • zu wenige und zu kleine Ablagenunpraktische
  • elektrisch öffnende Heckklappe
  • nur mäßige Traktion im Winter
  • unharmonische Gasannahme
Technische Daten
BMW 535d Touring
Grundpreis 58.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4843 x 1846 x 1491 mm
KofferraumvolumenVDA 500 bis 1615 l
Hubraum / Motor 2993 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 210 kW / 286 PS bei 4400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Verbrauch 6,9 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Porsche Macan S Diesel, Exterieur Porsche Macan S Diesel im Dauertest Talentiert bis zum Schluss
Beliebte Artikel BMW 325d im Test Lücken-Düser BMW 335d gegen 335i Brenn-Strecke
Anzeige
Sportwagen Jaguar Land Rover Fahrdynamik Advertorial Auf Knopfdruck: Sport Mehr Fahrspaß durch Technik Porsche 911 (992) Cabrio Erlkönig Erlkönig Porsche 911 Cabrio (992) Offener Elfer startet 2019
Allrad Mercedes X-Klasse 6x6 Designstudie Carlex Mercedes X-Klasse 6x6 Böser Blick mit drei Achsen Toyota RAV 4 2018 New York Sitzrobe Toyota RAV4 (2018) SUV-Neuauflage ab 29.990 Euro
Oldtimer & Youngtimer Porsche 911 (996) Carrera Coupe Porsche 911 (996) Kaufberatung Probleme des Schnäppchen-Elfer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker
Promobil Weihnachtskalender 2018 Tür 18 Mitmachen und gewinnen Spielepaket von SmartGames und GeoSmart Jochen Hörnle - Freifahrtschein Ausnahme in Großstädten Übergangsfrist für Diesel-Fahrverbot
CARAVANING Weihnachtskalender 2018 Tür 18 Mitmachen und gewinnen Spielepaket von SmartGames und GeoSmart Panorama Blick hinter die Kulissen So funktioniert ein Campingplatz