BMW 535i Touring und Mercedes E 400 T

Allrad-Kombis mit Sechszylinder im Vergleichstest

BMW 535i Touring xDrive, Mercedes E 400 T 4Matic, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 27 Bilder

SUV oder nicht? Auch Edel-Kombis wie BMW 5er und Mercedes E-Klasse treten mit Sechszylinder-Turbo-Motoren und Allradantrieb an.

Die Kombination aus gehobenem Platzbedarf und vier angetriebenen Rädern führt meist zum Kauf eines SUV vom Schlage eines BMW X5 oder Mercedes ML – sollte man meinen, so wie die soften Offroader im Trend liegen. Doch der Blick in die Zulassungszahlen offenbart eine Überraschung: Seit 2011 werden in Deutschland stets mehr BMW 5er mit Allradantrieb als X5 neu zugelassen, 2013 waren es gar knapp dreimal so viel. Dabei kostet ein BMW 535i Touring xDrive mit 59.900 Euro keinen Euro weniger als ein gleich motorisierter X5.

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BMW 535i Touring xDrive gegen Mercedes E 400 T 4Matic Die Turbo-Lader
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Mercedes E 400 T 4Matic in unter sechs Sekunden auf 100 km/h

Bei Mercedes greifen E-Klasse-Kunden noch nicht so häufig zu den 4Matic-Varianten, wenngleich die Auswahl ähnlich umfangreich wie beim 5er ausfällt. Der 306 PS starke BMW 535i Touring xDrive und der Mercedes E 400 T 4Matic mit 333 PS rangieren dabei schon am oberen Ende der Leistungsskala. Die Zeiten, als man von der Modellbezeichnung noch auf den Hubraum schließen konnte, sind bei beiden längst Geschichte. Hier wie dort steckt ein drei Liter großer aufgeladener Sechszylinder unter der Haube, wobei die E-Klasse von zwei Turboladern unter Druck gesetzt wird. Das spürt man: Neben zehn Prozent mehr Leistung liefert der V6 auch 20 Prozent mehr Drehmoment. Ab 1.400/min liegen 480 Nm an (BMW: 400 Nm bei 1.200/min), die das knapp zwei Tonnen schwere T-Modell aus dem Stand in weniger als sechs Sekunden auf Tempo 100 wuchten.

Zwar zieht der Benz dem BMW erst bei höheren Geschwindigkeiten davon, doch der Unterschied ist auch beim Zwischenspurt auf flotter Autobahnfahrt deutlicher zu spüren, als es die Messwerte vermuten lassen. Der BMW 535i Touring xDrive fühlt sich alles andere als schlapp an, doch sein einfach aufgeladener Reihensechszylinder drückt im direkten Vergleich nicht so vehement. Dagegen jongliert das hervorragend angepasste Automatikgetriebe sehr souverän mit den Gängen und wechselt auch unter Volllast ruckfrei und unmerklich zwischen den acht Stufen. Untermalt wird das Ganze vom feinen Klang des laufruhigen Dreiliter-Motors.

Warten auf die nächste Stufe

Wer auf solche akustischen Nuancen achtet, kommt im Mercedes E 400 T 4Matic kaum auf seine Kosten, zumal der V6 nicht völlig frei von Vibrationen hochdreht. Mercedes setzt im E 400 noch die bewährte 7G-Tronic Plus ein, während die neue Neunstufen-Automatik bislang nur im Mercedes E 350 Bluetec zu haben ist.

So unauffällig wie die Getriebe arbeiten auch die permanenten Allradsysteme der Kontrahenten. Zwischen 2.550 (BMW) und 2.737 Euro (Mercedes) lassen sie sich das gute Gefühl kosten, auch bei winterlichen Straßenverhältnissen bestens gerüstet zu sein. Wenn es aus Traktionsgründen sein muss, schickt das xDrive-System des BMW bis zu 100 Prozent der Antriebskraft an die Hinterachse, beim Mercedes sind es maximal 70 Prozent. Bei den Fahrdynamik-Prüfungen erweisen sich beide Kombis ohne signifikante Unterschiede als ausgesprochen fahrsicher und agil.

Unterschiede bei den Bremsen

Im xDrive-5er setzt BMW eine hydraulische statt elektromechanische Servolenkung wie bei den Hecktrieblern ein, wodurch die agilitätsfördernde Integral- Aktivlenkung als Option nicht zur Verfügung steht. Dennoch fühlt sich der BMW 535i Touring xDrive subjektiv einen Tick handlicher an als der Mercedes E 400 T 4Matic, selbst wenn diese wie der Testwagen in der dynamisch angehauchten Avantgarde-Version mit selektiver Dämpfung antritt. Auf den Federungskomfort wirkt sich das kaum nachteilig aus. Kurze Unebenheiten können ihm jedenfalls wenig anhaben, nur lange Wellen steckt er nicht so gelassen weg wie der BMW 535i Touring xDrive, der hier dem Optimum schon ziemlich nahekommt.

Feine Unterschiede auf hohem Niveau – darauf muss man sich auch an der Tankstelle einstellen, denn bei zügiger Fahrweise sind beide Turbobenziner keine Sparkünstler. Sowohl auf der Verbrauchsrunde (8,9 zu 8,7 l/100 km) als auch beim Testverbrauch gönnt sich der Mercedes mit 11,7 gegenüber 11,4 Litern jeweils einen Tick mehr als der BMW. Doch das dürfte die Klientel weniger stören als die Unterschiede bei den Bremswerten. Ob leer oder beladen, mit kalten oder warmen Bremsen – die E-Klasse verzögert unter allen Bedingungen besser. Bei der ersten Vollbremsung aus 100 km/h steht sie nach knapp 36 Metern, während der Fünfer über 38 Meter benötigt.

Ein solcher messbarer Klassenunterschied tritt sonst nur noch beim Kofferraumvolumen auf. Stolze 695 Liter passen im T-Modell unter die Abdeckung, nachdem sich die Heckklappe per Elektromotor geöffnet hat. Die Rücksitzlehnen legen sich per Fernentriegelung automatisch flach und erweitern das Volumen des hochwertig ausgekleideten Stauraums auf maximal 1.950 Liter – ein Rekordwert unter den großen Kombis.

BMW 535i Touring xDrive mit cleveren Details

Obwohl mit 560 bis 1.670 Litern Stauvolumen eine Nummer kleiner, weiß auch der 5er als Kombi zu überzeugen. Zusätzliche Details wie die separat aufklappbare Heckscheibe oder die dreifach geteilte Rücksitzlehne erhöhen den Alltagsnutzen. Eine Luftfederung an der Hinterachse inklusive Niveauregulierung zählt bei beiden Edellastern zum Serienumfang.

Die Passagiere können sich hier wie dort weder über Sitzkomfort noch Raumangebot beklagen, auch Verarbeitung und Materialqualität entsprechen den Erwartungen an diese Preisklasse. Bei der Bedienung herrschen die markentypischen Gepflogenheiten, wobei das BMW-Infotainment samt iDrive-Bedienung mehr überzeugt und nur der Fünfer mit Head-up-Display (1.390 Euro)erhältlich ist – eine teure, aber lohnenswerte Investition. Ansonsten unterscheiden sich beide bei der optionalen Sonder- und Sicherheitsausstattung kaum – die Auswahl ist üppig und eine Frage des Budgets.

Da der Mercedes E 400 T 4Matic trotz der etwas schlechteren Basisausstattung das teurere Auto ist, kann er den knappen Vorsprung aus der Eigenschaftswertung nicht in einen Gesamtsieg ummünzen. Ach ja: Falls das Budget an die Grenzen stößt – im Gegensatz zu den vergleichbaren SUV kann man bei diesen Kombis auf den Allradantrieb verzichten.

Fazit

1. BMW 535i Touring xDrive
507 Punkte

Kultivierter Antrieb, hoher Komfort und gute Funktionalität sprechen für den 5er, doch die nur durchschnittlichen Bremsen hätten ihn neben der Eigenschaftswertung auch fast den Gesamtsieg gekostet.

2. Mercedes E 400 T 4Matic
505 Punkte

Der Jumbo unter den großen Kombis schiebt als E 400 kräftig an und leistet sich in keinem Kapitel eine echte Schwäche. Am Ende muss er sich dem BMW wegen der Kosten dennoch knapp geschlagen geben.

Technische Daten
BMW 535i Touring xDrive Mercedes E 400 T 4Matic Avantgarde
Grundpreis 60.400 € 64.492 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4907 x 1860 x 1488 mm 4905 x 1854 x 1507 mm
KofferraumvolumenVDA 560 bis 1670 l 695 bis 1950 l
Hubraum / Motor 2979 cm³ / 6-Zylinder 2996 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 225 kW / 306 PS bei 5800 U/min 245 kW / 333 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 6,0 s 5,9 s
Verbrauch 8,1 l/100 km 8,5 l/100 km
Testverbrauch 11,4 l/100 km 11,7 l/100 km
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