BMW 540i, Mercedes E 430, VW Passat W8

Foto: Hans-Dieter Seufert

Auf dem Weg nach oben: Mit dem W8-Motor will VW den Stars der oberen Mittelklasse Paroli bieten. Ein Vergleich des Passat W8 mit dem BMW 540i und dem Mercedes E 430 zeigt, ob es gelingt.

Ob Schuhwerk, Heimradio oder Automobil: Es sind zunehmend die Marken-Junkies im Premiumrausch, die heute die Kassen der Unternehmen füllen. Hingegen gelten Freunde des wahren Understatements in den Marketingabteilungen als aussterbende Spezies, was den Verantwortlichen für den neuen VW Passat W8 zumindest eines attestiert: reichlich Mut.

Unauffälliger kann man einen Achtzylinder nicht spazieren fahren. Nur ein paar Chromleisten unterscheiden das Gewand des Preziosen-Passat vom Vertreter-Outfit der weniger hochkarätigen Varianten. Dass dieses Auto inklusive Automatikgetriebe mindestens 83.000 Mark kostet und 275 PS sein eigen nennt, glaubt einem so leicht keiner, auch nicht der Vordermann auf der Autobahn. Mag die Ausstattung noch so nobel sein: Überholprestige gibt es beim Passat W8 weder serienmäßig noch gegen Aufpreis.

So sind es denn auch ausschließlich die inneren Werte, die hier verlocken. Im W8 bietet VW alles das, was auch die prestigeträchtigeren Spitzenmodelle der oberen Mittelklasse vorweisen können. Mehr sogar, denn auf einen serienmäßigen Allradantrieb muss man bei den vergleichbaren Modellen von BMW und Mercedes verzichten. Und das, obwohl diese rund 20.000 Mark mehr kosten.

Bleibt die Frage, ob die beeindruckende Papierform des Passat W8 ihn tatsächlich zu einem gleichwertigen Widersacher für das Premium-Establishment macht. Immerhin heißen die Konkurrenten im Achtzylindersegment BMW 540i und Mercedes E 430.

Ihre Zylinder tragen sie in klassischer V-Formation, aber in Hubraum und Leistung haben sie nur unwesentlich mehr zu bieten als der erheblich preisgünstigere VW: 4,4 Liter und 286 PS der BMW, 4,3 Liter und 279 PS der Mercedes. Deutlicher fällt allerdings der Unterschied im Drehmoment aus: Während sich das kompakte W-Triebwerk im Passat mit 370 Nm begnügt, verzeichnet die Konkurrenz 440 (BMW) und 400 Nm (Mercedes).

Ungeachtet dieser Differenzen gelingt es jedem der drei Achtzylinder, den Fahreindruck entscheidend zu prägen. Schon nach wenigen Metern Fahrt wird klar, dass hier echter Antriebsluxus geboten wird, weit jenseits der in der Mittelklasse üblichen Usancen. Am meisten überrascht dies logischerweise im Passat. Wo sonst die Leistungserzeugung nicht zu überhören ist, herrscht plötzlich gespenstische Ruhe. Nur ein sanftes Summen dringt gelegentlich noch ans Ohr.

Da kann es der W8-Motor schon fast mit dem Mercedes aufnehmen, dessen V8-Motor zu Recht als Vorbild an Laufkultur gilt, während der BMW die Insassen deutlich mehr an den Vorgängen unter der Haube teilhaben lässt. Kräftiges Gasgeben beantwortet der BMW-V8 mit phonstarkem, wenngleich wohlklingendem Sound.

Geringer fällt die Überraschung im W8-motorisierten Passat aus, wenn man sich der zweiten Komponente der Achtzylinderfreuden zuwendet. Üppige Kraftreserven sind nicht seine Sache. Während die Konkurrenten schon im unteren Drehzahlbereich hurtig Fahrt aufnehmen, lässt sich der W8 unerwartet viel Zeit.

Temperament entwickelt er erst bei höheren Drehzahlen, aber auch dann reicht es nicht, um den Power-Limousinen von BMW und Mercedes Paroli bieten zu können. Vor allem im oberen Geschwindigkeitsbereich fällt der Passat deutlich zurück, und die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h bleibt in der Praxis in Anbetracht des dazu notwendigen Anlaufs graue Theorie.

Das Unterfangen wird nicht zuletzt durch die Abstufung der Fünfgangautomatik erschwert. Der fünfte Gang ist zu lang übersetzt, was den Vortrieb beeinträchtigt und zugleich dafür sorgt, dass der Automat bei schneller Autobahnfahrt häufig den vierten aufsucht.

Gelassener, weil kraftvoller, dagegen der BMW: Die gleiche Getriebeabstufung steht ihm in Anbetracht der höheren Leistungsreserven ausgezeichnet. Außerdem wechselte der Testwagen die Gänge erfreulicherweise weniger hektisch als frühere Exemplare. Kritik verdient aber das träge Ansprechen auf Kickdown-Befehle. In gewohnter Perfektion indessen der Mercedes-Automat: sanft, diskret und optimal abgestimmt.

Dass sich der neue W8-Motor im Passat ganz schön anstrengen muss, um im direkten Vergleich Schritt zu halten, belegen schließlich auch die Nachfüllmengen an der Tankstelle: Pro 100 Kilometer genehmigt er sich im Durchschnitt 14,8 Liter, bei schonungslosem Gebrauch des Gaspedals sogar bis zu 19 Liter. Damit übertrifft er deutlich den BMW (14,3 L/100 km) und noch deutlicher den Mercedes, der sich mit 13,3 L/100 km begnügt.

Ein Geheimnis des günstigen Mercedes-Verbrauchs lüftet der Blick auf das jeweilige Leergewicht der Testwagen: Ungeachtet ihres massigen Auftritts wiegt die E-Klasse am wenigsten, nämlich 1.674 Kilogramm. Der 540i bringt es auf 1.799 Kilogramm, der Passat W8, obschon den Abmessungen nach Zierlichster im Vergleich, sogar auf 1.804 Kilogramm.

Dabei stehen die Gewichte im umgekehrten Verhältnis zum Raumangebot, denn der Mercedes wirkt eindeutig am geräumigsten. Außerdem bietet er den größten Kofferraum und erlaubt die höchste Zuladung. Keineswegs beengt, aber doch spürbar knapper geschnitten sind hingegen die Innenräume von BMW und VW, wobei Letzterer auch jenseits der Rücksitze eine Nummer kleiner ausfällt. Sein Kofferraum fasst nur 400 Liter (BMW 460 Liter, Mercedes 500 Liter).

Allen drei Kontrahenten kann man aber zugestehen, dass zumindest bei vierköpfiger Besetzung reichlich Komfort geboten wird. Es mangelt weder an körpergerechten Sitzen mit großem Verstellbereich noch an einer Klimaautomatik, und auch die Bedienung wirft bei keinem der drei größere Probleme auf. So beschränkt sich die Kritik auf wenige Details: Im BMW sind die Sitze vorn etwas kurz bemessen, beim VW stören die überstylten
Instrumente und die schmale Sitzfläche der Rücksitzbank.

Unterwegs sind es vornehmlich BMW und Mercedes, die den Passagieren das Gefühl geben, erster Klasse zu reisen. Auch bei schneller Fahrt bleiben ihre Geräuschkulissen gepflegt, und Straßenunebenheiten größeren Ausmaßes werden von den gut gedämpften Federungen ohne Turbulenzen ausgebügelt.

Die gerade beim E 430 gern gekaufte Avantgarde-Ausstattung mit tiefergelegter Karosserie sorgt allerdings dafür, dass der Mercedes-Testwagen kurze Bodenwellen deutlich weniger geschmeidig verarbeitet als der diesbezüglich immer noch vorbildliche BMW. Auch VW konnte den Versuchung nicht widerstehen, den Testwagen mit einem Sportfahrwerk zu versehen, was den Komfort sicher nicht fördert.

Im Vergleich wirkt der Passat denn auch ziemlich ungehobelt. So erreichen die Insassen auf zweitklassigen Belägen fühlbare Stöße. Vor allem Querwellen führen bisweilen zu heftigen Erschütterungen, und das Abrollen auf unebenem Boden erfolgt hart und teilweise poltrig. Schließlich hält auch der Geräuscheindruck nicht das, was der säuselnde W8-Motor verspricht: Wind- und Abrollgeräusche beanspruchen das Phonmessgerät bei höheren Geschwindigkeiten deutlich mehr als im BMW oder Mercedes. Die positive Seite der Medaille zeigt sich bei schneller Kurvenfahrt, wo der Passat auf ebener Fahrbahn mit einem Höchstmaß an Fahrstabilität aufwartet. Er folgt präzise und ohne lästiges Untersteuern der Lenkung und meistert heftige Fahrmanöver derart souverän, dass selbst in kritischen Situationen nur selten das serienmäßige ESP einschreitet.

Speziell bei Regen und Glätte lässt sich dann auch nicht mehr leugnen, dass gegen die Vorteile des Vierradantriebs in dieser Leistungsklasse kein Kraut gewachsen ist. Während die schöne Leistung bei der Konkurrenz im Antriebsschlupfmodus verpufft, zieht der Passat nahezu unbeirrt von dannen.

Freilich sind es bekanntlich nicht nur die Faktoren Fahrstabilität und Traktion, die beim Fahren Freude machen. Und wieder einmal ist es der BMW, der hierzu den passenden Anschauungsunterricht bietet.

Seine exakte, gefühlvolle Lenkung, die Leichtfüssigkeit in Kurven und das von der Beschaffenheit der Straße unbeeindruckte Fahrverhalten lassen eine Finesse in der Abstimmung erkennen, die weder der Passat erreicht noch der Mercedes, der in Kurven spürbar schwerfälliger agiert und auch im Geradeauslauf leichte Schwächen zeigt.

Den Punktesieg des E 430 können diese Einschränkungen allerdings nicht verhindern. Alles in allem ist er nun mal der Beste. Der Passat W8 hingegen ist es nicht. Aber das wäre bei einem Preisvorteil von rund 23.000 Mark womöglich auch etwas zu viel erwartet.

Fazit

1. Mercedes E 430
528 Punkte

Geräumig, sicher, schnell – es gibt nicht viel, was man dem E 430 vorwerfen könnte. Das positive Bild stören nur die hart ansprechende Federung der Avantgarde-Version und der stolze Preis.

2. BMW 540i
510 Punkte

Er bietet weniger Platz als der Mercedes, aber sein subtil abgestimmtes Fahrwerk ist ein Genuss, und der V8 hält, was er verspricht. Der Sparsamste und Leiseste ist er allerdings nicht.

3. VW Passat W8
488 Punkte

Der Achtzylinder zum Sonderpreis. Leistungseindruck und Verbrauch enttäuschen jedoch, auch im Komfort müssen Abstriche gemacht werden. Ein klares Plus: der Vierradantrieb

Technische Daten
VW Passat W8 BMW 540i Mercedes E 430 Avantgarde
Grundpreis 44.375 € 54.900 € 54.317 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4703 x 1746 x 1461 mm 4775 x 1800 x 1435 mm 4818 x 1799 x 1443 mm
KofferraumvolumenVDA 400 l 460 l 500 l
Hubraum / Motor 3999 cm³ / 8-Zylinder 4398 cm³ / 8-Zylinder 4266 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 202 kW / 275 PS bei 6000 U/min 210 kW / 286 PS bei 5400 U/min 205 kW / 279 PS bei 5750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 8,3 s 7,1 s 7,0 s
Verbrauch 13,1 l/100 km 12,3 l/100 km 10,8 l/100 km
Testverbrauch 14,8 l/100 km 14,3 l/100 km 13,3 l/100 km
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