BMW 545i gegen Mercedes E 500

Foto: Achim Hartmann

Kann sich im Duell der kraftvollen Limousinen der BMW 545i gegenüber dem Mercedes E 500 durchsetzen?

Mercedes E 500 und BMW 545i, das ist die Spitze dessen, was in der gehobenen Mittelklasse an Motorisierung zu haben ist – wenn die Sportversion von AMG und der kommende M5 einmal außer Betracht bleiben. Es ist schon gute Tradition, dass BMW-Modelle mit weniger Hubraum und dafür mehr Leistung antraten als die Erzrivalen mit dem Stern. 333 PS aus 4,4 Liter Hubraum des BMW 545i stehen 306 PS aus fünf Liter Hubraum des Mercedes E 500 gegenüber. Die erste Diagnose: Das Triebwerk aus Bayern ist offensichtlich das sportlicher ausgelegte der beiden. Die Drehmomentnennwerte bestätigen dies. Wo der E 500 mit 460 Newtonmeter schon bei nur 2700 Umdrehungen ausgesprochenen Bullencharakter beweist, muss der BMW für zehn Newtonmeter weniger 900 Umdrehungen mehr aufbieten. Beim Fahren treten solche Zahlenspiele indes rasch in den Hintergrund. Beide bieten überlegene Fahrleistungen, die eine Zehntelsekunde Vorsprung des BMW beim Spurt auf 100 km/h spielt keine Rolle. Auch bei der Höchstgeschwindigkeit gibt es Gleichstand: BMW und Mercedes lassen es einvernehmlich und elektronisch geregelt bei exakt 250 km/h gut sein. Die Unterschiede liegen im Wie. Denn das BMW-Triebwerk läuft, und auch das ist Tradition, noch etwas seidiger als der Mercedes-V8 und zeigt keine Scheu vor hohen Drehzahlen. Und dass der Mercedes bei niedrigen Drehzahlen effektiv über mehr Kraft verfügt, überspielt der BMW gekonnt mit seiner gierigen und bissigen Art, mit der er am Gas hängt. Mit seiner neuen Siebengangautomatik kann der Mercedes dem BMW aber doch noch einige Punkte abjagen, wobei es festzuhalten gilt, dass BMW den 545i serienmäßig mit einem Handschaltgetriebe anbietet und die Automatik 2000 Euro Aufpreis kostet. Eine Fahrstufe mehr im Mercedes bringt zunächst einmal kleinere Gangsprünge. Und diese erfolgen auch noch viel unauffälliger und sanfter als beim 545i, der zudem mit dem etwas halbstark ausgelegten und rüpelhaft agierenden Sportprogramm für das Getriebe negativ auffällt. Vorteil für Mercedes, wenn es um den Komfortaspekt des Antriebs geht.

Die sehr ausgewogene serienmäßige Luftfederung des E 500 passt hervorragend dazu. Kurze und lange Bodenwellen absorbiert der Mercedes ein ganzes Stück besser als der BMW, der sich allein mit den geringeren Aufbaubewegungen bei empfindlichen Mägen einschmeicheln kann. Lediglich in der Nähe der Höchstgeschwindigkeit und bei rascher Kurvenfahrt besinnt sich die elektronische Steuerung des Mercedes- Fahrwerks auf mehr Härte und schreckt dann auch vor gelegentlichem Stuckern nicht zurück. In beiden Autos sitzt man prima, wobei sich der BMW einen Punkt Abzug gefallen lassen muss, weil die Schalter für die Verstellung seitlich am Sitz nicht einzusehen sind. Hinterbänkler wünschen sich in beiden Konkurrenten etwas mehr vertikale Freiheit unter dem Vordersitz, damit sie ihre Füße auch wirklich bequem unterbringen können. Dass sich die Fondpassagiere im Mercedes schlussendlich besser aufgehoben fühlen, liegt am großzügigeren Raumgefühl und an der serienmäßigen Vierzonen-Klimaautomatik des E 500. Sie können im Fall des Falles nur dann auf Seitenairbags vertrauen, aber ebenso wie die Mitfahrer im BMW, wenn der Käufer die Luftsäcke extra (389 Euro) mitbestellt hat. Auf Wunsch bietet BMW aber aktive Kopfstützen als Sicherheitsdetail an, das Mercedes nicht im Programm hat. An weiteren Extras zu – und auch das ist Tradition – gesalzenen Preisen herrscht in beiden Fällen kein Mangel, wobei mitunter der Eindruck entsteht, dass sich die Konstrukteure schon gewaltig anstrengen mussten, noch Potenziale für tatsächliche oder auch nur vermeintliche Verbesserungen zu erschließen. Zum Beispiel die Aktivlenkung. Für stolze 1200 Euro bietet BMW sie an, dank der direkteren Lenkübersetzung im unteren Geschwindigkeitsbereich spart man sich in der Stadt in der Tat einiges an Kurbelei amVolant. Aber um welchen Preis – der Fahrbahnkontakt leidet, und auf Landstraßen fiebert der Fahrer gespannt jeder Kurve entgegen.

Wird die Lenkung nun direkt oder indirekt ansprechen? Danke, darauf kann verzichtet werden. Im oberen Geschwindigkeitsbereich überzeugt die BMW-Lenkung hingegen. Straff, präzise und mit gutem Fahrbahnkontakt ist sie so recht geschaffen fürs flotte Fahren. Der Fahrer spürt geradezu, dass er das Auto buchstäblich in der Hand hat. Auch der Mercedes fährt selbstverständlich sicher und problemlos geradeaus, aber er fühlt sich anders an. Der Fahrer kommt sich mehr wie ein Passagier vor. Die in der Mittellage viel indirektere Lenkung bietet, um es positiv zu formulieren, jede Menge Nies-Sicherheit, was jetzt in der kalten Jahreszeit vielleicht kein Nachteil ist. In forsch angegangenen Kurven schiebt der Mercedes etwas mehr über die Vorderachse und raunt damit seinem Fahrer zu, dass er doch schon ziemlich schnell unterwegs ist. Der BMW ist im Sinn bestmöglichen Handlings neutraler ausgelegt. Auf nasser Straße lässt hoher Krafteinsatz das Heck deutlicher ausschwenken und macht damit häufiger einen ESP-Einsatz notwendig. Wenn schnell gefahren wird, ist naturgemäß oft ein Tritt auf das Bremspedal erforderlich. Hier gefällt der BMW mit spontanem Ansprechen, straffem Druckpunkt und guter Dosierbarkeit, auch wenn keine Gefahrenbremsung ansteht. Die meistert wiederum die schlecht dosierbare Mercedes-Bremse besser, was ihr einen Punkt Vorsprung beschert. Das merkwürdige Bremsgefühl ist übrigens nicht die einzige Folge unnötiger Elektronik- Gimmicks im Mercedes. Die Ölstandskontrolle per Knopfdruck ist auch so ein Fall. Weil der Peilstab fehlt, sind weder Zwischenwerte ablesbar noch Tendenzen zu erkennen: Gerade war scheinbar noch alles in bester Ordnung, doch bei der Kontrolle muss plötzlich ein Liter nachgefüllt werden. Und wenn der Check ausfällt, weil der Hintermann an der Zapfsäule drängelt und die Elektronik eine nervige Wartezeit vor der Messung fordert, kann diese Art Fortschritt schnell ziemlich teuer werden.

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Technische Daten
Mercedes E 500 Elegance BMW 545i
Grundpreis 60.726 € 60.150 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4818 x 1822 x 1431 mm 4841 x 1846 x 1468 mm
KofferraumvolumenVDA 530 l 520 l
Hubraum / Motor 4966 cm³ / 8-Zylinder 4398 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 225 kW / 306 PS bei 5600 U/min 245 kW / 333 PS bei 6100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 6,5 s 6,4 s
Verbrauch 11,1 l/100 km 10,7 l/100 km
Testverbrauch 14,3 l/100 km 14,7 l/100 km
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