BMW 545i Touring vs Mercedes E 500 T

Herzklappen

Foto: Achim Hartmann

Edelkombis mit starken Herzen. Zu den Spitzenprodukten zählen zwei besonders noble Stücke mit Heckklappe: Der Fünfer Touring und das E-Klasse T-Modell. München gegen Stuttgart – wie im Fußball.

Warum Kombi? Die Frage stellt sich immer wieder und in jeder Klasse neu. Dabei scheint das Nützlichkeitsstreben mit steigendem Preisniveau eher abals zuzunehmen. In der Luxusklasse jenseits der 60 000- Euro-Grenze, in der die beiden Konkurrenten mit ihren üppigen V8-Motoren agieren, ist das Klappen und Klamüsern nicht so entscheidend. Man trägt einfach Kombi, Kombi ist nämlich chic. Er ist natürlich auch praktischer als die entsprechende Limousine, und mit dem Gepäckraumvolumen bei diesen nahezu fünf Meter langen Autos verhält es sich wie mit ihrem Motorvolumen. Man braucht weder das eine noch das andere ständig, aber man hat es dabei. Schon der Vorgänger des Mercedes T-Modells war ein Transport- Riese, und das aktuelle Modell ist es wieder. Der gewiss nicht kleine Laderaum des BMW macht dies mit seinen 500 Litern noch plastischer. Fast 700 Liter fasst die Höhle im Mercedes, und auch die Maximalgröße bei geklappter Rückbank stellt mit nahezu 2000 Litern einen Paradewert dar (BMW: 1615 Liter).

Da wundert es nicht, dass auch die Zuladung des T-Modells höher ist, allerdings nicht in dem Maße, wie es die Ladefläche nahelegt. Mercedes 533, BMW 469 Kilogramm – nicht besonders viel für einen 1,8- Tonner, zu dessen Besonderheiten in der Variabilität eine separat zu öffnende Heckklappe zählt. Der Mercedes bietet klappbare Sitzkissen hinten, und sein Riesen-Volumen an Heckstauraum verdankt er auch der Tatsache, dass sich unter dem Kofferraumboden noch eine weit tiefere Mulde auftut als im BMW. Da wie dort ist mit wenigen Handgriffen das größtmögliche Ladevolumen erreicht, gegen Aufpreis gibt es bei Mercedes einen elektrisch herausfahrbaren Boden, zwecks einfacherer Beladung. Ohnehin schwelgen die Edel-Kombis in einem ExtraLuxus, der einen Teil ihrer hohen Preise erklärt. Niveauregulierung haben sie beide, ebenso Klimaautomatik oder elektrische Fensterheber. Mercedes verlangt für die Sitzheizung allerdings 360 Euro Aufpreis, offeriert dagegen serienmäßig die dem Federungskomfort und der Stabilität dienliche Luftfederung, die der BMW Touring nur an der Hinterachse aufweist. 

Der Sitzkomfort hat damit nicht direkt zu tun, sondern bezieht seine Wirkung direkt aus dem Möbel. Sowohl im BMW als auch im Mercedes ist die Position am Lenkrad ausgezeichnet, die Sitze selbst entpuppen sich als sehr bequem, wobei die aufpreispflichtigen Komfortsitze des BMW in Kurven einen etwas besseren Seitenhalt versprechen als die ebenfalls Aufpreis kostenden Multikontursitze des Mercedes. Auch im Fond ist der Komfort im BMW etwas besser, nicht zuletzt durch wenige Zentimeter mehr Knieraum. Man fühlt sich wohl in diesen großen Kombis als Mitfahrer – wohler womöglich als der Fahrer, der sich erstmals mit diesen Autos vertraut macht. Im BMW wird dies, die Funktion von i-Drive eingeschlossen, länger dauern als im Mercedes. Sein Interieur strahlt nicht nur eine im Luxuswagen- Segment selten gewordene Ruhe aus. Auch Wischer und Blinker liegen besser zur Hand und verlangen weniger Aufmerksamkeit. Gut in beiden Fällen die Instrumente: rund, übersichtlich, gut ablesbar. Manches lässt sich eben wirklich nicht verbessern.

Mehr als die mögliche Variabilität dieser großen Autos, die fast identische Längen (BMW: 4,84 Meter, Mercedes: 4,85) und fast den gleichen Radstand haben (BMW: 2,89 Meter, Mercedes 2,85), bewirkt ihr Reise-Charakter – gerne auc h unbeladen. In der Praxis ist dieser Zustand ohnehin vorherrschend. Nun zählen Motor-Charakteristik, Fahreigenschaften und Fahrkomfort, und in diesen Punkten scheiden sich die Geister stärker als beim Hin- und Herklappen. BMW hat, nicht überraschend, einen richtigen BMW gebaut. Schon die Charakteristik der V8-Motoren lässt die Richtung erkennen. Der BMW-Motor, kleiner im Hubraum (4,4 statt fünf Liter Volumen), aber höher in der Endleistung (333 PS statt 306). Die Ruhe, die das Mercedes- Cockpit ausstrahlt, wird von dem Fünfliter-V8 auf seine Weise interpretiert: mit mehr Gelassenheit als beim BMW, aber kaum schlechteren Fahrleistungen. Zum höheren Antriebskomfort trägt nicht unerheblich die neue Siebengangautomatik bei, deren Perfektion speziell im Teillast- Bereich so weit entwickelt ist, dass man fast von einer Eingang- Automatik sprechen könnte.

Der BMW Touring setzt die üblichen sechs Automatikgänge dagegen und liefert damit kein schlechtes Resultat ab. Die Perfektion der Mercedes-Einheit wird allerdings nicht erreicht – auch das Motorgeräusch klingt subjektiv schärfer und damit etwas aufdringlicher. In den Fahrleistungen nehmen sie sich nicht viel. Sieben Sekunden von null auf 100 km/h beziehungsweise nur 6,8 beim BMW zeugen von Lebhaftigkeit. Auf der anderen Seite wirken beide Autos mit diesen großen Achtzylindern keineswegs übermotorisiert. Dass es die Motoren trotz ihrer hohen Leistung bei den Gewichten von rund 1,8 Tonnen nicht leicht haben, zeigt ihr Drehzahl-Niveau. Wer die Dick-Schiffe schnell bewegt, muss die eigentlich hubraumunüblichen Drehzahlen jenseits von 4500 Umdrehungen mobilisieren. Von nichts kommt nichts, das gilt auch für den Verbrauch. Rund 15 Liter Testkonsum sind es bei beiden, der BMW braucht allerdings Super Plus. Besonders erfreulich ist bei beiden Achtzylindern die Laufruhe. Die angesprochenen hohen Drehzahlen sind allenfalls von der Akustik her ein kleines Manko, nicht aber vom Schwingungsverhalten. Der hohe Antriebskomfort, beim Mercedes noch perfekter als beim BMW, findet im Federungs- und Geräuschkomfort eine nicht durchweg adäquate Ergänzung. So zeigt der BMW, im Testwagen mit Aktivlenkung und Dynamic- Drive bestückt, kein optimales Federungsverhalten.

Der Mercedes kann unter allen Umständen alles besser, leer wie beladen, und ist schon deshalb der angenehmere Reise-Kombi. Vor allem auf kleinen Unebenheiten zeigen sich die Schwächen der BMW-Federung, Querfugen auf der Autobahn machen sich deutlicher bemerkbar. Klares Plus in diesem Segment für den Mercedes – er muss sich dafür leichte Abstriche im Handling und bei der Fahrdynamik gefallen lassen. In der Beherrschbarkeit nehmen sie sich nichts – in der Handlichkeit zeigt der BMW Touring dagegen ein Sportiv-Potenzial, das man bei dieser Art Auto nicht unbedingt erwartet. Und auch weniger braucht als einen guten Komfort. Die Aktivlenkung, die an dem Go-Kartähnlichen Einlenken bei geringem Tempo maßgeblich beteiligt ist, hat allerdings auch Nachteile. Sie ist, im Gegensatz zur präzisen Mercedes-Lenkung, gewöhnungsbedürftig, der Unkundige lenkt mit ihr zu heftig. Die Addition der Punkte sieht den Mercedes vorn, auch die Fahrgefühle sprechen eine klare Sprache. Er ist der bessere Kombi. Und der BMW? Ein Sportwagen in Kombi-Gestalt.  

Fazit

1. BMW 545i Touring
517 Punkte

Der große BMW-Kombi ist etwas ganz anderes – mit weniger Platz, weniger Komfort. Bei ihm weisen die Akzente in die sportliche Richtung, mit mehr Agilität. Bleibt die Frage, ob man das bei einem Groß-Kombi will.

2. Mercedes E 500T
523 Punkte

Mercedes hat die Akzente für einen großen Kombi richtig gesetzt. Mit einem unübertroffenen Raumangebot, sehr gutem Komfort und guten Fahrleistungen zeigt der E 500 T, was der wahre Tourenwagen ist.

Technische Daten
Mercedes E 500 T Avantgarde BMW 545i Touring
Grundpreis 64.397 € 62.550 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4850 x 1822 x 1485 mm 4843 x 1846 x 1491 mm
KofferraumvolumenVDA 690 bis 1950 l 500 bis 1615 l
Hubraum / Motor 4966 cm³ / 8-Zylinder 4398 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 225 kW / 306 PS bei 5600 U/min 245 kW / 333 PS bei 6100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 7,0 s 6,8 s
Verbrauch 11,7 l/100 km 11,2 l/100 km
Testverbrauch 14,9 l/100 km 14,7 l/100 km
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