BMW 730d im Test

Diesel-Dampf im dicken Siebener

BMW 730d Foto: Hans-Dieter Seufert

Dieselmotor und Oberklasse – passt das zusammen? Erster und einziger Sechszylinder im neuen Siebener ist der BMW 730 d. Mit seinem 218 PS starken Dreiliter-Diesel ist er neben den drei Achtzylindern das billigste, aber gewiss nicht das unattraktivste Modell der Reihe.

Aus dem Motorraum, wosonst die beiden Benzin-Achtzylinder mehr säuseln als bollern, dringt nur ein sanftes Murmeln. Dass der Dieselmotor selbst in der Oberklasse nicht nur gesellschaftsfähig, sondern in ist, liegt auch an den Fortschritten bei der Geräuschkultur. 218 PS leistet der langhubig (Bohrung mal Hub 84 – 90 Millimeter) ausgelegte Sechszylinder, ein klassischer Reihenmotor, sozusagen Trade Mark der Bayerischen Motoren Werke. Hier, im 7er aber, ist er der einzige unter drei Achtzylindern. Sie umzingeln ihn als 735i, 745i und, ebenfalls Common-Rail-Diesel, 740d. Zu den Goodies dieses wie sein eigenes Denkmal unter der Motorhaube kauernden Sechszylinders zählen neben der Common-Rail-Direkteinspritzung auch die Ventilzahl vier und zwei oben liegende Nockenwellen. Eindrucksvoller als die Maximalleistung ist, wie immer bei modernen Turbodieseln, der Wert für das maximale Drehmoment. 500 Newtonmeter sind es bei nur 2000 Umdrehungen, die der 18:1 verdichtete Selbstzünder auf die serienmäßige Sechsgangautomatik loslässt.

Bitte festhalten. Der 735i mit dem kleinsten Otto-V8 im Siebener bringt es gerade auf 360 Newtonmeter, und selbst der 4,4 Liter große Achtzylinder des 745i schafft nur 450 Nm. Ein Herkules murmelt da unter der Haube und spielt mit den Muskeln. Doch ganz so wild, wie es scheint, kommt es dann doch nicht. Herkules hat gut zwei Tonnen zu stemmen, Automatik glättet den Kraftfluss, und das elektronische Stabilitätsprogramm DSC beruhigt die Hinterhand, wenn der Drehmomentbuckel in einer engen Kurve für Unruhe sorgen sollte. Das möchte der Mann neben dem i-Drive-Knopf lieber nicht erleben.

Eine sanfte Gewalt ist es also, die den Business-Menschen zu seinem einprogrammierten Fahrziel bringt. Und obwohl selbst gegenüber dem schwächeren der beiden V8-Benziner rund 50 Pferdestärken in der Spitzenleistung fehlen, scheint doch nichts verloren, zumindest   gefühlsmäßig. Das hohe Drehmoment kaschiert geschickt die mindere Höchstleistung und lässt mit zunehmender Kilometerzahl den Eindruck entstehen, der Diesel sei in diesem Auto die richtige Motorisierung, nicht der vergleichsweise aufgeregt wirkende Otto mit seinen acht Zylindern. Schon das Losfahren erfolgt energisch, und dann gewinnt der dicke Zweitonner zügig Land, so, als hinge er hinter einer Seilwinde. Akustisch wird der Schub auch durch kernigere Dieseltöne in den oberen Drehzahlbereichen untermalt, doch ist das Laufgeräusch insgesamt niemals störend oder auch nur unschön. Und was sagen die Messwerte? 8,3 Sekunden sind es vom Stand auf 100 km/h, nicht übel und zusammen mit einem Blick in die Vergangenheit schneller Automobile höchst respektabel. Eine ähnliche Dynamik, aber eben auch kein bisschen mehr erreichte einst der berühmte Flügeltürer von Mercedes namens 300 SL , der mit seinem Benzin-Direkteinspritzer praktisch die gleiche Leistung aus dem gleichen Hubraum und der gleich und der gleichen Zylinderzahl holte. Der aktuelle Konkurrent des 730d heißt 735i und ist eine Sekunde eher auf 100 km/h, wirkt dabei aber weniger souverän. Das höhere Drehzahlniveau des Achtzylinders spielt eine Rolle, auch das hektischere Schalten der Automatik. Beim Diesel ist das Zusammenspiel harmonischer, und so erübrigen sich auch meist manuelle Eingriffe. D heißt hier wirklich Drive – viel verbessern kann man nicht durch Selbstschalten.

Der Dieselantrieb bringt also Ruhe in den Siebener und empfiehlt sich besonders auf langen Autobahnetappen, wo sich das bei niedrigen Geschwindigkeiten noch vernehmbare Verbrennungsgeräusch in nichts auflöst. Was bleibt, ist die druckvolle, nur durch wenige Schaltvorgänge unterbrochene Beschleunigung und eine beachtliche Kondition an Autobahnsteigungen. Scheinbar mühelos fegt Herkules Richtung Gipfel, wo nicht selten schon wieder 200 auf dem Tachometer stehen. Würde man nicht die Zahlen ablesen, man wüsste nicht um die Schnelligkeit des 730 d. Windgeräusche fehlen fast völlig, der Motor tritt akusiktisch ganz in den Hintergrund, die gemessenen Phonzahlen sind ungewöhnlich günstig. Ein klarer Vorzug gegenüber den beiden Otto-Achtzylindern ist der weit größere Aktionsradius. 88 Liter fasst der Tank, da käme man mit den behutsamgefahrenen 7,5 Liter pro 100 km, die auto motor und sport als Minimalverbrauch ermittelt, von München nach Hamburg und ein gutes Stück zurück.

Der Testverbrauch beträgt 9,8 Liter pro 100 km. Auch mit diesem günstigen Wert punktet der Diesel im Siebener und zeigt, dass er sich gerade in der Oberklasse nicht verstecken muss. Und Oberklasse bietet der Siebener vor allem in einer Disziplin, dem Federungskomfort. Auch der 730 d ist ein Meister im Wegbügeln kleiner wie großer Unebenheiten und zeigt jene Samtigkeit im Abrollkomfort, die man zu Recht mit automobilem Luxus assoziiert. Sehr gute Bremsen und exzellente Fahreigenschaften runden das Bild ab, mit einem weich einsetzenden DSC und größtmöglicher Kurvenneutralität. Bleibt als falsch verstandener Luxus eigentlich nur i-Drive, jenes vollgepackte elektronische Bedienungssystem, das Liebhaber entzückt, Otto Normal-Automobilist jedoch in Atem hält. Zum Schluss der Preis. Über 7.000 Euro liegt der 730 d unter dem 735i, eine markante Differenz. Ein Schnäppchen ist dieses Luxusgebilde für 58.000 Euro deshalb nicht, wohl aber eine Occasion auf höchster Ebene

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • sehr gutes Raumangebot
  • hochwertige Verarbeitung
  • großer Kofferraum
  • eingeschränkte Funktionalität
  • schlechte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • sehr gute Federung
  • geringes Geräuschniveau
  • sehr gute Sitze
  • gute Klimatisierung
Antrieb
  • gute Fahrleistungen
  • gutes Durchzugsvermögen
  • harmonische Automatik
  • angenehmes Laufgeräusch
Fahreigenschaften
  • gute Handlichkeit
  • sehr exakte Lenkung
  • sicheres Kurvenverhalten
  • gute Traktion
Sicherheit
  • wirksame Bremsen
  • DSC serienmäßig
  • komplette Airbag-Ausstattu
Umwelt
  • angemessener Verbrauch
Kosten
  • angemessener Preis
  • lange Service-Intervalle
  • hohe Festkosten
  • hohe Options-Aufpreise

Fazit

Mit den Motorqualitäten des Sechszylinder-Diesels zeigt BMW, dass der Dieselmotor zu Recht in der Oberklasse Zuwächse verbucht. Hohe Fahrleistungen, gute Laufkultur und angemessener Verbrauch kennzeichnen eine Siebener-Version, die auch wegen des Preises erste Wahl sein kann.

Technische Daten
BMW 730d
Grundpreis 59.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5029 x 1902 x 1492 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l
Hubraum / Motor 2993 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 160 kW / 218 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h
0-100 km/h 8,3 s
Verbrauch 8,6 l/100 km
Testverbrauch 9,8 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic+ 4-Türer Coupé, Exterieur Mercedes-AMG GT 4-Türer im Test Wie gut ist der Panamera-Rivale?
Beliebte Artikel BMW 730d BMW 730d BMW 730d im Test Diesel-Dampf im dicken Siebener
Anzeige
Sportwagen Nissan GT-R50 by Italdesign Nissan GT-R50 by Italdesign 990.000 Euro-Sportwagen zum 50ten Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic+ 4-Türer Coupé, Exterieur Mercedes-AMG GT 4-Türer im Test Wie gut ist der Panamera-Rivale?
Allrad Audi SQ5 3.0 TFSI Quattro, Exterieur, Heck SUV Neuzulassungen November 2018 Audi und Porsche unter Druck Erlkönig Land Rover Defender 110 Erlkönig Land Rover Defender (2020) Der Landy kehrt zurück!
Oldtimer & Youngtimer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker BMW 507 Graf Goertz Die teuersten Promi-Autos 2018 2,6 Millionen für Goertz-507
Promobil Mitmachen und gewinnen Movera Cleanmaxx Handstaubsauger Ford Nugget Plus Ford Nugget Plus im Test Campervan mit Heck-Bad
CARAVANING Mitmachen und gewinnen Movera Cleanmaxx Handstaubsauger Campingplatz-Tipp Costa Verde Campingplatz-Tipp Portugal Orbitur-Camping Rio Alto