BMW 740Le und Mercedes S 500 e im Vergleichstest

Plug-in-Hybrid Luxuslimousinen mit Niedrigverbrauch

BMW 740Le iPerformance, Mercedes S 500 e, Seitenansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 23 Bilder

Ressourcen schonen auf hohem Niveau mit 7er und S-Klasse als Plug-in-Hybride. Schaffen die Luxuslimousinen im Alltag, was ihre Prospektangaben versprechen?

Sparsamkeit sei, soll der englische Philosoph und Politiker Francis Bacon bereits im 16. Jahrhundert bemerkt haben, einer der besten Wege, sich zu bereichern. Die Plug-in-Versionen von BMW 7er und Mercedes S-Klasse hat er damit wohl nicht gemeint, doch reich sollte man bei ihnen idealerweise bereits sein, bevor das Sparen beginnt.

Kompletten Artikel kaufen
Vergleichstest Plug-in-Hybride
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 8 Seiten)
1,99 €
Jetzt kaufen
 Mercedes S 500 e, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert
Wär mit einer Plug-in-Hybrid Luxuslimousine Geld beim Verbrauch sparen will, sollte schon vorher reich sein. S 500 e und 740Le kosten beide um die 100.000 Euro.

Um die 100.000 Euro kostet es mindestens, mit einer dieser beiden Luxuslimousinen Plug-in-hybridisch zu knausern. Das passt beispielsweise zu einem schwäbischen Ministerpräsidenten: Winfried Kretschmann fährt dienstlich S 500 e und findet, sein Wagen setze Maßstäbe bei Effizienz und Klimaschutz. Ein CO2-Ausstoß von 65 g/km ist für einen Luxusliner mit 442 PS Systemleistung und 2,2 Tonnen Leergewicht ja dann auch eine mutige Ansage. Gar nur 49 Gramm sind es beim Konkurrenten BMW 740Le, Systemleistung dort: moderatere 326 PS. Wie viel an den Werksangaben im Alltag dran ist, wollen wir hier ausprobieren.

Rein elektrisch fährt der 7er weiter

33 Kilometer soll der Mercedes rein elektrisch fahren, bevor er den Sechszylinder dazu bemüht, keinesfalls also ausreichend, um vom privaten Wohnort des Ministerpräsidenten bei Sigmaringen zum Amtssitz in der Stuttgarter Innenstadt zu fahren (ca. 100 km). Genug jedoch, um auch in diesem Fall den Stadtbereich flüsternd und emissionsarm zu verlassen.

Nach 22 Kilometern ist beim S 500 e Schluss, acht Kilometer mehr sind es beim 740Le. Nicht so prall, könnte man meinen, dafür lohnt sich der Aufwand kaum, den Wagen abends an die Steckdose zu hängen. Die rund acht Kilowattstunden, welche BMW und Mercedes dabei aus der Batterie zapfen, kosten etwa 2,50 Euro, kein großer Kostenvorteil gegenüber dem Hybridbetrieb. Bei dem sich im Übrigen der BMW als die etwas sparsamere Limousine erweist, sie verbraucht auf der Eco-Runde 6,7 Liter Superbenzin. Das entspricht beim heutigen Benzinpreis etwa 9,40 Euro.

 Mercedes S 500 e, Motor Foto: Hans-Dieter Seufert
Der V6 in der S-Klasse leistet stolze 333 PS und schiebt überzeugend an.

Laufruhiger Sechszylinder im S 500 e

Teurer ist Mercedes-Fahren, bei ihm laufen im Hybridbetrieb 7,9 Liter durch. Das ist freilich nur ein Teil der Wahrheit, er bietet dafür einen überlegenen Antriebskomfort auch bei mitlaufendem Benziner. Denn anders als beim BMW sitzt hier ein V6 im Bug, der sogar ohne elektrische Hilfe als Antrieb für eine Zweitonnen-Limousine taugt. So uneingeschränkt lässt sich das über den 740Le nicht sagen, der hat als fossilen Verbrenner einen Zweiliter-Vierzylinder vom Typ B48, den Standardmotor, in ähnlicher Form in vielen anderen Produkten des Hauses vertreten. Man kann ihm kaum etwas wirklich Ernsthaftes vorwerfen, außer dem ausgeprägt vierzylindrigen Timbre, das im luxuriösen 7er-Ambiente deutlich mehr auffällt als etwa in einem 3er Touring oder X1. Der Benziner hat 258 PS und 400 Nm Drehmoment, tritt aus dem Drehzahlkeller wuchtig an, doch ein spezifischer Antriebsreiz geht von dem Motor eher nicht aus.

Zu seinen Vorzügen zählt allerdings, wie bereits erwähnt, der Treibstoffkonsum. Nach ams-Profil für Plug-in-Hybride macht der Unterschied 1,7 Liter Benzin pro 100 km aus, wobei der Strombedarf des BMW leicht höher ist (15,0 zu 13,4 kWh/100 km). Umgerechnet in CO2-Ausstoß heißt das, der 740Le emittiert mit durchschnittlich 156 g/km genau 30 Gramm weniger als der S 500 e. Wobei die elektrische Energie gemäß dem deutschen Strommix in die Kohlenstoffdioxid-Rechnung einfließt. Das ist beim NEFZ-Verbrauch nicht der Fall, da wird der Strom als CO2-neutral angenommen.

BMW 740Le iPerformance, Mercedes S 500 e, Heinrich Lingner Foto: Hans-Dieter Seufert
Lediglich beim Energiekonsum und der elektrischen Reichweite liegt der 7er knapp vorne. Alle anderen Disziplinen entscheidet die S-Klasse für sich.

1.500 Euro Preisdifferenz zum 740 Li

Finanziell lohnend wird die Anschaffung einer Plug-in-Limousine unter Umständen dagegen schon, vor allem für Vielfahrer, die oft in der Nähe von Steckdosen parken. Der BMW 740Le ist genau 3.500 Euro teurer als ein gleich starker 740Li mit Sechszylinder-Benziner, ausstattungsbereinigt schrumpft die Differenz um 2.000 Euro. Rund 1.000 Liter Sprit muss der Hybridfahrer also sparen, um den Mehrpreis reinzuholen.

Etwas anders sieht es beim Mercedes aus, der ist genauso teuer wie ein vergleichbarer S 500 mit 455-PS-Achtzylinder und langem Radstand. Zudem ist der V6 des S 500 e im Alltag deutlich umgänglicher als der raue Vierzylinder im BMW. Wobei wir nicht wissen, ob dieser Gesichtspunkt bei einem schwäbischen Ministerpräsidenten eine Rolle spielt.

Fazit

Die S-Klasse liegt klar vorn: Allein schon die Laufruhe und Souveränität des S 500 e-Benziners könnten hier den Ausschlag geben. So einen Motor erwartet man in einer Limousine dieser Preisklasse, dagegen wirkt der BMW-Vierzylinder rauer und uneleganter. Ein Vorteil des 740Le ist der etwas niedrigere Energiekonsum, wobei der daraus resultierende Kostenvorteil in dieser Preisklasse eher keine Rolle spielen dürfte. Makellos ist übrigens bei beiden Limousinen die Zusammenarbeit zwischen Benziner, Elektromotor und Automatikgetriebe. Den runderen, geschmeidigeren Eindruck hinterlässt dennoch der Mercedes, auch wegen seines etwas feineren Fahrkomforts.

Technische Daten
BMW 740Le iPerformance Mercedes S 500 e lang
Grundpreis 99.600 € 110.254 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5238 x 1902 x 1479 mm 5246 x 1899 x 1494 mm
KofferraumvolumenVDA 420 l 395 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder 2996 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 190 kW / 258 PS bei 5000 U/min 325 kW / 442 PS bei 5250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 5,6 s 5,0 s
Verbrauch 2,1 l/100 km 2,8 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen:

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Neuester Kommentar

@OmniousGuy
Wie kann ein Fahrzeug (S-Klasse) Referenz sein (-für Sie persönlich mag es Referenz sein-), wenn es bereits Vergleichstests gegen ein anderes Fahrzeug (7er) verloren hat?!? Widerspricht sich doch ein wenig. ;-)
Die Anmutung des Innenraums ist ebenfalls Ihre Einschätzung, also völlig subjektiv. Erkennbar auch an solchen Wörtern wie "unschlagbar" und "unerreichbare Souveränität". Stellen sie ich vor: Mir gefällt der Innenraum des 7er (auch Alpina), vor allem wenn man mal in der Langversion gesessen hat, deutlich besser. Die S-Klasse stellt sich innen für mich zu barock dar.
Und so hat jeder seinen eigenen Geschmack/seine eigenen Vorlieben.

MF5 24. Februar 2017, 10:51 Uhr
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Kia Ceed 1.4 T-GDI, Opel Astra 1.4 DI Turbo, VW Golf 1.5 TSI Act, Exterieur Kia Ceed gegen Astra und Golf Kann sich der Korea-Kompakte behaupten?
Beliebte Artikel BMW 740e Fahrbericht BMW 740e iPerformance Fahrbericht Unterwegs im 7er mit 4-Zylinder-Hybrid Mercedes Hybrid Flotte, Silvretta E-Auto Rallye, AMS1316 Mercedes Plug-In-Hybrid-Flotte Auf den Spuren der E-Rallye
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
WhatsApp Newsletter
WhatsApp Newsletter
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Sportwagen Ferrari Monza SP1 Ferrari Monza SP1 und Monza SP2 (F176) Limitierte Hardcore-Renner auf 812-Basis Erlkönig Mercedes-AMG A45/A50 Erlkönig Mercedes-AMG A-Klasse A45/A50 (2019) Hier fährt der A45-Nachfolger
Allrad Seat Tarraco, SUV, Offroad, Allrad, 7-sitzer Seat Tarraco (2019) Lesen Sie hier alles zum neuen Seat-SUV Suzuki Jimny 2018 Weltpremiere Suzuki Jimny (2018) Neuauflage startet ab 17.915 Euro
Oldtimer & Youngtimer Ford Sierra I Cosworth 1985 50 Jahre Ford RS Schnelle Escort, Sierra, Focus Girls & Legendary US-Cars 2033 Girls & Legendary US-Cars 2019 Pin-Up-Girls und Muscle Cars
Promobil Ford Transporter Neuheiten 2019 Neuer Ford Transit (2019) Weltpremiere auf der IAA Hymer ML-I Thor Industries erwirbt Hymer Größter Hersteller für Wohnmobile
CARAVANING Camping Le Truc Vert Campingplatz-Tipp Frankreich Camping Le Truc Vert Die Zukunft des Konzerns Thor Industries kauft Hymer Group