BMW 745d im Test

Sieben-Gebirge

Foto: Hans-Dieter Seufert 9 Bilder

Mit einem gigantischen Drehmoment-Buckel von 700 Newtonmetern macht der facegeliftete 745d einen Riesen Schritt in die Welt der Diesel-Titanen. Acht Zylinder, 300 PS und ein neues Gesicht stehen in den Startlöchern.

Lange nicht mehr Siebener gefahren, jetzt, immerhin vier Jahre nach Debüt, ein wenig Herzklopfen. Es ist nicht wegen der neuen Schönheit, des nun weniger grimmigen Gesichts oder des nicht mehr ganz so aufgesetzt wirkenden Kofferraumdeckels. Es ist wegen der Bedienung. Wird noch alles so sein wie früher, also da, wo man es nicht vermutet? Entwarnung, aber keine Entkrampfung. Sitzverstellung, Automatikwählhebel,Scheibenwischerhebel sitzen auch im renovierten Siebener an Stellen, wo man sie lieber nicht hätte, wo sie Nachdenken auslösen.

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Der i-Drive-Knauf trägt ein schickes Lederkäppi, hinter dem sich seine vielen Mysterien verbergen. Aber die Senderwahl im Radio kann direkt am Gerät erfolgen, einfach, ein Genuss. Jetzt muss man nur noch den Starterknopf suchen, wie in den frühen Fünfzigern beim VW Käfer. Was nun per Zeigefinger aktiviert wird, ist das jüngste bayerische Motorenwerk in Sachen Selbstzünder. Ist es überhaupt ein Diesel? Man glaubt es kaum, nicht einmal im Leerlauf, unmittelbar nach dem Kaltstart. Von außen ist die Sache akustisch etwas deutlicher, doch das Interieur lässt nur ein sanftes Murmeln durch.

Acht Zylinder mit dem beachtlichen Volumen von 4,4 Litern haben ihre Arbeit aufgenommen, gefüttert von Common- Rail-Einspritzung und Piezo-Injektoren. Fast elf Liter Motoröl zirkulieren in dem langhubigen V8, dessen vier oben liegende Nockenwellen per Kette getrieben werden und dessen Kurbelgehäuse aus Aluminium besteht, was das Motorgewicht um 30 Kilogramm reduziert. Auf verstärkende Inlays im Bauch der Maschine konnte verzichtet werden. Natürlich hat der Vierventiler einen Rußfilter, natürlich schafft er Euro 4.

Die nicht mehr ganz so schöne neue Diesel-Welt hat ein neues Denkmal. Die Sanftheit verschwindet beim Beschleunigen. Offensichtlich haben sich die BMWTechniker nicht nur bei der Dämpfung der Verbrennungsgeräusche große Mühe gegeben, sondern auch bei deren Intonierung.

Es ist schöne V8- Musik, die die Frage weit gehend unbeantwortet lässt, ob sie von einem Benzin- oder Dieselmotor erzeugt wird. Alleine der Blick auf den Drehzahlmesser schafft Klarheit. Mit so wenigen Umdrehungen sind selbst großvolumige Ottos selten unterwegs.

Das schon bei 1750 Touren anliegende Drehmoment-Maximum lässt Raum für extrem lange Übersetzungen. 100 km/h bedeuten mit der serienmäßigen Sechsgang-Automatik kaum mehr als 1500/min. Noch eindrucksvoller lesen sich aber die 200 km/h mit 3100 Touren.

Nicht nur diese Korrelation gibt eine Antwort auf die Frage, wo sich der Top-Diesel von BMW am wohlsten fühlt. Es ist die Autobahn. Mühelos und souverän zieht er hier seine Bahn und lässt das Zusammenspiel von so viel Diesel-Power mit der ruckfrei schaltenden Automatik am eindrucksvollsten wirken.

Manuelle Eingriffe ins Schaltgeschehen sind zwar möglich, aber man kann sie sich sparen. Kennzeichen D am Display genügt – what a drive! Das Motorgeräusch tritt schon bei 120 km/h in den Hintergrund, fast bedauert man es, und das bei einem Diesel. 200 werden in Windeseile erreicht, und auch jenseits dieser stolzen Zahl müssen sich die Fahrwiderstände dem Achtzylinder beugen. Es geht zügig in Richtung 250.

Eindrucksvoll der gute Geradeauslauf bei hohem Tempo. Die Wind- und Laufgeräusche bleiben sehr gering, 68 dB(A) bei Tempo 140 sprechen eine deutliche, leise Sprache.

In den Lücken auf der Autobahn, wenn man wieder Gas gibt, meldet sich der V8 mit einer der schönsten Diesel-Melodien, die es zurzeit einzukaufen gibt.

Verbrauchsrekorde soll man bei einem derart dynamischen Zweitonner nicht erwarten.

Doch die Relativität der Dinge rückt das Ergebnis in ein positives Licht.

Mit gut zehn Liter/ 100 km ist man schon zügig unterwegs. Es bleibt also auch ein ökonomisches Plus – jenseits des subjektiven Vergnügens, das dieser High-Tech-Diesel in jeder Lebenslage macht. Er tut dies auf optisch höchst eindrucksvollen 18-Zoll- Rädern, bei denen sich sofort die Frage nach dem Fahrkomfort stellt.

Der Testwagen hat die stattliche 3200 Euro kostende Sonderausstattung namens Adaptive Drive, die Dynamic Drive samt Wankausgleich und EDC mit einschließt. Das unsinnig teure Sportpaket zum Preis eines Kleinwagens hat er nicht, und es wird auch nicht vermisst.

Komfortmäßig hat man es also mit der Basis zu tun, und das ist gut so. Denn schon so lässt sich die von der BMWKlientel gewünschte Fahrdynamik mit hervorragendem Federungskomfort wirksam verbinden.

Es besteht zwar eine kleine Schwäche auf sehr kurzen Wellen, ausgezeichnet aber ist das Schluckvermögen auf allen anderen Unebenheiten, exzellent der samtige Abrollkomfort. Per i-Drive lässt sich das Ansprechen der Federung in Richtung sportlich verstellen, aber man hat nichts davon.

Das Auto wird nur härter – gerade bei einer Limousine dieses Kalibers eine befremdlich wirkende Akzentuierung. HaarnadelkurvenimGrenzbereich sind ohnehin nicht das Ding eines Siebener, auch wenn seine Handlichkeit gemessen an der Masse gut ist, DSC nicht übereifrig regelt und die Traktion trotz des enormen Zugs an der Hinterachse viel Grip bereithält. Ende gut, alles gut?

Nicht ganz. Die adaptiv arbeitende Automatik hält die Gänge manchmal auch dann noch fest, wenn der Fahrer seinen Sportiv- Anfall schon ausgelebt hat.

Es ändert nichts daran, dass die Dieselmotoren-Welt einen neuen König hat. Sein Reich ist durch die Feinstaub-Diskussion etwas in Unordnung geraten. Das Regieren wird schwieriger.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • sehr gutes Raumangebot hochwertige Verarbeitung großer Kofferraum
  • eingeschränkte Funktionalität schlechte Übersichtlichkeit
Fahrkomfort
  • sehr gute Federung geringes Geräuschniveau gute Sitze gute Klimatisierung
Antrieb
  • exzellente Fahrleistungen sehr gute Laufkultur hohes Durchzugsvermögen angenehmes Laufgeräusch
Fahreigenschaften
  • gute Handlichkeit exakte Lenkung sicheres Kurvenverhalten gute Traktion
Sicherheit
  • wirksame Bremsen komplette Airbag-Ausstattung
Umwelt
  • angemessener Verbrauch Rußpartikelfilter serienmäßig
Kosten
  • lange Service-Intervalle
  • hohe Festkosten hohe Options-Aufpreise

Fazit

Der 745d stellt eine Spitzenleistung bei den topmotorisierten Diesel-Limousinen dar. Der V8 kombiniert höchste Fahrleistungen mit bester Laufruhe. Auch der Komfort überzeugt. Die Bedienung bleibt ein Kritikpunkt.

Technische Daten
BMW 745d
Grundpreis 79.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5039 x 1902 x 1491 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l
Hubraum / Motor 4423 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 220 kW / 300 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 6,9 s
Verbrauch 9,5 l/100 km
Testverbrauch 11,5 l/100 km
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