BMW Alpina B3 3.3

Luftnummer

Mit dem Cabriolet auf Basis des 280 PS starken B3 3.3 erweitert Alpina seine Modellpalette um einen ungemein lebenslustigen Vertreter.

Energischer Antritt aus dem Stand, in sieben Sekunden von null auf 100 km/h, souverän-elastischer Druck verteilt über das gesamte Drehzahlband. Selbst jenseits der 230 km/h immer noch ein Scheit in petto, das ins bereits mächtig lodernde Feuer wandert und hier für lässigen Schub sorgt – über Untermotorisierung kann man im Alpina B3 3.3 Cabriolet wahrlich nicht klagen.

Es ist keinesfalls aus der Notwendigkeit geboren, das Cabriolet mit seinem deftigen 280-PS-Stiernacken. In den geschäftigen Coupé-, Limousinen- und Touring-Varianten des Alpina B3 macht der kompromisslos zulangende 3,3-Liter-Reihensechszylinder noch richtig Sinn; das 255 km/h schnelle Cabrio wirkt allerdings ein wenig, als würde da mit allzu schwerem Geschütz geschossen.

Ganz klar, im geschlossenen Automobil kann es unter Umständen gar nicht eifrig genug vorwärts gehen. Die Uhr sollte zwischen Geschäftsterminen möglichst rückwärts laufen, und da stemmen sich die 335 Newtonmeter der gut unterfütterten B3-Drehmomentkurve doch recht effektiv gegen den unerbittlich voranschreitenden Sekundenzeiger. Und ganz nebenbei versüsst so ein stramm marschierendes Auto ganz erheblich die zurückgelegten Kilometer.

Alle Hast fällt jedoch mit dem elektrischen Stoffdach des Alpina B3 Cabriolets ab; was bleibt, ist lediglich warmer Wind um die Nase, das angenehme Ziehen der in die Haut sickernden Sonnenstrahlen und der dumpf raspelnde Sechszylinder.

Leistung? Ach was. Beim genüsslichen Schippern durch Flur und Feld aktivieren echte Genießer höchstens 100 der sage und schreibe 280 im Stall stehenden Gäule.

Mit anderen Worten: Man braucht die Kraft nicht unbedingt, aber es stört auch keinesfalls, dass sie da ist. Zumindest könnte man so argumentieren. Allerdings hat das Kraftwerk unter der Motorhaube des Alpina-Cabriolets einen gepflegten Vorteil: Auf der Welle des Drehmoment und Leistungsüberschusses lässt es sich einfach ungeheuer entspannt cruisen.

Die Zauberworte, um den Reiz des Power-Cabrios zu erfassen, heißen Exklusivität und Komfort. Mit einem Einstiegspreis von 105.800 Mark befindet sich das B3 Cabriolet mit Switchtronic-Getriebe in direkter Schlagdistanz zum offenen BMW-Spitzensportler, dem M3 Cabrio.

Und hier findet der Alpina denn auch sein kongeniales Gegenstück. Ruhig, souverän und kultiviert tritt der Alpina auf und setzt damit einen klaren Kontrapunkt zum fast etwas überdrehten Charakter des kompromisslosen offenen M3.

Das Switchtronic-Getriebe des B3 passt ausgezeichnet zu dieser ruhigen Art. Der Aufpreis von 6.000 Mark gegenüber dem manuellen Sechsganggetriebe des B3 wird durch den hohen Komfort einigermaßen wett gemacht: Ruhig und lastwechselarm schmiegt sich die Fünfgangautomatik an den Fluss der Fahrt, selbst bei forcierter Gangart wird der Automat nicht hektisch.

Und wenn die Kuh einmal richtig fliegen soll, dann hilft der händische Eingriff mittels Switchtronic weiter. Am Lenkrad links und rechts aufgenähte Pfeile weisen den Weg zu den hinter dem Lenkradkranz positionierten Schalttasten: Links wird runtergeschaltet, rechts hoch.

Und die Switchtronic macht ihre Sache gut. Sanft, nur kurz wird die Beschleunigung unterbrochen, dann stürmt der B3 mit standesgemäßer Vehemenz weiter. Einziger Nachteil: Das Getriebe reagiert mit leichter Verzögerung auf Schaltbefehle. Eine Eigenart, an die man sich jedoch schnell gewöhnt und durch etwas vorgezogenes Schalt-Timing kompensiert. Und irgendwie landet man beim geschmeidigen Dahinrodeln ohnehin wieder im Automatikmodus.

Es ist gut so. Alpina zeigt mit dem B3 nämlich gesunde Vielseitigkeit. Ernsthafte Sportivität beweist die Automobil-Manufaktur im allgäuischen Buchloe mit den geschlossenen B3-Ablegern auf Basis des BMW Dreiers.

Das Cabriolet ist für eine andere, eine gesammeltere Lebensart zuständig – schlüssig für eine Firma, die auch im Import von hochrangigen Weinen tätig ist. Prinzipiell ist die relaxte Prägung des B3 Cabrios also eher rein emotional wahrnehmbarer Natur. Man mag es offen einfach nicht so zornig stehen lassen. Gehen täte es schon.

Das Fahrwerk und die Bremsen teilt der offene B3 eins zu eins mit seinen geschlossenen Brüdern: Stämmige 18-Zöller in den Dimensionen 225/40 vorne und 255/35 hinten machen sich auf den klassischen Alpina-Felgen breit. Tief liegt die elegante Karosserie des Dreiers auf der Straße, nur anhand der dezenten Bespoilerung und der – bei Alpina Markenzeichen – typischen langgezogenen Rauten auf dem Blechkleid unterscheidet er sich vom BMW-Serienmodell.

Aber der Alpina kann sich nicht nur sehen, sondern auch fahren lassen. Aus München kommen die wesentlichen Erbanlagen des fahraktiven Automobils, die sportliche Fahrwerksabstimmung wird allerdings, ebenso wie der hubraumstarke Reihensechszylinder, in Buchloe gezüchtet.

Handliches, präzises Lenkverhalten mit Vertrauen erweckender Stabilität, lediglich leichtes Untersteuern in zu schnell angegangenen Kurven, ansonsten herrscht Neutralität. Und wenn die 280 PS einmal gar zu hart auftreten, wirft sich das serienmäßige DSC diensteifrig in die Bresche.

Ganz klar, dass auch die Bremsen mit erstklassiger Verzögerungsleistung und praktisch nicht vorhandenem Fading brillieren. Der Federungskomfort ist trotz sportiver Auslegung untadelig, die Karosserie des Dreier-Cabriolets bekannt verwindungssteif. Durchgewirbelt werden im B3 Cabrio maximal die Haare der Insassen, und selbst dieser Effekt lässt sich mit eingezogenem Windschott auf ein Mindestmaß abdämpfen.

So viel Kultur – ein starkes Automobil verträgt auch subjektive Sichtweisen – muss man aber auch wieder mögen. Sympathisch ist der am Leistungsniveau gemessen sparsame Testverbrauch von 11,5 Litern, der sich sogar auf unter neun Liter drücken lässt; bereits an der klassisch-grauen Tristesse des Testwagen-Interieurs scheiden sich jedoch die Geister des individuellen Geschmacks.

Allerdings: Die sich neuerdings im Kindergartenalter befindliche Nichte des Test-Redakteurs – sonst eher von der charmanten, aber auch ungerührt- rotznasenfrechen Sorte – stört sich an geschmacklichen Spitzfindigkeiten nicht. Sie fällt beim Hinausklettern aus dem Alpina-Fond ihr knappes, aber unmissverständliches Urteil: "Das blaue Auto ist cool."

Fazit

Mit dem drehmomentstarken 3,3-Liter-Sechszylinder ist das B3 Cabrio souverän motorisiert. Zu diesem Eindruck tragen auch die kultiviert arbeitende Switchtronic sowie das sportliche, aber nicht unkomfortable Fahrwerk bei. Verarbeitung, aber auch der Preis sind auf höchstem Niveau.

Technische Daten
Alpina B3 3.3 Cabrio Switch Tronic
Grundpreis 56.950 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4488 x 1757 x 1352 mm
KofferraumvolumenVDA 300 l
Hubraum / Motor 3300 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 206 kW / 280 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 255 km/h
Verbrauch 11,9 l/100 km
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