BMW = Bayerische Mutations-Werke

Mit kühnem Styling und dem revolutionären Bedienkonzept iDrive definiert der Siebener die Oberklasse auf radikale Weise neu. Das Resultat steht jetzt auf dem Prüfstand: der 745i im ersten Test.

Dass der Wunsch nach revolutionärer Veränderung bei der Entwicklung des neuen BMW-Flaggschiffs im Vordergrund stand, davon zeugt nicht nur das Design des neuen Siebeners, sondern auch der Blick in den Innenraum: Die Zukunft schaut lifestylig aus, fließend-geräumig und wie eine sparsam möblierte Business-Lounge.

Im eigentlichen Mittelpunkt steht aber der metallisch glänzende, zentral angeordnete Dreh-Drück-Steller des menügestützten Bediensystems iDrive. Das iDrive-System selbst ist – bis auf einige Ausnahmen – durchdacht und nach längerer Eingewöhnungszeit durchaus intuitiv zu handhaben.

Allerdings sind Funktionen im iDrive abgelegt (DSC, Luftverteilung, Radio-Tuning), die bisher problemlos und vor allem mit nur minimaler Ablenkung durch Knöpfe oder Schieber im Cockpit betätigt werden konnten. Der befürchteten iDrive-Verwirrung beugt in der Praxis immerhin die Tatsache vor, dass das System nach Einstellung auf persönliche Bedürfnisse nur noch zu gelegentlichem, zielorientiertem Zugriff auf einzelne Menü-Ebenen genutzt wird. Oft benötigte Funktionen (Radio, Klimaanlage) sind nach wie vor übersichtlich und gut bedienbar im Armaturenbrett untergebracht.

Gewöhnungsbedürftig ist aber auch der hinter dem Lenkrad angebrachte, kleine Automatikwählhebel, der leicht mit dem darunter angeordneten Scheibenwischerhebel verwechselt werden kann. Und die elektrische Sitzverstellung an den Seiten der Mittelkonsole erfordert nun zwei Handgriffe – sowie einen Blick zu viel – und ist der konventionellen Verstellmethode damit klar unterlegen. Hauptmanko aber ist die starke Ablenkung vom Verkehrsgeschehen durch das iDrive-System.

Einiges an Feuer – aber auch an Komfort – hat BMW beim Siebener in Sachen Fahrschärfe nachgelegt. Das Fahrverhalten des 745i ist schon im Komfort-Modus sehr agil, gleichzeitig aber von bisher nicht gekanntem Zartgefühl. Vor allem lange Bodenwellen überrollt er geschmeidig, nur schnell aufeinander folgende, kurze Unebenheiten versetzen den Vorderwagen in leichte Schwingungen. Die am Testwagen montierten 19-Zoll-Felgen mit Reifen der Dimension 245/45 (hinten: 275/40) lassen ihn etwas knöchern abrollen und verschlechtern mit ihrer Längsrillenempfindlichkeit spürbar den Geradeauslauf.

Die Sporteinstellung der 2249 Mark teuren elektronischen Dämpferkontrolle (EDC) den Siebener im Übrigen zum heißblütigen Kurvenwetzer. Eine Wesensänderung, die vor allem in einer gleichzeitigen Korrektur des Lenkungs-Setups begründet liegt. Die vorher mit wenig Kraftaufwand bedienbare und um die Mittellage leicht diffuse Lenkung wird präzise, und liefert dem Fahrer gute Rückmeldung. Nachteil: Der 745i reagiert auf Fahrbahnunebenheiten sportlich-straff.

Maßstäbe setzt der neue Siebener in der Fahrdynamik: Den Slalom absolviert der 745i überraschend agil. Ein ähnliches Bild bietet sich beim ISO-Wedel-Test. Behände durcheilt er die versetzte Pylonengasse, die Stabilitätselektronik unterdrückt aufkeimende Instabilität sofort. Selbst bei deaktiviertem DSC drängt das Heck nur leicht und gut kontrollierbar. Dazu kommt noch, dass mit dem Dynamic Drive-Aktivfahrwerk (4890 Mark Aufpreis) kaum Seitenneigung auftritt. Außerdem runden die wirksamen, gut dosierbaren und standfesten Bremsen das positive Bild von Fahraktivität und -sicherheit ab.

Eine souveräne Motorisierung stellt der neue, 4,4 Liter große Achtzylinder mit Valvetronic-Ventilsteuerung dar. Das 333-PS-Triebwerk bewegt sich akustisch und vibrationstechnisch auf seidig-leisen Sohlen, hängt spritzig am Gas und tritt kraftvoll an. Allerdings konnte der Testwagen im Sprint von null auf 100 km/h mit 7,0 Sekunden die Werksangabe von 6,3 Sekunden nicht erreichen – mit ein Grund dafür ist sicher auch sein durch umfangreiche Extra-Ausstattungen in die Höhe getriebenes Gewicht von 2048 Kilogramm (Werksangabe 1945 Kilogramm). Das beeinflusst auch den Verbrauch des 745i, der mit durchschnittlich 15,8 Litern/100 km zu hoch ist.

Einen Riesenfortschritt aber stellt die neue Sechsstufen-Automatik dar. So ausgewogen, sanft und lässig war noch keine BMW-Automatik zu erleben. Selbst im Sport-Modus läuft das Getriebe zu Höchstform auf, wechselt die Gangstufen energisch, aber nicht nervös, schaltet beim Anbremsen exakt herunter und hält in Wechselkurven die Gänge. Wer damit nicht zufrieden ist, wechselt mit der Schaltprogrammtaste am Multifunktionslenkrad in den manuellen Steptronic-Modus.

Derweil steht den mitreisenden Passagieren im Fond so viel Beinfreiheit zur Verfügung, dass sich zunächst kaum einer nach der ab Frühjahr 2002 erhältlichen Langversion sehnen dürfte. Dazu passt der mit 500 Liter Fassungsvermögen auch für vier Personen reisetaugliche Kofferraum, der sich sehr leicht beladen lässt.

Doch Komfort und Innovation haben ihren Preis. Der 745i-Basispreis von 138.864 Mark beinhaltet zwar alle Airbags, das elektronische Stabilitätsprogramm DSC und die Klimaautomatik – für viele Features werden jedoch happige Aufpreise verlangt. 180.000 Mark sind unter dem Strich zügig erreicht.

Fazit

Mit dem neuen 745i ist BMW fraglos ein Automobil gelungen, das in vieler Hinsicht Oberklasse-Maßstäbe setzen kann: hervorragender Komfort, agiles Handling, harmonischer Antrieb. Die eingeschränkte Funktionalität der Bedienung ist allerdings nicht der Weisheit letzter Schluss.

Technische Daten
BMW 745i
Grundpreis 74.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5029 x 1902 x 1492 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l
Hubraum / Motor 4398 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 245 kW / 333 PS bei 6100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 7,0 s
Verbrauch 10,9 l/100 km
Testverbrauch 15,8 l/100 km
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