BMW M Coupé (2000) im Test

Ausgefalles und skurriles Äußeres

Wer das Ausgefallene liebt, kommt beim neuen M Coupé auf seine Kosten. Aber das skurrile Äußere ist nicht die einzige Attraktion des leistungsstarken BMW.

Eines zumindest ist BMW mit dem Z3 Coupé gelungen: Der Wagen läßt niemanden ungerührt. Wo immer er auftritt, führt sein ungewohnter Anblick zu heftigen Reaktionen, vom fassungslosen Kopfschütteln bis zum anerkennenden „echt cool“. Einfach nur schön finden ihn freilich die wenigsten. Immerhin, der in letzter Zeit mitunter an BMW gerichtete Vorwurf der stilistischen Langeweile prallt am neuen Coupé ab.

Die Entscheidung, dem Roadster kurzerhand ein Blechdach mit kastenförmigem Heck aufzuschweißen, beweist Mut, aber auch Nischenbewußtsein. Denn als Zweisitzer mit Hecktür und Laderaum bis unters Dach – vorn Sportwagen, hinten Kombi – steht der geschlossene Z3 einstweilen allein auf weiter Flur. Nicht jeder Sportwagenfreund, so das Kalkül, legt Wert auf Zugluft und lautstarke Windgeräusche. Die Schnellfahrer unter ihnen ziehen ein festes Dach schon deshalb vor, weil es der Karosserie die für verschärfte Fahrmanöver erforderliche Steifigkeit beschert – ein Wunsch, der gerade beim relativ weichen Z3 Roadster aufkommt. Mit dem Coupé, mehr als doppelt so steif, geht er nun in Erfüllung.

Außerdem ist das Z3 Coupé voll reisetauglich, was man von den meisten Roadstern mangels adäquater Verstaumöglichkeiten nicht behaupten kann. Hinter die Vordersitze ins miniaturisierte Kombiheck passen 210 Liter Gepäckvolumen (Roadster: 165 Liter), die durch ein Rollo vor neugierigen Blicken geschützt werden. Nutzt man die volle Höhe bis unter das Dach, schluckt das Coupé sogar 410 Liter. Ein ausziehbares Netz trennt den Fahrgastraum vom Gepäckabteil. Die Zuladung von 215 Kilogramm (Roadster: 190 kg) ist bescheiden, entspricht aber gerade noch den Bedürfnissen einer Zwei-Personen-Besatzung.

Damit haben sich die Besonderheiten der Coupé-Karosserie auch schon erschöpft. Ihr Vorderteil inklusive der Türen entspricht haargenau dem des M Roadsters. Entsprechend vertraut sind die Eindrücke im knapp geschnittenen Innenraum. Man sitzt in Tuchfühlung mit der Bordwand, voraus das mit Chrom und Farbe aufgemöbelte Armaturenbrett und eine Motorhaube, deren Wölbung Kraft im Überfluß suggeriert. Anders als im Roadster kann der Coupé-Fahrer jedoch ausschließen, einer optischen Täuschung zum Opfer zu fallen. Die mickrigen Vierzylindermotoren sind beim Coupé gar nicht erst im Angebot. Die Auswahl beschränkt sich auf den schon gut im Saft stehenden 2,8 Liter-Sechszylinder mit 192 PS und – wie im Testwagen – auf die 3,2 Liter-M3-Maschine, die dem kompakten Z3 gewaltige 321 PS einverleibt.

Die brachiale Motorisierung reserviert dem M Coupé, so die korrekte Bezeichnung, von vornherein einen Platz in der ersten Reihe, zumal Sportwagen mit mehr als 300 PS diesseits von 100 000 Mark dünn gesät sind. So gesehen ist das M Coupé für 95 000 Mark ein recht preiswertes Vergnügen. Ein Porsche Carrera etwa kostet 136 790 Mark. Daß sich der M-Motor wieder einmal blendend in Szene setzt, kann nicht überraschen. Heiser röhrend entfaltet er seine Kraft derart gleichmäßig, daß man ihm die 321 PS kaum zutraut. Aber spätestens der Blick auf die Fahrleistungswerte räumt jeden Zweifel aus: Mit einem Porsche Carrera kann es das M Coupé, vorausgesetzt, man scheut keine hohen Drehzahlen, problemlos aufnehmen.

Die Frage, warum es ihm kraft seiner überlegenen Leistung nicht sogar davon fährt, beantwortet die Testwaage. Mit üppigen 1445 Kilogramm (35 mehr als der Roadster) übertrifft der zierliche Z3 den Porsche um 41 Kilogramm. Zur hochkarätigen Motorisierung gesellen sich entsprechende Fahrwerksspezialitäten. Das M-Modell rollt auf Reifen der exotischen Abmessungen 225/45 ZR 17 (vorn) und 245/40 ZR 17 (hinten). Außerdem eröffnete sein steiferes Gehäuse den Fahrwerkstechnikern neue Abstimmungshorizonte. Jedenfalls sei, so läßt BMW stolz verlauten, das im Vergleich zum Roadster straffer ausgelegte M Coupé mit das Schnellste, was die Versuchsfahrer jemals um den hauseigenen Handlingkurs bewegten. Aber auch außerhalb des Werksgeländes vermag das Coupé Beachtliches zu leisten.

Bei den auto motor und sport Fahrversuchen, so beim VDA Ausweichmanöver, legte der entfesselte Z3 rekordverdächtige Zeiten vor, auch wenn schon eine leichte Überschreitung der hoch angesiedelten Haftgrenze genügt, um das Kombiheck vehement ausbrechen zu lassen. In der Praxis ist diese Unart freilich vorwiegend theoretischer Natur. Zumindest auf trockener Fahrbahn liegt der Grenzbereich weit jenseits dessen, was auf öffentlichen Straßen zu vertreten ist. Statt dessen überwiegt der Eindruck von hoher Ausgewogenheit bei ausgeprägter Agilität, gepaart mit erstaunlicher Traktion.

Selbst in engen Kurven läßt sich noch reichlich Kraft auf den Boden bringen. Dabei bleiben aber immer genügend Reserven, um bei Gelegenheit spaßeshalber ein kontrolliertes Übersteuern einzuleiten. Kurz: Die Kurvenkünste des M Coupés sind atemberaubend. Daß es bei weniger idealen Reibwerten mit dem Spaß schnell ein Ende hat, ist in Anbetracht der Leistung kein Wunder. Bei Nässe empfiehlt sich deshalb ein leichter Gasfuß, zumal BMW dem M-Kunden jede Antriebsschlupfregelung, auch die abschaltbare, hartnäckig vorenthält. M-Fahrer regeln selbst, so die merkwürdige Begründung.

Dem wäre hinzuzufügen, daß die Freude am Regeln durch mehr Input durchaus noch steigerungsfähig wäre. So dürfte die Lenkung ruhig eine Spur direkter sein und noch mehr Fahrbahnkontakt vermitteln. Auch dem Pedalgefühl der Bremse mangelt es etwas an Straffheit, wenngleich ihre Wirkung über jeden Zweifel erhaben ist. Der Federung läßt sich dieser Vorwurf nicht machen. Die strammere Coupé-Abstimmung äußert sich in einer gesunden Härte, die nichts kaschiert, aber das Schlimmste verhindert und in Verbindung mit den bequemen M-Sitzen noch einen annehmbaren Restkomfort bietet. Eine Wohltat ist der Zugewinn an Geräuschkomfort: Im Vergleich zum Roadster ist das Coupé, wie die Meßwerte bestätigen, nur noch halb so laut. So läßt sich denn auch die Existenzberechtigung dieser Modellvariante nicht anzweifeln. Wer es eilig hat, nimmt den M besser als Coupé.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • relativ viel Platz für Gepäck
  • gute Verarbeitungsqualität
  • funktionelle Bedienung
  • schmaler Innenraum
  • zu kleiner Tank (51 Liter)
Fahrkomfort
  • bequeme Sitze
  • kaum Windgeräusche
  • Klimaanlage serienmäßig
  • straffe Federung
Antrieb
  • spontanes Ansprechverhalten
  • hohes Drehvermögen
  • hohe Elastizität
  • erstklassige Fahrleistungen
  • präzise Schaltung
Fahreigenschaften
  • hohe Fahrstabilität
  • agiles Handling
  • gute Traktion
  • ASC nicht lieferbar
Sicherheit
  • hohe Bremsverzögerung
  • Airbags für Fahrer und Beifahrer serienmäßig
  • Sidebags serienmäßig
  • Gurtstraffer vorne
Umwelt
  • Einsatz wasserlöslicher Lacke
  • schadstoffarm nach D3
  • für die Fahrleistungen günstiger Verbrauch
Kosten
  • angemessener Anschaffungspreis
  • günstige Kraftstoffkosten
  • Wartung nach Serviceintervallanzeige
  • hohe Festkosten
  • kurze Garantie (1 Jahr)

Fazit

Das BMW Z3 Coupé ist ein Fall für Individualisten. Es ist nicht unbedingt schön, aber praktisch und hat in der M-Version das Talent zum Supersportwagen. Die Fahreigenschaften und die Antriebsqualitäten sind begeisternd.

Technische Daten
BMW M Coupé
Grundpreis 48.726 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4025 x 1740 x 1280 mm
KofferraumvolumenVDA 210 bis 410 l
Hubraum / Motor 3201 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 236 kW / 321 PS bei 7400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 5,5 s
Verbrauch 11,1 l/100 km
Testverbrauch 12,0 l/100 km
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