BMW M3, Alpina B3 & C 63 AMG

Drei-Beuter

Foto: Hans-Dieter Seufert 65 Bilder

Welcher Motor darf es denn sein? Hubraum-Koloss und Hochdrehzahl-Tier der V8-Klasse oder Dreiliter-Reihensechser mit Biturbo-Dampf? Alpina B3, BMW M3 und Mercedes C 63 AMG im Kampf der Prinzipien.

Armer Alpina. Mit sechs Zylindern, drei Liter Hubraum und 360 PS den beiden PS-Monstern von Mercedes AMG und der BMW M GmbH klar unterlegen, muss er trotzdem gegen die Platzhirsche in den Vergleichstest- Ring. Kanonenfutter für die Spitzen-Athleten der Werks-Sportabteilungen? Nein, der leistungsgestärkte Dreier hinterließ schon im Einzeltest eine eindrucksvolle Duftmarke und schnappte sich locker fünf Sterne. Es ist ungemütlich und nass auf dem kleinen Kurs in Hockenheim, als die drei zum ersten Mal aufeinandertreffen. Der C 63 kämpft in der Gischt verzweifelt darum, seine 457 PS ohne Sperrdifferenzial auf den Asphalt zu bringen, und muss mitansehen, wie ihm der 37 PS schwächere, aber fast vier Zentner leichtere M3 mit 1,5 Sekunden Abstand die TÜV-Plakette am Heck zeigt. Cool spielt der High-Tech- Sportler aus München die Traktions-Überlegenheit seines serienmäßigen Sperrdifferenzials aus. Nur eine knappe Sekunde hinter ihm knurrt aber schon die Überraschung der ersten Runde: der blaue Biturbo aus Buchloe. Szenenwechsel: trockene Straße. Mercedes hat auch in die C-Klasse den neuen V8-Hubraumkoloss mit 6,2 Litern implantiert. Das verschafft ihr nicht nur die höchste Leistung, sondern auch das prallste, wenn auch bei 5000/min recht spät anstehende maximale Kraftreservoir. Der Mittelklasse- Macho brüllt, tobt und faucht beim Zwischengas. Understatement liegt akustisch und optisch so nahe wie die Nordschleife an Affalterbach. Erst bei 7200/min schießt seine blitzschnelle Siebengang-Automatik im S-Modus den nächsten Gang rein. Hörbar gierig schlürft er die Luftmassen durch seine Magnesium-Ansaugrohre. Und holt sich mit 4,7 Sekunden doch nur den zweiten Platz im Sprint. Ein Zehntel liegt der M3 vorne und der B3 noch ein weiteres Zehntel zurück. Fotofinish-Werte mit rein akademischem Charakter. In der Praxis prescht keiner der drei geradeaus davon. Wie alle Alpinas steht auch der B3 gut im Futter. Seine offizielle PS-Zahl darf als Minimalwert gelten. Geänderte Kolben und Einspritzung sowie vor allem eine Ladedrucksteigerung auf 1,1 bar geben dem Dreiliter-Reihensechszylinder (Basis: BMW 335i) seine Kraft. Eher klassisches Tuning, also wirklicher Motorenbau. Der Biturbo holt spürbar Atem und schiebt sich dann gleichmäßig aus dem Drehzahlkeller heraus nach vorne. Unter 3000/min, wo der M3 noch döst und der AMG ein leichtes Phlegma pflegt, tritt der Alpina schon mit turbodieselähnlicher Gewalt an.

Die Sechsgang-Automatik hat spürbar leichtes Spiel mit dem hohen Drehmoment. Auf freien Autobahnen jagt der nur von den Fahrwiderständen abgeregelte Alpenvorländer mit 285 km/h an seinen elektronisch gedrosselten Kollegen vorbei. Sein Werksbruder M3 bietet weder phänomenales Drehmoment noch schiere Leistung. Dafür spricht sein High- Tech-V8 die Gourmets unter den rechten Füßen an, die spüren, wie acht Einzeldrosselklappen, variable Nockenwellenverstellung (Doppel-Vanos) und eine ionenstromkontrollierte Zündung das Vierliter-Aluminium-Aggregat auf Gas zubeißen lassen wie eine gereizte Kobra. Bis zu 8300 Touren brüllt der Sechsgang-Handschalter mit einem herrlich bassig-sirrenden Verbrennungs-Techno, wie man ihn so von keinem anderen V8 auf der Welt kennt. Doch die Drehzahlorgie verlangt ihren Obolus. Das Turbo-Konzept des Alpina mag verzögerter ansprechen, es verbraucht aber auch nur 12,9 Liter auf 100 Kilometer. Deutlich weniger als der M3 mit 14,9 oder gar der C 63 mit 15,7 Litern. Die geringere Tankstopp-Frequenz kürt den wahren Autobahnmeister. Doch auf verschlungenen Landstraßen wendet sich das Blatt. Durch die besten Slalomzeiten schon angekündigt, wedelt sich der M3 zum Kurvenprimus. Besonders im elektronisch angeschärften M-Modus (520 Euro Aufpreis) der Servotronic seziert der bayerische Heißsporn Ideallinien auf den Millimeter und bleibt allzeit kontrollierbar. Unfassbar fern für den Normalfahrer liegt der Grenzbereich. Ein kräftiger Gasstoß und das Heck schwenkt butterweich. Querdynamische Emotionen par excellence. Das Schönste daran: Der heißeste Dreier lässt auch schon im Bummeltempo sein geniales Handling spüren. Wer schneller unterwegs ist, darf sich zudem darauf verlassen, dass der M3 aus 190 km/h mindestens drei Meter früher steht als seine Konkurrenten. Nicht ganz so präzise und in der Lenkung nervöser hängt sein veredelter Bruder etwas hinterher. Der Alpina stanzt ebenfalls ein Fahrspaß-Grinsen ins Pilotengesicht, aber wenn er bei zackig eingelenkten Kurven auf welliger Fahrbahn mit dem Hinterteil bockt, spürt der Pilot, dass das M3-Fahrwerk sportlich feiner balanciert ist.

Die traditionelle Stärke der Buchloer Geschosse liegt vielmehr in der geschickten Mixtur aus Dampf und Komfort. So ruhig wie der B3 gleitet keiner der Rivalen über vernachlässigten Straßenbau. Anders als früher lässt der M3 mit seiner aufpreispflichtigen elektronischen Dämpferkontrolle (Stellung Komfort) aber auch auf Buckelpisten die Plomben am Platz. Deren härteste Einstellung übrigens so knochig anspricht wie die unveränderbare Abstimmung des C 63. Mag sein, dass AMG-Boliden früher die Fahrwerks-Weichspüler unter den Sportwagen waren. Mit einer derart harten Dämpfung muss dieses Image aber nicht ausgemerzt werden. Der schnelle Stern setzt keine Bestzeiten in der Querdynamik, prügelt dafür aber Querfugen ins Rückenmark. Dabei begeistert er Sportfahrer mit seiner direkten Lenkung und dem trotz leichtem Übergewicht agilen Handling. Hat aber ein M3-Fahrer zu hundert Prozent das Gefühl, mit dem Auto verwachsen zu sein, so sind es beim AMG zwei Prozent weniger. Bei aller Kraft und dem brachialen Motorgetöse wirkt er speziell bei ruhiger Gangart distanzierter. Einen Eindruck, den auch das schnörkellose Interieur unterstreicht. Alles ist top bedienbar und sauber verarbeitet, die Sportsitze halten bedingungslos, und doch fehlt es der Power-C-Klasse innen an sportlichem Flair. Davon hat der M3 mehr zu bieten, und die vierte Evolutionsstufe des i-Drive erhebt sich inzwischen über viele Zweifel. Allerdings stören Knarzgeräusche den ansonsten tadellosen Qualitätseindruck. Dass sich der Alpina im Karosseriekapitel vor das Coupé setzt, liegt in der Natur seiner Limousinen-Form. Der viertürige M3 war zum Vergleichstest-Zeitpunkt leider noch nicht lieferbar (siehe Spotlight). Aber der B3 bietet mit den speziellen Alpina-Ingredienzien auch so das exquisiteste Interieur – wenn auch nicht jedem die barocke Farbgebung des rötlichen Rüster-Edelholzes gefallen mag. So braucht es nicht einmal den Kosten-Bonus, um die kleine Sensation perfekt zu machen: Der B3 siegt mit ebenbürtigen dynamischen Leistungen, dem besten Komfort und niedrigsten Verbrauch. Ach ja, und er kostet trotz serienmäßiger Lederausstattung einen edlen Dacia Logan weniger als die Premium-Platzhirsche.

Fazit

1. BMW Alpina B3
484 Punkte

Hochdynamisch, komfortabel, effizient und preisgünstig besiegt der B3 mit seinem Dreiliter-Reihensechser die geballte Werks-Macht.

2. BMW M3 Coupé
453 Punkte

Nur Zweiter, aber immer noch die erste Wahl für sensible Sportfahrer, die Ansprache, Präzision, Driftspaß und viel Emotionalität suchen.

3. Mercedes C 63 AMG
432 Punkte

Das optisch und akustisch größte Showcar im Vergleich. Wer ihn fordert, erlebt große Dynamik, aber auch hohen Spritverbrauch und herben Komfort.

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Technische Daten
Alpina B3 BMW M3 Coupé M3 Mercedes C 63 AMG
Grundpreis 58.800 € 68.750 € 69.972 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4520 x 1817 x 1422 mm 4615 x 1804 x 1424 mm 4725 x 1795 x 1438 mm
KofferraumvolumenVDA 450 l 430 l 475 l
Hubraum / Motor 2979 cm³ / 6-Zylinder 3999 cm³ / 8-Zylinder 6208 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 265 kW / 360 PS bei 5500 U/min 309 kW / 420 PS bei 8300 U/min 336 kW / 457 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 285 km/h 250 km/h 250 km/h
0-100 km/h 4,8 s 4,9 s 4,7 s
Verbrauch 9,8 l/100 km 12,4 l/100 km 13,4 l/100 km
Testverbrauch 12,9 l/100 km 15,0 l/100 km 15,7 l/100 km
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