BMW M3 Coupé im Test

Der sportlichste Dreier-BMW hat noch einmal zugelegt: Sein auf 3,2 Liter vergrößerter Motor leistet nun 321 PS. Außerdem neu: ein Sechsganggetriebe.

Am Lob der testenden Journalisten hat es dem BMW M3 noch nie gefehlt – auch wenn auto motor und sport nicht ganz so weit ging wie amerikanische Kollegen, die den sportlichen Dreier der M GmbH sogar zum „Auto des Jahrhunderts“ kürten. Warum, so fragt man sich zu Recht, jetzt eine zweite, nochmals stärkere Auflage dieses Sportmodells, das ja mit bisher 286 PS gewiß nicht schlecht im Futter stand? Weil viel Lob auch eine Herausforderung bedeutet, behaupten die PR-Männer bei BMW. Aber in Wahrheit steckt ein bißchen der Fluch der guten Tat dahinter.

Denn der neue Aluminium-Sechszylinder des 328i ist ein derart überzeugendes Triebwerk geworden, daß die Investition in den deutlich teureren M3 nicht mehr den erwarteten Gewinn an Leistung und Fahrvergnügen versprach. Die Antwort darauf: noch mehr Leistung für den M3. Dafür wurde zunächst der Hubraum von drei auf 3,2 Liter vergrößert, hauptsächlich über den längeren Hub einer neuen Kurbelwelle, weil der Zylinderabstand des M-Sechszylinders nur noch eine geringfügige Bohrungserweiterung um 0,4 Millimeter zuließ. Dazu kam eine lange Reihe weiterer Maßnahmen: variable Nockenwellensteuerung jetzt auch auf der Auslaßseite, von 10,8:1 auf 11,3:1 erhöhte Verdichtung und das neueste elektronische Motormanagement MSS50, eine BMW-eigene Entwicklung.

Das Ergebnis: Der Vierventiler, schon bisher einer der spezifisch stärksten Saugmotoren der Welt, überschritt die magische Grenze von 100 PS pro Liter Hubraum, er leistet nun bei einer um 400/min erhöhten Nenndrehzahl 321 PS. Wichtiger noch: Auch das maximale Drehmoment hat deutlich zugelegt (siehe Vergleichstabelle), und es wird zudem bei einer geringeren Drehzahl erreicht. Denbisherigen Maximalwert an Durchzugskraft liefert die neue M-Maschine schon bei ganz zivilen 2000 Umdrehungen. Grundsätzlich hat all dies den Charakter des Motors nicht verändert.

Er blieb ein Triebwerk, das sich trotz der hohen Leistungsausbeute so brav benimmt wie jede Allerweltskonstruktion. Auf der anderen Seite stehen ein enormes Drehvermögen und ein bei knapp über 2000 Touren einsetzender Biß, der den reinrassigen Sportwagenmotor kennzeichnet. Der Gewinn an Elastizität wird in der Praxis am deutlichsten spürbar. So ist es überhaupt kein Problem, bei Stadtgeschwindigkeiten in den obersten Gängen dahinzurollen und trotzdem jederzeit kraftvoll und ruckfrei zu beschleunigen. Und wenn der Fahrer nach dem Zurückschalten die sechs Drosselklappen öffnet, setzt ein gewaltiger Schub ein, untermalt von einem satten Ansaug- und Auspuffgeräusch, das in dieser Form nur ein hochdrehender Reihensechszylinder zuwege bringt. 

Kein Zweifel: Das ist ein Traum von einem Motor, zumal über den gesamten Drehzahlbereich keinerlei Vibrationen spürbar werden und trotz der sportlichen Aussprache niemals ein lästig hoher Geräuschpegel entsteht. Während die Elastizitätswerte die Verbesserung gegenüber dem Vorgänger klar erkennen lassen, hält sich der Zuwachs im Beschleunigungsvermögen in Grenzen. Das liegt zum einen daran, daß der frühere Testwagen ein besonders gut gehendes Exemplar war, zum anderen war auch die bei den Messungen herrschende Temperatur von 32 Grad dafür verantwortlich, daß der vom Werk genannte Wert für die Beschleunigung von null auf 100 km/h (5,5 Sekunden) knapp verfehlt wurde. Wie auch immer: Über mangelnden Dampf wird sich niemand beschweren können – allenfalls darüber, daß es so wenig Gelegenheit gibt, ihn auszunutzen.

Die erfreulichste Verbesserung am M3 ist ohnehin nicht der stärkere Motor, sondern das jetzt serienmäßige Sechsganggetriebe. Es schafft einen der wenigen Kritikpunkte, die auto motor und sport beim alten Modell gefunden hat, aus der Welt: die zu kurze Übersetzung in der höchsten Fahrstufe, die schon bei ruhiger Fahrt auf der Autobahn für ein unangenehm hohes Drehzahlniveau sorgte und den Sechszylinder bei der auf 250 km/h limitierten Höchstgeschwindigkeit voll ausdrehen ließ. Die zusätzliche Fahrstufe hat die Übersetzung eines Schongangs, so lang, daß der M3 damit bei Nenndrehzahl fast 320 km/h schnell wäre. 250 km/h bedeuten jetzt knapp 6000/min, was nicht nur den Motor, sondern auch die Gehörgänge des Fahrers schont. Und das kommt dem Verbrauch zugute. Die Verbesserung der DIN-Werte geht zwar auch auf das Konto der motorinternen Modifikationen, die Hauptrolle spielt aber doch die neue Übersetzungsanpassung. Im Drittelmix kommt der M3 auf für ein so leistungsstarkes Auto konkurrenzlose 8,7 Liter/ 100 Kilometer (bisher: 9,1 Liter). In der Praxis ergibt sich, je nach Fahrweise, eine weite mögliche Verbrauchsspanne, die von 8,2 bis 16,3 Liter/100 Kilometer reicht. Der Testverbrauch von nur 12,4 Liter/100 Kilometer jedenfalls beweist, daß hohe Leistung und ökonomischer Umgang mit dem Kraftstoff keine unüberbrückbaren Gegensätze sein müssen.

Seine neue Stellung als Fünf-Sterne-Auto untermauert der M3 mit seinem durch geänderte Geometrie, modifizierte Abstimmung von Federn und Dämpfern sowie neue Mischbereifung (vorn 225/45, hinten 245/40 ZR 17) optimierten Fahrwerk. Es bietet einen nicht nur einem Sportwagen adäquaten Federungskomfort, sondern auch Fahreigenschaften erster Güte. Das Eigenlenkverhalten ist über einen weiten Bereich neutraler geworden: weniger Untersteuern in engen Kurven, weicherer Übergang zum Leistungsübersteuern. So flößt dieser BMW seinem Fahrer viel Vertrauen ein, wozu auch die sehr exakte Lenkung und vor allem die ebenfalls neuen Bremsen beitragen, die in Verzögerung und Standfestigkeit das zeigen, was den M3 rundum kennzeichnet: Weltklasse-Niveau.

Technische Daten
BMW M3 Coupé
Grundpreis 43.460 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4433 x 1710 x 1335 mm
KofferraumvolumenVDA 405 l
Hubraum / Motor 3201 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 236 kW / 321 PS bei 7400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 5,6 s
Testverbrauch 12,4 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Mercedes-AMG GLC 63 S Coupe?, Exterieur Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé Schnittige Wuchtbrumme im Test
Beliebte Artikel Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Racechip-Hyundai i30 N im Test 320 Tuning-PS im Kompakten MTM-AUDI R8 V10 PLUS 802 SUPERCHARGED, Exterieur MTM-Audi R8 V10 Plus 802 im Test Am Limit des Machbaren
Anzeige
Sportwagen Toyota Supra - Sportcoupé - Fahrbericht Toyota GR Supra (2019) Premiere in Detroit Lexus RC F Track Edition Lexus RC F Track Edition (2019) Mit 500 PS auf die Piste
Allrad Porsche Macan, Facelift 2019 Porsche Macan (2019) Facelift Scharfes Heck, starke Motoren Audi SQ5 3.0 TFSI Quattro, Exterieur, Heck SUV Neuzulassungen November 2018 Audi und Porsche unter Druck
Oldtimer & Youngtimer Porsche 911 (996) GT3 Porsche 911 (996) Kaufberatung Jetzt steigen die Preise Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker
Promobil Dethleffs Globeline (2019) Dethleffs Globeline T 6613 EB Neue Baureihe auf Sprinter Mitmachen und gewinnen 5 x Eiskratzer Sets von KUNGS
CARAVANING Dethleffs Generation Scandinavia 695 BQT Dethleffs Generation Scandinavia Neuer Grundriss mit Bugküche Eriba Touring 820 (2019) Premiere Eriba Touring 820 Acht-Meter-Luxuswohnwagen