BMW M6 Coupé im Test

M-otion pur

Foto: Hans-Dieter Seufert 14 Bilder

Seine Technik übernimmt das neue BMW-Power-Coupé von der Limousine M5. Fahrdynamisch aber möchte er in der Liga reinrassiger Sportwagen mitspielen. Bringt der BMW M6 dafür überhaupt das Rüstzeug mit?

Potenzial für Männer mit automobilen Emotionen haben die M-Modelle von BMW genug zu bieten. Da macht der neue M6 keine Ausnahme. Wer aber glaubt, er sei lediglich eine Art M5 im Gewand des Sechser- Coupés, den belehrt dieser BMW rasch eines Besseren. Obgleich der Sechser die gleiche Technik nutzt wie sein Limousinen-Pendant, fährt er sich völlig anders. „Wir haben den M6 ganz bewusst wesentlich sportlicher ausgelegt als den M5“, bestätigt Gerhard Richter, für die Technik zuständiger M-Geschäftsführer. Der Grund dafür ist klar: Der M6 soll in Revieren wildern, die bislang hochkarätigen Sportwagen vom Schlage eines Porsche 911, Maserati Coupé oder gar dem Ferrari F 430 vorbehalten waren. Technisch kann der M6 da gut mithalten. Unter seiner langen Haube steckt ein kurzhubiger, hochdrehender (8250/min) Fünfliter-Zehnzylinder mit allen Finessen eines supermodernen Hochleistungs-Triebwerks. Er bringt es auf 507 PS bei 7750 Touren und entwickelt 520 Newtonmeter Drehmoment bei stolzen 6100 Umdrehungen.

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Im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten bietet der M6 seinem Fahrer die Wahl zwischen verwirrend vielen Fahrprogrammen, die nicht weniger als 279 Kombinationsmöglichkeiten gestatten (siehe Heft 3/2005, Seite 54). Regeln lassen sich Motorund Getriebedynamik sowie die Kennlinien für ESP (zwei) und Stoßdämpfer (drei). Die Verstellung erfolgt mit Tasten auf der Mittelkonsole und teilweise per i-Drive-Knopf in Untermenüs der Kommunikations- Zentrale.

Für die Motordynamik stehen allein drei Stufen zur Wahl: P 400 mit entsprechend reduzierter Leistung eignet sich sehr gut für die meisten Situationen des Alltagsbetriebs wie etwa Bummeln im dichten Verkehr.

P 500 stellt nicht nur die volle Leistung zur Verfügung, sondern sorgt auch für spürbar spontanere Gasannahme. In P 500 Sport schließlich reagiert der Motor so giftig auf Pedalbefehle, wie man sich das auf der Rennstrecke wünscht.

Auch bei der Kraftübertragung haben die Techniker alle Register gezogen: Die sieben Vorwärtsgänge werden elektrohydraulisch sequenziell mit Wippen am Lenkrad geschaltet, wie es unter anderem bei den Williams-BMW-Monopostos in der Formel 1 üblich ist.

Auch hier bietet der M6 reiche Programm-Auswahl an: zwei Schaltmodi sowie insgesamt elf Möglichkeiten zum Variieren der Schaltgeschwindigkeiten – fünf für den Automatik- (D) und sechs für den manuellen Modus (S). Das Spektrum der Schaltzeiten reicht von langsamen 600 (D1 bei 2500/min) bis zu brutal hektischen 65 Millisekunden (S6 bei 8000/min). Nicht zu vergessen das Highlight Launch Control für optimale Starts, bei denen der Fahrer nur noch Gas geben muss.

Beim Anfahren regelt sie den Schlupf an den Antriebsrädern optimal und knallt zum jeweils günstigsten Zeitpunkt mit hartem Schlag schnellstmöglich den nächsten Gang rein. So beschleunigt, stürmt der M6 in 4,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und passiert nach 13 Sekunden die 200-km/h-Marke.

Unter Berücksichtigung des hohen Leergewichts (1760 kg) muten diese Werte an wie aus dem Märchen. Auf Tempo 200 katapultiert sich der M6 genauso schnell wie der Ferrari F 430 (1488 kg). Seinem Bruder M5 nimmt er bis dahin fast zwei Sekunden ab. Schon bis 100 km/h unterbietet er die Werksangabe um vier Zehntel.

So nebenbei sind diese Fabelzeiten aber nicht auf den Asphalt zu brennen. Die montierten reinrassigen Sportreifen Pirelli P Zero Corsa, die vor allem bei Trockenheit ausgezeichnete Qualitäten entfalten, wollen Betriebstemperatur haben.

Andernfalls geht schon bis Tempo 100 fast eine ganze Sekunde in Schall und Rauch auf. Die Kupplungsbeläge, die sich bei solchen Starts auf über 300 Grad Celsius erhitzen, verlangen vor der Wiederholung derartiger Beschleunigungsorgien eine wohlverdiente Ruhepause von rund zehn Minuten.

Im wirklichen Leben gibt sich der M6 auf Wunsch wesentlich verbindlicher. Man wählt beispielsweise S4, nimmt beim Gangwechsel kurz den Fuß vom Gas, und schon zieht der Wagen bar jeglicher Ruppigkeiten zügig und souverän seines Weges.

Dabei überrascht der V10 mit erstaunlich guter Laufruhe. Nur die kernige, verheißungsvoll klingende Auspuffmelodie unter Last erinnert daran, dass wenige kleine Fingerübungen genügen, um den Wolf im Schafspelz zu wecken und den Benzinverbrauch der 20-Liter- Marke entgegenzutreiben. Details summieren sich zum großen Unterschied zwischen M6 und M5 in Fahreigenschaften und Handling: etwa 75 Kilogramm Mindergewicht durch Leichtteile, rund elf Zentimeter kürzerer Radstand, sportlichere Dämpfer-Abstimmung, giftiger zupackende Bremsbeläge, leichtere Räder und auf trockener Bahn extrem griffige Sportreifen mit schmalerem Grenzbereich.

Folgerichtig fährt sich der M6 auch wie ein rassiger Sportwagen: Er lenkt zackig und präzise ein, ist sehr handlich, baut hohe Querbeschleunigung auf, wieselt flink durch Wechselkurven, zeigt kaum Seitenneigung und verzögert exzellent.

Andererseits erfordert das Kompromisse. Zum Beispiel im Federungskomfort: Er ist selbst in der weichsten Stufe äußerst bescheiden. Die Bremsen arbeiten sehr geräuschvoll, und die Reifen scheinen jeder Unebenheit nachlaufen zu wollen.

Daraus resultiert das Gefühl mangelhafter Querstabilität. Zwar kann der M6 sportlicher um die Ecken wetzen als der M5, aber dessen begeisternde Ausgewogenheit geht ihm ab. Seinem Charakter nach ist er eher ein kompromissloser Racer.

Das unterstreicht auch sein stolzer Preis: 106 500 Euro.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gutes Raumangebot vorne
  • großer Kofferraum
  • hochwertiges Interieur
  • unübersichtliche Karosserie
  • eingeschränkte Bedienung
Fahrkomfort
  • sehr bequeme Sportsitze
  • geringer Federungskomfort
  • lautes Abrollgeräusch
  • sehr geräuschvolle Bremsen
Antrieb
  • überaus souveräne Motorisierung
  • sehr hohe Drehfreudigkeit
  • gute Laufkultur
  • hervorragende Fahrleistungen
  • gute, schnelle Direktschaltung
Fahreigenschaften
  • sehr exakte Lenkung
  • gutmütiges Kurvenverhalten mit hoher Querbeschleunigung
  • ausgezeichnetes Handling
  • bei Nässe Traktionsschwächen
  • wirkt auf Unebenheiten instabil
Sicherheit
  • hervorragende Bremsen
  • komplette Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • sehr hoher Verbrauch
Kosten
  • sehr hoher Anschaffungspreis
  • hohe Unterhaltskosten
  • nur 2 Jahre Gewährleistung

Fazit

Obgleich ein Zwei-plus-zwei, spielt der M6 erfolgreich den Part des rassigen Sportwagens: mit unbändigem Temperament, tollen Fahrleistungen und eindrucksvoller Fahrdynamik. Dafür bleibt der Federungskomfort auf der Strecke.

Technische Daten
BMW M6 Coupé
Grundpreis 116.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4871 x 1855 x 1377 mm
KofferraumvolumenVDA 450 l
Hubraum / Motor 4999 cm³ / 10-Zylinder
Leistung 373 kW / 507 PS bei 7750 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 4,2 s
Verbrauch 14,3 l/100 km
Testverbrauch 17,0 l/100 km
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