BMW X3 3.0 sd im Test

X-Box

Foto: Hans-Dieter Seufert 16 Bilder

Satte 286 Diesel-PS für einen Kompakten in der SUV-Klasse: Der facegeliftete BMW X3 3.0 sd mit seinem doppelt aufgeladenen Selbstzünder verspricht, einer der fahrdynamischsten Schlammspritzer überhaupt zu sein. Erster Test.

Den meisten wird das dezente Facelift des neuen X3 gar nicht auffallen. Wahrscheinlich werden sie auch nie erfahren, welche seiner sechs Motorisierungen sie gerade so zügig überholt hat. Ein kurzer Blick aufs jetzt LED-illuminierte Heck? Keine Chance, dort steht nur X3.

Die beiden verchromten Auspuffrohre? Die haben alle Sechszylindermodelle. Das Typenschild an der Seite? War zu schnell weg. Also heißt es in Zukunft: vorher aufpassen. Blitzt schon im Rückspiegel die größer gewordene BMW-Niere in Titan- Optik zwischen den neuen Doppel- Rundscheinwerfern, sollte man besser auf die rechte Spur wechseln.

Denn dann fliegt der heißeste X3 heran. Zum ersten Mal in der BMW-Geschichte thront als Power-Star ein Diesel über einer Modellreihe. 286 sonor und kultiviert nagelnde PS, so viele wie beim ersten Sechszylinder- M3, geben dem S wie Sport in SUV einen mehr als plausiblen Hintergrund, dem Stammtisch den stärksten Serien-Sechszylinder-Selbstzünder der Welt und dem Piloten ein Volldampf- Vehikel für fast alle Gelegenheiten.

Null auf Tempo 100 bei trockener Landstraße? In 6,6 Sekunden abgehakt. Viel besser als der gesamte Rest der Sechszylinder-SUV und genug für ein Fotofinish mit einem VW Golf R32. Freie Autobahn? Mit 240 km/h ist der starke X3 15 km/h schneller als ein VW Touareg V10 TDI. Nasse Straße? Die vier serienmäßigen 18-Zöller spielen souverän im Quartett gegen den Schlupf. Auf Schotter, Sand und Schlamm? Mit den drei S des Offroad- Spaßes spritzt der X3 3.0 sd beschwingt umher wie ein Kind im Planschbecken. Kraft 580 schon ab 1750/min anliegender Newtonmeter pflügt der bayrische Pfundskerl wie eine gedopte Ackeregge durchs wilde Terrain. Fast unbemerkt wirbelt währenddessen die neue, im 3.0 sd serienmäßige Sechsgang-Automatik durch die Übersetzungen. 50 Prozent schneller als übliche Automaten soll sie sein und weniger Schlupf (Wandlerkupplung schließt direkt nach dem Anfahren) zulassen. Das glaubt man ihr sofort. Es ist auch wunderbar, wenn sie im Sport-Modus blitzschnell mehrere Gänge nach unten schaltet.

Doch wieso sie den Gelände-Softie noch nicht einmal im manuellen Modus in hohen Gängen auf der Drehmomentwelle surfen lässt, ohne gleich runter zu schalten, bleibt ihr hyperaktives Geheimnis. Der Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der der in Graz bei Magna Steyr gefertigte X3 über Stock und Stein wetzt, tut das aber keinen Abbruch. Noch nicht einmal eine Anfahrschwäche stört.

Dafür sorgen schon die beiden in Reihe antretenden Lader – ein kleiner für spontanen Antritt bei niedrigen Drehzahlen, ein großer für die hohen Touren. Zusammen mit den Modifikationen bei Einspritzsystem und Abgasanlage sowie neuen Leiterschaufeln kitzeln sie noch einmal 14 PS mehr aus dem Aluminium-Reihenmotor als aus dem gleichen Block im BMW 535d. Die dabei anliegenden Drehzahlen von bis zu 5070/min erreichten bisher nur Rennsport-Ölbrenner. Ein serienmäßiger Partikelfilter sorgt zudem dafür, dass das Common- Rail-Aggregat nicht rußt wie eine Kerze. Trotzdem wird der X3 bei Umweltfreunden keine leuchtenden Augen ernten. 10,8 Liter Testverbrauch sind der Tribut an Leistung, cW-Wert, Allradantrieb und das hohe Gewicht.

Rümpft da auch einer der Handling- Fetischisten die Nase? Meint gar, hochbeinige Soft-Offroader wären so agil wie prall gefüllte Einkaufswagen. Von wegen: Der X3 zaubert für einen SUV nicht nur Fabelzeiten in der Sla- lom-Prüfung, er schließt auch mit Kurven-Kombinationen sofort Freundschaft.

Bis in den Grenzbereich hinein neutral, beherrschbar und nur subtil wankend, entwickelt der präzise zu dirigierende X3 querdynamische Qualitäten, die viele Kompaktwagen alt aussehen lassen. ESP wird als Knopf zum Abschalten auf der Mittelkonsole wahrgenommen, aber nicht als nervender Hemmschuh. Im X3 agiert als erstem X-Modell jetzt auch die BMW-eigene Traktionskontrolle DTC. Auf Schnee lässt sie leichten Schlupf zum besseren Anfahren zu, im Grenzbereich darf das Heck damit sogar dezente Ausflüge wagen.

Doch nur in einem sicheren Rahmen, sonst springt die Stabilitätskontrolle zusammen mit dem automatischen x-Drive-Allradantrieb ein. Der verteilt die Kraft bei gleichmäßig gutem Grip heckbetont 40 zu 60. Vermelden die Sensoren aber drohenden Schlupf auf einer Achse, verschiebt x-Drive die Momente blitzschnell. Bricht das Heck stark aus, pfeift es nicht gleich das ESP zur Raison, sondern zuerst sorgt eine Kraftumverteilung (bis zu 75 Prozent) auf die Vorderachse für Deeskalation.

Dem Fahrer indes kann das komplizierte Wie schnuppe sein, er spürt nur die hohe Fahrsicherheit des Sport-Roaders. Einziger Kritikpunkt: Die Bremsen verzögern nur durchschnittlich. Und er fühlt, dass auch BMW keine Komfort-Wunder vollbringen kann.

Querfugen klopfen aufgeregt gegen die harten Flanken der 235er-Niederquerschnitts- Bereifung, und Bordsteinkanten lassen den X3 besonders über die Hinterachse unfein aufstoßen. Kein Drama, aber auch kein Erholungsurlaub – trotz der hervorragenden optionalen Sportsitze mit den kuschelweichen Kopfstützen. Obwohl die Sessel angenehm hoch thronen, fehlt es an Übersichtlichkeit. Besonders nach schräg hinten vermauert die hochgezogene Seitenlinie den Blick. Immerhin ist die Kofferraum-Ladekante niedrig. So richtig warm wird wohl auch die Jäger- und Sammler-Fraktion nicht mit den Offroad-Eigenschaften. Eine Hill-Descent-Kontrolle hilft zwar mit automatischem Bremseingriff bei steilen Abstiegen, aber die mäßige Bodenfreiheit von 20 Zentimetern und die schwache Verschränkung verhindern schwierige Geländepassagen. Die meisten X3-Kunden wird dieser Nachteil aber wenig bis gar nicht kümmern.

Für die Lifestyle-Klientel ist es ohnehin interessanter, dass der Neue endlich mehr Noblesse im reichlich mit Ablagen und Cupholdern bestückten Innenraum zeigt. Schmucke Dekorleisten, das neue, dicke Dreispeichen-Lenkrad und die insgesamt hochwertigere Materialanmutung sprechen mit kleinen Abstrichen jetzt auch feinsinnigere Gemüter an. Müssen sie auch. Das Topmodell spielt schließlich in der luxuriösen Höhe der Über-50 000-Euro-Klasse.

Fazit

Soviel Fahrdynamik hat die SUV-Welt selten gesehen. der neue, hochwertiger wirkende X3 besticht durch Kraft und ein agil-sicheres Fahrverhalten. Nur Verbrauch und Komfort sind noch nicht optimal.

Technische Daten
BMW X3 xDrive35d
Grundpreis 53.300 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4569 x 1853 x 1674 mm
KofferraumvolumenVDA 480 bis 1560 l
Hubraum / Motor 2993 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 210 kW / 286 PS bei 4400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 240 km/h
0-100 km/h 6,6 s
Verbrauch 7,8 l/100 km
Testverbrauch 10,8 l/100 km
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