BMW X3 3.0i im Test

Dynamischer Hoch-Betrieb

Foto: Hans-Dieter Seufert

Ein ganz neu entwickelter Allradantrieb kennzeichnet den jüngsten Vertreter der X-Familie von BMW. Das sportliche Topmodell 3.0i mit 231 PS starkem Sechszylindermotor im Test.

Autohersteller sind immer froh, wenn sie eine Nische entdecken, die von der Konkurrenz bislang noch nicht belegt ist. Der X3 soll so ein Produkt sein, an das vorher noch niemand gedacht hat. Folgerichtig sieht BMW ihn als konkurrenzlos an, und mit dieser Einstellung liegen die Entwickler wohl richtig. Denn was sonst noch auf dem Markt der allradgetriebenen Freizeitfahrzeuge angeboten wird, ist entweder zu teuer, zu groß, zu schwach oder mit zu vielen Kompromissen behaftet, um mit dem neuen BMW-All-radler verglichen zu werden. Zum Beispiel Kompromisse: BMW sortiert den X3 in die Kategorie SAV ein. Es soll sich also um ein Sports Activity Vehicle handeln, wie der X5 übrigens auch. Der Unterschied zum SUV, also dem Sports Utility Vehicle, ist aber so klein, das er hochgradig erklärungsbedürftig ist. SAV und SUV wollen nämlich grundsätzlich das Gleiche: ihre Besitzer kräftig in der Ausübung ihrer Freizeit-Aktivitäten unterstützen und mit ihrem Allradantrieb abseits befestigter Straßen ans Ziel bringen. Dabei verstauen sie im geräumigen Buckel Snowboard und Mountainbike. Der Unterschied zwischen SAV und SUV besteht darin, dass der X3 bei der Anfahrt auf der Straße zum Feldweg fahrdynamisch von einem sportlich ausgelegten Kombi nicht zu unterscheiden sein soll, während sich der Standard-SUV nach BMW-Meinung hier viel zu träge und geländewagenmäßig bewegen lässt. Ins Gelände gehen nach BMW-Erkenntnissen sowieso nur Freunde ganz harter Offroader. 98 Prozent aller X5-Käufer mögen ihrem Allradler jedenfalls keine unbefestigten Pisten zumuten. Täten sie es dennoch, würden sie erstaunlich weit kommen, denn seit seinem aktuellen Facelift ist auch der X5 (siehe Seite 24) mit jenem X-Drive-Allradantrieb ausgestattet, der beim X3 für Vortrieb in fast allen Lebenslagen sorgt. Herzstück des Antriebs ist ein von Magna Steyr in Österreich – hier wird der X3 auch gefertigt – für BMW entwickeltes Verteilergetriebe. Auf griffiger Straße ist der X3 mit einem permanenten Allradantrieb ausgestattet, bei dem Vorder- und Hinterachse gleichermaßen angetrieben werden.

Tritt an einer Achse Schlupf auf, schließt ein Elektromotor die X-Drive-Lamellen-Kupplung und beaufschlagt die Achse mit der besseren Bodenhaftung mit zusätzlichem Antriebsmoment. Gleichzeitig werden durchdrehende Räder von der Bremse in die Zange genommen. Die aufwendige Technik funktioniert auf der Straße sehr gut. Selbst Fahren in Morast oder auf losem Sand ist mit dem X3 kein Problem, auch bergan klettert er weiter, als es ihm die meisten seiner Besitzer je zumuten werden. Verliert ein Rad jedoch die Bodenhaftung, stockt der Vortrieb. Das passiert im Gelände häufig, denn die hier so nötige Verschränkung der Räder erlaubt das Fahrwerk des X3 nicht. Verliert aber ein Rad den Bodenkontakt, arbeitet die elektronische Antriebsregelung nicht so schnell, wie es die Entwickler versprechen. Wenn der Untergrund dabei lose ist, drohen sich durchdrehende Räder einzugraben. Im Gelände ist also auch der X3 ein Kompromiss, seine Stärken liegen auf der Straße. Hier brilliert der Allradler mit BMW- typischer Agilität, die in der Tat bei Artverwandten kaum anzutreffen ist. Fahrdynamisch erinnert fast nichts an die Offroad-Fraktion, welcher der X3 zumindest optisch mit seinen mächtigen Stoßfängern unbedingt angehören möchte. Er lenkt scharf ein, ohne dass sich die Karosserie wie ein Schiff in rauer See zur Seite neigt. Dabei arbeitet die Lenkung präzise und mit guter Rückmeldung von der Straße. Kurvige Landstraßen bereiten Lust, nicht Frust. Allerdings macht sich hier bemerkbar, dass der X3 in die Kategorie der schweren Wagen gehört. 1840 Kilogramm Leergewicht bringt die Dreiliter-Version mit Automatik auf die Waage. Ganz so flink wie ein 230 Kilogramm leichterer 330i Touring lässt sich der X3 folglich nicht bewegen. Immerhin mit ähnlichem Fahrkomfort, denn das Allradauto federt überzeugend, lediglich kurze Unebenheiten werden trocken und unzureichend verarbeitet. Wind- und Abrollgeräusche treten praktisch nicht auf, der soliden Karosserie des Testwagens war kein Knistern und Knacken zu entlocken.

Das niedrige Geräuschniveau deutet neben hoher Verwindungssteifigkeit auch auf eine gute Verarbeitung hin, fein eingepasste Bauteile im Interieur verstärken diesen Eindruck. Allerdings wirken verschiedene Details (Türöffner, Luftausströmer) billig, und selbst bei der Sicherheits-Ausstattung wurde gespart. Denn keiner der fünf Dreipunktgurte ist in der Höhe verstellbar. Die Folge ist ein ungünstiger Gurtverlauf für groß gewachsene Passagiere. Da sind ein in die elektronische Fahrdynamikregelung DSC integriertes Anhänger-Stabilisierungsprogramm und der ebenfalls elektronische Überschlagschutz im DSC nur ein schwacher Trost. Gegenüber dem Dreier ist der Radstand beim X3 um sieben, die Länge um knapp 19 Zentimeter gewachsen. Der positive Einfluss auf das Raumangebot ist entsprechend groß, die Passagiere im Fond dürfen sich über ausreichend viel Beinfreiheit freuen. In der ersten Reihe ist das Platzangebot dank weit verstellbarer Sitze ebenfalls gut, die Ergonomie ist überzeugend und die Bedienbarkeit einfach, auch weil statt auf I-Drive auf herkömmliche Schalter gesetzt wurde. BMW will vom X3 jährlich 80 000 Stück produzieren und nach erfolgreicher Markteinführung am 10. Januar 2004 die Motorenpalette nach unten mit Vierzylindermodellen abrunden. Dann muss eine Frage neu gestellt werden: Hat er noch genügend Kraft, der schwere Wagen?

Fazit

Auch der X3 zeigt wieder typische BMW-Tugenden: sehr gute Handlichkeit, sportliche Fahreigenschaften, geschmeidiger Sechszylindermotor. Der Federungskomfort allerdings ist unbefriedigend, der Benzinverbrauch hoch.

Technische Daten
BMW X3 3.0i
Grundpreis 41.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4565 x 1853 x 1674 mm
KofferraumvolumenVDA 480 bis 1560 l
Hubraum / Motor 2979 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 170 kW / 231 PS bei 5900 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h
Verbrauch 11,4 l/100 km
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