BMW X3 gegen Lexus RX 300

Edel-Zwitter

BMW und Lexus interpretieren das Allradthema bei ihren Soft-Offroadern völlig unterschiedlich. Der eine ist gleichzeitig Sportkombi, der andere Komfortlimousine.

Die Reise geht in die glitzernden Modemetropolen dieser Welt, nach Mailand, Paris oder auch München – auf jeden Fall dorthin, wo eher auf das Handtaschenlabel und weniger auf das Hinterachsdifferenzial geschielt wird. Dort, und nicht im unwegsamen Gelände eines Rubicon Trails, tauchen als neue Trendsetter auch die hoch bauenden Figuren von BMW X3 und Lexus RX 300 als neuzeitliche 4_4-Vertreter zum ersten Mal auf.

Die Akzente können dabei durchaus unterschiedlich gesetzt sein. So soll der neue X3 vor allem mit markentypischer Fahrdynamik glänzen, während dem RX 300 des Toyota-Luxuslabels der Ruf vorauseilt, seine Passagiere mit dem Komfort einer gepflegten Limousine zu verwöhnen. Einen Bonus fährt der Lexus zunächst einmal mit der üppigen Serienausstattung der 50 800 Euro teuren Luxury-Variante ein. Dazu gehören unter anderem eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, 18-Zoll-Aluräder, Xenon-Scheinwerfer mit adaptivem Kurvenlicht, elektrisch verstell- und beheizbare Ledersitze mit Memory-Funktion sowie eine hochwertige Hi- Fi-Anlage mit CD-Wechsler.

Wird ein BMW X3 mit vergleichbaren Features aus der endlos scheinenden Aufpreisliste ausgerüstet, steigt der Preis des X3 3.0i Automatik von den 42 900 Euro für die Basisausführung (inklusive 600 Euro für die 18-Zoll-Optionsbereifung; die 17-Zoll-Serien-Dimension war zum Testzeitpunkt noch nicht verfügbar) auf ein ähnliches Niveau. Dann fehlt dem BMW aber immer noch die Luftfederung mit automatischer Niveauregulierung. Weitere Pluspunkte sammelt der Lexus mit seiner geräumigeren Karosserie. Vor allem in der ersten Reihe ist der BMW deutlich knapper geschnitten. Hinten ist im X3 zwar vergleichsweise viel Platz, die Passagiere sitzen aber auf den Plätzen im Lexus-Fond um Klassen bequemer. Die einzeln verstellbaren Lehnen sind wie die läng verschiebbaren Sitzflächen gut ausgeformt und komfortabel gepolstert. Dafür entschädigt der BMW mit besserem Seitenhalt der vorderen Sitze. Den kann der BMW-Pilot auch gut brauchen. Denn die Querdynamik setzt in dieser Klasse neue Maßstäbe. Selbst unter den Mittelklasse-Kombis ist ähnlich agile Konkurrenz dünn gesät. 

Der neue, höchst variable Allradantrieb xDrive (siehe Heft 26/03), der mit der Fahrdynamikregelung DSC zusammenarbeitet, zeigt sich da von seiner besten Seite. Vom Arbeiten der zentralen Lamellenkupplung merkt der Fahrer nichts. Der über 1800 Kilogramm schwere X3 verhält sich in allen Kurvenlagen weitgehend neutral und kennt auch beim leichtfüssig durcheilten Slalom keinerlei Traktionsprobleme. Von Schwerfälligkeit kann auch beim RX 300 keine Rede sein. Für ein Auto seines Formats schlägt er sich in den fahrdynamischen Disziplinen noch überraschend gut.

Wer den X3 nicht kennt, erfreut sich auf kurvigen Landsträßchen an der direkten Lenkung. Im unmittelbaren Vergleich zeigt sich aber, dass sie um die Mittellage unpräziser als die BMW-Lenkung ist, bei schnellen Lenkbewegungen verhärtet und weniger Rückmeldung vermittelt. Im Handling lässt ihm der BMW keine Chance. Der Fahrsicherheit tut dies indes keinen Abbruch. Auch der Lexus bleibt bei hoch dynamischen Fahrmanövern gut beherrschbar. Aber die Karosseriebewegungen sind deutlich stärker, und voll beladen drängt das Heck beim Ausweichen mit hohem Tempo mehr nach außen. Das VSC genannte Stabilitätsprogramm bremst den RX 300 zudem stärker ein als das DSC den BMW. Das exzellente Handling erkauft der X3 sich jedoch mit Abstrichen beim Federungskomfort. Querfugen und Kanaldeckel etwa gibt die betont straffe Federung beinahe ungefiltert an die Insassen weiter. Längere Bodenwellen bei schneller Autobahnfahrt führen zu unangenehmen Vertikalbewegungen.

Ganz anders der Lexus. Bis auf das etwas hölzerne Ansprechen auf ganz kleine Fahrbahnunebenheiten halten die vier Luftpolster jegliche Störung des Wohlbefindens durch die Beschaffenheit der Straßenoberfläche von den Passagieren fern. Zum gehobenen Komforteindruck tragen auch die verhaltenen Äußerungen des 204-PS-Dreiliter- V6-Motors bei. Der wird nicht einmal bei Höchstgeschwindigkeit laut, die der Lexus wegen der langen Übersetzung der letzten Fahrstufe seiner Fünfgangautomatik im vierten Gang erreicht.

Manuelles Zurückschalten oder das Fahren im Sportprogramm ist auch ratsam, wenn verhindert werden soll, dass die Automatik an Autobahnsteigungen mangels Zugkraft ständig zwischen viertem und fünftem Gang hin- und herschaltet. In abgemilderter Form trifft das ebenfalls auf den für einen BMW untypisch lang übersetzten X3 zu. Der profitiert aber noch von seinem höheren Drehmoment, das zudem 1000 Touren früher anliegt. Sein Sechszylinder zeigt mehr akustische Präsenz, liefert dafür aber auch die besseren Fahrleistungen. In beiden Fällen kostet hohes Dauertempo einen saftigen Expresszuschlag. Während zum gelassenen Dahingleiten mit Autobahn-Richtgeschwindigkeit jeweils knapp zwölf Liter für 100 Kilometer ausreichen, können es dann schon mal über 17 Liter werden.

Typisch Geländewagen. Deren unverwüstliches Image zu erwecken, spielte wohl auch bei der Materialauswahl für das X3-Interieur die Hauptrolle. Die Kunststoffe wirken so, als sollten sie einer Innenreinigung per Dampfstrahler standhalten. Dabei gibt es an der Verarbeitung nichts zu kritisieren. Das gilt auch für den Lexus, der innen aber hochwertiger wirkt. Auch äußerlich spielt der BMW mit seinen mattschwarzen Stoßfängern die Rolle des robusten Naturburschen – im Gegensatz zum RX 300 mit hochglanzlackierten Schürzen. Für schweres Gelände sind beide ohnehin nicht ausgelegt. Dem X3 mangelt es dazu an Bodenfreiheit. Die kann beim RX 300 per Luftfederung zwar erhöht werden. Dafür fehlt ihm aber eine Bergabfahrhilfe, die beim X3 mangels Untersetzungsgetriebe per Bremseneingriff realisiert wird. Dadurch wird in beiden Fällen auch die Wirkung von Differenzialsperren mehr schlecht als recht simuliert, wie Anfahrversuche auf rechts und links unterschiedlich griffiger Fahrbahn bei 20 Prozent Steigung zeigen. Denn erst müssen die Räder auf der glatten Seite durchdrehen, damit deren Bremsmoment als Antriebsmoment für die Räder mit Grip zur Verfügung steht.

Die Anfahrregelung beim BMW ist feinfühliger, wodurch der Fahrer weniger Gas geben muss als im Lexus. Der kommt zwar auch den Berg hoch, aber wegen der erforderlichen Motordrehzahlen weniger elegant. Zudem ermöglicht beim X3 die Lamellenkupplung anstelle eines zentralen Differenzials im vollkommen geschlossenen Zustand den starren Durchtrieb zwischen vorn und hinten. Einstand nach Maß also: Der agile BMW lässt die Konkurrenz ingesamt deutlich hinter sich.

Fazit

1. Lexus RX 300 Luxury
487 Punkte

Hoher Federungskomfort, angenehme Akustik, üppiges Platzangebot und ebensolche Serienausstattung sind herausragende Eigenschaften des RX 300. Gut, aber nicht Spitze: Fahreigenschaften und Antrieb.

2. BMW X3 3.0i Automatik
501 Punkte

Der kompakte Allradler bietet nicht nur für seine Klasse hervorragende Fahreigenschaften. Zusammen mit den standfesten Bremsen und dem potenten Motor spricht er vor allem sportlich orientierte Fahrer an.

Technische Daten
Lexus RX 300 Luxury
Grundpreis 51.700 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4740 x 1845 x 1665 mm
KofferraumvolumenVDA 439 bis 1180 l
Hubraum / Motor 2995 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 150 kW / 204 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Verbrauch 12,2 l/100 km
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