BMW X3 gegen Nissan Murano

Hoch-Saison

Foto: Hans-Dieter Seufert 33 Bilder

Für die kleinen Fluchten aus dem Alltagsleben scheinen BMW X3 3.0i und Nissan Murano 3.5 V6 wie gemacht. Welcher der beiden Hochsitzer bietet dafür das größere Potenzial?

Der Weg zum Horizont ist nicht durchgängig asphaltiert. Wer trotzdem dorthin möchte, tut also gut daran, sich nach einem allradgetriebenen Auto umzuschauen.

Die Amerikaner setzen dafür auf Sport Utility Vehicles (SUV), die Deutschen auf das vierradgetriebene Freizeitmobil – gemeint ist dasselbe. In den USA ist der Nissan Murano 3.5 V6 mit 234 PS als guter Reisebegleiter bekannt und mittlerweile schon ein Bestseller.

Nun soll er auch den deutschen Markt erobern. Antreten muss er dabei gegen den 231 PS starken BMW X3 3.0i. Der kostet als Automatik-Version 42 350 Euro und ist damit einige Tankfüllungen billiger als der Nissan für 43 900 Euro. Aber die Grundpreise erzählen wie üblich nur die halbe Wahrheit.

Denn der Nissan ist in diesem Vergleich erst auf den zweiten Blick als Schnäppchen zu erkennen. Die umfassende Ausstattungsliste hilft hier auf die Sprünge. Klimaautomatik, Navigationssystem mit Rückfahrkamera, Schiebedach, Bi-Xenonlicht, Ledersitze und elektrisch verstellbare Pedale sind im Grundpreis schon mit drin. Optional ist nur die Metallic-Lackierung für 790 Euro. Telefoneinbau und Montage einer Anhängerkupplung übernehmen die Händler.

Der BMW wirkt dagegen wie ein Armenhaus auf Rädern. Ihn auf den Ausrüstungsstand des Murano zu bringen, verschlingt ein kleines Vermögen. Schon der Einbau von Klimaautomatik, einem vergleichbaren Navigationssystem, Ledersitzen und Bi-Xenon-Scheinwerfern kostet 6200 Euro.

Nicht nur bei der Ausstattung, auch beim Raumangebot ist der Nissan deutlich überlegen. An Bord fällt sofort auf, dass der Nissan seinen Passagieren mehr Platz bietet, vor allem im Fond.

Dort fehlt auch der Mitteltunnel, was den mittleren Platz in der zweiten Reihe besser nutzbar macht. Bequeme Sitze verwöhnen auf langen Strecken mit Komfort.

Seitenhalt bietet das Nissan-Gestühl allerdings keinen. Hier trumpfen die Möbel im deutlich enger geschnittenen BMW auf. In ihm sitzt man angenehm straff, fast wie in einem Sportwagen, alles passt, bis auf die Sicherheitsgurthöhe.

Warum es im X3 wie in vielen anderen aktuellen BMW-Modellen keine Höhenverstellung der Lebensretter gibt, bleibt ein Rätsel. Nissan bietet sie dagegen sogar in der ersten und zweiten Reihe an, vorbildlich.

Pfiffige Lösungen finden sich auch im Murano-Gepäckabteil. Ganz hinten im Kofferraum sind zwei Griffe montiert, die zum Entriegeln der Rückbanklehne dienen. Zwei kurze Rucke, und die Bank klappt ohne weiteres Zutun zusammen, und eine große, völlig ebene Ladefläche wartet dann auf das Gepäck. Allzu schwer sollten die einzelnen Koffer allerdings nicht sein, weil sie zum Einladen auf ein sehr hohes Niveau gewuchtet werden müssen. Während der Murano 554 Kilogramm Zuladung verkraftet, dürfen beim BMW nur 455 Kilogramm eingeladen werden. Immerhin reicht die Kofferraum-Öffnung weit herab.

Pluspunkte sammelt der X3 auch bei der Anhängelast. Er kann zwei Tonnen schleppen, der Nissan nur eineinhalb – wenig für einen SUV seiner Statur. Der gut 20 Zentimeter längere Nissan ist trotz annähernd gleicher Leistung spürbar träger als der BMW. Dessen Reihensechzylinder lässt den hochbeinigen X3 anfahren wie einen Sportwagen, um anschließend temperamentvoll hochzudrehen.

Dabei bildet er mit der Automatik eine harmonische Einheit. Erst oberhalb von 160 km/h wird der Vorwärtsdrang durch die Fahrwiderstände spürbar eingeschränkt, und die Geschwindigkeit wächst verhaltener.

Der 3,5-Liter-V6 ist aus dem Nissan 350 Z als echter Reißer bekannt, hat in leicht modifizierter Form im Murano deutlich an Biss verloren.

Zugelegt hat der Verbrauch, der ist beim X3 ebenfalls unzeitgemäß hoch. Beim BMW ist das ärgerlich, weil teures Super Plus verfeuert wird und die Reichweite, bei flotter Fahrt knapp über 400 km, zu vielen Stopps zwingt.

Was schade ist, denn der BMW bereitet Fahrfreude, wie kaum ein zweiter SUV. Fahrdynamisch ist er von einem gut abgestimmten Mittelklasse- Kombi kaum zu unterscheiden.

Neutral und zielgenau werden auch verzwickte Kurvenkombinationen durcheilt, die Lenkung arbeitet dabei äußerst präzise. Unangenehme Aufbaubewegungen gibt es praktisch keine. Der Murano fällt dagegen eher in die Kategorie Schiffschaukel. Er wankt, torkelt und untersteuert in Kurven kräftig, bleibt dabei allerdings auch durch ESP unkritisch.

Fahrspaß auf winkligen Landstraßen ist aber eindeutig nicht sein Metier, die gefühllose Lenkung trägt dazu erheblich bei. Seine Stärke ist der Federungskomfort, außer einer Stuckerneigung der Vorderachse auf Autobahnquerfugen, gibt sich der Nissan-Komfort kaum eine Blöße.

Kein Vergleich zum X3, der sich einen Teil seiner Agilität mit einem viel zu harten Fahrwerk erkauft. Ist die Straße nicht so eben wie ein Ententeich bei Flaute, übertragen sich die Unebenheiten permanent auf die Kehrseiten der BMW-Passagiere.

Im Gelände haben beide nichts verloren. Schon die Niederquerschnittreifen auf breiten Alufelgen sprechen gegen einen Ausflug ins Grobe, auch die Ausstattung mit Offroadtechnik fällt denkbar schmal aus. Der Nissan sperrt immerhin per Knopfdruck das Mittendifferenzial, und der BMW hält eine Bergabfahrhilfe bereit, das war es dann aber auch schon. Schotterpisten meistern beide jedoch mit viel Traktion.

Schlimmeres als Feldwege sollten Murano- und X3-Besitzer allerdings nicht unter die Räder nehmen, auch wenn das für den Weg zum Horizont längere Umwege bedeutet.

Fazit

1. BMW X3 3.0i
485 Punkte

Mit typischen BMW-Stärken kommt der X3 auf Platz eins: er lässt sich sehr dynamisch bewegen und verwöhnt mit tollem Sechszylinder. Harte Federung und magere Ausstattung sind seine Schwächen

2. Nissan Murano 3.5 V6
463 Punkte

Viel Platz für die Passagiere, guter Komfort und jede Menge Ausstattung serienmäßig. All das bietet der Murano, aber sein Unterhalt ist teuer, sein Verbrauch hoch und das Handling mäßig.

Technische Daten
BMW X3 3.0i Nissan Murano I-Way
Grundpreis 43.600 € 46.740 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4565 x 1853 x 1674 mm 4770 x 1880 x 1685 mm
KofferraumvolumenVDA 480 bis 1560 l 438 bis 1965 l
Hubraum / Motor 2979 cm³ / 6-Zylinder 3498 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 170 kW / 231 PS bei 5900 U/min 172 kW / 234 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h 200 km/h
Verbrauch 12,2 l/100 km 12,3 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Neues Heft
Top Aktuell Mini Countryman Cooper D All4, VW T-Roc 2.0 TDI 4Motion Style, Exterieur VW T-Roc gegen Mini Countryman Kleine Diesel-SUV im Test
Beliebte Artikel Mazda 2 G 115, Skoda Fabia 1.0 TSI, VW Polo 1.0 TSI, Exterieur Mazda 2, Skoda Fabia und VW Polo im Test Wer liegt im Stadtrummel vorn? 190 E, 3.2 AMG-C32, C43 AMG, Exterieur 190E 3.2, C 32, C 43 AMG AMG-Sechszylinder aus 3 Epochen
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Toyota Supra - Sportcoupé - Fahrbericht Toyota GR Supra (2019) Premiere in Detroit Lexus RC F Track Edition Lexus RC F Track Edition (2019) Mit 500 PS auf die Piste
Allrad Porsche Macan, Facelift 2019 Porsche Macan (2019) Facelift Scharfes Heck, starke Motoren Audi SQ5 3.0 TFSI Quattro, Exterieur, Heck SUV Neuzulassungen November 2018 Audi und Porsche unter Druck
Oldtimer & Youngtimer Porsche 911 (996) Carrera Coupe Porsche 911 (996) Kaufberatung Probleme des Schnäppchen-Elfer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker
Promobil Spacecamper Limited (2019) auf VW T6 Spacecamper Limited (2019) Campervan-Allrounder auf VW T6 Mitmachen und gewinnen Hochstuhl von Flippo Kids
CARAVANING Mitmachen und gewinnen Hochstuhl von Flippo Kids LMC Style Lift 500 K (2019) Premiere LMC Style Lift 500 K Hubbetten-Caravan für Familien